Polarlichter (2): Geomagnetische Stürme und Formen der Polarlichter

Polarlichter entstehen durch das Eindringen solarer Protonen und Elektronen in die Hochatmosphäre und deren anschließenden Kontakt mit den Sauerstoff- und Stickstoffmolekülen der Hochatmosphäre. Der Sonnenwind, jener Strom vorwiegend aus Protonen und Elektronen bestehender Teilchen, die ständig von der Sonnenoberfläche abströmen, weht jedoch nicht immer gleichmäßig, sondern, besonders zu Zeiten des Fleckenmaximums, in mehr oder weniger starken Böen. Diese führen nun dazu, dass die Ionosphäre der Erde nicht nur zusammen gedrückt, sondern auch verdichtet werden, d.h. die Teilchendichte pro gewähltem Rauminhalt steigt sprunghaft an. Die Folge: Die elektrisch leitenden Eigenschaften der Ionosphäre verändern sich, es entstehen Überreichweiten und der Kurzwellenempfang wird stark beeinträchtigt. Damit aber noch nicht genug: Die Stromstärke bestimmter elektrischer Ströme in der Ionosphäre nehmen ebenfalls zu, man spricht dann von einem magnetischen Sturm, der auch schon mal auf Überlandleitungen übergreift und zum Zusammenbruch der Stromversorgung in etlichen Landstrichen führen kann.

Für die Vorhersage und Polarlichtwarnmeldungen gibt es mehrere, zum Teil einander widersprechende Skalen. Am verbreitetsten ist dabei der 10stufige kp-Index, der die zu erwartende Sturmstärke angibt und somit auch die Wahrscheinlichkeit für die Sichtbarkeit von Polarlichtern. Bei einem kp-Wert bis 6 ist eher selten mit einem Polarlicht zu rechnen, alle darüber liegenden Werte machen die Sache spannend und man sollte sich auf eine nächtliche Polarlichtjagd vorbereiten. Sie sind aber keine Garantie dafür, dass wir auch ein imposantes Licht wahrnehmen werden, denn es kann auch passieren, dass die Teilchen tagsüber eintreffen, dann haben die Beobachter auf der anderen Seite der Erdhalbkugel Glück und können möglicherweise ein spannendes und vor allem lautloses (!) Naturschauspiel erleben.

Polarlichter gibt es in vielen unterschiedlichen Formen, deren Variabilität sich mit der geographischen Breite ändert. So kann man in nördliche Gefilden innerhalb des Polarkreises andere Arten beobachten, als in Mitteleuropa. Hier sind am bekanntesten die so genannten Vorhänge, die in natura und auf Fotos manchmal auch wirklich so aussehen. Beobachter, die Fahrten zum Polarkreis unternahmen, z. B. mit der Hurtig-Route, berichteten davon, diese Vorhänge bei starker Sonnenaktivität auch schon in Bewegung gesehen zu haben, nämlich dann, wenn von der Sonne kommende Teilchen tief in die Hochatmosphäre eindrangen und das Erdmagnetfeld zusätzlich in Unruhe versetzten. Dann können auch Falten und Bögen entstehen. Die Vorhänge waren jedoch während des Ereignisses in der Nacht vom 6. auf den 7. April 2000 auch von der nördlichen Lüneburger Heide aus gut zu beobachten und zu fotografieren.

Zu den ansonsten noch geläufigen Klassen des Polarlichts gehören die Polarlichtkrone, ein Band, dass sich quer über den Himmel spannt (konnte ich, allerdings ohne Farbenspiel, vom 15. auf den 16. Juli 2000 beobachten) und, wenn man genau drunter steht ein imposantes Schauspiel bietet: Die einzelnen Polarlichtstrahlen scheinen in einem einzigen fernen Punkt zusammen zu laufen. Mit Glück kann man so etwas auch vom Zentrum einer hell erleuchteten Millionenstadt wie Hamburg erleben...

Des Weiteren kennt man den ruhige oder verformten Polarlichtbogen. In unseren Breiten sind diese Erscheinungen jedoch eher selten, häufiger gibt es Polarlichter, die den Himmel einfach nur weiß. rot oder violett ohne erkennbare Form erstrahlen lassen. Sollte also der Himmel rötlich erscheinen, muss nicht immer das nahe Kraftwerk, die Fabrik oder ein Großfeuer die Ursache sein: Es kann sich auch um ein Polarlicht handeln. &U;brigens: Naturgemäß treten Polarlichter nördlich des Polarkreises wesentlich häufiger, auch zu Zeiten niedrigerer Sonnenaktivität auf und gehören dort während der Polarnacht zu den gewohnten, dafür aber oft spektakulärsten Himmelserscheinungen.
(Quelle: Kristian Schlegel: Vom Regenbogen zum Polarlicht (Berlin 1999)

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