Norddeutsches Astrofototreffen und 40 Jahre GvA

Aus Anlass ihres 40 jährigen Bestehens hatte die Gesellschaft für volkstümliche Astronomie e. V. (GvA) Hamburg zum Norddeutschen Astrofototreffen in die Hansestadt eingeladen. Da die GvA seit ihren Rauswurf aus dem Planetarium nicht mehr über geeignet große Räumlichkeiten verfügt, konnte hierfür die sog. „Almhütte“ der Universitätssternwarte Hamburg-Bergedorf angemietet werden.

Das Norddeutsche Astrofototreffen (NAFT) findet etwa zweimal im Jahr in einer anderen Örtlichkeit im Norden statt. Und dieses Mal war nach neun Jahren Hamburg mal wieder der Ausrichter. Gegen 13 Uhr kam ich bei der Almhütte, einem kleinen, vorwiegend für Vorträge genutzten Flachbau, mitten auf dem Sternwartengelände, an. Viele Sternfreundinnen und Sternfreunde waren bereits eingetroffen und es sollten noch wesentlich mehr werden, bis eine Zahl von über 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erreicht wurde. Eine gigantische Zahl für das NAFT, die zeigt, dass es weitaus mehr an Astronomie interessierte Leute im Norden gibt, als man im Süden unseres Landes manchmal vermutet.

Hartwig Lüthen (GvA) fing mich als Tagungsleiter gleich im dicht gedrängten Eingangsbereich ab, und bat mich, ein Kurzreferat zur Geschichte der GvA zu halten, da sich im Vorfeld der Veranstaltung niemand bereit gefunden hatte, hierzu etwas zu erzählen. Nun war ich als Leiter der GvA-Sektion Astronomie-, Raumfahrt- und GvA-Geschichte sozusagen der Notnagel, der ich eigentlich gar nicht sein wollte, dennoch entschloss ich mich, hierzu etwas zu erzählen. Einen eigenen Vortrag über meine letztjährigen Astrofotos hatte ich unterdessen in Form einer Präsentation noch am Abend vorher vorbereitet.

Kurz vor 14 Uhr bat Hartwig Lüthen dann die Besucher in den Innenraum der „Almhütte“, die die Menschenmasse kaum aufnehmen konnte. Entsprechend schnell verbrauchte sich auch die Luft im Innenraum, sodass öfters Pausen eingelegt werden mussten. Er richtete ein paar einleitende Worte an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Jost Jahn überbrachte die Grüße des Vorstandes der Vereinigung der Sternfreunde (VdS), bevor Eric-Sven Vesting als GvA-Vorsitzender eine kurze Begrüßungsansprache hielt und Wolfgang Busch ein Betrachtungsgerät für Stereobilder vom Mond erläuterte und durch die Reihen wandern ließ. Danach war ich mit meinem Kurzreferat über die Anfangszeit der GvA (die ich aus Altersgründen aber nicht selbst erlebt habe) an der Reihe. Mir folgte Bruno Mattern, ehemaliger GvA-Vorsitzender und heute Technischer Leiter des Planetariums aus dem die GvA herausgeworfen worden ist; er überbrachte, wie er humorvoll ausdrücklich betonte, nicht die Glückwünsche seines Hauses. Dafür zeigte er seine in früheren Namibiareisen gewonnenen Bilder in neuer Bearbeitung. Konstantin von Poschinger (GvA) führte danach seine mit H-Alpha-Filter und CCD-Kamera von seinem Wohnort in Hamburg aus der Nähe des Hafens gewonnenen Deepsky-Aufnahmen vor, die angesichts der schlechten Bedingungen (sehr eingeschränkter und extrem aufgehellter Himmel) einfach atemberaubend waren.

Nach dem ersten Teil gab es eine kleine Pause, die zum Lüften und zum Aufenthalt außerhalb der „Almhütte“ gewonnen wurde. Außerdem gab es in dieser Zeit eine Führung über das Sternwartengelände. In der kleinen Küche konnte man sich unterdessen mit von GvA-Mitgliedern aufopferungsvoll zubereitetem Kaffee (Tee gab es leider nicht), Saft und Schnittchen sowie heißen Würstchen versorgen.

Nach der Pause, die fast eine Stunde dauerte, setzte Konstantin von Poschinger seinen Vortrag mit Bildern aus Murnau fort, die angesichts des dort natürlich wesentlich dunkleren Himmels noch beeindruckender waren. Matthias Levens (Volkssternwarte Hannover) berichtete über seine ersten Erfahrungen mit der Canon D 300, einer für die Astrofotografie von wenigen Ausnahmen abgesehen gut einsetzbaren digitalen Spiegelreflexkamera, danach gab es eine weitere Pause, bevor der nächste Vortragsblock begann.

Der erste Referent dieses Blocks war Hartwig Lüthen, der über seine astrofotografischen Erfahrungen mit der Mintron-Überwachungskamera berichtete und neben Deep-Sky Aufnahmen (teilweise ebenfalls in Namibia gewonnen) als „Kometen-Guru“ natürlich etliche seiner Lieblingsobjekte vorführte. Ulrich Tiburg (GvA) referierte kurz über seine an einem Meade 10“ LX 200 mit CCD-Kamera und Webcam gemachten Deepsky- und Plenatenbilder. Damit wurde gleichzeitig der Übergang vom „tiefen Himmel“ ins Sonnensystem und irdischen Erscheinungen eingeleitet. In einer kurzen Präsentation zeigte ich meine Aufnahmen vom Polarlicht vom 30./31. Oktober 2003 sowie die mit meiner Videokamera von Mond, Jupiter und Saturn eingefangenen Photonen und einige mit der Webcam erzeugten Bilder von Mond und Sonne. Ein Video von André Wulff (GvA) vom gleichen Polarlicht, das ich in Kirchheim fotografiert hatte, unterlegt mit selbst komponierter Astromusik, sorgte für Kurzweil und Entspannung. Mit Laila Forst (GvA) ging es dann wieder nach Namibia. Im ersten Teil des Vortrages zeigte sie Aufnahmen der Landschaft des südafrikanischen Landes, während sie im zweiten, vor dem es eine weitere Pause gab, ihre Deep-Sky Dias vom südlichen Sternenhimmel und einige Aufnahmen, die von Norddeutschland aus gemacht wurden (u.a. vom Venustransit), präsentierte. Damit wurde auch der Übergang von der digitalen zur chemischen Astrofotografie eingeleitet. Nach ihr sprach Jens Meyer (Arbeitskreis Sternwarte Lübeck) über seine Aufnahmen des Südhimmels, die zeitgleich zu denen von Laila Forst in Namibia entstanden und von sehr hoher Qualität waren.

Uwe Freitag von der Lübecker Sternfreunden führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die Welt der atmosphärischen Optik und konnte mit Dämmerungsaufnahmen, Bildern von Leuchttürmen mit Sternenhimmel darüber, oder vom Venustransit begeistern. Der letzte im Bunde der Vortragenden war dann Christian Harder aus Fintel, der Kometenaufnahmen vorführte, die er auf dem Teleskoptreffen af dem Vogelsberg und auf seiner eigenen Sternwarte gewonnen hatte.

Mit einer kurzen Abschlussrede, bei der allerdings ein Teil der Besucherinnen und Besucher schon ins Freie strömte, beendete Hartwig Lüthen dann das diesjährige norddeutsche Astrofotoreffen. Neben der offensichtlichen Beliebtheit von astrofotografischen Reisen nach Namibia wurde das Leistungspotenzial norddeutscher Astrofotografen offenbart, ganz gleich, ob sie mit digitalen Kameras fotografierten oder herkömmlich auf Film.

Ein nicht gerade geringer Teil der NAFT-Besucherinnen und -Besucher traf sich danach noch in einer Pizzeria an der Rothenhauschaussee nahe der BAB-Auffahrt Curslack der A 24 zum Erfahrungsaustausch und Klönen. So klang der Tag in gemütlicher Runde aus und bereitete schon Vorfreude auf das kommende NAFT, das in Wardenburg bei Oldenburg stattfinden wird.




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