27. Oktober 2007: NAFT and more ... 

An diesem Samstag fand in Hannover, organisiert von den Mitgliedern der Volkssternwarte Geschwister-Herschel e.V., in der niedersächsischen Landeshauptstadt das Norddeutsche Astrofotografentreffen für den Herbst 2007 statt. Wer da meinte, wegen des nicht gerade berauschenden Wetters im vergangenen Sommer würden nur wenige Astrobilder gezeigt werden, der irrte gewaltig und versäumte allerhand.

Ich fuhr an diesem Tage bereits kurz nach 9 Uhr in Richtung Fintel los, von wo aus ich zusammen mit Christian Harder weiterfahren wollte. Allerdings gestaltete sich das zunächst etwas schwierig, denn dichter Straßenverkehr, Baustellen, Staus auf der A 1 und zunehmend dichter werdender Nebel verhinderten erfolgreich ein schnelles vorankommen, sodass ich erst gegen 10:40 Uhr in dem kleinen Heidedorf ankam. In der Hoffnung auf eine Beobachtung des Kometen 17P/Holmes, der wenige Tage zuvor einen exorbitanten Helligkeitsausbruch erlebt hatte und zwischen 12 und 13 (!) Größenklassen heller geworden war, hatte Christian seinen selbstgebauten 8“–Dobson bereits ins Auto gepackt und auch einen Großfeldstecher dazugelegt. Ich war angesichts der Wettermodelle von Meteoblue und GFS weit weniger optimistisch, denn die sagten entweder gar keinen klaren Himmel und jede Menge Wolken voraus, die von einem Wirbel mit Kern über Polen stammten, oder gingen von einem Aufklaren erst am Sonntagmorgen aus.

Davon unbeeindruckt fuhren wir los, durchquerten viele Nebelbänke und gelangten schließlich zur Autobahn A 7, über die wir rasch voran und schließlich in Hannover schon gegen 12:30 Uhr ankamen. Nur noch die letzten Stufen bis zur Sternwarte genommen (die in einem Gebäude liegt, das einer mittelalterlichen Trutzburg nicht unähnlich sieht) und das NAFT konnte in entspannter Runde beginnen.

Für Verpflegung war ausreichend gesorgt und so konnten wir uns erst mal mit Kaffee und belegten Brötchen stärken, bevor wir die aus zwei Kuppeln bestehende Sternwarte der Hannoveraner Sternfreunde besichtigen, die u.a. einem 8“-Refraktor enthalten.

Kurz nach 14 Uhr – aus Hamburg war außer mir nur noch Bruno Mattern angereist – begann der offizielle Teil des Norddeutschen Astrofotografentreffens (an dem man auch teilnehmen kann, wenn man sich selbst nicht unbedingt als Astrofotografen sieht). Christian Harder zeigte Bilder der ISS, von aktuellen Ereignissen wie die Konjunktion Jupiters mit Vesta, der Regulus–Bedeckung (die aber von der Heide aus nur als enger Vorübergang sichtbar war), einige Deep–Sky–Motive und Kometen wie z.B. Loneos. Bruno Mattern stellte danach seine zusammen mit Eric–Sven Vesting in der Heide betriebene Privatsternwarte vor und präsentierte Aufnahmen, die er von dem Standort aus mit der Canon EOS 20Da aufgenommen hatte: M 42, M 51, M 63, M 104 und weitere Objekte erfreuten das Auge des Betrachters. Danach war eine kleine Pause notwendig, weil der Sauerstoffgehalt in dem kleinen Vortragsraum, in dem mittlerweile rund 40 Sternfreunde Platz genommen hatten, schon in kritische Margen abgesunken war. Daher folgten nach jeweils zwei Referaten immer eine kurze Pause.

Nach dem Einsaugen frischer Luft begann der zweite Vortragsblock: Michael Theusner präsentierte Atem beraubende, hoch aufgelöste und nur selten in dieser Qualität gesehene Mondaufnahmen mit der DMK–Firewire–Kamera, die alle in Erstaunen versetzten. Hasselblad und APOLLO waren gestern, DMK ist heute! Zudem berichtete er über Helligkeitsmessungen an HD 189733, einem Stern nahe M 27 mit einem Exoplaneten. Dessen Transit konnte er am eigenen 6 cm -Takahashi-Refraktor aufzeichnen: Eine beachtliche Leistung für einen Amateur, dem aber auch entsprechendes Instrumentarium zur Verfügung stand. Einige Deep–Sky–Fotos rundeten das positive Gesamtbild ab. „Querbeet“ lautete der nachfolgende Vortrag von Uwe Freitag, der es mal wieder in sich hatte: Aufnahmen von Leuchtenden Nachtwolken und seiner Reise zum ITV 2007 bildeten dabei den Schwerpunkt.

Im Anschluss an die nächste Pause ging es weiter mit Polarlichtaufnahmen von Michael Hunnekuhl, der dieses interessante, durch den Sonnenwind hervorgerufene Phänomen während einer Nordlandfahrt fotografieren konnte und auch hier fehlte er nicht, der Deep–Sky–Himmel, vertreten durch eine schöne Aufnahmen des Andromedanebels. Zum Thema Sonnenfotografie sprach danach Wolfgang Lille, der hier einige – allerdings zumeist schon ältere Aufnahmen – dabei hatte und die Probleme mit dem Stader Bauamt beim Ausbau seiner Sternwarte vorstellte.

Noch eine Pause und noch zwei Vorträge: Harald Simon zeigte – leider etwas zu hektisch und viel zu schnell – die tollen Bilder seiner jüngsten Namibiareise, die nicht nur die Schönheiten des Landes, sondern auch die des Südhimmels vor Augen führten. Danach war Oliver Stiehler mit dem letzten digitalen Vortrag über die „Fotografie der ISS ohne automatische Nachführung“ vor, der für viel Diskussionsstoff sorgte.

Mittlerweile war die Zeitvorgabe für das Ende der Veranstaltung gegen 18 Uhr längst überschritten, aber noch zwei weitere Vorträge standen auf dem Programm, die eines deutlich machten: Analog ist doch nicht tot, denn Michael Mushardt belegte anhand von 6 x 6 – (und später Kleinbild-)Dias aus Namibia, dass man auch im digitalen Zeitalter immer noch sehr gut auf Film fotografieren kann. Den letzten Vortrag hielt der wohl mit Abstand südlichste Gast, der jemals bei einem NAFT anzutreffen war: Michael Kohl, der hier gerade Urlaub machte, kam vorbei und zeigte seine Bilder – Strichspuren und M 42 –, die er im Odenwald aufgenommen hatte, gefolgt von Ergebnissen aus Namibia.

In den Pausen wurden Erfahrungen ausgetauscht, geklönt und immer wieder verzehrende Blicke zum Himmel geworfen, aber außer ein paar Lücken gab es nicht viel zu sehen, wobei die wenigen aufgeklarten Partien sich zumeist alsbald wieder schlossen. Unter diesem Eindruck beschlossen die meisten Teilnehmer des NAFT, eine nahegelegene Pizzeria aufzusuchen und sich dort weiter in Kontaktpflege zu üben. Wir hingegen – Christian offenbar von seiner inneren Astrouhr getrieben – fuhren schon kurz nach dem Ende der Veranstaltung wieder zurück.

Als wir auf der A 7 in Richtung Hamburg das lichterfüllte Hannover hinter uns gelassen hatten, schien es mir, als wenn ich bei einem Blick aus dem Beifahrerfenster östlich von uns einen aufgeklarten Keil in der ansonsten sehr dichten Hochnebeldecke geben. Sollte es etwa sein, das wir am Ende ...

Ich tätigte ein paar Handyanrufe, aber jeder bestätigte mir, dass in Richtung Norden der Himmel zu war, Michael Steen war auf der A 7 hinter uns unterwegs und berichtete von einigermaßen klarem Himmel im Süden, dichter Bewölkung und Regen ab Kassel. Schlechte Aussichten. Nirgends schien der Himmel wirklich klar zu sein und der hellste Komet seit Jahren unbeobachtet an uns vorüberzugehen. Das durfte nicht wahr sein!

In Höhe der Ausfahrt Dorfmark sahen wir, wie der fast volle Mond durch eine dünne Wolkendecke schien. Das ließ hoffen. Je weiter nördlich wir kamen, desto mehr schien es aufzuklaren. Und kurz vor Soltau–Süd sahen wir sie: Die Abbruchkante der dicken Wolkenschicht und uns dämmerte es: Wir würden den Kometen sehen können. Statt Pizza gab es 17P/Holmes pur. Allerdings wurde schnell klar, dass wir trotz des klaren Abschnittes mit Nebel zu kämpfen haben würden. Kurz hinter der Ortseinfahrt von Soltau fuhr Christian auf den erleuchteten Parkplatz eines Tapetenladens. Der Mond beleuchtete zwar die ganze Szenerie und vor allem die von hoher Luftfeuchtigkeit getragene Atmosphäre. Christian hatte den Kometen schon kurz nach dem Aussteigen gefunden. Bei mir dauerte es etwas länger, aber dann hatte ich den verwaschenen Fleck auf Höhe von α Persei ebenfalls gepackt. Schon im 10 x 70 Großfeldstecher war der Schweifstern als dicker Wobbel zu sehen. Im schnell aufgebauten 8“–Dobson haute einen der Anblick um: Ein kleiner, sternartiger Kern umgeben von einer fetten Koma, die am Rande leicht grünlich erschien. Per Handy versuchte ich den dicht hinter uns befindlichen Michael Steen nach Soltau zu dirigieren, was aber irgendwie misslang. Er konnte den Kometen aber dennoch von einem Parkplatz hinter Soltau aus mit dem Fernglas beobachten.

Wir bauten schließlich alles schnell ab und fuhren wie der Blitz nach Fintel. Dort wurde alles schnell ausgepackt, Christian öffnete die Kuppel in seinem Garten und schon im Leitrohr des 10“ 1:6 Newton sahen wir weitere Details in der Koma und den vom Zentrum leicht nach außen verschobenen false nucleus. Wir fotografierten nacheinander mit unseren Canon 350 D – Kameras bei unterschiedlichen Belichtungszeiten den Schweifstern, der hier mit bloßem Auge noch besser zu sehen war, als in Soltau. Grund war der hier anfangs noch geringe Nebel. Es waren Richtung Norden sogar Sterne bis ca. 10 bis 15° Höhe ohne weiteres mit freiem Auge sichtbar. Allerdings zogen mit der Zeit dann doch Nebelfetzen und kleine Nebelbänke von den angrenzenden Bäumen herüber. Bis ich gegen 22:45 Uhr in Richtung Hamburg aufbrach, änderte sich an der Gesamtsituation nicht viel. Wie Christian am nächsten Tag mitteilte, zog bei ihm der Himmel gegen Mitternacht von Süden her zu. Da hatte ich dieses Mal mehr Glück: Als ich bei meiner Garage ausstieg, waren Mond und Komet immer noch zu sehen und selbst im 8 x 40 Quelle–Feldstecher, der bei mir routinemäßig im Auto liegt (demnächst aber durch einen 10 x 50 Feldstecher ersetzt wird) war der Komet links vom Perseus beeindruckend schön zu sehen und auch hier mitten in der Stadt mit bloßem Auge ohne weiteres wahrzunehmen.

Damit endete ein perfekter Astrotag: Geniales NAFT und ein heller Komet, wann hat man das schon in genau dieser Kombination?


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