Samuel Heinrich Schwabe (1789-1875)

Die Geschichte der Astronomie weist eine stattliche Anzahl von Forschern auf, die diese Wissenschaft nur als Amateure betrieben, ihr aber dennoch auf den unterschiedlichsten Spezialgebieten zum Fortschritt verhalfen.

Einer von ihnen war zweifelsohne Samuel Heinrich Schwabe. Geboren am 25. Oktober 1789 in Dessau, ergriff er den angesehenen Beruf des Apothekers. In der Freizeit widmete er sich ganz der Himmelskunde, sein ,,Feierabend" dürfte sich kaum von dem heutiger Sternfreunde unterschieden haben, abgesehen natürlich von der Qualität der zur Verfügung stehenden Instrumente und dem früher sehr viel dunkleren Himmel. Sehr wahrscheinlich wird er zunächst kein spezielles Objekt gehabt haben, das ihn besonders interessierte, denn erst 1826 riet ihm ein Freund, doch mit systematischen Beobachtungen der Sonnenflecken zu beginnen.

Anfang des 19. Jahrhunderts gab es erstaunlicherweise kaum Wissenschaftler, die sich mit den Vorgängen auf der Sonne beschäftigten. Fabricius, Scheiner und Galilei hatten 1610 bzw. 1611 erstmals Flecken mit ihren vergleichsweise primitiven Fernrohren gesehen, zwischen 1645 und 1715 kamen infolge des Maunder-Minimums, das in seinen Ursachen noch immer ungeklärt ist, keine Beobachtungen zustande und später waren viele Astronomen überzeugt, daß die Flecken nicht beobachtet zu werden brauchten, da sie keinen wesentlichen Beitrag zur astronomischen oder physikalischen Forschung lieferten.

Es war durchaus bekannt, daß ihre Häufigkeit gewissen Schwankungen unterlag, aber niemand versuchte ernstlich, die wenigen vorliegenden Sichtungen auf irgendeine Gesetzmäßigkeit hin zu untersuchen. Der Däne Christian Horrebow war in dieser Beziehung die wohl einzige rühmliche Ausnahme. Er hatte seit 1738 regelmäßig Flecken beobachtet, aus unerfindlichen Gründen aber nichts darüber veröffentlicht, so daß es in letzter Konsequenz Samuel Heinrich Schwabe vorbehalten blieb, Entscheidendes zur Frage nach einer möglichen Periodizität im Erscheinungsbild der Sonnenflecken beizutragen.

Schwabe hatte seine Sonnenbeobachtungen zunächst nur durchgeführt, um nach einem weiteren Planeten innerhalb der Erdbahn zu suchen, der sich vor der hellen Sonnenscheibe als dunkler Punkt verraten hätte. Von 1826 bis 1868 beobachtete er bei fast jeder Gelegenheit, kam auf 12460 mustergültige Einzelsichtungen und leitete 1843 aus ihnen einen etwa l0jährigen Zyklus ab, in dem es einmal mehr und dann wieder weniger Flecken gab (Beispiel: 1828 mit 225 und 1833 mit 33 Gruppen).

Schwabe teilte seine Entdeckung Richard Carrington in England mit, ein Amateur wie er selbst, und Alexander von Humboldt gab sie in seiner populären Zeitschrift ,,Kosmos" einem weiten Leserkreis bekannt. 1857 zeichnete die Royal Astronomical Society von England den Dessauer Apotheker mit einer Goldmediaille aus, wenngleich viele Fachstronomen der Entdeckung Schwabes kritisch gegenüberstanden.

Ein weiterer Engländer, Generalmajor Edward Sabine, glaubte in einem Bericht an die Royal Society daraufhin einen Beweis für den Zusammenhang des zyklischen Verlaufs der Sonnenaktivität mit magnetischen Störungen auf der Erde gefunden zu haben. Der Bericht veranlaßte wiederum einen anderen Forscher, nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Rudolf Wolf (1816-1893) in Zürich hörte davon, sah sich Schwabes Unterlagen an und begann, die Periodizität der Sonnenflecken über das Jahr 1826 bis zu Galilei zurückzurechnen. Er bediente sich dazu eines simplen Hilfsmittels, das den Sternfreunden unserer Tage als ,,Wolfsche Fleckenrelativzahl" geläufig ist, die er ebenfalls aus den sehr sorgfältigen Aufzeichnungen des Dessauers herleitete, und ermittelte einen Fleckenzyklus von durchschnittlich 10 Jahren Länge.

Samuel Heinrich Schwabe, der am 11. April 1875 in seiner Heimatstadt verstarb, war auch auf den anderen Gebieten durchaus aktiv, so ist eine aus dem Jahr 1834 stammende Zeichnung des Planeten Jupiter überliefert, die erstmals den Großen Roten Fleck zeigt.

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