Die COLUMBIA-Katastrophe am 1. Februar 2003

Nach dem 27. Januar 1967, wo drei Astronauten während eines Tests in der APOLLO 1-Kapsel verbrannten und dem 28. Januar 1986, als die Raumfähre CHALLENGER nur 73 Sekunden nach dem Start über dem Cape Canaveral explodierte, hat sich nun ein weiteres Datum in den Geschichtsbüchern verewigt: Der 1. Februar 2003.

Von dem tragischern Ereignis hatte ich zunächst nichts mitbekommen, da ich am meinem PC saß und Überstunden verrichtete. Da ich nebenher CDs hörte, bekam ich auch die Nachrichten im Rundfunk nicht mit. Erst ein Anruf von Oliver Rensch machte mich aufmerksam. Ich schaltete sofort den Fernseher ein. Auf den meisten Kanälen wurde in Sonderberichten über den Absturz der Raumfähre COLUMBIA berichtet. Mich erinnerte das fatalerweise an 1986 als ebenfalls alle damals verfügbaren Programme (vielen waren es noch nicht) ihre Sendungen unter- oder abbrachen und Extrasendungen brachten. Im Zeitalter moderner Kommunikation ging ich zeitgleich ins Internet und rief dort die eingegangenen Mails ab. Selber setzte ich auch ein paar Mails ab und rief dann bei Christian Harder und André Wulff an, beide waren schon informiert. Danach rief ich verschiedene Videotexte ab und schaltete auf CNN bzw. n-tv um. Später schob ich dann eine Cassette in den Videorecorder und zeichnete 4 Stunden Programm von n-tv auf.

Was war geschehen? Beim Landeanflug der Raumfähre COLUMBIA auf den Landeplatz in Cape Canaveral war diese um 15:16 Uhr MEZ dem US-Bundesstaat Texas in unzählige Einzelteile zerfallen. Erste Aufnahmen auf allen Kanälen zeigten wie die Raumfähre anscheinend auseinandergefallen oder explodiert war und die Überreste als Feuerbälle zur Erde stürzten. Augenzeugen berichteten von einem lauten Knall (es war ein Überschallknall, der normalerweise immer beim Wiedereintritt von Raumfahrzeugen in die Erdatmosphäre zu hören ist) und einer deutlich spürbaren Druckwelle. An Bord der COLUMBIA hatten sich im Rahmen der Mission STS-107 die Astronauten Kommandant Rick Douglas Husband (45), Nutzlastspezialist Ilan Ramon aus Israel (48), Nutzlastspezialist Michael P. Anderson (43), Missionsspezialist David M. Brown (46), Pilot William McCool (41), Missionsspezialistin Kalpana C. Chawla (41), Missionsspezialist David M. Brown (46), Missionsspezialistin Laurel B.S.Clark (41) befunden.

Nach einer inoffiziellen Übersetzung der AP-Meldung vom 1.2.2003 sei im Kontrollzentrum in Houston der Raumfähren-Notfall ausgerufen worden, nachdem um 15.00 Uhr MEZ (09:00 Uhr Ortszeit) der Funkkontakt zur Raumfähre COLUMBIA abgebrochen war, die mit fast 22 Jahren die dienstälteste der vier Shuttles umfassenden Flotte war. Sie sollte um 15:16 Uhr MEZ auf der Landepiste am Cape Canaveral niedergehen. In rund 63,1 km Höhe geschah das Unglück, als sich die Raumfähre mit Mach 18,3 (mehr als 20.000 km/h) den Landekoordinaten näherte.

Schnell wurde ob der Unglücksursache spekuliert, allerdings zeichnete sich schon sehr bald ab, dass es sich nicht, wie zunächst befürchtet, um einen Terroranschlag handelte, was aufgrund der Höhe auch schlechterdings unmöglich ist. In den ersten Pressemeldungen und -konferenzen wurde nur der Totalverlust gemeldet. Noch war die Ursache allen Beteiligten völlig unklar. Die Konferenzen waren von Ratlosigkeit, Trauer und Fassungslosigkeit geprägt. Im Laufe des Tages kristallisierten sich dann mehrere Möglichkeiten heraus: Es könnte an einem Ausfall der Lageregelungskontrolle gelegen haben oder der Hitzeschild könnte großflächig ausgefallen sein. Außerdem erinnerte man sich eines Vorfalls beim Start am 16. Januar: Hier waren vereiste Teile von der Oberfläche des Außentanks an die linke Tragfläche geschlagen, später vermutete man auch, dass sich Schaumstoff von den Booster gelöst haben könnte, die die Beschädigung der Tragfläche hervorriefen.

Tatsache ist, so wurde inzwischen bekannt, dass um 14:53 MEZ ein Temperaturfühler in der Hydraulik der linken Tragfläche keine Daten mehr lieferte, um 14:56, 14:58 und 14:59 Uhr fielen weitere Messinstrumente aus, die die Bodenstation ständig über den Zustand des Shuttles informieren, aber für den eigentlichen Landeanflug unbedeutend sind.

Wie NASA-Flugdirektor Milt Heflin auf einer der zahlreichen Pressekonferenzen mitteilte, wurde der Ausfall einiger Sensoren von der Besatzung bestätigt, danach riß der Funkkontakt ab..

Probleme mit dem Hitzeschild werden auch nach wie vor nicht ausgeschlossen, da das Shuttle während dieser Flugphase auf eine Geschwindigkeit vom 300 m/sec. abgebremst werden muss. Die dabei auftretende enorme Reibungshitze könnte den Schild beschädigt und zur Explosion des Shuttle geführt haben.

Die Experten der NASA sind derweil damit beschäftigt, die Trümmer zu bergen, die über einen 190 km langen Streifen quer über Texas und Louisiana verteilt sind. Darunter wurden auch Überreste der sieben Astronauten gefunden, die bei dem Unglück den Tod fanden.

Das Shuttleprogramm wurde, wie schon 1986 nach der CHALLENGER-Explosion, gestoppt, alle weiteren Flüge bis auf weiteres ausgesetzt. Für die drei an Bord der internationalen Raumstation ISS befindlichen Astronauten Don Petit und Ken Bowersox aus den USA und Nikolai Budarin aus Russland bedeutet dies, dass sie zwar derzeit mit russischen PROGRESS-Raumschiffen versorgt werden können (die Vorräte an Bord sollen bis Juni reichen), aber sie können nur mit dem für Notfälle angedockten SOJUS-Raumschiff zu Erde zurückkehren.

Quelle:

www.n-tv.de

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