Maria Mitchell (01.08.1818 - 28.06.1889)

Maria Mitchell wurde am 1. August 1818 auf der vor der Küste des US-Bundesstaates Massachusetts gelegenen Walfängerinsel Nantucket geboren. Als eine von neun Schwestern und Brüdern wuchs sie in einer Quäker-Familie auf und erhielt eine Bildung und erlebte eine Gleichstellung von Frau und Mann, die zu ihrer Zeit völlig unüblich war. Wegen der anstrengenden Walfang-Arbeit (die Männer waren oft für viele Monate auf See, während die Frauen nicht nur den Haushalt, sondern alle geschäftlichen Angelegenheiten regelten) konnte kein großer Unterschied zwischen den Geschlechtern gemacht werden, überdies war ihr christlicher Glaube, der auf einer eschatologischen Erweckungsbewegung gründete, so ausgerichtet, dass es keinen Unterschied zwischen Frau und Mann gab. Das sollte sie für ihr ganzes Leben prägen. Unterrichtet wurde sie auf einer von ihrem Vater errichteten Schule, später wurde sie dessen Assistentin. Ihr frühes Interesse an der Astronomie hatte sie von ihrem Vater übernommen, der ein begeisterter Amateurastronom war. Im Alter von nur 12 Jahren konnte sie bereits eigenständig ein Teleskop bedienen und zusammen mit ihrem Vater eine ringförmige Sonnenfinsternis beobachten. Mit 17 hatte sie kurzfristig ihre eigene Schule eröffnet, die sie aber ein Jahr später schon wieder schloss, als sie Bibliothekarin der Nantucket's Atheneum Library wurde, wo sie ein gutes Gehalt bekam und nebenbei Zeit für erste Studien hatte, für die sie die Bücher der Bibliothek verwenden konnte. Etwa zur selben Zeit wurde ihr Vater Kassierer bei der Pacific Bank und konnte von dem Gehalt einen Vierzöller kaufen, den er auf dem Dach des Bankhauses aufstellte. Seine Beobachtungen stellte er der U.S. Coast Guard zur Verfügung. Maria half ihrem Vater bei vielen Beobachtungen und am 1. Oktober 1847 - sie war eigentlich grad auf einer Party, die im Bankhaus ihres Vaters stattfand, und wollte noch schnell ein paar Beobachtungen mit einem 2-Zoll-Spiegel machen - entdeckte sie mit bloßem Auge ein verwaschenes Objekt, das sich im Teleskop dann als Komet entpuppte. Sie wollte ihre Entdeckung sogleich bekannt geben, doch ihr Vater riet ihr, noch ein paar genaue Positionsmessungen vorzunehmen. Als diese die Beobachtung bestätigten, schrieb ihr Vater sofort einen Brief an die Meldestelle in Cambridge/Mass. Aufgrund sehr stürmischen Wetters konnte das Schreiben aber erst am 3. Oktober das Postamt verlassen. Gleichzeitig benachrichtige er auch Prof. William Cranch Bond (1789 - 1859) an der Hardvard University. Es stellte sich heraus, dass auch andere den Kometen in etwa zur gleichen Zeit gesehen hatten. Pater Francesco de Vico (1805 - 1848) in Rom beobachtete ihn ebenfalls am 3. Oktober, weitere Astronomen in den Tagen danach. Dennoch wurde Mitchells Priorität anerkannt und so wurde sie auf einen Schlag weltberühmt. Frederick VI, König von Dänemark, hatte bereits am 17. Dezember 1831 eine Goldmedaille im Wert von 20 Dukaten für die erste Kometen-Entdeckung mit einem Teleskop ausgeschrieben, die Regularien waren in den Astronomischen Nachrichten im April 1840 veröffentlicht worden.

Pater de Vico hatte seine Entdeckung am 3. Oktober an die Sternwarte Altona gemeldet, wo sie von Professor Heinrich Christian Schumacher (1780 - 1850) empfangen wurde, dem Begründer der Astronomischen Nachrichten. Am 11. wurde der Komet dann von Madame Ruemker, der Ehefrau des Direktors der Hamburger Sternwarte am Millerntor beobachtet. Beide Sternwarten, die eine auf hamburgischem Gebiet, die andere zu Dänemark gehörend, kooperierten häufig miteinander.

Die Entdeckung des Kometen, der heute den offiziellen Namen C/1847 T1 trägt, brachte Mitchell unmittelbaren internationalen Ruhm und viele Ehrungen. Im Jahr 1848 erhielt sie als erste Frau die Mitgliedschaft in der "American Academy of Arts and Sciences" und wurde Fellow der "American Association for Advancement of Science". Maria Mitchell war damit nach Caroline Herschel (1750 - 1848) erst die zweite Frau, die einen Kometen entdeckt hatte, der fortan inoffiziell auch "Miss Mitchell's Comet" genannt wurde. Trotz der Entdeckung blieb sie zunächst Bibliothekarin. 1849 wurde ihr für die Berechnung der Positionen des Planeten Venus eine Anstellung beim US Nautical Almanac Office angeboten, die sie gerne annahm.

1857 reiste sie nach Europa. Ihr erstes Ziel war Liverpool, wo sie mit vielen namhaften Astronomen zusammentraf, die sie nicht nur hier und da in ihren Familien aufnahmen, sondern sie auch durch ihre Sternwarten führten. Hier lernte sie die europäische Sicht auf die Astronomie und hier vor allem die unterschiedlichen Arbeitsweisen und die verwendete Teleskoptechnik kennen. Des Weiteren besuchte sie die Sternwarten zu Paris und Rom und kehrte schließlich nach England zurück, wo sie das Cambridge Observatory besuchte. Ein Abstecher nach Schottland brachte sie zum Glasgow Observatory. Den "Leviathan" von Lord Rosse hatte sie aber anscheinend nicht besichtigt, sondern nur von ihm gehört.

Kurz vor ihrer Abreise in die USA erwarb sie ein neues Teleskop, das sie auf der Rückreise und später daheim für Beobachtungen von Sonnenflecken nutzte. Außerdem setzte sie sich hierbei erstmalig dafür ein, dass mehr Frauen Zugang zur Wissenschaft erhielten. Sie hatte während ihrer Reise viele Ehefrauen von Astronomen kennen gelernt, die ihre Männer in ihrer Arbeit unterstützt hatten. Überhaupt setzte sie sich in jenen Jahren verstärkt für Frauenrechte ein, und dass Wissenschaftlerinnen bessere Aufstiegschancen und eine deutlich bessere Bezahlung erhielten. 1859 erhielt sie vom Staat San Marino ob ihrer Verdienste eine Bronzemedaille.

Im Jahr 1865 wurde sie Professorin für Astronomie am Vassar College und war damit auch die erste Person, die diese neugeschaffene Position erreichte. Sie war gleichzeitig Direktorin des Vassar College Observatory, wo sie ein 12-Zoll-Teleskop, das seinerzeit drittgrößte in den USA, verwenden konnte und sich auch hier um junge Astronominnen und deren Fortkommen in der Wissenschaft einsetzte. Sie gab Unterricht für Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten aus allen Teilen des Landes und wurde dafür oft angefeindet, was sie aber wenig beeindruckte.

Nach ihrer dortigen Lehrtätigkeit erfuhr sie, dass sie trotz ihrer Reputation und Erfahrung ein deutlich geringeres Gehalt als ihre jüngeren männlichen Professoren erhielt und beharrte auf einer Gehaltserhöhung, die sie auch tatsächlich bekam. Sie setzte ihre Forschungen durch das Studium der Oberflächen von Jupiter und Saturn fort und widmete sich auch der Himmelsfotografie. 1869 wurde sie als erste Frau in die American Philosophical Society aufgenommen, 1873 half sie bei der Gründung der amerikanischen Vereinigung für die Förderung von Frauen und war von 1874 bis 1876 deren erste Präsidentin.

Im Sommer 1873 brach sie überdies zu ihrer zweiten Europa-Reise auf. Ihr Weg führte sie dieses Mal zur Sternwarte Pulkowo, nahe St. Peterburg in Russland, wo sie mit Otto Wilhelm von Struve (1819 - 1905) zusammentraf, den sie bereits auf ihrer ersten Reise in Greenwich kennen gelernt hatte. Sie blieb ein paar Wochen auf der Sternwarte und kehrte dann über London nach Amerika zurück.

1874 begann sie, ihre Erlebnisse und Erfahrungen - auch in Form populärwissenschaftlicher Arbeiten - niederzuschreiben und beklagte gleichzeitig, dass man damit weder das Wesen der Wissenschaft exakt definieren, noch wirklich breite Volksmassen erreichen könne. Am 29. Juli 1878 beobachtete sie in Denver eine Sonnenfinsternis und begann mit Arbeiten über die Farben der Sterne (Beteigeuze, Aldebaran, SS Ursae Minoris, etc.).

In den 1880ern verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand dramatisch. Deshalb zog sie sich 1888 von allen Ämtern und Aufgaben zurück und lebte wieder in ihrer Geburtsstadt Nantucket, wo sie am 28. Juni 1889 verstarb. Noch im gleichen Jahr wurde dort das "Maria Mitchell Observatory" gegründet und nach ihr benannt. 1902 wurde die "Maria Mitchell Foundation" gegründet. Sie wurde in die "US National Women's Hall of Fame" aufgenommen und war Namensgeberin des Kriegsschiffs SS Maria Mitchell. Weiter wurde auch ein Mondkrater und der am 5. Juni 1937 von dem Astronomen Alfred Nohrmann (1904 - 2000) entdeckte Hauptgürtel-Asteroid (1455) Mitchella nach ihr benannt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Maria_Mitchell http://onlinebooks.library.upenn.edu/webbin/book/lookupid?key=olbp36918 http://www.mariamitchell.org/research-and-collections/maria-mitchell/archives-special-collections http://www.sheisanastronomer.org/index.php/history/maria-mitchell http://articles.adsabs.harvard.edu/full/1848MNRAS...8..130M http://de.wikipedia.org/wiki/Maria_Mitchell
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http://www.mariamitchell.org/research-and-collections/maria-mitchell/archives-special-collections
http://www.sheisanastronomer.org/index.php/history/maria-mitchell
http://articles.adsabs.harvard.edu/full/1848MNRAS...8..130M



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