Feiern wir das „richtige“ Weihnachten?

Wie sieht es dann aber mit der Festlegung des Weihnachtsfestes aus, der zweithöchsten Fest im christlichen Kirchenjahr nach dem Osterfest? Am 25. Dezember wird alljährlich die Geburt Christi begangen. Aber wurde Jesus, so er dann tatsächlich gelebt hat, aber das wollen wir hier einfach einmal voraussetzen, wirklich an diesem Tage geboren? Auch hier gibt es eine ganze Reihe von Unstimmigkeiten.

In der Bibel wird kein konkretes Datum genannt. Erst im 4. nachchristlichen Jahrhundert wurde der Geburtstag Jesu durch Papst Liberius auf den 25. Dezember festgelegt. Dies war gleichzeitig bei den Goten der Festtag der Wintersonnenwende, womit gleichzeitig ein heidnischer Brauch in die zunehmende Christianisierung integriert wurde. Das war durchaus nichts ungewöhnliches, schon im Alten Testament finden sich unzählige Hinweise auf religiöse Überzeugungen, die aus Babylon, Akkad und Sumer übernommen wurden. Das aber klärt nicht die Frage, an welchem Tage Jesu das Licht dieser Welt erblickte. Es bestehen auch kaum Aussichten, dass der tatsächliche Geburtstag jemals ermittelt werden wird.

Und noch eine These: Gegner des Christentums, vor allem aus der islamischen Glaubenswelt, bezichtigen diese, den aus Persien stammenden Mithraskult assimiliert zu haben, denn das Fest des mythrazaistischen Erlösers wurde am 25. Dezember gefeiert. Die Anhänger des Mithraskultes wurden dem christianisierten Rom zu mächtig und so wurden dessen höchstes Fest einfach übernommen.

Die christliche Zeitrechnung wurde von dem Mönch Dionysius Exiguus im Jahr 533 n. Chr. festgelegt, für den eigentlichen Geburtstag Jesu legte auch er den 25. Dezember fest, warum, das wissen wir nicht. Die Planetenkonjunktionen des Jahres 7 v. Chr. fanden am 29. Mai, 3. Oktober und 4. Dezember statt, aber nicht an den Tag, an dem wir heute unser Weihnachtsfest feiern.

Am Ende unserer kleinen Betrachtung angelangt, kann das Fazit nur lauten: Die Bibel und die alttestamentarischen Quellen sind für astronomische Deutungsversuche völlig ungeeignet. Auch die Frage, ob es tatsächlich einen Stern von Bethlehem gab, ist nicht zweifelsfrei zu klären. Möglicher Weise ist auch er nur eine Metapher, bei der es keinen Sinn macht, nach dem wahren Ursprung zu suchen. Thesen und Ausprägungen über den Weihnachtsstern gibt es so viele, dass sich davon ganze Bibliotheken füllen ließen, doch ist keine darunter, die alle Fragen beantwortet. Manch obskure Annahme über die wahre Natur des Sterns von Bethlehem ist daher nur ein weiteres Kapitel wenig überzeugender und äußerst skurriler Antworten zu einem nur aus religiöser Sicht begreifbaren Ereignis.

Das Matthäus-Zitat
Die Bibel als Quellenmaterial
Die Evangelien
Auslegung des Quellenmaterials
Probleme mit der Deutung
Was war denn nun der Stern von Bethlehem?
Literatur


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