1. Tagung der Fachgruppe „Geschichte der Astronomie“ der VdS

Die erst im vergangenen Jahr von Wolfgang Steinicke neu belebte Fachgruppe „Geschichte der Astronomie“ der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) hatte am 23. Oktober 2004 zu ihrer ersten Fachtagung nach Göttingen eingeladen.

Der Tagungsort lag nur 300 m vom Göttinger Hauptbahnhof in der Volkshochschule der Universitätsstadt entfernt und so entschloss ich mich, dieses Mal auf mein Auto zu verzichten und mit der Bahn zu fahren. Anfangs hatte ich geplant, am nächsten Tag noch die Göttinger Sternwarte zu besichtigen, aber aus persönlichen Gründen und auch, weil ich die Unterbringungskosten im Hotel oder einer Pension sparen wollte, verzichtete ich darauf, entrichtete ein verbilligtes Ticket für immerhin 51 EUR und brach dann am Samstag Morgen in aller Frühe auf. Die Bahn war pünktlich, nur bei Bad Bevensen gab es eine kleine Störung, sodass wir eine Verspätung von etwa 15 Minuten hatten. Noch vertretbar. Gegen 9:20 Uhr traf ich dann in Göttingen ein und fand auch relativ schnell den Tagungsort in der Göttinger Volkshochschule. Einige Mitglieder der Fachgruppe, und natürlich Wolfgang Steinicke, waren bereits anwesend. Ich suchte mir einen Platz am Fenster (mit kurzer Entfernung zur Steckdose für meinen Laptop) und frühstückte erst einmal, um gestärkt in den Tag zu gehen.

Um 10 Uhr eröffnete Fachgruppenleiter Wolfgang Steinicke die Tagung im Namen der Fachgruppe und der VdS, gab die üblichen Regularien bekannt und verwies auf die ebenfalls seit 2003 bestehende Mailingliste, die den Kontakt der Mitglieder untereinander fördern und dem Informationsaustausch dienen soll (und diesen Zweck auch sehr schön erfüllt). Das vorgesehene Programm war sehr umfangreich und begann mit einem Abriss der Göttinger Astronomiegeschichte durch Matthias Elsen.

Er berichtete kurz von aktuellen Grabungsbemühungen Göttinger Archäologen, die am vermeintlichen Standort der Sternwarte des Hessischen Landgrafen Wilhelm IV, aber bisher noch nichts gefunden haben. Nach ihrer Überlegung müssten sich zumindest Überreste der um 1750 entstandenen Gebäude finden lassen, wie auch ein Vergleich mit einer historischen Karte der Stadt verdeutlichte. Aber leider wurden die Bemühungen bisher nicht von Erfolg gekrönt. Als erster Leiter der Sternwarte wurde Tobias Mayer (1723-1762) gewürdigt, der vor allem durch seine detailreichen Mondkarten berühmt wurde, die aber erst sehr viel später durch Klinkerfues veröffentlicht wurden. Georg Christoph Lichtenberg war dann Mayers Nachfolger. Was Lichtenbergs Nachfolger angeht, so klafft hier eine merkwürdige Lücke in der Stadtgeschichte bis zum Auftreten von Gauß 1777-1855 (er initiierte den eigentlichen Sternwartenbau). Gauß wirkte hier zwischen 1796 und 1816, und war das mathematische Genie, dem es später gelingen sollte, aus den Beobachtungen Olbers´ die Bahn des Kleinplaneten (1) Ceres zu berechnen. Eine Anekdote zu Gauß will übrigens wissen, dass bei seinen Vorlesungen an der Universität niemand mit Zetteln hereinkommen und niemand etwas niederschreiben durfte, damit der Geist offen sei für Neues. Neben Stichen der alten Göttinger Sternwarte wurde auch gezeigt, dass Gauß (zusammen mit Klaus Weber) maßgeblich an der Einführung der Telegrafie in Deutschland beteiligt war. Der Nachfolger von Gauß wurde dann der bereits erwähnte Ernst Wilhelm Klinkerfues (1827-1884), dem allerdings bei der Leitung der Sternwarte nur wenig Glück beschieden war. Er hatte massive Geldprobleme, die er teilweise durch wenig zuverlässige meteorologische Vorhersagen auszugleichen versuchte, was ihm den Spitznahmen „Flunckerkies“ einbrachte. Klinkerfues litt zudem schon seit längerem (möglicherweise sogar zeitlebens) an psychischen Problemen. Anscheinend gab es niemandem, der ihm helfen konnte, und was letzten Endes die Ursache war, ist heute nicht mehr nachvollziehbar: Er erschoss sich 1894 in den Räumen der Sternwarte. Ihm folgte dann Wilhelm Schur nach, dem vor allem der weitere Ausbau der Sternwarte zu verdanken war, der dann 1901 von Karl Schwarzschild abgelöst wurde, der unter anderem zeitweise den berühmten dänischen Astronomen Ejnar Hertzsprung nach Göttingen holte. Schwarzschild bewies mit seinen Arbeiten seine Genialität, war aber chaotisch im Umgang mit Personal und Material. Als er 1909 nach Potsdam ging, kam es zu einem Personaltausch, da gleichzeitig Johannes Hartmann (1865-1936) Potsdam in Richtung Göttingen verlassen wollte. Hartmann galt als ein penibler Astronom, der ob der Zustände in Göttingen nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen konnte. Massiv beschwerte er sich bei Schwarzschild wegen dessen Hinterlassenschaften und strebte gleichzeitig einen Umbau an, der jedoch erst unter Hans Kienle (1895-1975) ab 1926 in mehreren Baustufen realisiert werden konnte. Kienle führte die schon unter Schwarzschild begonnenen Arbeiten zur Photometrie fort. 1929 wurde die Sternwarte auf dem Hainberg errichtet (die heute für 60.000 EUR samt Inventar verkauft werden soll). Spätere Direktoren der Sternwarte waren Otto Heckmann, der später Direktor der Sternwarte Hamburg-Bergedorf wurde und dem nach kurzem Interregnum Paul ten Bruggencate (1901-1961) folgte. Seine Nachfolger waren Hans Heinrich Voigt, Rudolf Kippenhahn und Egon-Horst Schröter. Anhand von Dias wurden einige der Lokalitäten in Göttingen aufgezeigt und so endete der sehr informative überblick über die Geschichte der Astronomie in Göttingen.

Dr. Jürgen Hamel, ehemaliger Leiter der Fachgruppe, begann seinen Vortrag mit dem Titel: „Astronomie und Kulturgeschichte: Und es werden Zeiten geschehen an der Sonne und Mond und Sternen“ mit einem kleinen Rückblick: Die VdS Fachgruppe „Geschichte der Astronomie“ ist quasi Nachfolger des Arbeitskreises Astronomiegeschichte im Kulturbund der DDR und er begrüßte ausdrücklich die Wiederbelebung der Fachgruppe durch Wolfgang Steinicke. Danach zeigte er grundsätzliche Probleme bei der Rekonstruktion historischer Fakten auf, die nicht nur wirklich alte astronomische Fakten oder Gegenstände wie die Himmelsscheibe von Nebra (die in den Pausen das am meisten diskutierte Thema war), sondern auch schon Ereignisse betreffen, die nur 400 bis 500 Jahre zurückliegen. Schwerpunkt war aber die biblische Astronomie, die vor dem Hintergrund der aristotelischen Physik und astrologischen Schriften als Beispiel für die Vorstellungswelt der Menschen des 16. und 17. Jahrhunderts diente. Dabei führte er Zitate aus der Luther-Bibel an wie im Evangelium nach Lukas 21.25 („Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Leuten bange sein, und sie werden zagen, denn das Meer und die Wasserwogen werden brausen“) und verglich diese mit möglichen astronomischen Ereignissen, wie dem Kometen des Jahres 1593. Auch der Vers 24.29 im Matthäus-Evangelium („Bald aber nach der Trübsal jener Zeit werden Sonne und Mond den Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen“) wurde als bedrohliches Szenario empfunden und interpretiert. Auch die Astrologie machte sich diese mittelalterliche Gottesfurcht zu Nutze, wie klar etwa durch historische Stiche herausgearbeitet wurde. Die Astronomie, so ein Gedanke jener Zeit, sei die Wissenschaft von den ewig gleich bleibenden Dingen. In der Bibel steht zudem das „kosmisch Normale“, die Unveränderlichkeit des Kosmos, ja des Universums schlechthin. Daher stehen alle veränderlichen Objekte, wie der Mond, außerhalb der göttlich-christlichen Welt, aber unterhalb Gottes. Rein sei nur das Unveränderliche, alles andere ist unrein bis hinab zum Menschen. Der ruhige Lauf des Himmels dient dazu, dem Menschen etwas zu geben, an dem er sich aufrichten kann. Dem Menschen ist der aufrechte Gang gegeben, um die Zeichen am Himmel erkennen zu können (christlich-aristotelische Deutung). Erscheinungen wie Kometen, Halos, Polarlichter, Regenbögen, Nebensonnen gehen danach dem jüngsten Tag voraus, wobei allerdings Regenbögen die Ausnahme bildeten, da sie Noah auf seiner Arche das Ende der Sintflut und somit den Beginn einer neuen Zeit verkündigten. Sie alle stören die Harmonie des Kosmos. Es gab somit einen Einfluss der Astronomie auf Theologie und so wurde das Gebot „Du sollst keine Götter neben mir haben“ dahingehend ausgelegt, dass damit Gestirnsgötter, aber auch angebetete Bäume, der Mond, oder die Sterne gemeint waren. Mondfinsternisse dienten übrigens dazu, im ihrem Glauben Schwankende zu disziplinieren!

Dr. Olaf Kretzer berichtete danach über seine Bemühungen, Leben und Wirken des Suhler Pfarrers Kinau zu rekonstruieren: „Gottfried Adolf Kinau - ein Suhler Pfarrer auf dem Mond?!“ Die Suche wurde dadurch ausgelöst, weil es zum Krater Kinau und besonders seinem Namenspatron keine leicht zugänglichen Informationen gibt. Es ist lediglich bekannt, dass Kinau dem Kirchenkonsistorium in Suhl angehörte, und dass der nach ihm benannte Mondkrater einen Durchmesser von 41 km aufweist. Auch war die Quellenlage hinsichtlich der Hintergründe der Namensvergabe durch die IAU völlig undurchsichtig. Nur eine einzige Quelle fand sich: Eine Veröffentlichung vom 24.Juni 1848 in der „Wöchentlichen Unterhaltung für Dilettanten und Freunde der Astronomie, Geografie und Witterungskunde, Leipzig, Nr. 26, WS. 201“. Danach beobachtete Kinau anscheinend vorwiegend Mondrillen. Darauf jedenfalls deuten Sekundärquellen wie „Who is who in the moon“, Hrsg R.M.S. fry 1838, pg 66 oder das „Seleonographical Journal vol 11 aus dem Jahr 1878 hin. Die Arbeit des Referenten kennzeichnete vor allem die mühevolle Durchsicht von Literatur und Archiven zur Nomenklatur der Mondoberfläche (u.a. in Sonneberg) und die spärlichen Veröffentlichungen von Kinau selbst (1848). Allerdings gab es auch etliche Umbenennungen bei der Namensvergabe. Eine erste Verschiebung hat E. Neison 1881 in einer Veröffentlichung vorgenommen: „Der Mond und die Beschaffenheit und Gestaltung seiner Oberfläche“ und er hat Kinau in eine Reihe gestellt mit so namhaften Mondbeobachtern wie Johann Heinrich Mädler (1794-1874) und Wilhelm Beer (1797-1850). Doch damit waren die Probleme bei der Recherche noch längst nicht gelöst. Im „Who is who on the moon“ findet sich nur ein Kürzel und es war unklar, ob auch der Kinau gemeint war, oder ein Botaniker gleichen Namens. Im Archiv der Sternwarte zu Jena wurde Dr. Kretzer teilweise fündig. In der Zeitschrift Sirius, der „Zeitschrift für populäre Astronomie XV und X. Band, neue Serie Heft 9, Leipzig 1882“ fand er eine Originalmondzeichnung von Kinau, die einen Krater knapp neben seinem eigenen wiedergab. Warum er seinen eigenen nicht zeichnete ist unklar. Weitere Mondkarten wurden bislang nicht gefunden und sind möglicherweise verloren gegangen, da im 2. Weltkrieg das Archiv der Zeitschrift zerstört wurde. Warum aber erfolgte 1935 der Eintrag des Namens durch die nach dem 1. Weltkrieg gegründete IAU. Bereits schlug 1907 Dr. Julius Franz den Namen vor, erst 1913 wurde er veröffentlicht, M. A. Blagg et. al vergab die Kraternummer 3370, nahm aber auch einige Umbenennungen vor. Die Kommission 17 der IAU befasste sich ebenfalls mit dem Thema, später tauchte der Name Kinaus aber seltsamerweise nicht mehr auf, erst 1932 wurde er wieder aus der Versenkung hervorgeholt. Nun war aber mit einem Mal nicht mehr klar, welcher Kinau es sein sollte. Die Untersuchungen ergaben, dass man zu diesem Kinau keine passenden botanischen Veröffentlichungen über Pflanzen finden konnte. Also war klar, dass nur der Astronom Kinau gemeint sein konnte. Was auch noch merkwürdig ist, ist die Tatsache, dass es keine Informationen und Hinweise aus dem Jahr 1842 gibt. Auch zu den Beobachtungen Kinaus lassen sich nur wenige Dokumente finden-. Er beobachtete mit einem 5,5 inch-Äquatorealrefraktor und mindestens auch noch einem 6 Fuß großen Apochromaten. Dr. Kretzer stieß im Zuge der Recherchen auf einen Urenkel Kinaus, der ihm weiterhelfen konnte. Danach stammte das Geld für die Teleskope möglicherweise aus einer Erbschaft. Außerdem deutete er an, dass es noch mehr Teleskope aus dem Besitz Kinaus gab. Ein größeres Teleskop soll bis zum Ende des 2. Weltkrieges auf einem Dachboden in Schleswig-Holstein gelagert gewesen sein, ein weiteres wurde dem Gymnasium in Neumünster übereignet, ein anderes ging als Schenkung an das Halberstädter Dom-Gymnasium. Nach dortigen Aufzeichnungen müsste das Fernrohr eine Öffnung von ca. 13 - 14 cm gehabt haben, da einige Schüler im Rahmen des Astronomieunterrichtes angeblich Doppelsterne mit einer Minimaldistanz von 3“ trennen konnten. Der weitere Verbleib des Teleskops konnte bisher nicht geklärt werden. Darüber hinaus wurden zwei Mondschriften von Kinau aus dem Jahr 1882 entdeckt. Bilder von Kinau gibt es auch nur sehr wenige. Zufällig wurde eines aus der Kreuzkirche in Suhl gefunden, dass das Kircheninnere und den in der Kanzel stehenden Pfarrer 1886 anlässlich seines 25jährigen Dienstjubiläums zeigt. Entdeckt wurde auch ein Bild seiner Tochter Anna im Alter von 10 Jahren. Schon mit 12 Jahren war sie verstorben, woran, ist unbekannt. Der Astronom Kinau konnte eindeutig als Namensgeber des Mondkraters identifiziert werden (wovon allerdings noch viele Fachleute überzeugt werden müssen). Es konnte aber auch noch nicht eindeutig lokalisiert werden, wo er seine Beobachtungen durchgeführt hat, nur das dies im Raum Suhl war, ist bislang belegt.

Nach diesem ersten schon sehr interessanten Vorträgen war die Mittagspause dann schon sehr willkommen. Zusammen mit drei anderen Sternfreunden suchte ich eine Pizzeria in der Göttinger Innenstadt auf. Dabei bewegten wir uns entlang eines Teils des dort im Maßstab 1:2 Milliarden installierten Planetenweges. In verschiedenen Gesprächen vertieft mussten wir uns dann schon etwas beeilen, um den Vortrag von Prof. Dr. Hilmar Duerbeck über „Früher beobachtende Kosmologie in Deutschland - Leben und Wirken von Carl Wilhelm Wirtz“ zu lauschen. Neben der Geschichte der Sternwarte zu Straßburg, an der Wirtz wirkte, gab er einen Abriss der Geschichte der extragalaktischen Forschung und der Kosmologie von 1750 bis 1936 und erst dann einen zum Leben Wirtz`.

Die Kaiserliche Sternwarte Straßburg war am 28. Februar 1872 durch Kaiser Wilhelm I. gegründet worden, als ihr erster Direktor wurde August Friedrich Theodor Winnecke (1835-1897) berufen, der 1869 zeitgleich mit Jean Louis Pons (1761-1831) den nach beiden benannten Kometen entdeckte. Zu seinen Aktivitäten zählten die Beobachtung des Venusdurchganges 1874 und sein Forschungsprogramm: „Ueber die auf der Universitätssternwarte zu Strassburg begonnenen Beobachtung der Nebelflecke“ (VJS 10, 1875). 35 Jahre lang widmete er sich der Photometrie. Auch er litt unter einer psychischen Erkrankung, die ihn schließlich zur Aufgabe des Amtes zwang. Weitere Direktoren der Sternwarte waren Ernst Becker und der Himmelsmechaniker Julius Bauschinger.

Der Referent ging danach auf die Pioniere und Pionierleistungen der Kosmologie ein: Thomas Wright, Wilhelm und John Herschel, beide stellten sich Fragen zu Geschichte des Universums (Wilhelm 1802, John 1830), Alexander von Humboldt (Kosmos, 1745), James Hutton, Charles Lyel, Charles Darwin, Johann von Lamont (Sternspektroskopie 1836). Die Arbeiten reichten dabei entwicklungsgeschichtlich gesehen von der Struktur der Milchstraße über Sternzählungen, Entfernung und Verteilung der Kugelsternhaufen, die Natur der Nebel (Spektroskopie Kinematik, Verteilung und Entfernung) und die Suche nach Cepheiden.

Die Geschichte der extragalaktischen Astronomie und beobachtenden Kosmologie verzeichnete Entdecker und Erstleistungen von Isaac Roberts und William Huggins (um 1900, beide Amateurastronomen), Julius Scheiner, James Keeler (1857-1900), das Nebelspektrum von E. Fath (1909), die Arbeiten zur Bestimmung von Radialgeschwindigkeit und Rotationsgeschwindigkeit (von M 31) von Vesto M. Slipher (Lowell Observatory) und Max Wolf (1863-1932, Heidelberg), die große Welteninsel-Debatte zwischen Heber Doust Curtis und Harlow Shapley, Lundmarks 1935 veröffentlichte Ausführungen zu den wichtigsten Entfernungsindikatoren von Galaxien wie Maximalhelligkeit, Beobachtung von Novae (1909) Periode und Absolute Helligkeit Über-Überriesen (1920), Periode und absolute Helligkeit der Kugelhaufen (1926) sowie Amplitude und Helligkeit der Cepheiden (1930). Edwin P. Hubble (1889-1953) veröffentlichte 1929 eine Schrift, in der ei erstmals eine Radialgeschwindigkeits-Entfernungs-Beziehung darstellte, glaubte aber dem Anschein nach aber nie wirklich an die Expansion des Universums. 1917 modellierte Albert Einstein sein statisches Universum. In den Jahren 1927 bis 1929 veröffentlichte Willem de Sitter die kosmologische Theorie, wonach das Universum bis zu einem Grenzwert expandiert, bestimmte dessen Form (hyperbolisches Universum) Bereits 1922/24 hatte Alexander Friedman ein Modell vom Universum entwickelt, das keine hyperbolische Form hatte, sondern säulenartig aussah. Die Entfernungen nehmen hier mit der Zeit zu, da der Raum expandiert. 1927/30 entdeckte Lemaitre das Friedmansche Universum ein zweites Mal und bestimmte dazu die Expansionsrate (heute Hubble-Konstante, die eigtnlcihe keine Konstante, sondern viel mehr ein Parameter ist).

Zum Leben und Wirken von Carl Wirtz zeigte der Referent Fotos aus den Jahren 1903 und 1930 aus der Portraitgalerie der Astronomischen Gesellschaft. Wirtz wurde 1874 in Krefeld geboren und verstarb 1939 in Hamburg. Lebensstationen: Nach dem Studium in Bonn, das er mit der Dissertation von 1898 über die Bestimmung der Polhöhe der Bonner Sternwarte abschloss, ging er an die Kuffnersche Sternwarte in Wien-Ottakring, wo er mit Karl Schwarzschild zusammen an der photographischen Photometrie arbeitete, danach wechselte er an alte Hamburger Sternwarte und Seefahrtsschule am Millerntor (1902). Nach ein paar Monaten erhielt er den Ruf an die Sternwarte Straßburg, wo sein Hauptarbeitgebiet die klassische Positionsastronomie war. Aus Briefen von Wirtz an verschiedene Kollegen geht hervor, dass er keine Eigenbewegung von Nebeln (Galaxien) feststellen konnte. Bis Juni 1910 beobachtete er Kometen, Planeten und Veränderliche Sterne. Zudem veröffentliche er zahlreiche Schriften, 1911 zur Flächenphotometrie von Nebeln, 1916 zur „Trift der Nebelflecke“, 1917 zur „Eigenbewegung der Nebelflecke“, 1921 „Zur Triftbewegung der Nebel“, 1921 „Nebelflecke und Sternhaufen“, 1924 „de Sitters Kosmologie und die Radialbewegungen der Spiralnebel“. Während des Ersten Weltkrieges war er Ausbilder für Feldgeometer, danach erhielt er eine Anstellung an der Kieler Sternwarte, wo er neben seiner beobachterischen Tätigkeit seine publizistischen Aktivitäten fortsetze (u.a. in der Zeitschrift des Bundes der Sternfreunde), u.a. über die Statistik der Radialbewegungen von Spiralnebeln und Kugelsternhaufen (Astronomische Nachrichten 215, 1922), und die Untersuchung der Radialgeschwindigkeiten von 42 Spiralnebeln (Astronomische Nachrichten 222, 1924). Ludwik Silberstein und Knut Lundmark erkannten die Beziehungen zwischen Rotverschiebungen und den Entfernungen, Wirtz war jedoch nachweislich der erste, der das wirklich gefunden hatte, Silberstein kam früher dahinter, hatte aber die falschen Objekte beobachtet. Im Sommer 1938 unternahm Wirtz eine Forschungsfahrt mit dem D.S Buenos Aires nach La Plata in Argentinien (u.a. wegen geplanter Arbeien zur atmosphärischen Optik). Nach Ende der Forschungsarbeiten, und weil er in Argentinien keine Arbeit gefunden hatte, kehrte er nach Hamburg zurück, wo er am 18. Februar 1939 verstarb. Er war trotz Anfeindungen der Nazis nach Deutschland zurückgekehrt. Er war SPD-Mitglied und wurde wegen einiger kritischer Äußerungen von den nationalsozialistischen Machthabern geschnitten und musste deswegen auch aus Kiel weggehen, wurde aber dann - auch nach seiner Rückkehr - nicht weiter behelligt.

Als nächstes berichtete Mechthild Meinike vom Raumflug-Planetarium in Halle an der Saale über die „Astronomischen Untersuchungen zum fünfgliedrigen Palisadenringsystem von Quenstedt/Schalkenberg“ in Sachsen-Anhalt. Kleine Anmerkung am Rande: Wer in diesem Bundesland mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt, wird von der NASA befördert: Dem Nahverkehr Sachsen-Anhalt. Die maßgeblichen archäologischen Untersuchungen zum Palisadenring gehen auf das Jahr 1981 zurück und wurden seinerzeit beendet, die Grabungsstätte verfüllt und das Gelände wieder der Natur überlassen. 2004 gab es dann einen neuen Forschungsansatz, wobei man - nach einer entsprechenden Anfrage an das Hallenser Planetarium - davon ausging, dass die Anlage statt 3500 Jahre in Wirklichkeit 4500 Jahre alt sei. Die Zielsetzung war insofern klar, als dass ein astronomischer Zusammenhang hergestellt werden sollte. Zunächst stellte sich heraus dass die Grabungsergebnisse der Kampagnen zwischen 1967 und 1986 als verschollen galten. Nur ein paar Veröffentlichungen waren aufzutreiben. So begannen die neuerlichen Arbeiten erst einmal mit einer Inaugenscheinnahme des Geländes, das heute vollkommen überwuchert ist. Dabei stellte sich heraus, dass es vom vermeintlichen Zentrum der Anlage aus keine - aus astronomischer Sicht - vernünftige Horizontsicht gibt. Bereits in der Bronzezeit um 2000 vor unserer Zeitrechnung wurde das Gelände durch Ackerbau stark verändert. Vergleiche mit ähnlichen Anlagen in Goseck (der als Sonnenobservatorium hochstilisierten, dennoch aber nicht für diesen Zweck verwendeten Anlage) ergaben für Quenstedt keinen Bezug zur Astronomie. Wie in Goseck verfügt die Palisadenringanlage hier über drei Tore, deren Bedeutung immer noch vollkommen unklar ist. Es konnten keine Kammern oder Gräben gefunden werden. Die Ausrichtung der Tore, das ergaben Messungen zur damaligen Topografie des Geländes (soweit rekonstruierbar) und der Horizontprofile, konnte nicht mit Äquinoktien von Sonne und Mond, auch unter Berücksichtigung der Refraktion (Gernar Rausche, Astrophysikalisches Institut Potsdam, 2004) in Einklang gebracht werden. Ein Sonnenobservatorium ist die Anlage definitiv nicht. Ein Siedlungsrohr aber zeigt direkt nach Osten, was wohl eher dem Zufall zuzuschreiben ist. Visierlinien (auch vermeintliche) sind nicht erkennbar (von verschiedenen Fixpunkten und Fundstellen aus durch die Tore gesehen). Das Tor 3 zeigt zwar etwas in Blickrichtung des Wintersonnenwendenaufganges, aber es passt nicht exakt. Alle Behauptungen, die Anlage sei astronomisch ausgerichtet, sind nach heutigen Erkenntnissen reine Mutmaßungen, es kann in dieser Richtung kein Zweck erkannt werden. Lediglich die sachen-anhaltinische Esoterikszene hält krampfhaft, und alle Forschungsergebnisse komplett ignorierend, an einer astronomisch-astrologischen Ausrichtung fest. In der Gegend um die Schalkenburg gefundene Braunkohlenquarzite werden als Visursteine in Blickrichtung zur Schalkenburg als Sonnenuntergangsort zur Sommersonnenwende betrachtet. Die hier liegenden Steine, so die Esoteriker, haben früher gestanden. Untersuchungen haben aber gezeigt, das die Steine mit dem Boden verwachsen sind und nie gestanden haben. Diese sog. Sonnensteine sind ebenfalls Mutmaßungen. Die Versuchung erscheint groß, nach einer astronomischen Orientierung der Palisadenringanlage zu suchen, doch ist diese Annahme nur wenig realistisch. Siedlungsgeschichtlich ist zu sagen, dass hier Stichbandkeramiker und Linienbandkeramiker lebten, es wurden auch viele Siedlungen im Umfeld untersucht, auch in Richtung auf die Tore, lediglich Tor 3 wird leicht touchiert. Der Rondellzweck ist aber nach heutigem Stand ebenso unklar wie Bedeutung der Tore, da es keine gesicherten Erkenntnisse über das Neolithikum gibt. Ebenso wurde der Behauptung nachgegangen, dass das Kreuz des Südens durch einen Teil eines der Tore sichtbar gewesen sein soll. Nachrechnungen im Planetarium haben ergeben, dass man theoretisch die obersten Sterne des Kreuzes um 4500 v.u.Z. hätte sehen können, aber nicht aus dem Innenraum der Anlage. Lediglich die Gürtelsterne des Orion zeigten in Richtung Tor 3, aber ob das einen wirklich einen praktischen Nutzen hatte, ist doch sehr zweifelhaft. Fazit: Die Versuche von Archäologen, einen astronomischen Bezug herzustellen, sind in diesem Fall kläglich gescheitert. Dennoch konnte nachgewiesen werden, dass das Palisadenringsystem das älteste seiner Art in ganz Europa ist.

Die anschließende halbstündige Kaffeepause tat sehr gut, der vorhergehende Vortrag, der sich kritisch mit den astroarchäologischen Bemühungen vor Ort auseinander setzte, aber auch, in dem Zusammenhang die Anlagen von Goseck und die Nebraer Himmelsscheibe boten viel Diskussionsstoff.

Wolfgang Steinicke referierte danach über die „Geschichte des Coma Berenices-Galaxienhaufens“. Erste Beobachtungen erfolgten durch Charles Messier (1739-1817) im Jahr 1781 mit einem 7 Zoll-Reflektor. Er sah eine Häufung von Galaxien, allerdings im Virgohaufen. Der Messierkatalog enthielt im Jahr 1784 bereits 16 Objekte des Virgohaufens, dessen wahre Natur jedoch erst sehr viel später entdeckt wurde. Von den Galaxien des Comahaufens (im Abell-Katalog mit der Nr. 1656 verzeichnet) sind 65 im NGC und 39 im IC enthalten, die hellsten Galaxien sind NGC 4889 und NGC 4874. Insgesamt 3000 Galaxien tummeln sich in einem Gebiet mit 4 Grad Durchmesser in einer Entfernung von 130 Mpc = 420 Mio Lichtjahren (während der Virgohaufen lediglich 20 Mpc entfernt ist).

Doch wer entdeckte den Comahaufen tatsächlich? William Herschel hatte mehrere Nebelflecke bei Beobachtungen in Datchet zwischen 1783 und1786 und in Slough zwischen 1786 und 1802 gefunden. Während seiner Durchmusterung des Himmels hat er insgesamt dreimal Objekte des Haufens gesehen: Am 13.3.1785 (2 Nebel), am 6.4.1785 (2 Nebel) und am 11.4.1785 (20 Nebel, in der Nacht hat er 74 neue Objekte entdeckt). 23 von ihm entdeckte Nebel gehören zum Comahaufen, Dabei hatte William beobachtet und seine Schwester Caroline die Positionen reduziert. Hat Herschel also den Galaxienhaufen entdeckt? Dem Engländer Michael Hoskins zufolge ja, aber es gibt berechtigte Zweifel an dieser These. Herschel selbst hat geschrieben, dass die Nebel nicht zufällig am Himmel stehen, sondern sich in einigen Richtungen häufen, aber Herschel wird hier eher falsch interpretiert, da einige der von ihm gemachten Angaben nicht passen, außerdem hatte er eine Arbeit über seine Beobachtungen bereits am 17.6.1784 abgegeben, die Beobachtungen im Bereich des Haufens aber erst 1785 vorgenommen.

Sein Sohn John Herschel hatte in Slough mit einem 18,7 Zöller den Bereich des Comahaufen im März/April 1827 und April 1831 beobachtet und keine besondere Häufung festgestellt. Die Gründe, warum die beiden Herschels nicht als Entdecker gelten können, sind zum einen das viel zu kleine Gesichtsfeld der verwendeten Optiken (der Haufeneindruck konnte sich so nicht einstellen), zudem war die Grenzgröße nicht ausreichend (die damals erreichbare größte „Tiefe“ lag bei 13 mag, die Objekte im Comahaufen sind aber meist schwächer als 14 mag). Richard Proctor (1837-1888) hatte 1869 als Erster eine großräumige Verteilung der Nebel visualisiert. 1872 war eine erste Karte aus der Himmelsgegend veröffentlicht worden, der Comahaufen zeichnete sich aber darin nicht ab. Fazit: Anhand der Herschelschen Beobachtungen ist keine Evidenz für den Comahaufen ableitbar.

Heinrich Ludwig d´Arrest (1822-1875) hatte von 1861 bis 1867 mit seinem 11“ Refraktor nähere Beobachtungen des fraglichen Gebietes durchgeführt (Astronomische Nachrichten Nr. 1500, 1865). Dabei war er im Vergleich mit den wesentlich größeren Fernrohren wie dem „Leviathan“ von William Parsons, dem 3. Earl of Rosse (1800-1867) eher im Vorteil, da er mit seinem kleineren Teleskop natürlich ein wesentlich größeres Gesichtsfeld überblicken konnte. Hatte Lord Rosse aber dennoch den Haufen entdeckt? Mitnichten, denn am 9.3.1850 beobachtete er den Haufen, erkannte ihn aber nicht als solchen, da er nur den Rand des Haufens erwischte. Heinrich d´Arrest hingegen, der die Nebel anhand von Messungen kartieren konnte, und so ein Gesamtbild erhielt, muss der Ruhm der Entdeckung zugesprochen werden. Weitere Beobachtungen: Truman Henry Safford (1836-1901) hat 1867 IC 842 und 843 entdeckt, Guillaume Bigourdan (1851-1932) 12 Nebel zwischen 1885-1895, Rudolf Spitaler (1859-1946) 1892 zwei Nebel, Hermann Kobold (1858-1942) 22 neue Nebel und Stephane Javelle (1864-1918) 5 Nebel im Randbereich. Max Wolf (1864-1932) wird in der Literatur oft und gern als Entdecker genannt, er hat aber tatsächlich „nur“ als erster den Haufen fotografiert, nämlich am 24.3.1901 am 16“ Bruce-Refraktor in Heidelberg.

Dominik Hezel widmete sich in seinem Vortrag dem Thema „E.F.F. Chladni und die Anfänge der Meteoritenforschung“. Zunächst gab er einen Überblick über einige historische Meteoritenfälle wie Peeskill (1992), dem Donnerstein von Ensisheim (7.11.1492), dem Fall von Chandpur (6.4.1884) oder Siena (16.6.1794), der zeitgleich zum Ausbruch des Vesuv erfolgte, weswegen die gefundenen Steine damit in Zusammenhang gebracht wurden und natürlich durfte auch das Nördlinger Ries nicht fehlen, wo vor ca. 15 Mio. Jahren ein größerer Himmelskörper einschlug und einen 20 km durchmessenden Krater hinterlassen hatte. Auch über die Ursachen von Feuerkugeln wurde lange gestritten, im Mittelalter nahm man an, sie seien entzündete Gase oder Verwesungsdünste von Schlachtfeldern, während zur Zeit der Industriellen Revolution man die Methallverhüttung als Ursache nannte und die Rosenkreuzer schwörten Stein und Bein, diese sei der Ausgangspunkt für den Stein der Weisen. Berichte über einen Zusammenhang zwischen Feuerkugeln und Meteoriten wurden in der Regel bespöttelt oder gleich von vornherein als offensichtlich falsch abgetan und nicht ernst genommen. Allerdings fanden sich bereits in chinesischen Chroniken Berichte über Feuerkugeln und fallende Steine. Aristoteles lehnte diese These generell ab, Newton meinte, der Weltraum müsse leer sein, um die Planetenbewegung nicht zu stören, daher können die Meteoriten nicht aus dem All stammen.

Ernst Florens Friedrich Chladni (30.11.1756 - 3.4.1827) studierte Jura und Philosophie in Leipzig und Wittenberg. 1787 veröffentlichte er eine Schrift über die „Entdeckung der Theorie des Klanges“ und wurde so zum Vater der Akustik. 1793 traf er Lichtenberg in Göttingen, zuvor hatte er Versuche zu akustischen Schwingungen unternommen und sich in Mußestunden mit Lichtenberg über Feuerbälle unterhalten. Dieser meinte u.a. dass Feuerbälle tatsächlich aus dem Weltraum kommen könnten, glaubte jedoch nicht ernsthaft an diese Möglichkeit. Bis 1819 meinte Chladni, 100 Meteoritenfälle sicher bestimmen zu können, von diesen sind bis heute 13 Stück übrig geblieben. Chladni lieferte in seinen zahlreichen Veröffentlichungen Beschreibungen typischer Feuerballereignisse (1794). Er meinte darin: Stein- und Eisenmassen fallen vom Himmel, bilden Feuerkugeln und sind kosmischen Ursprungs. In einer weiteren Schrift griff er die Argumente der Gegner seiner Hypothese auf und entkräftete die vorgebrachten Argumente gegen „Polarlichter und Zodiakallichtmaterie“, „bloße Elektrizität“, „Anhäufung lockerer Materie in der oberen Luft, z.B. Silberschlag“ oder die „Entzündung der brennbaren Luft“, Seine Veröffentlichung fand ein geteiltes Echo. Anerkennungen erfolgten durch Franz Xaver von Zach, Heinrich Olbers und den Geologen G.A. Werner, dagegen wetterten beispielsweise Johann Wolfgang Freiherr von Goethe und Alexander von Humboldt. In den „Göttinger Anzeigen“ vom 11.8.1794 hingegen wurde eine sehr positive Rezension seiner Schrift abgedruckt. Trotz der wegbereitenden Arbeiten Chladnis fand er bis heute keinen ihm gebührenden Platz in der Geschichte der Astronomie und er wird auch in den astronomischen Quellbüchern nicht erwähnt.

Der nächste Referent hatte dann mit einigen technischen Problemen zu kämpfen, sodass die Abschlussdiskussion vorgezogen wurde. Insgesamt kamen die 35 Teilnehmer überein, dass die Tagung ein voller Erfolg sei und unbedingt fortgesetzt werden solle. Als Austragungsorte wurden Jena, Nürnberg, Regensburg, Münster oder Bonn diskutiert. Außerdem stellten sich die Teilnehmer und ihre Interessengebiete kurz vor. So konnte man endlich auch mal die Gesichter zu den Mailschreibern auf der Fachgruppen-Mailingliste und den Autoren im VdS-Journal sehen.

Der letzte Vortrag von Hans-Dieter Gera über „Die Sonnenfinsternis vom 17. April 1912“ hatte sehr unter den nicht gelösten technischen Probleme zu leiden, was eigentlich sehr schade war, denn er befasste sich mit einem Sonderfall bei totalen Sonnenfinsternissen. Am jenem Tag im Jahre 1912 gab es eine ringförmig-totale Sonnenfinsternis, die vom Norden Südamerikas bis ins ferne Sibirien wanderte und dabei auch über dem Ruhrgebiet verlief. Der lediglich 5 km breite Finsternisstreifen verlief dabei über Krefeld, Duisburg und Oberhausen, die mitten in der Zone der fast völligen Totalität lagen, wobei hier die maximale Bedeckung lediglich 5 Sekunden dauerte. Die Frage, die sich der Referent gestellt hatte war, ob es an einem Ort entlang vielleicht für ein paar Sekunden eine echte Totalität und nicht nur eine ringförmige Phase mit 0,9999 Bedeckungsgrad gegeben haben könnte. Da es darüber keine wissenschaftlichen Aufzeichnungen gab, musste das Bochumer Stadtarchiv herhalten. Und hier wurde er fündig: In einem Bericht des „Märkischen Sprechers“ vom 18. April 1912, worin offenbar ein Redakteur seine Erlebnisse im Bochumer Stadtpark schilderte, wurden all die Phänomene wie Finsterniswind, Diamantringeffekt und abnehmende Dunkelheit eindrucksvoll beschrieben. Leider ist davon auszugehen, dass die echte Totalität auch im Zentrum der Finsternis nicht erreicht wurde, aber man war sehr nahe dran!

Damit endete das Vortragsprogramm, das mit seinen Beiträgen von der fernsten Vergangenheit bis fast zur Neuzeit reichte und damit die Vielfalt der Interessengebiete der Mitglieder der Fachgruppe abdeckte. Nach jedem Vortrag gab es eine mindestens 10-minütige Diskussion. Für die Zukunft wäre es jedoch schön, wenn mehr Raum für Diskussionen verbliebe, auch die Diskussionen am Rande - die sich hauptsächlich um die neuesten Erkenntnisse und Theorien zur Nebraer Himmelsscheibe drehten - kamen eigentlich eher etwas zu kurz. Dennoch hat diese Tagung bei mir einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Sie machte auch deutlich, dass die Geschichte der Astronomie kein langweiliges Thema irgendwelcher Stubenhocker ist, sondern bisweilen hochaktuell und spannend. Und sie kann bei jedem Wetter betrieben werden!

Um 18 Uhr war die Tagung offiziell zu Ende. Da mir bis zur Abfahrt meines Zuges um 20:44 Uhr noch etwas Zeit blieb, ging ich mit dem Gros der Teilnehmer in den „Kartoffelhaus“ in der Göttinger City, das mit einem urgemütliches Ambiente aufwartete. Auch hier wurde weiter diskutiert und irgendwie bedauerte ich es schon, frühzeitig gehen zu müssen, um meinen Zug nicht zu verpassen, der dann fünf Minuten Verspätung hatte. Dafür konnte ich dann Teile dieses Tagungsberichtes bereits auf der Rückfahrt schreiben und noch einmal in Gedanken die letzten Stunden durchgehen. Ein langer und erlebnisreicher Tag ging so zu Ende und mir bleibt nur noch zu hoffen, dass die Fachtagungen der Fachgruppe Geschichte der VdS zu einer regelmäßigen, möglichst jährlichen, Einrichtung werden.

Für die kritische Durchsicht des Manuskripts danke ich besonders Wolfgang Steinicke, Leiter der VdS-Fachgruppe „Geschichte der Astronomie“.

zurück zur Übersicht "Astronomiegeschichte"
zurück zur Übersicht "Meine Astrotouren"

zurück zur Homepage
© Manfred Holl, Impressum