Johann Tobias Mayer (1723-1762)

Der Absolutismus in Europa hatte seinen Höhepunkt überschritten, das Zeitalter der Aufklärung, jenes geistige Erbe Descartes und Newtons, das durch seine vorwiegend humanistische Grundhaltung geprägt war, befand sich im Anfangsstadium, der innereuropäische Handel erreichte nie gekannte Dimensionen, als Johann Tobias Mayer am 17. Februar 1723 in der hessischen Stadt Marburg geboren wurde. Sein Vater, ein in der Stadt bekannter und geschätzter Drechsler, hatte ausreichende Geldmittel zur Verfügung, damit sein Sohn eine ordentliche Schule besuchen konnte.

So kam es, daß Mayer, dessen Eltern schon kurz nach seiner Geburt nach Esslingen umgezogen waren, zunächst ausschließlich von seinem Vater den nötigen Unterricht in Schreiben, Rechnen und Zeichnen erhielt. Seine Jugendzeit war zudem durch den Umstand gekennzeichnet, daß die Eltern früh starben und auch der Esslinger Bürgermeister, der ihn unter seine Obhut genommen hatte, alsbald das Zeitliche segnete (ihn jedoch zu einem fähigen Maler ausbilden ließ).

Gewissermaßen als Autodidakt auf sich alleine gestellt, lebte Mayer vom Privatunterricht in Mathematik, bevor er sich nach Augsburg begab, um dort seine zeichnerischen Fähigkeiten und mathematischen Kenntnisse zu vertiefen.

Schon bald nahm er in Nürnberg bei einem stadtbekannten Verlag eine Kartographenstelle an, hatte erste Berührungspunkte mit der astronomischen Wissenschaft hinter sich. 1751 erfolgte der Ruf auf den Lehrstuhl für Mathematik und Ökonomie der Universität Göttingen. Ab 1754 leitete Mayer zusätzlich die dort neugegründete Sternwarte.

Sein Interesse galt seit diesem Zeitpunkt hauptsächlich der Astronomie, obwohl er auch Neigungen zeigte, sich mit Fragen zum Erdmagnetismus und zur Optik zu beschäftigen. Bereits 1752 veröffentlichte Mayer mit seiner Schrift "Novae tabulae motuum Solis et Lunae" eine Methode, wonach auf See geographische Längenbestimmungen möglich wurden. Neben Arbeiten über die astronomische Refraktion und instrumentell bedingte Fehler in Teleskopoptiken widmete er sich der Bewegung des Mondes und der Bestimmung seiner Entfernung zu den Fixsternen. 1760 gelang ihm erstmalig der Beweis, daß auch Fixsterne Eigenbewegungen zeigen.

Vieles von dem, was Mayer sich in seiner kurzen Schaffensperiode vorgenommen hatte, blieb unvollendet oder wurde posthum veröffentlicht: 1767 eine Theorie über die Mondbewegung, 1770 neue Mond- und Sonnentafeln oder 1775 eine detaillierte Mondkarte. Nicht mehr fertiggestellt wurden ein Mondglobus und ein Zodiakalstern-Katalog.

Noch nach seinem Tode am 20. April 1762 in Göttingen (manche Autoren legen auch den 26. Februar zugrunde) wurde ihm eine Ehrung zuteil: das Britische Parlament zeichnete ihn zusammen mit Leonard Euler (1707-1783) für seine Arbeiten zur Seenavigation aus.

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