Jules Henri Poincare (1854-1912)


Am 29. April 1854 wurde er in Nancy als Vetter des späteren französischen Staats- und Ministerpräsidenten Raymond Poincare geboren. Allerdings schlug er keineswegs ebenfalls eine politische Laufbahn ein, sondern ließ sich dank profunder, mathematischer Kenntnisse zum Bergwerksingenieur ausbilden. Er wurde bald auch auf anderen Gebieten aktiv und promovierte 1879 nach dem Studium an der Ecole polytechnique in Paris mit einer Arbeit über partielle Differentialgleichungen. Anschließend wirkte er für kurze Zeit in Caen bis er 1881 die Professur für Mathematik an der Pariser Universität erhielt. Danach war er ab 1893 Repetiteur an der Ecole polytechnique und unterrichtete später gleichzeitig an der schon damals hochangesehenen Sorbonne.

Seinen Lehrstuhl in Caen hatte er eigentlich auch nie so ganz aufgegegeben. 1896 wurde diesem sogar noch der für Himmelsmechanik hinzugefügt. Parallel dazu war Poincare Professor für Astronomie an der Ecole polytechnique. Er bekleidete also mehrere Ämter zur selben Zeit.

Poincares Interessen waren sehr umfassend und reichten in der Mathematik von automorphen Funktionen, Differentialgleichungen und nichteuklidischer Geometrie bis zur Astronomie, wo besonders die Himmelsmechanik hervorragt. Seine diesbezüglichen Forschungen, bei denen er erstmals mathematisch-analytische Verfahren in die Astronomie einbrachte, gipfelten in dem schon beinahe epochalen dreibändigen Werk ,,Die neuen Methoden der Himmelsmechanik, das er in den Jahren von 1892 bis 1899 verfaßte. Fasziniert war er vor allem vom Dreikörperproblem, hatte er doch 1889 methodische Lösungen darin entdeckt und für n-körper die Zahl der maximal möglichen Integrale auf zehn begrenzt. Die himmelsmechanischen Arbtiten waren so bedeutend, daß ihn der schwedische König dafür auszeichnete.

Den ersten drei Bänden folgte von 1905 bis 1910 ein weiterer, ebenfalls 3 Bände umfassender Zyklus zum Thema "Vorlesungen über Himmelsmechanik", worin er mehr die praktische Seite aufgriff und viele Anregungen für seine Astronomiekollegen einarbeitete. Die Klärung des Problems der Gleichgewichtsfiguren bei rotierenden Flüssigkeiten erhielt durch ihn Auftrieb, und war auch für kosmologische Fragestellungen von allgemeinem Interesse.

1908 wurde Poincare wegen seiner vielen Verdienste zum Mitglied der Academie francaise ernannt und gilt noch heute als einer der herausragendsten Mathematiker und Theoretischen Astronomen des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

Neben alledem fand Poincare noch Zeit genug, sich wissenschaftlichen Grenzgebieten zu widmen. Er war ein angesehener Wissenschaftstheoretiker und schrieb mehrere Bücher über astronomisch-philosophische Themen: "Wissenschaft und Hypothese", "Wiss enschaft und Methode". Insgesamt stammen 30 Bücher und fast 500 Schriften aus seiner Feder.

Mit der im Jahr 1900 von Max Planck (1858-1947) veröffentlichten Quantentheorie setzte er sich in seinen letzten Lebensjahren ebenfalls auseinander, konnte sich mit ihr aber nicht so recht anfreunden, womit er sich in guter Gesellschaft mit Albert Einstein (1879-1955) befand, der sie ja zeitlebens nicht anerkannte.

Jules Henri Poincare, der in der Wissenschaft viel bewegt und zu mancher tiefgreifender, neuer Einsicht geführt hat, schloß am 17. Juli 1912 in Paris für immer die Augen.

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