Auslegungen des Quellenmaterials

Die Auslegung der biblischen Textpassagen ist sehr schwierig und alles hängt mehr oder weniger von der einschlägigen Bibelstelle, dem Zitat nach Matthäus 2. 1-12 und 16 ab, worin nicht nur das Erscheinen eines Sterns, sondern auch sein Verharren über der Krippe mit dem Jesuskind und in Vers 16 der von König Herodes angeordnete Kindsmord vorkommen. Außerdem gab es da noch eine Volkszählung, zu der Maria mit dem Neugeborenen nach Bethlehem reiste.

Wie schon im ersten Teil angemerkt, hat sich Luther bei seiner Übersetzung nicht genau an das Original gehalten, bzw. es standen ihm die Urschriften nicht zur Einsichtnahme zur Verfügung. D' Occhieppo hat eine Übersetzung des griechischen Textes vorgenommen, wonach sich einiges anders darstellt.

2.1:
Nachdem Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa in den Tagen des Königs Herodes, siehe, da gelangten Magier von (den) Aufgängen nach Jerusalem.

2.2:
und sagten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben nämlich seinen Stern in dem (Abend-)Aufgange gesehen und sind gekommen, ihn (unterwürfig) zu verehren.“

2.3:
Als der König Herodes das hörte, geriet er in Schrecken und ganz Jerusalem mit ihm.

2.4:
Und er versammelte alle Hohepriester und Schriftgelehrten des Volkes und erkundigte sich bei ihnen, wo der Christus geboren würde.

2.5:
Diese aber sagten ihm: „Zu Bethlehem in Judäa; denn so steht es geschrieben durch den Propheten:

2.6:
Und Du Bethlehem (im) Land Juda, bist keineswegs die geringste unter Judas Fürstenstädten; denn aus Dir wird hervorgehen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.“

2.7:
Darauf berief Herodes heimlich die Magier und erfragte genau von ihnen die Zeit des (erschienenen und noch) scheinenden Sternes.

2.8:
Und sie nach Bethlehem sendend, sagte er: „Geht (hin) und forschet sorgfältig nach dem Kinde; wenn ihr es aber gefunden habt, meldet (es) mir, damit auch ich komme, es zu verehren.“

2.9:
Nachdem sie den König angehört hatten, brachen sie auf. Und siehe, der Stern den sie in dem (Abend-)Aufgange gesehen hatten, zog vor ihnen her, bis er im Gehen stehen blieb oben darüber, wo das Kind war.

2.10:
Als sie den Stern erblickten, wurden sie froh in großer Freude gar sehr.

2.11:
Und sie kamen in das Haus, sahen das Kind mit Maria, seiner Mutter, warfen sich nieder und verehrten es. Und die Schätze öffnend reichten sie ihm Geschenke dar, Gold, Weihrauch und Myrrhe.

2.12:
Und da sie im Traum die Weisung erhielten, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf anderem Wege in ihr Land zurück.

2.16:
Als dann Herodes sah, dass er von den Magiern hintergangen worden war, wurde er sehr erzürnt und sandte (Soldaten) aus, und ließ in Bethlehem und dessen ganzer Umgebung alle Knaben von zwei Jahren und darunter töten, gemäß der Zeit, die er von den Magiern genau erfragt hatte.

Zwischen den beiden Texten gibt es einige erhebliche Differenzen. Die Angaben zum Stern von Bethlehem sind hier genauer, als in der Einheitsübersetzung aus dem Jahr 1981, geben sie uns aber auch konkrete Hinweise auf dessen wahre Natur?

Gehen wir einmal davon aus, dass es tatsächlich Weise aus dem Morgenlande waren, die nach Bethlehem kamen, um dem neugeborenen König der Juden zu huldigen. Was waren das für Männer? Möglicher Weise babylonische Astrologen, die in der längst untergegangenen Stadt eine kleine Priesterkaste unterhielten und die die Dreifachkonjunktion des Planeten des Ostens (Jupiter) mit dem Planeten des Westens (Saturn) im bedeutungsvollen Sternbild der Fische als einen klaren Hinweis auf die Geburt des Heilands interpretierten. Beachtenswert: Im Laufe der Jahrhunderte wurden jedoch aus den Magiern Könige und aus Königen Weise. Die Bibel sagt nicht viel aus über die drei Reisenden, nennt weder ihre Namen (Caspar, Melchior und Balthasar sind eine Erfindung späterer Jahrhunderte), ihre Reiseroute, noch gibt sie Auskunft darüber, wohin sie nach der Huldigung des Jesus-Kindes zogen. Eine Metapher?

Wie diese aber dann den Weg nach Bethlehem fanden, ist unklar. Zwar sagt die Bibel hier, dass der Stern über der Krippe stand und so den drei Weisen den richtigen Weg wies, doch wie glaubhaft ist das? Selbst wenn man zugrunde legt, dass beide Planeten so dicht beieinander standen, dass sie nicht mehr zu trennen waren, wie konnten sie genau über dem Geburtsort Jesu anhalten. Und was noch viel wichtiger ist: Wie kamen sie aus genau der richtigen Richtung, damit der Stern exakt über dem passenden Gebäude stand? Schon eine Abweichung von wenigen Grad hätte dazu führen können, dass sie den richtigen Geburtsort nie hätten finden können. Übrigens wurde diese Situation satirisch in dem Film „Leben des Brian" dargestellt!

Ein Hauptargument der Gegner der These vom Stern von Bethlehem ist die Tatsache, dass bei einer Zwei- oder Mehrfachkonjunktion zwei oder mehr Objekte beteiligt sind, in der Bibel aber immer nur von einem (!) Stern die Rede ist. Und in der babylonischen Astronomie und Astrologie waren die Unterschiede zwischen Sternen und Wandelsternen (Planeten) sehr gut bekannt. Auch wird von einigen aus religiöser Sicht die Anwesenheit des Planeten Saturn in Zweifel gezogen, da man im nördlichen Israel den Ringplaneten mit einem Gott gleichsetzte, nicht aber im Süden des Landes, wo eben genau dieses unter Strafe verboten war. Zudem hatte das Sternbild Fische in der damaligen Astrologie keine herausragende Bedeutung, warum dann aber für das Zusammentreffen der beiden Planeten?

Das Matthäus-Zitat
Die Bibel als Quellenmaterial
Die Evangelien
Probleme mit der Deutung
Was war denn nun der Stern von Bethlehem?
Feiern wir das „richtige“ Weihnachten?
Literatur


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