FAITH 7 (MA-9)

Missionsname: Mercury-Atlas 9 (MA-9)
Eigenname: Faith 7
Besatzung: L. Gordon Cooper, Ersatzpilot: Alan B. Shepard
Start: 15.05.1963, 8:04:13 Uhr Ortszeit
Landung: 16.05.1963, 18:07:43
Missionsdauer: 34 h, 3m, 30 s
Missionsbeschreibung:

Seit Beginn der bemannten MERCURY-Flüge war die Verweildauer der Astronauten im Erdorbit ständig verlängert worden. Das hatte zum einen den Grund, mehr Erfahrungen mit den Lebens- und Arbeitsmöglichkeiten unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit zu sammeln, andererseits sollte der Vorsprung der Sowjetunion aufgeholt werden. Diese hatte nämlich am 11. August 1962 die WOSTOK 3 mit dem Kosmonauten Andrian Nikolajew und am 12. August 1962 WOSTOK 4 mit Pawel Popowitsch ins All geschickt. Sie umrundeten die Erde insgesamt 64 bzw. 48 mal.

Dem sollte entgegengehalten werden, obgleich die MERCURY-Kapseln nicht für längere Aufenthalte in der Erdumlaufbahn konstruiert waren und nun entsprechend modifiziert werden mußten. Die NASA-Führung überlegte gar, das MERCURY-Programm vorzeitig zu beenden, da alle Missionsziele erfüllt waren und man sich nunmehr voll auf das GEMINI-Programm konzentrieren wollte. Letztlich konnte sich das Marshall Spaceflight Center (MSC) mit seiner Idee eines "Langzeitfluges" mit MERCURY 9 durchsetzen.

Ein Sorgenkind bei allen MERCURY-Flügen war das Trägersystem, denn sowohl die REDSTONE-, als auch die ATLAS-Raketen waren modifizierte Interkontinentalraketen. So mußte denn auch Coopers ATLAS 130-D wieder in die Werkshallen zurück, da es durch die scharfen Qualitätskontrollen der NASA gefallen war. Aber auch die Änderungen an der MERCURY waren nicht unerheblich, so mußten 183 verschiedene Komponenten geändert werden, die Kapsel wurde insgesamt schwerer, da mehr Proviant und Sauerstoff für den Astronauten mitgenommen werden mußte, doch Ende April 1963 waren alle diesbezüglichen Arbeiten zur Zufriedenheit aller abgeschlossen.
L. Gordon Cooper brach dann am 15. Mai 1963 zum bis dahin längsten bemannten Raumflug der USA auf. Der letzte mit einer MERCURY-Kapsel war besonders auf das Nachfolgeprojekt GEMINI ausgerichtet.
Countdown und Start vom Pad LC-14 um 8:04:13 Uhr Ortszeit verliefen reibungslos, FAITH 7 erreichte nach wenigen Minuten die vorgesehene elliptische Umlaufbahn mit einem Perigäum bei 163 km und einem Apogäum bei 265 km. Auch Cooper wurde, wie seine Kollegen zuvor, beim Aufstieg etwa 8 Minuten lang kräftig durchgeschüttelt, auch er bemerkte den Pogo-Effekt und auch er wendete nach Erreichen des Orbits die MERCURY-Kapsel um 180°, um in Falle einer ernsthaften Störung sofort zur Erde zurückkehren zu können. Doch das war nicht der Fall und so konnte Cooper seinen Orbitalflug fortsetzen.

Er übermittelte zunächst seinen ersten "status report" via Kanarische Inseln und Kano in Nigeria an Mercury Control, während er in östlicher Richtung über den Atlantik und den afrikanischen Kontinent hinwegflog.; die Bahninklination betrug 32,5°. Danach überprüfte er die Bordsysteme und kontrollierte die Temperatur seines Raumanzugs. Alle Werte lagen im grünen Bereich. Beim Überflug von Australien machte er die Lichter der Stadt Perth aus, zuvor verfolgte er vom Weltraum aus den Sonnenaufgang über dem polynesischen Archipel.

Der Flug der MERCURY 9 verlief weiterhin völlig komplikationslos, Cooper widmete sich unterdessen der Erdbeobachtung, filmte und fotografierte Oberflächendetails.

Während der dritten Erdumkreisung setzte er eine kleine, 15 cm durchmessende und 4,5 kg schwere, mit zwei Xenon-Blinklampen versehene Kapsel aus. Dieses sog. Sichtbarkeitsexperiment war jedoch ein Mißerfolg, denn Cooper konnte die Leuchtboje erst bei der fünften Umkreisung in 16 km Entfernung ausmachen. Auch der nächste Versuch, einen orangefarbenen Ballon auszusetzen, scheiterte. Dafür konnte er vom Weltraum aus ein eigens für diesen Zweck errichtetes Bodenlicht nahe Bloemfontain in Südafrika ausmachen.

Danach nahm er Tubennahrung zu sich und begab er sich für siebeneinhalb Stunden zur Ruhe und schlief in der MERCURY-Kapsel, die in diesem Zeitraum automatisch gesteuert, die Erde umrundete.

Bei der sechsten Umkreisung wiederholte er das bereits bei MERCURY 7 schon einmal durchgeführte Kastenexperiment. Cooper klinkte den 30 cm durchmessenden, mit orangefarbener Mylarfolie überspannten Kanister aus, der mit Stickstoff gefüllt war und am Ende eines Stahlseils hinter dem Raumschiff hergezogen werden sollte. Ziel des Experimentes war es festzustellen, ob sich die Druckverhältnisse in seinem Innern ändern, sobald das Raumschiff das Perigäum und das Apogäum seiner elliptischen Umlaufbahn durchflogen war. Leider war auch dieser Versuch nicht von Erfolg gekrönt. Das Stahlseil verhakte und der Ballon ließ sich nicht in die Sollposition bringen. Er mußte aufgegeben und von der MERCURY-Kapsel abgetrennt werden. Die Ursache für das Nichtentrollen des Seils konnte nicht gefunden werden.

Die nächsten Umläufe waren gekennzeichnet von weiterer, intensiver Erdbeobachtung, der Kontrolle der Bordinstrumente und einiger Steuermanöver zum Testen der seitlichen Steuertriebwerke. Außerdem gab er mehrere Radiointerviews an Stationen in Kanada und den USA. Kurz vor Beginn des 10 Orbits hatte Mercury Control Cooper mitgeteilt, daß er , aufgrund des letzten positiven "status reports" erst einmal 17 weitere Umkreisungen zu absolvieren hatte, insgesamt sollten es dann 22 werden, wobei die Umläufe 9 bis 13 als Schlafpause eingeplant wurden.

Orbit 14: Cooper konnte der Bodenstation die erfreuliche Mitteilung machen, daß noch 69% Treibstoff für den Automatikflug und 95% für manuelle Flugmanöver zur Verfügung standen.

Orbits 17 und 18: Cooper fotografierte das Wettergeschehen mit Hilfe eines Infrarotfilms, aktivierte seinen Geigerzähler, um eine mögliche radioaktive Belastung durch die die Erde umgebenden Strahlungsgürtel herauszufinden, die aber nicht vom MERCURY-Raumschiff durchflogen wurden.

Bei der 19. Umkreisung zeigte plötzlich eine der Kontrollleuchten eine erhöhte Abbremsung des Raumschiffs, so, als würde es unkontrolliert zur Erde stürzen. Ein Umlauf später versagte die Kontrolle der Raumlage und. beim vorletzten Orbit dann gab es einen Kurschluß in der Energieversorgung: Die automatische Steuerung und Raumlagekontrolle fiel endgültig aus (Cooper mußte per Hand weiterfliegen) und schließlich gaben auch die Lebenserhaltungssysteme ihren Geist auf und der Kohlendioxydgehalt in Coopers Atemluft stieg bedrohlich an.

Das Ende der Mission leitete der in der Bodenstation verbliebene John Glenn mit einem Countdown ein, an dessen Ende Cooper die Bremsraketen manuell zündete. FAITH 7 sank zur Erde herab und wasserte schließlich fast exakt im Zielgebiet nahe den Midway-Inseln im Pazifik, in 6,3 km Distanz zum Flugzeugträger KEARSARGE, der bereits SIGMA 7 aus dem Ozean geborgen hatte.
Damit endete nicht nur das trotz aller Pannen erfolgreiche MERCURY-Programm der USA, es stellte auch die Weichen für die GEMINI-Flüge, bei jeweils zwei Astronauten in der Kapsel saßen, die dann auch erste Kopplungsmanöver mit anderen GEMINIs durchführten: Test für das APOLLO-Programm, das dereinst Menschen auf den Mond bringen sollte.


FREEDOM 7 (MR-3)
LIBERTY BELL 7 (MR-4)
FRIENDSHIP 7 (MA-6)
AURORA 7 (MA-7)
SIGMA 7 (MA-8)


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