Willem de Sitter (1872-1934),

zu Sneek in den Niederlanden geboren, wurde 1908 Professor für Astronomie an der Universität Leyden. Nach seiner Studienzeit in Groningen war er zunächst an der dortigen Sternwarte und in Kapstadt beschäftigt. Schon während des Studiums lenkte Jacobus Cornelius Kapteyn (1851-1922), Astronomieprofessor an der Groninger Universität und de Sitters Lehrer, dessen Interesse auf die Himmelskunde.

Kapteyn hatte versucht, in Groningen eine eigene Sternwarte zu gründen, was ihm jedoch trotz größter Anstrengungen nicht gelingen wollte. Sein Schüler de Sitter hingegen wurde 1919 Direktor der Sternwarte zu Leyden, die er gründlich umorganisierte und durch seine zahlreichen himmelsmechanischen Arbeiten zu hohem Ansehen verhalf.

Nachdem Einstein 1915 seine Allgemeine Relativitätstheorie formuliert hatte, leitete de Sitter 1917 zum ersten Mal ein expandierendes Universum daraus ab. Allerdings hatte der Amerikaner Vesto M. Slipher bereits 1913 ein ähnliches Weltmodell theoretisch erarbeitet, welches de Sitter aber offenbar nicht bekannt war. Dessen Überlegungen und Arbeiten zum expandierenden Weltall wurden schon kurze Zeit später (zumindest teilweise) anhand von Radialgeschwindigkeitsmessungen an 15 Spiralnebeln verifiziert.

Erst durch Hubbles Entdeckung der Fluchtgeschwindigkeit der Galaxien gewannen de Sitters Theorien erneut an Bedeutung, da sie Hubble erst dazu anregten, den verschiedenen direkten Hinweisen zur Expansion des Weltalls nachzugehen.

Weitere Arbeitsgebiete de Sitters waren die Theorie der Bewegung der Jupitermonde und die Schwankungen in der Rotationszeit der Erde.

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