FREEDOM 7 (MR-3)

Missionsname: Mercury-Redstone 3 (MR-3)
Eigenname: Freedom 7
Besatzung: Alan B. Shepard
Start: 05.05.1961
Landung: 05.05.1961
Missionsdauer: 15 Minuten 28 Sekunden
Missionsbeschreibung:

Das Trägersystem, die REDSTONE-Rakete mit der MERCURY-Kapsel an ihrer Spitze, wurde bereits Anfang April zur Startplattform LC-54 an den südlichen Ausläufern des Startgeländes von Cape Canaveral, der Missile Test Range, gefahren, am 18. April erfolgte die erste Startsimulation.

Der erste Starttermin war auf den 2. Mai 1961 festgelegt worden, doch schlechtes Wetter am Cape führte zum Abbruch. Der nächste Countdown begann am 4. Mai um 20.30 Uhr Ortszeit. Gegen Mitternacht wurde er das erste Mal angehalten für Untersuchungen der Funktionalität der REDSTONE-Rakete und der korrekten Einfüllung des Wasserstoffperoxyds in die Tanks der MERCURY-Kapsel. Die nächsten Unterbrechungen gab es in den frühen Morgenstunden des 5. Mai sowie um 3.30 Uhr, beide dienten Systemschecks, die durchgeführt werden mußten, bevor ein Astronaut die Kapsel betrat.

Alan B. Shepard, der dazu auserkoren wurde, als erster Amerikaner in den Weltraum vorzustoßen, was vor ihm nur dem Russen Juri Gagarin am 12. April 1961 geglückt war, wurde am 5. Mai um 1.10 Uhr geweckt. Um 2.40 Uhr unternahmen die zum Bodenteam gehörenden Ärzte einen letzten Gesundheitstest und erteilten schließlich die Freigabe für den Start. Shepard zog den Raumanzug über und begab sich zum tranfer van, der ihn um 3.55 Uhr Ortszeit zur Startrampe beförderte. Dort stieg er aus, fuhr mit dem Fahrstuhl zum Arm des Startturms hinauf und bestieg schließlich um 5.20 Uhr Ortszeit die enge Kabine der MERCURY-Kapsel. Um 6.25 Uhr war die Kabinentür geschlossen, Shepard schaltete auf Bordversorgung um und atmete ab diesem Zeitpunkt reinen Sauerstoff ein.

Um 6.45 Uhr, 15 Minuten vor dem geplanten Start, wurde der Countdown wegen aufziehender Wolken und der damit verbundenen schlechten Sicht auf das startende Raumfahrzeug unterbrochen. Wenig später verzögerte sich der Start aufgrund eines Fehlers in den elektrischen Bordsystemen, der dazu führte, daß eines der Teile in der Kapsel komplett ausgetauscht werden mußte. Die nächste Startverschiebung trat ein, als einer der Überwachungscomputer, ein IBM 7090, im Goddard Space Flight Center in Maryland fehlerhaft arbeitete. Insgesamt 4 Stunden und 14 Minuten vergingen, bis endlich das langersehnte "go" für den Start kam.
Um 9.34 Uhr Ortszeit war es dann endlich soweit: Die MERCURY-REDSTONE 3 alias FREEDOM 7 hob vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral ab. Eine in der Kabine angebrachte Kamera nahm nicht nur Shepard auf, sondern auch das Innere der während des Aufstiegs leicht rotierenden Raumkapsel. 45 Sekunden nach dem Abheben wurde die MR-3 kräftig durchgeschüttelt; die Vibrationen ließen nach 88 Sekunden Flugzeit aber wieder nach. In dieser Phase des Aufstiegs wurde Shepard allerdings derart hin- und hergeschleudert, daß er weder in der Lage war, irgendwelche Instrumente zu bedienen, noch etwas von den Skalen zu erkennen. Gleichzeitig wurde er mit 6 g, d.h. dem sechsfachen seines eigenen Körpergewichtes, in den Kontursitz gepreßt. Nach 142 Sekunden war die REDSTONE-Rakete ausgebrannt und wurde bei T + 2 Minuten 32 Sekunden abgetrennt, auch das funktionierte ohne Probleme.

FREEDOM 7 hatte zu diesem Zeitpunkt eine Reisegeschwindigkeit von 8.208 km/h erreicht und strebte der Gipfelhöhe ihrer ballistischen Bahn in Höhe von 187 km über der Erdoberfläche entgegen. Nach etwa 5 Minuten Flugdauer erfolgte vom "Mercury Mission Control" eine Drehung der Raumkapsel um 180°, damit sie fortan mit dem Hitzeschild voran, weiterflog.

In dieser Phase war kaum Zeit für wissenschaftliche Messungen vorhanden, so konzentrierte sich auch alles auf Shepard und wie er mit der Situation an Bord der MERCURY-Kapsel zurechtkam. Vor allem wollte man wissen, ob es ihm gelang, die Lageregelungskontrollen in den Griff zu bekommen, was auch ohne weiteres gelang.
Für die nächsten Minuten schaltete Shepard die automatische Steuerung ab und lenkte das Schiff per Hand. Als FREEDOM 7 sich wieder der Erde näherte, schaltete Shepard wieder auf Automatiksteuerung um. Die MERCURY-Kapsel senkte sich, mit dem Hitzeschild voran zur Erde hinab. Die Temperatur im Innern der Kabine stieg nur unwesentlich an, ein Beweis für die Beständigkeit des Hitzeschutzschildes. Programmgemäß durchstieß sie die Lufthülle der Erde, der Bremsfallschirm öffnete sich, Shepard verließ vorzeitig die Kapsel und sank am eigenen Fallschirm herab, schließlich wasserte FREEDOM 7 nach einer Gesamtflugdauer von 15 Minuten und 28 Sekunden und einer Flugstrecke von 485 km unweit des Flugzeugträgers LAKE CHAMPLAIN im Atlantik. Nach nur 11 Minuten war Shepard aus dem Wasser gefischt, und die Kapsel geborgen. Sie wurde eingehenden Untersuchungen unterzogen, die Aufschlüsse darüber gaben, welchen Belastungen das Material während des Fluges im Weltraum und insbesondere bei der Landung ausgesetzt war.

Auf der anschließenden Pressekonferenz berichtete Shepard nicht nur über technische Details und das Gefühl der Schwerelosigkeit auch und vor allem über den faszinierenden Anblick, den die Erde vom Weltraum aus bot.

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