Norddeutsches Astrofotografentreffen in Fintel

Schon zum vierten Mal in seiner fast 30 jährigen Geschichte fand das Treffen der norddeutschen Astrofotografen im urigen Heimathaus in der Samtgemeinde Fintel statt. Angesichts des Wetters der letzten Monate wurde zwar nicht mit vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern und mit vielen neuen Aufnahmen gerechnet, doch man sollte eines Besseren belehrt werden.  

Es ist Samstag, der 14. März 2009, kurz nach 12 Uhr als Michael Steen, André Wulff und ich in meinen VW Golf einsteigen, um in das nordniedersächsische Fintel zu fahren. Auf der A 1, kurz vor der Baustelle bei Rade, entdeckte ich einen bekannten gelben Honda Logo: Drin saßen Dirk Eckhoff und Oliver Rensch, ebenfalls auf dem Weg zum NAFT. So fuhren wir aus Richtung Hamburg schon mal mit zwei Fahrzeugen dem ersten größeren Treffen des Internationalen Jahres der Astronomie in Norddeutschland entgegen. Bereits die Hauptstraße von Fintel nehmend, klingelte mein Handy. Dran war Christian Harder, der Organisator des NAFTs und fragte, ob wir schon auf dem Weg seien. Wenige Minuten später suchten wir einen Parkplatz vor dem Heimathaus …

Es waren bereits einige Besucherinnen und Besucher eingetroffen, zwei kleinere Privatstände aufgebaut und an einem kleinen Tisch konnte man sich mit Würstchen, Kuchen, Kaffee, Cola und weiteren Köstlichkeiten versorgen.

Die schlechte Bilanz der klaren Nächte der letzten Zeit schien ihren Tribut zu zollen, denn zunächst trug sich niemand in die ausgelegte Vortragsliste ein. Diese gibt es auf jedem NAFT, weil es kein festes Programm gibt, damit jeder, der es möchte, hier auch etwas zeigen kann. Sollte es ein kleiner Klönsnack werden, weil niemand neue oder neu bearbeitete Bilder dabei hatte? Das wäre das erste Mal, das so etwas auf einem NAFT passiert. Aber für alles im Leben gibt es bekanntermaßen ein erstes Mal. Der Zeiger der Uhr rückte auf 14 Uhr vor und Christian rief eindringlich dazu auf, sich in die Liste einzutragen. Wolfgang Moldenhauer, Konstantin von Poschinger, Hartwig Lüthen trafen kurz darauf ein, Klaus Bussian war schon früher da; am Ende standen immerhin sieben Vorträge auf der Liste.

Den Anfang machte Hartwig Lüthen mit einem Beitrag unter dem Titel „Der Kometen-Fake“. Hierin berichtete er über eine von Daniel Schenck entwickelte Methode der Bearbeitung von Kometenaufnahmen mit DeepSkyStacker und Fitswork. Bekanntlich werden Sterne zu Strichen, wenn die Bilder beim Stacking auf den Kometenkopf zentriert werden. Mit Hilfe einiger trickreicher Punkte in diesem Programm und in Fitswork ist es jedoch möglich, Komet und punktförmige Sterne auf einem Bild zusammenzubekommen (wenn hierfür aus der Aufnahme auch erst einmal der Komet entfernt werden muss). Anhand von Aufnahmen des Kometen C/2007 N3 Lulin konnte er die Vorgehensweise demonstrieren. Eine Art der Bildbearbeitung, die bei manchen Anwendern sicher an ethischen Überzeugungen rüttelt, andererseits aber zu erstaunlichen Ergebnissen führt.

Im zweiten Vortrag stellte Bruno Mattern nicht nur seine zusammen mit Eric-Sven Vesting in der Lüneburger Heider betriebene Sternwarte vor, sondern präsentierte auch einige der mit den dortigen Instrumenten in letzter Zeit entstandenen Aufnahmen sowie Bilder älteren Datums, die er neu bearbeitet hatte. Zu den hier vorgestellten Galaxien gehörten NGC 2903 im Löwen, NGC 5982 im Drachen, NGC 891 in der Andromeda, M 1, M 13, M 33, M 51, M 63 und M 96.

Welche Möglichkeiten die Astrofotografie für einen 10“ f/5-Newton und einer ATIK-CCD-Kamera sowie einer Canon-DSLR, auch unter Verwendung eines Schmalbandfilters bietet, offenbarte Carsten Reese anhand hochklassiger Aufnahmen von IC 342, M 42, Stephen´s Quintett, NGC 2392 (Eskimonebel), NGC 7635 (Bubblenebel), dem Rosettennebel, NGC 1499 (Californianebel) und dem „Floridateil“ in NGC 7000. Die Präsentation war zwar „nur“ das Surogat eines wesentlich ausführlicheren Vortrages, den er für das Olbers-Planetarium in Bremen vorbereitet hatte, das machte die Bildergebnisse aber nicht weniger eindrucksvoll.

Anschließend gab es erst einmal eine Pause, die zum Kuchenvernichten, Erfahrungsaustausch und einem kleinen Aufenthalt vor dem Heimathaus genutzt wurde. Eine kurze Umfrage zu möglichen Treffen im Frühjahr 2010 ergab, dass dem Vorschlag, das NAFT in Münster stattfinden zu lassen, nur wenig Interesse hervorrief. Eine erste vage Zusage gab es aber für Neumünster. Das nächste Treffen im Herbst 2009 wird an der Max-Koch-Sternwarte in Cuxhaven stattfinden. Näheres hierzu wird rechtzeitig auf der Website des NAFT bekannt gegeben.

Danach ging es weiter mit Frank Wierny, der (auch neu bearbeitete) Ergebnisse mit seiner inzwischen reparierten ST 4000 XMC CCD-Kamera mit der adaptiven Optik AO 8 von SBIG aus den „Feuchtgebieten“ im Oldenburger Land an einem 8“ MAK entstanden waren. Im Gegensatz zu vielen anderen Sternfreunden holte er keine gestackten, sondern Einzelaufnahmen aus dem Rechner, die dennoch sehenswert waren. NGC 2331, M 108, NGC 4631, NGC 2359, M 81/M82, NGC 2175, M 78, NGC 2264, IC 434, M 1, M 45 und der Planet Saturn waren nur einige der Objekte, die an der Leinwand bewundert werden konnten.

Harald Simon zeigte zwei Aufnahmen vom Kometen C/2007 N3 Lulin, bevor Uwe Freitag mit diversen Aufnahmen aus dem bereich der Atmosphärischen Optik aufwartete. Ihm war es gelungen, mehrmals Koronae um die Sonne, Mond- und Sonnenhalos, Phänomene bei Sonnenuntergängen und Gewittern aufzunehmen. Eine Einladung, mal wieder öfter auch am Tage in den Himmel zu schauen und nach Nebensonnen und anderen kurzfristigen Ereignisse Ausschau zu halten. Natürlich durften auch Bilder der hier im Norden partiellen Sonnenfinsternis vom 1.8.2008 ebenso wenig fehlen, wie Bilder der Mondfinsternis vom 16.8.2009, die er in der Lübecker Innenstadt mit Vordergrundobjekten wie dem Holstentor aufgenommen hat. Als besonderen Schlusspunkt konnte er ein frisch erstelltes Panorama vom NAFT im Heimathaus zeigen!

Nun war es Zeit für eine weitere Pause. Christian sammelte das Geld für die „Mafiatorten“ ein, die in der benachbarten Pizzeria bestellt wurden und die als besonderes Service angeboten hatten, sie ins Heimathaus zu liefern! Draußen vor dem Heimathaus wurde geklönt und einige Aspekte der Gehwegbeobachtung betrachtet …

Der letzte Vortragsblock wurde gestaltet von Konstantin von Poschinger und Christian Harder. Konstantin hat sich auf Hα-Aufnahmen von Deep Sky-Objekten und –feldern spezialisiert und zeigte hier, wie es mit einer besonderen Technik gelingen kann, mehr aus den Bildern von Nebelstrukturen herauszuarbeiten. Zuvor gab es noch ein paar Bilder, die mit der mobilen Reisemontierung AstroTrac in Murnau in Bayern entstanden waren sowie vom Kometen C/2007 N3 Lulin. Lichtverseuchte Großstädte haben bekanntermaßen das Problem der Lichtverschmutzung, die es eigentlich unmöglich macht, lichtschwache Galaxien oder und galaktische Nebel zu beobachten oder zu fotografieren. Einen Ausweg gibt es aber doch und zwar mit Hilfe des 6 nm Astronomik Hα-Filters, den er in Hamburg zusammen mit der Astro Physics STL 6303 CCD-Kamera einsetzt. Mit Hilfe der Bildbearbeitung mit Photoshop kann man aus den Aufnahmen die „störenden“ Sterne entfernen und auf diese Weise mehr Details in den Nebeln dahinter herausarbeiten. Anhand von Bildern diverser Nebelstrukturen in der Cygnusregion, von IC 410, IC 434, IC 1848, NGC 7000, NGC 6303, M 27, NGC 6888, IC 5070, dem Pelikannebel oder dem Herznebel konnte er die Wirkung dieser Bildbearbeitung dem erstaunten Publikum vorführen. Selbstredend durfte auch hier der Komet C/2007 N3 Lulin nicht fehlen.

Als letzter Redner hatte Christian Harder Aufnahmen von Neptun- und Uranusmonden, einiger Konjunktionen (Mond und Jupiter, Mond und Venus am Silvesterabend), von der Plejadenbedeckung am 7.1.2009 und den Kometen 29P/Schwassmann-Wachmann 3, C/2006 OF Broughton und C/2007 N3 Lulin im digitalen Gepäck. Auch sind ihm Aufnahmen von ISS-Transits beim Mond und der Sonne gelungen. Die Bilder waren an einem 10“ Newton und einem schon älteren Cometcatcher entstanden, wo bei auch er hier nur Einzelbilder und keine aufaddierten Bildergebnisse präsentierte.

Damit endete der offizielle Teil des Frühjahrs-NAFTs gegen 18:30 Uhr. Ein wieder mal sehr gelungenes, spannendes und in mehrfacher Hinsicht lehrreiches und auch spaßiges Treffen war mal wieder viel zu schnell zu Ende gegangen. Trotz der vielen und langen Pausen reichte es am Ende doch wieder nicht, mit allen in Kontakt zu treten, mit denen man mal wieder ein Wort wechseln wollte. Dabei waren mit Gerhardt Rohner und Erik Wischnewski auch zwei alte Bekannte auf den NAFT erschienen.

Die meisten Besucherinnen und Besucher machten sich denn auch allmählich auf den Heimweg. Wir blieben noch ein wenig, weil wir uns an der Pizzavernichtungsaktion im Heimathaus beteiligen wollten. Schnell wurden Tische und Stühle zu einer langen Tafel zusammengestellt, denn die Pizzen waren pünktlich geliefert worden (einige Leute holten sich ihre auch direkt beim Erzeuger ab) und so saßen wir in gemütlicher Runde (die „Ritter der Tafelrunde“) noch ein Weilchen zusammen. Aber auch das Essen war irgendwann vertilgt, die letzten Gespräche beendet und während einige Leute noch die GvA-Außensternwarte in Handeloh bei Nieselregen besichtigen wollten, machten wir uns auf den Heimweg.

Gegen 21 Uhr war ich wieder zu Hause und als erstes wurden die am Tag gemachten Aufnahmen vom Treffen am Laptop gesichtet und mit dem Schreiben dieses Berichtes begonnen ...

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