Das NAFT in Cuxhaven

Zehn GvA-Mitglieder fuhren am 24. Oktober 2009 mit dem Zug zum Norddeutschen Astrofotografentreffen nach Cuxhaven an die Nordsee. Erlebnisreiche Stunden sollten bevorstehen.

Nahezu pünktlich trafen an diesem Samstagmorgen alle am Reisezentrum des Hamburger Hauptbahnhofes in der Wandelhalle ein. Zwei Niedersachsentickets für den Metronom wurden gelöst und kurz darauf saßen alle in dem bequemen Zug: Carolin Liefke, Klaus Bussian, Hartwig Lüthen, Wolfgang Moldenhauer, Jürgen Prahl, Konstantin von Poschinger, Ralf Richter, Michael Steen, André Wulff und ich. Bequem, sich schon mal durch Klönen auf den Tag einstimmend und für weniger als 10 Euronen nahmen wir die Strecke bis ins Nordseeheilbad Cuxhaven in fast zwei Stunden. Es war nur ein kurzer Fußweg an diesem überwiegend herbstlich-nebligen Tag nötig, bis wir an der Max-Koch-Sternwarte der GvA-Gruppe Cuxhaven in der Pestalozzistraße ankamen.

Im Kellergeschoss erwartete uns eine Cafeteria, die es wahrlich in sich hatte: Mit vorzüglicher Bewirtung durch reichliche Mengen Kaffee und leckeren, belegten Brötchen bereiteten wir uns auf die kommenden Stunden vor. Der Umfang der Mittagstafel setzte dabei Maßstäbe für künftige NAFTs. Bei der Gelegenheit erhielt die Abkürzung auch eine neue Langform: Nur Am FutterTrog!

Da das Treffen in einer Schule stattfand, verteilten sich die Aktivitäten an diesem Tage über mehrere Stockwerke. Während wir im Keller speisten, konnte später in der 2. Etage den Vorträgen gelauscht und in der 3. die Sternwarte besichtigt werden. Hierhin gab es schon vor dem eigentlichen Beginn des Treffens erste Führungen.

Gut gesättigt und gestärkt machten wir uns schließlich auf den Weg in den Vortragsraum im 2. Stock. Nach einer kurzen Ansprache begann Benjamin Rinna sogleich mit einem kleinen Referat über die astrofotografischen Aktivitäten in Cuxhaven. Dabei stellte er die Sternwarte vor und betonte, dass es hier erst seit Anfang 2009 eine Astrofotogruppe gibt, die sich dafür gleich ein ehrgeiziges Projekt ausgesucht hat. Mit Hilfe des Freeware-Programms Terragen und rund 3000 Einzelaufnahmen des Mondes wurde aus den darin enthaltenen Hell- und Dunkelwerten (die in Höhenreliefs umgewandelt wurden) ein etwa einminütiges Video eines Fluges über die Mondoberfläche generiert. Wenngleich die Spitzen, die den höchsten Helligkeitswerten entsprechen, und die Tiefen, die aus den niedrigsten Dunkelwerten entstanden, zwar noch ein wenig übertrieben und wirklichkeitsfern wirkten, zeigte sich jedoch deutlich das Potenzial dieses Programms.

Vier Mitglieder der GvA waren im letzten Sommer nach Namibia gereist (s. Artikel in diesem Heft) und Hartwig Lüthen führte hier als Erster seine Ergebnisse aus dem fernen Süden sowie Impressionen der einmaligen Landschaft und der faszinierenden Tierwelt in der ehemaligen deutschen Kolonie vor. Für die Deep-Sky-Aufnahmen verwendete er auch die auf der Farm Tivoli vorhandenen Geräte und zeigte Bilder vom Helixnebel, Omega Centauri, dem Milchstraßenzentrum mit M 7, M 8 und M 20, Eta Carinae, dem Katzenpfotennebel, 47 Tucanae, NGC 253, Centaurus A, von verschiedenen Dunkelwolken, NGC 55, der Antaresregion und vom „Witch head nebula“ im Orion. Daran schlossen sich Bilder vom Jupiter an, die mit Fitswork speziell bearbeitet wurden sowie Hα-Aufnahmen von NGC 7000, die mit dem Astronomik-Clipfilter in einer modifizierten Canon 300D gemacht wurden. Die Auswertung des Rotkanals führte zu den am deutlichsten wahrnehmbaren Details auf dem Planeten.

Frank Wierny aus Oldenburg berichtete als Nächster unter der Überschrift „Neues aus Portsloge“, wie er „in den Sümpfen von Oldenburg“ bei schlechtem Seeing und großer Lichtverschmutzung unter Zuhilfenahme des Idas LPR-Filters, einer alccd-6-Kamera von Astrolumina und verschiedenen Instrumenten seiner Sternwarte M 13, M 27, NGC 6960, NGC 6992, IC 5146, NGC 7023, NGC 7635, den Bubblenebel, NGC 1333 und NGC 691 aufgenommen hatte. Heraus kamen beeindruckende gestackte Bilder, trotz der widrigen Umstände, unter denen sie entstanden waren.

Wolfgang Moldenhauer, der ebenfalls nach Namibia gereist war, präsentierte seine vorwiegend mit kurzen Objektivbrennweiten seiner unmodifizierten Canon 350D entstandenen Bilder von NGC 281, Eta Carinae, dem Flammennebel, dem Pferdekopfnebel, dem Helixnebel, vom Kreuz des Südens samt Kohlensack, dem Lagunennebel, der Kleinen und der Großen Magellanschen Wolke, M 17, M 8, dem Katzenpfotennebel, Omega Centauri und 47 Tucanae. Zuletzt hatte er dann noch ein paar frische Aufnahmen aus der GvA-Außensternwarte in Handeloh dabei, die Sculptor-Galaxie, den Katzenpfotennebel und NGC 7000.

In der nun folgenden, längeren Kaffeepause konnte reichlich Kaffee nachgetankt und Kuchen von erlesenem Geschmack zur Stärkung genossen werden.

Im ersten Vortrag nach der Pause schilderte Konstantin von Poschinger seine Eindrücke der Reise nach Namibia. Die  sehr sehenswerten Präsentation begann mit einem Video vom Rundflug über der Farm Tivoli, einer Vorstellung der Sternwarte und den dort vorhandenen Teleskopen, gefolgt von All-Sky-Animationen, kurzbrennweitigen Aufnahmen vom Milchstraßenzentrum, dunklen Wolken am durch die Milchstraße(!) aufgehellten Nachthimmel, Nachthimmel mit Vordergrundmotiven, einen noch nie gesehenen Sonnenaufgang mit der Sonne als schmalen Streifen, Milchstraße mit Gegenschein (in der Jupiter saß), kleine Mosaike der Antaresregion, Animationen, die mit der Astrotrac entstanden und Hα- sowie „Normallicht“-Aufnahmen aus dem Bereich des Kreuzes des Südens, von NGC 4126, M 8, M 16, M 17, M 20, der Kleinen und der Großen Magellanschen Wolke, 47 Tucanae, dem Tarantelnebel, NGC 253, Eta Carinae, Omega Centauri, NGC 55, diversen Gasnebeln, aber auch vielen Reflexionsnebeln und Dunkelwolken, der Umgebung des Orionnebels oder den Details in der GMW rundeten das astrofotografische Bild ab. Im zweiten Teil gab es nicht minder imposante Aufnahmen aus der Tierwelt der Etosha-Pfanne und von steinzeitlichen Malereien in der Namib-Wüste.

Bruno Mattern führte die Besucherinnen und Besucher dann wieder zurück in die tiefen Abgründe des Nordens, stellte kurz seine Sternwarte vor und zeigte dann seine in der Lüneburger Heide entstandenen Aufnahmen vom Pelikannebel, NGC 81, 82 und 85, NGC 672, M 99 und M 98, M 101, M100, dem Galaxientrio im Löwen, M78, M 77 mit Kleinplaneten, M 74, M 33, NGC 891, NGC 7814, NGC 7331, dem Helixnebel, dem Cocoonnebel, NGC 6946, der Heringsgalaxie, NGC 8590, NGC 4244, NGC 2403, NGC 5005 und M 27. Einige der Bilder waren erst während einer Schönwetterkatastrophe im Frühjahr entstanden. Mit dem SQM konnte er dabei eine Grenzhelligkeit von fast 22 mag messen!

Uwe Freitag aus Lübeck beendete das Herbst-NAFT dann mit einem Vortrag über Leuchtende Nachtwolken, Halos, Nebensonnen, Dämmerungsphänomenen, Regenbögen und beeindruckenden Panoramen.

Im Anschluss daran bestand noch die Möglichkeit, die Räume der Max-Koch-Sternwarte und die Kuppel mit dem 14"-Newton zu besichtigen. Außerdem gab es eine kurze Vorführung des an der Decke des Vortragsraumes installierten analogen Stellariums. Nach der offiziellen Verabschiedung durch Benjamin Rinna kam kurz die Frage auf, wo das kommende NAFT im Frühjahr stattfinden soll. Ein Ergebnis wurde an diesem Abend aber noch nicht erzielt.

Es war nun kurz vor 19 Uhr und wir stellten fest, dass wir es nicht mehr rechtzeitig zur Abfahrt des Zuges um 19:10 Uhr schaffen würden. Daher beschlossen wir, sehr gut durch die Cuxhavener Verpflegung versorgt, in einer auf dem Weg liegenden Kneipe einzufallen und noch das eine oder andere Bierchen, Alsterwasser oder Cola zu uns zu nehmen. Hier hätte man sich auch noch länger aufhalten können, aber wir wollten den Zug um 20:10 Uhr nehmen, der dann auch schon auf dem Cuxhavener Kopfbahnhof auf uns wartete.

Ähnlich stressfrei wie die Hinfahrt verlief auch der Rückweg nach Hamburg. Klönen oder Bilder auf dem Netbook gucken, ließen die Fahrt kurzweilig und interessant erscheinen. Ein schöner NAFT-Tag war zu Ende. Eine Superverpflegung, schöne Vorträge und eine mehr als entspannte Atmosphäre führten zu einem rundum gelungenen Tag!

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