COLUMBIA-Unglück - Die Untersuchungen und Fragen gehen weiter

4. Februar 2003: Vier Tage nach dem Absturz der COLUMBIA, bei der alle sieben Astronauten den Tod fanden, geht nicht nur die Suche nach Trümmerstücken, sondern auch nach der Ursache für die Katastrophe mit aller Intensität weiter.

Erste Auswertungen der noch von der auseinanderbrechenden Raumfähre übersandten Daten weisen auf heftige Bewegungen der Tragflächenklappen hin. Daraus kann auf heftige Ausgleichsbewegungen aufgrund einer instabilen Fluglage geschlossen werden. Weiteren Aufschluss sollen die Daten des Flugschreibers geben, der mittlerweile gefunden wurde. Gleichzeitig wurden alle Dokumente zur Raumfähre COLUMBIA sichergestellt und gleich mehrere Untersuchungskommissionen sind damit beschäftigt, die Fundstücke zu sichten.

Die grausigsten Funde für die Hilfskräfte waren die diversen Leichenteile, die für genetische Untersuchungen zunächst auf einen Stützpunkt der US-Air Force im US-Bundesstaat Louisiana gesammelt werden. Alle Trümmerstücke der COLUMBIA, die an Hunderten verschiedener Orte zwischen Texas und Louisiana niedergingen, und von denen bis heute (4.2.03) rund 12.000 geborgen wurden, werden in einer großen Halle für die Ursachenforschung gelagert und weitgehend wieder, wie bei einem Puzzle, zusammengesetzt. Inzwischen konnte auch die Cockpitnase gefunden werden: Sie riss beim Aufprall ein 6 m breiten Krater in einem Waldgebiet. Und obwohl offizielle Stellen immer wieder davor warnen, sich den möglicherweise hochgiftigen und toxischen Überresten zu nähern, hat eine makabre Art der Schnäppchenjagd längst begonnen. Bei eBay wurden bereits erste Teile zum Verkauf angeboten. Nach Bekanntwerden wurde das Angebot jedoch schnell gelöscht, weil es sich nach amerikanischem Recht um den widerrechtlichen Verkauf von Regierungseigentum handelt.

Derweil verdichten sich die Hinweise, dass in der Tat der Vorfall beim Start Grund für den Absturz des Shuttle gewesen ist: Nur waren es keine Eisstücke, die sich ablösten, wie zunächst vermutet, sondern Isoliermaterial von der Außenhülle (Schaumstoff), das ca. 40 bis 50 cm groß war und an der Unterseite der linken Tragfläche regelrecht zerbröselte. Zumindest scheinen die Videoaufzeichnungen vom Startvorgang das zu belegen. Wie Ron Dittemore, Direktor des Shuttleprogramms auf einer Pressekonferenz mitteilte, haben Simulationen von NASA-Ingenieuren gezeigt, wie durch die Beschädigung der Hitzeschutzkacheln an der Unterseite ein Schaden aufgetreten sein könnte. Ein Loch, das sich rasch vergrößerte und wodurch der Rumpf aufgrund der enormen Druck- und Wärmeverhältnisse beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre aufgerissen wurde. Das Shuttle geriet ins Schleudern (darauf deuten eben auch die heftigen Bewegungen der Flügelklappen an den Tragflächen hin), im weiteren ist es dann Schritt für Schritt auseinandergebrochen. Hier könnte der Fund zerstörter oder schadhafter Teile des Hitzeschutzes bei der Klärung weiterhelfen, doch bislang wurden noch keine Kacheln gefunden, was aufgrund ihrer geringen Größe auch sehr schwierig ist.

Die mittlerweile in der Presse aufgetauchten Bilder von Brüchen und Dellen in der linken Tragfläche der COLUMBIA sind umstritten und möglicherweise nicht authentisch, sondern nur ein “Muster” an der Außenhaut.

Und während noch nach der Ursache für den Absturz geforscht wird, wird gerätselt, ob man bei einer Kontrolle im Orbit mögliche Schäden hätte feststellen und reparieren können. Selbst wenn man etwas gefunden hätte (schon die Suche wäre ein problematisches Unterfangen für die Astronauten gewesen, da sie ohne Kontrolle vom Cockpit aus an der Außenhaut hätten herumklettern müssen), gab es weder Ersatzteile noch das geeignete Werkzeug an Bord und die Besatzung war für Reparaturmaßnahmen dieser Art auch gar nicht trainiert worden. Um zur ISS zu fliegen, war nicht mehr genügend Treibstoff an Bord, allerdings hätte man binnen einer Woche die startbereite ATLANTIS in den Weltraum bringen und die Astronauten dann über die Ladeluke umsteigen und zur ISS bringen können.

Daher werden auch immer mehr Stimmen laut, die von schwerwiegenden Fehlern der NASA sprechen. So habe man die Tragweite der Beschädigung des Shuttles 80 Sekunden nach dem Start ebenso unterschätzt wie die kurz vor dem Unglück aufgetretenen Fehlermeldungen. Zudem seien in der letzten Zeit - auch als Folge des Kostendrucks - die Sicherheitsvorkehrungen vernachlässigt worden. Und man habe es unterlassen, die Unterseite des Shuttle von Satelliten oder der ISS aus beobachten zu lassen, was ohne weiteres möglich gewesen wäre.

Ebenso wurde die Frage aufgeworfen, ob die Astronauten, wenn es ein entsprechendes Rettungssystem gegeben hätte, sich hätten retten können. Dagegen spricht zum einen die Flughöhe, in der sich die Astronauten nicht mit einem Schleudersitz hätten in Sicherheit bringen können, zum anderen aber auch, dass die Zeit zwischen dem Erkennen der Gefahr und dem Tod der Astronauten viel zu kurz war, selbst wenn es eine entsprechende Sicherheitseinrichtung gegeben hätte.

Unterdessen hat US-Präsident George W. Bush angekündigt, die Mittel für die Raumfahrtbehörde NASA um gut 470 Mio. Dollar pro Jahr aufzustocken; sie sind ausschließlich für die Verbesserung der Sicherheitsstandards vorgesehen. Außerdem wird er dem Kongress vorschlagen zu klären, ob die bisherigen, teilweise drastischen Kürzungen im NASA-Budget indirekt mit der neuerlichen Shuttlekatastrophe zusammenhängen. Wie ein Sprecher des Weißen Hauses auch mitteilte, soll das Shuttle-Programm so bald wie möglich wieder aufgenommen werden, allerdings könne der genaue Zeitpunkt derzeit noch nicht genannt werden.

Quellen:

www.n-tv.de
www.astro.uni-bonn.de/~dfischer/news/L.html

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