Otto von Struve

wurde am 12. August 1897 in Charkow als letztes Mitglied einer traditionsreichen deutsch-russischen Astronomenfamille geboren, der es in dieser Wissenschaft zu Ruhm und Ehre brachte. Sein Ururgroßvater war der berühmte Friedrich Georg Wilhelm Struve (1793-1864), Direktor der Sternwarten zu Dorpat und Pulkowo; sein Vater Ludwig von Struve (1858-1920) stieg in diesen Observatorien ebenfalls in hohe Führungspositionen auf und wurde später Direktor der Charkower Sternwarte.

Otto von Struve begann 1915 sein Studium in Charkow, das er jedoch schon vier Jahre später in den Wirren der Russischen Revolution unterbrechen mußte. 1921 siedelte er in die Vereinigten Staaten über und fand am Yerkes Observatory (University of Chicago) eine Assistentenstelle, die ihm die Wiederaufnahme des Astronomiestudiums gestattete. 1923 folgte die Promotion, danach begann seine Laufbahn mit dem "instructor", "assistant" und "associated professor", bis er 1931 zum ,,assistant director" an dieser Sternwarte aufstieg. Von 1932 bis 1947 war er deren Direktor und gleichzeitig ordentlicher Professor für Astronomie an der Universität Chicago und Direktor des McDonald-Observatory der University of Texas. In den fünfziger Jahren stand er dem Leuschner-Observatory in Berkeley vor, von 1952 bis 1955 war er Vorsitzender der Internationalen Astronomischen Union (IAU) und ab 1959 leitete er dann das National Radio Observatory in Green Bank, eine erst kurz zuvor gegründete Sternwarte für radioastronomische Beobachtungen.

Zu Otto von Struves umfangreichen Arbeitsgebieten zählten die interstellare Materie, die Rotation von Sternen, die Radialgeschwindigkeiten galaktischer Sterne und extragalaktischer Sternsysteme, die spektroskopische Untersuchung von Doppelsternen und die erste Beobachtung von Radioquellen.

1925 entdeckte er das chemische Element Calcium in einigen Spektren, was er auf dessen Vorhandensein in der interstellaren Materie zurückführte, und 1938 gelang ihm der Nachweis, daß sie auch Wasserstoff in großen Mengen enthält. Otto von Struve, der auch viele Arbeiten über veränderliche Sterne und zur Sternentwicklung veröffentlichte, starb am 6. April 1963 in Berkeley.

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