Das Lunar Roving Vehicle (LRV)

Das zweifellos faszinierendste technische Objekt, dass die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA im Laufe ihrer über 40 jährigen Geschichte jemals eingesetzt hat, ist das so genannte Lunar Roving Vehicle, das Monadauto, mit dem die Astronauten der APOLLO-Missionen 15, 16 und 17 über die Mondoberfläche fuhren und dabei ein größeres Gebiet erkunden konnten, als es ihnen zu Fuß möglich war.

Die Grundidee, ein Fahrzeug für die Mondoberfläche zu entwickeln, geht auf Pläne Wernher von Brauns aus dem 50er Jahren hervor, in denen er seine Ideen für eine ständig bemannte Mondstation in Artikeln für verschiedene amerikanische Zeitschriften, u.a. dem Collier´s Magazine, in dem sich auch namhafte Wissenschaftler wie Fred Whipple oder der aus Deutschland stammende Wissenschaftsjournalist Willy Ley zum gleichen Thema äußerten. Dieses Fahrzeug sollte annähernd 10 Tonnen wiegen und bis zu sieben Personen Platz bieten, da es vorwiegend für den Verkehr außerhalb der geplanten Mondstation gedacht war.

Natürlich hatte auch die NASA die Bedeutung eines Mondfahrzeuges erkannt, das allerdings kontruktionstechnisch einige Bedingungen erfüllen musste. So konnte es wegen der fehlenden Atmoaphäre auf dem Mond selbstverständlich nicht mit einem Verbrennungsmotor ausgestattet sein. Ausserdem musste es zusammenfaltbar sein, um im unteren Teil der Mondlandefähre Platz zu finden.

Das von den Firmen Boing und Delco in den USA entwickelte Fahrzeug kostete den amerikanischen Steuerzahler stolze 38 Mio. Dollar und wurde am 1. April 1971, nur 17 Monate nach der Auftragsvergabe, erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Insgesamt wurden vier Lunar Rover gebaut, drei flogen zum Mond, einer blieb auf Grund von Missionsstreichungen infolge der Budgetkürzungen für die NASA im amerikanischen Haushalt auf der Erde zurück. Darüber hinaus wurden sieben weitere LRV gebaut, die aber ausschließlich Testzwecken, oder dem Training der Astronauten dienten.

Der zweisitzige Lunar Rover, wie er verkürzt auch genannt wird, hatte eine Masse von 210 kg und war für eine zulässige Gesamtmasse von 490 kg ausgelegt, was genügend Spielraum für Zuladungen in Form von Mondgestein und Messinstrumenten ließ. Er hatte ein Länge von 3,10 m, die Höhe betrug 1,14 m. Der 2,3 m große Fahrzeugrahmen bestand aus 2219 dicht aneinander liegenden Aluminiumrohren, das gesamte Chassis aus drei Teilen, die so zusammengefaltet werden konnten, dass das LRV bequem in die Lunar Module quad 1 bay, der Ladebucht im unteren Teil des LM hinein passte. So wurden beispielsweise die Reifen unter das Chassis geklemmt, Antenne und Sitze an der Oberseite der Grundfläche verborgen.

Die Reifen, bestehend aus verzinktem Klavierdraht, der von Titanstreifen durchzogen war, hingen an einer 23 cm großen Spezialaufhängung und diese wiederum an einer 81,8 cm durchmessenden Aluminiumachse. Sie waren durch ein Schutzblech gegen den Mondstaub geschützt und verfügten über eigene kleine Elektromotoren, die bis zu 10.000 Umdrehungen pro Minute schafften, und die das Fahrzeug antrieben. Ihren Strom bezogen sie, wie die Funkgeräte, der Navigationscomputer und die Farb-TV-Kamera, aus zwei nicht wiederaufladbaren Wasserstoff-Silberoxyd-Batterien mit einer Gesamtleistung vom 121 Ampere.

Die Kamera wurde von der Bodenstation aus über einen S-Band-Sender und -Empfänger gesteuert. Unterhalb der aufklappbaren Antenne befand sich die Lunar Communications Relay Unit (LCRU), die mit der Kamera per Kabel verbunden war. Eine kleines Funkgerät und eine kleine Antenne auf der LCRU stellte dann auf dem VHF-Band die Kommunikation der Astronauten untereinander und mit der Bodenstation in Houston sicher.

Der Navigationscomputer war für damalige Verhältnisse erstaunlich leistungsfähig und in der Lage, aus dem zurückgelegten Weg, der auch alle Richtungsänderungen berücksichtigte, die jeweilige Position auf der Mondoberfläche sowie die Distanz zum LM und somit den Rückweg, zu bestimmen. Bei jedem seiner Einsätze auf der Mondoberfläche wurde der Lunar Rover dreimal benutzt, bei APOLLO 15 legten David Scott und Jim Irvin bei einer Gesamtfahrzeit von 3 Stunden und 2 Minuten 27,8 km zurück. Bei APOLLO 16 waren es 26,7 km in 3 Stunden und 26 Minuten (Astronauten: John Young und Charles Duke) und bei APOLLO 17 35,9 km in 4 Stunden und 26 Minuten (Eugene Cernan und Harrison Schmitt). Die größte Entfernung zur Mondlandefähre, die mit dem Lunar Rover erreicht wurde, betrug 7,6 km, die längste Einzelfahrt 20,1 km.

Quellen:
Günter Siefahrth, Geschichte der Raumfahrt, München (2001)
David M. Harland, Exploring the moon, Chichester, UK (1999)


Internet:
http://nssdc.gsfc.nasa.gov/planetary/lunar/apollo_lrv.html


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