Ole Römer (1644-1716)


Olaus Christensen Römer, so sein vollständiger Name, wurde am 25. September 1644 in dem kleinen dänischen Städtchen Aarhuus geboren. In Kopenhagen studierte er ab 1662 Mathematik, zeigte aber auch als Zeitgenosse Tycho Brahes (1546-1601) Interesse an der Astronomie Während dieser Zeit wohnte Römer auf dem Gut Erasmus Bartholins (1625-1698), einem Naturforscher und Bewunderer Brahes. Hier lernte Römer auch die Tochter Bartholins kennen, die er später ehelichte.

Viele Jahre nach dem Fortgang Tycho Brahes aus Dänemark im Jahr 1597, er hatte sich mit dem Nachfolger König Friedrich II. überworfen und war den Adligen des Landes ohnehin seit längerem wegen seines ausschweifenden Lebens ein Dorn im Auge gewesen, gelang es Bartholin, einige seiner Aufzeichnungen zu bergen und aufzubewahren. Gemeinsam mit Römer studierte er nun die Texte und Briefe Brahes.

Das brachte ihn 1671 mit Abbé Jean Picard (1620-1682) zusammen, der von der Pariser Académie des sciences den Auftrag erhalten hatte, die genauen georaphischen Koordinaten der Braheschen Uraniborg auf Hveen zu bestimmen.. Die Messungen dienten hauptsächlich der Erprobung einer von Giovanni Domenico Cassini (1625-1712) vom Pariser Observatorium vorgeschlagenen Methode der Registrierung der Verfinsterung der Jupitermonde und dem anschließenden Vergleich der Ortszeitdifferenzen.

Römer ließ sich schnell für die Teilnahme an den Beobachtungen auf Hveen überreden und so verbrachten beide die kommenden Monate auf der schon zu einem großem Teil dem Verfall preisgegebenen Sternwarte. Dabei fiel Picard die besonderen mathematischen Fähigkeiten des jungen Dänen auf; er war so von dessen Fähigkeiten beeindruckt, daß er ihn einlud, ihn 1672 auf seiner Rückreise nach Frankreich zu begleiten.

Dank der erfolgreichen Fürsprache Picards wurde Ole Römer als Astronom in die Reihen der angesehenen Académie des sciences aufgenommen und fand eine Anstellung auf der Pariser Sternwarte. Er kam nicht mit leeren Händen aus Dänemark angereist, denn er hatte ein von ihm entwickeltes Okularmikrometer im Gepäck, das besser war alle bis dato bekannten. Außerdem hatte er kurz zuvor den Meridiankreis, der sich für die Zeitmessung als geradezu ideales Instrument erweisen sollte, erfunden.

Die mit Picard auf Hveen hegonnenen Untersuchungen der Jupitermonde setzte er nun als Observator in Paris fort, wobei besonders die akribisch verfolgten Verfinsterungen des innersten Jupitermondes Io sein Beobachtungstalent erkennen ließen

Römer stieß schon bald bei der Bestimmung der Zeiten, zu denen Io in den Jupiterschatten eintrat, auf eine konstante jährliche Schwankung. Er führte dies - nach heutiger Sicht - korrekt auf die wechselnde Entfernung zur Erde im Laufe eines Jahres zurück. Die Lichtgeschwindigkeit bestimmte er zu 42.000 Meilen in der Stunde und die Zeit, die das Licht von der Sonne zur Erde benötigt zu 11 Minuten.

Das brachte ihn jedoch in Mißkredit zu Cassini, der ein glühender Verfechter der von René Descartes (1596-1650) aufgestellten und in Europa stark verbreiteten kartesianischen Kosmologie war, nach der sich das Licht ohne zeitliche Verzögerung von einem Ort zum anderen fortpflanzt.

Hinzu kam, daß l681 durch die Aufhebung des Ediktes von Nantes die Lage in Frankreich für Hugenotten. Jansenisten und Lutheraner (zu denen Römer sich zählte) immer unerträglicher wurde, bis er sich schließlich entschloß, nach Dänemark zurückzukehren.

Nach seiner Rückkehr ernannte man ihn zum Professor für Astronomie. womit die Leitung der Kopenhagener Sternwarte verbunden war,. und zum Königlichen Mathematiker. Daneben betraute man ihn mit vielerlei administrativen Aufgaben, zeitweise war er sogar Bürgermeister und Staatsrat in der Hauptstadt des kleinen Königreiches.

Dennoch fand er ausreichend Muße, sich seinen physikalischen und astronomischen Forschungen und dem Bau von Instrumenten zu widmen. 1690 erfand er das Passagefernrohr, mit dem er die Parallaxen zahlreicher Sterne zu bestimmen versuchte, um aus ihnen die Bewegung des vom kopernikanischen System her geforderten Umlaufs der Erde um die Sonne zu verifizieren.

Auf dem Landsitz seines Schwiegervaters Erasmus Bartholins in Pilenborg errichtete sich Römer 1704 eine Privatsternwarte, das ,,Observatorium Tusculanum", in dem er einen Meridiankreis sowie ein Aquinoktialfernrohr aufstellte.

Ole Römer betätigte sich darüber hinaus als Konstrukteur kleiner anschaulicher Modelle, die die Bewegungen der Körper im Sonnensystem verdeutlichen sollten. Die ,,Machina Eclipsum" und das ,,Machina Planetarum", sie dienten der Erklärung von Sonnen- und Mondfinsternissen bzw. der Wanderung der Planeten am Himmel, sind die einzigen im Auftrage Römers entstandenen Instrumente, von denen wir heute Kenntnis besitzen. Sie befinden sich in der ,,Bibliothéque Nationale" in Paris und wurden während seiner Zeit in Frankreich von Isaac Thuret. einem bekannten Uhrmacher, gebaut, der noch zwei identische Instrumente anfertigte, die Römer dann nach Dänemark mitnahm. Alle anderen wurden im Oktober 1728 beim großen Brand von Kopenhagen ein Raub der Flammen.

Ebenso verschollen sind seitdem wesentliche Teile seiner Aufzeichnungen, die ein Bild vom Leben und Wirken dieses großen dänischen Astronomen wiedergeben könnten. Einige Beobachtungsnotizen, ein 55 Sterne umfassender Katalog, die Aufzeichnungen von Meridiandurchgängen des Mondes, Positionsmessungen von Sonne und Mond und eine Beschreibung der Mondfinsternis vom 21. Oktober 1706 sind von Ole Römer, der am 19. September 1710 in Kopenhagen verschied, erhalten geblieben.

Sie werden heute im Ole Römer Museum in Vridslösemagle in Dänemark aufbewahrt, wo man. nach einigen archäologischen Grabungen im Jahr 1978 fündig geworden, Reste der hölzernen Pfähle des Römerschen Privatobservatoriums wiederfand und das ,,Observatorium Tuscalanum" rekonstruierte. Das Zweitmodell der ,,Machina Eclipsum" konnte unter beinahe schon dramatisch zu nennenden Umständen 1982 in einem Lagerraum auf Schloß Rosenburg, dem dänischen Nationalmuseum, wiederentdeckt werden, während die "Machina Planetarum" sich dort ebenfalls seit der Rückkehr Ole Römers aus Frankreich befand, nachdem sie der dänische König für seine Kunstsammlung für einige tausend "Rigsdaler" angekauft hatte.

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