Carl Frederick Pechüle (08.06.1843 - 28.05.1914)

Pechüle wurde am 8. Juni 1843 als Sohn des Nadlermeisters Christian V. Pechüle in Kopenhagen geboren. Unterrichtet wurde er als Jugendlicher im Elternhaus und teilweise im katholischen Propagandakollegium in Rom. Als er 1865 sein Abitur abgeschlossen hatte, ging er an die Kopenhagener Sternwarte, um dort unter Heinrich d'Arrest Astronomie zu studieren. Seit dieser Zeit interessierte er sich für die Beobachtung von Planeten und Kleinplaneten, bis er 1870 als Observator an die Hamburger Sternwarte - damals noch am Millerntor gelegen - wechselte. Aus der langen Liste seiner insgesamt 70 Veröffentlichungen allein in den Astronomischen Nachrichten (enthalten im Astrophysics Data System, ADS) gehen allerdings nur wenige Zeugnisse über seine Arbeit in Hamburg hervor. So konnte er am 30. April und 1. Mai und später nochmals am 11. Mai 1872 den erst wenige Tage zuvor (10. April 1872) von Alphonse Louis Nicolas Borrelly (1842 - 1926) entdeckten Kleinplaneten (120) Lachesis beobachten und die Helligkeit auf 12. Größe sowie dessen Bahnelemente bestimmen.

Ende August 1873 beobachtete er am Millerntor einen von Paul-Pierre Henry (1848 - 1905) entdeckten Kometen ("sehr brilliant mit einem sternartigen etwas nach Osten liegenden Kern; die Nebelmasse erscheint deutlich marmorirt") sowie die Schweifsterne Borelly (Rund, 2' Durchmesser, verdichtet in der Mitte") und Tempel ("Comet schwach"), vermaß deren Bahn und ihre Helligkeiten.

Am 22. Februar 1874 beobachtete er den erst zwei Tage zuvor entdeckten Kometen Winnecke. Auch Kleinplaneten gehörten zu seinem regelmäßigen Programm an der Hamburger Sternwarte. Am 22. und 30. März 1872 verfolgte er den Kleinplaneten (118) Peitho, am 18. April 1872 (119) Althaea und am 27. Juli 1872 (113) Almathea. Zwischendurch machte Pechüle 1873 in Kopenhagen seinen Magister und nahm 1874 an einer Expedition zur Beobachtung des Venustransits am 9. Dezember teil. 1875 verließ er dann die Stadt an der Elbe und kehrte nach Kopenhagen zurück, wo er weiterhin Kometen und Asteroiden beobachtete und 1888 als Nachfolger von Hans Schjellerup (1827 - 1887) Observator der Sternwarte wurde, ein Amt, dass er bis zu seinem Tode 1914 ausübte. In dieser Zeit war Pechüle weiterhin sehr produktiv. So nahm er 1882 an einer Expedition zur Beobachtung des Venustransits auf St. Croix in Westindien teil, beobachtete mehrere Kometen (1877I, 1880V, 1886IX), Sternbedeckungen und Meteore, vermaß Bahnen, bestimmte Helligkeiten und er nahm an einer Expedition zur Beobachtung des Merkurdurchgangs vom 8. November 1881 teil. Nicht vergessen werden darf, dass er sich auch der Deep-Sky-Beobachtung widmete, wenn auch nicht mit dem gleichen Engagement wie bei den Objekten des Sonnensystems. Mit dem 11 Zoll Merz-Refraktor der Kopenhagener Sternwarte entdeckte er zwei NGC und drei IC-Objekte: 1885 fand er NGC 4239 (Coma-Haufen), 1888 entdeckte er NGC 78 (Fische) und IC 503 (Wasserschlange) mit einem kleinen Kometensucher, 1891 ging ihm IC 1369 (Schwan) ins Netz und 1893 schließlich mit IC 4 (Pegasus) das letzte Objekt. In einem Nachruf (AN 1914, 198, 407) schrieb der berühmte Astronom Elis Strömgren über ihn: "In Pechüle ist ein feingebildeter, für seine Wissenschaft warm interessierter Mann dahingegangen. Die ältere Astronomen-Generation kennt ihn als lebensfrohen, liebenswürdigen Kollegen, der immer mit Freude an den Astronomen-Versammlungen teilnahm. Seine letzten Lebensjahre wurden durch Kränklichkeit sehr verdüstert". Pechüle verstarb am 28. Mai 1914 in Kopenhagen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Frederick_Pech%C3%BCle .
http://articles.adsabs.harvard.edu/full/1914AN....198..407S
http://www.klima-luft.de/steinicke/ngcic/persons/pechule.htm



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