Norddeutsches Astrofotografentreffen in Fintel

Schon zum 3. Mal nach 1997 und 2001 fand am 8. April 2006 in dem kleinen idyllisch gelegenen Heidedorf Fintel das in der Regel halbjährlich organisierte Norddeutsche Astrofotografentreffen (NAFT) statt. Insgesamt mehr als 30 Sternfreunde, teils mit Anhang, kamen im Heimathaus zusammen, wo Christian Harder in einer Art One-Man-Show das Treffen auf die Beine gestellt hatte.

Gegen Mittag war ich von Hamburg aus gestartet und nach fast zwei Stunden Fahrt, diversen Baustellen, Staus und anderen Unannehmlichkeiten wie heftigen seitlichen Sturmböen, traf ich schließlich beim Heimathaus in Fintel ein. Der Parkplatz davor war schon gut gefüllt, schließlich war um 13:45 Uhr Einlass in das urige Gebäude, das im Innern viel Heimatkundliches zu bieten hatte, inklusive unbequemer und Rücken quälender Baststühle. Der Hauptraum wurde von den bereits anwesenden Sternfreunden rasch zu einem Vortragssaal hergerichtet, in einem Nebenraum waren Getränke und Kuchen aufgestellt, wobei angesichts der immer noch sehr kalten Witterung allerdings eher Bedarf an frischem Kaffee und Tee als an Cola, Brause und Saft bestand. Auch Brötchen, Aufschnitt und Kuchen waren sehr beliebt und schon nach der ersten Pause fast komplett in die Mägen der Besucherinnen und Besucher gewandert. Da der offizielle Teil erst um 15 Uhr beginnen sollte, blieb ausreichend Zeit für einen ersten Kaffee und ein Stück leckerem Butterkuchen, um sich so auf die Vorträge einzustimmen. Im oberen Stockwerk war ein kleiner Flohmarkt aufgemacht worden, der jedoch nur wenig Beachtung fand.

Nur eine Woche nach der totalen Sonnenfinsternis am 29.3. waren die dargebotenen Themen schon sehr "sofilastig", zudem standen leider nur sehr wenige Referenten auf der Liste, in die man sich für gewöhnlich einträgt, wenn man auf dem NAFT etwas zeigen und erzählen möchte. Auch gut möglich, dass viele potentielle Referenten nicht kommen konnten (oder "durften"), weil das Treffen zu kurz nach der Sonnenfinsternis angesetzt war. Dafür gab es längere Pausen zwischen den Vortragsblöcken, die dann ausgiebig zum Klönsnack genutzt wurden. Es fiel zumindest mir auf, dass vor allem die Sonnenfinsternisreisenden ein eigenes Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt hatten, das natürlich durch das gemeinsame Erlebnis geprägt war und bei dem man sehr schnell merkte, dass man als Daheimgebliebener doch eher eine Art Außenseiter war. Andererseits gab es auch einige Besucher, die wie ich keinen Urlaub nehmen konnten und die davon berichteten, das sie am nächsten Tag der "Häme" ihrer Freunde und Kollegen ausgesetzt waren, weil die Sonnenfinsternis in unseren norddeutschen Gefilden weitgehend komplett im Regen versunken war.

Pünktlich um 15 Uhr eröffnete Chairman Christian Harder den offiziellen Teil des NAFT mit der Begrüßung und Bekanntgabe einiger Regularien, bevor Hartwig Lüthen unter dem Titel "Die erste digitale Sonnenfinsternis" seine Eindrücke von der GvA-Fahrt ins türkische Pasha-Hotel wiedergab, wobei neben den fantastischen Aufnahmen der Totalität und dem Geschehen besonders ein Video mit dem Flashspektrum der Sonne Aufsehen erregte, das sehr schön zeigte, wie zu Beginn der Totalität langsam die einzelnen Emissionslinien verschwanden, bis zum Schluss zunächst noch die Kalziumlinien übrig blieben, bis auch diese quasi hinter dem Mondrand verschwanden. Auch die am Rechner durchgeführte "Live-Verarbeitung" einiger seiner Bilder mit Fitswork war schon sehr beeindruckend.

Der nächste Referent war Konstantin von Poschinger. Auch er zeigte schöne Aufnahmen der Sonnenfinsternis, aber auch eine ganze Reihe seiner mit einem H-Alpha-Filter im bayerischen Murnau gewonnenen Deep-Sky-Bilder sowie die imposante Animation einer Winternacht vom Sonnenuntergang bis zum Sonnenaufgang, die aus ca. 600 einzelnen Digitalbildern zusammengesetzt war.

Danach gab es eine etwa einstündige Pause, wo die Reste des Kuchens und der Brötchen verbraucht wurden, und wo man bei Kaffee oder kalten Getränken fast ausschließlich nur über die Sonnenfinsternis sprach oder die von Uwe Freitag auf dem großen Tisch ausgebreiteten Fotos bestaunte.

Auch Matthias Levens aus Hannover berichtete in seinem Vortrag zunächst über die Sonnenfinsternis, schilderte seine Reiseeindrücke und zeigte vorwiegend Fisheye-Aufnahmen von dem Ereignis und der Gegend. Er hatte abseits der großen Zentren mitten in der türkischen Pampa seinen Beobachtungsplatz aufgeschlagen, wo auch ein paar andere Sternfreunde der Eclipse entgegenfieberten. Vom Beobachtungsplatz zeigte er ein schönes Rundumbild und anschließend Polarlichtbilder, die er während einer Reise mit den Hurtigrouten zum Nordkap aufgenommen hatte.

Danach präsentierte Uwe Freitag, Lübeck, ebenfalls schön anzusehende Bilder der Sonnenfinsternis, aber auch von der Umgebung, vom Hotel oder der herrlichen Natur. Dann war erst mal wieder Pause angesagt, bevor es mit Diavorträgen weitergehen sollte. Alle bisherigen Bilder waren ausschließlich digital aufgenommen und per Beamer auf eine Leinwand projiziert worden.

Das übliche Gruppenfoto der NAFT-Teilnehmer musste übrigens im Heimathaus aufgenommen werden, da es draußen zu sehr regnete: Norddeutsches Sofiwetter!

Nach dieser letzten Pause setzte Uwe Freitag seinen Vortrag mit Dias ebenfalls von der Sonnenfinsternis, aber auch von Leuchtenden Nachtwolken, Halos, Nebensonnen und Sonnenuntergängen mit interessanten Vordergrundmotiven aus dem Ostseeraum fort. Der letzte Beitrag in der Reihe fantastischer Vorträge handelte ebenfalls von der Sofi und wurde von Marco Klüven aus Bad Segeberg gehalten.

Zum Abschluss hieß es dann, den Vortragsraum wieder in den vorherigen Zustand zurück zu versetzen, in der Küche aufzuräumen und den Müll zusammen zu sammeln und weg zu tragen, worum sich Christian Harder weitgehend allein kümmerte. Er hatte auch organisiert, dass wir statt in der anvisierten Pizzeria im Ort in die nächstgelegene Dorfkneipe mit Kegelbahn einfallen konnten. Mit immerhin noch etwa 15 Leuten besetzten wir die Lokalität und konnten, hungrig wie wir waren, zwischen Currywurst und Pommes ohne Curry und Currywurst mit Pommes ohne Curry, aber dafür mit einem winzigen Schlag Mayonnaise als zeitraubende Alternative wählen. Auch die Getränkekarte oder unsere Wünsche waren irgendwie inkompatibel mit dem, was in der Küche vorhanden (oder als Getränkemischung bekannt) war. Solche Widrigkeiten hielten uns freilich nicht davon ab, in fröhlicher Runde weiterzuklönen, über die Sofi, aber auch über die Zukunft der GvA und viele andere Dinge.

Kurz nach 21 Uhr brachen die ersten Teilnehmer auf, Hartwig Lüthen, dem sein Fahrer für die Rücktour abhanden gekommen war, fuhr bei mir mit. Draußen stellten wir fest, dass es fast vollständig klar geworden war und der Mond hoch am Himmel stand. Eigentlich viel zu schade, um nicht zu beobachten, aber wir mussten schließlich die Zeit für die Rückfahrt nach Hamburg berücksichtigen. Kaum das ich den Motor gestartet hatte, klopfte Christian Harder an die Autotür und fragte, ob wir noch den inzwischen in viele Einzelfragmente zerfallenen Kometen 73 P/Schwassmann-Wachmann 3 beobachten wollten, aber dafür waren wir schon irgendwie zu müde (ich nach reichlich Koffein in Form von Kaffee und Cola allerdings eher weniger). Je näher wir Hamburg kamen, desto schlechter wurden die Aussichten auf eine Beobachtung, der Himmel zog von Norden her zu, die Straßen wurden feuchter und als ich schließlich aus meiner Garage kam, war keine Lücke mehr am Himmel zu sehen. Die Lüneburger Heide und insbesondere die Gegend um Fintel hat halt ihr eigenes Mikroklima.

Zu Hause angekommen wurde erst mal der Rechner angeworfen und die Bilder vom NAFT betrachtet und dann - die Eindrücke waren ja noch frisch - dieser Bericht instantartig über die Tastatur in der digitalen Welt verbreitet ...

Es war wieder mal ein schönes NAFT, dessen Besuch sich ohne Frage gelohnt hat und das Vorfreude auf das nächste machte, das möglicherweise in Hannover ausgetragen werden wird.




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