Percivall Lowell (1855-1916)

Die ,,Marskanäle" waren in aller Munde, als der am 13. März 1855 in Boston geborene und am 12. November 1916 in Flagstaff verstorbene Astronom Percivall Lowell (Begründer des gleichnamigen Observatoriums in Flagstaff) begann, sich ebenfalls diesem Problem zu widmen. Er bestätigte aufgrund eigener Beobachtungen und Zeichnungen deren Existenz, obgleich es sich, wie man inzwischen weiß, hier um eine optische Täuschung handelt. Die Diskussion um die ,,canali" ist letztlich einer ungeschickten Formulierung ihres Entdeckers, dem italienischen Astronom Giovanni Schiaparelli (1835-1910) zuzuschreiben, denn er meinte ganz gewiß nicht irgendwelche Bewässerungsgräben auf unserem Nachbarplaneten.

Lowells Interesse galt den Planetenoberflächen, ihren Strukturen und Veränderungen. Über den Merkur sagte er einmal, daß dieser wegen der großen Sonnennähe den ,,bleichen Knochen einer toten Welt" gleiche. Zudem beteiligte er sich intensiv an der Suche nach einem Planeten hinter dem Neptun, der bisher auffällige Bahnschwankungen zeigte, die nur mit der Existenz eines ,,Transneptun" zu erklären waren. In seiner Veröffentlichung ,,Memoir on a Trans-Neptunian Planet" (1915) legte er mit wissenschaftlicher Sorgfalt, peinlich genauen Rechnungen und einer gehörigen Portion Ironie seine Überlegungen dar.

Zuvor hatte er von 1905 bis 1907 erfolglos versucht, den Planeten auf fotografischem Wege aufzufinden. Auf der Grundlage seiner mathematischen Überlegungen wollte er dann 1915 abermals die Suche aufnehmen, sie fand jedoch mit seinem Tod im November 1916 ein jähes Ende. Dem Astronomen Clyde W. Tombaugh, seinerzeit als Assistent am Lowell-Observatory angestellt, war es schließlich vergönnt, auf Fotoplatten vom 23. bzw. 29, Januar 1930 ein Objekt 15. Größe nahe delta Geminorum zu entdecken: den lange gesuchten neunten Planeten Pluto.

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