Sir Bernard Lovell (geb. 1913)

Der Radioastronomie verdanken wir heute viele Erkenntnisse z.B. über den Aufbau unserer heimatlichen Milchstraße oder weit entfernten Objekten wie den Quasaren, sie ermöglicht aber auch Untersuchungen des solaren Radiospektrums und der Eigenstrahlung des Riesenplaneten Jupiter in diesem Wellenbereich.

Karl Jansky (1905-1950) und Grote Reber (geb. 1911) gelten in den Vereinigten Staaten als die eigentlichen Begründer der Radioastronomie. Jansky hatte die kosmische Radiostrahlung entdeckt und Reber baute das erste voll funktionsfähige Radioteleskop mit einem Antennendurchmesser von 4,9 Metern.

In Europa waren es vor allem die Engländer, die hier Pionierarbeit leisteten. Der Ausbruch des 2. Weltkrieges am 1. September 1939 machte zunächst alle Bemühungen zunichte, die gerade entwickelte Radartechnik zivil nutzbar zu machen.

1942 hatte der britische Röntgenkristallograph James Hey in Diensten der Army Operational Research Group er Royal Airforce bei Experimenten mit neuentwickelten Radargeräten bei 4 und 8 m Wellenlänge zufällig entdeckt, daß auch die Sonne Radiostrahlung aussendet.

Zwei Jahre später fanden Hey und Mitarbeiter bei dem Versuch, deutsche V2-Raketen bereits im Anflug auf England aufzuspüren, seltsame Streuimpulse, die auch dann vorhanden waren, wenn kein feindliches Objekt am Himmel war.

Nach dem Ende des Krieges konnten die Wissenschaftler endlich daran gehen, ihre weitgehend geheim gehaltenen Forschungen unter nichtmilitärischen Bedingungen fortzuführen. Unterdessen verließ der am 31. August 1913 in Oldland Common (Gloucestershire) geborene Bernard Lovell die Armee und ging an die Universität von Manchester zurück, wo er seine Arbeiten über die kosmische Strahlung fortsetzte und 1951 die Professur erhielt.

Für Untersuchungen der Radioemission der Teilchen dieser Strahlung ließ er ein Radargerät mit einer 5 m durchmessenden Antennenschüssel nach dem Vorbild der von J. S. Hey entwickelten Instrumente nachbauen und auf dem Gelände des physikalischen Instituts der Universität von Manchester aufstellen. Viele Störquellen in der näheren Umgebung zwangen ihn jedoch schon bald, nach Jodrell Bank in Cheshire auszuweichen, einem verlassenen Weiler, auf dem lediglich die Botaniker seiner Universität einige Bauten unterhielten.

Hier gründete Lovell 1946 die Nuffield Radio Astronomy Laboratories. Das erste Instrument war ein 66 m-Radioteleskop, mit dem er die Echos von Meteoren registrierte und dabei herausfand, daß es sich bei den von Hey et al. entdeckten Steuimpulsen um Echos der in die Erdatmosphäre eindringenden Meteorströme handelte. Lovell trieb darüber hinaus trotz vieler Hemmnisse und Finanzierungsschwierigkeiten den Bau eines noch größeren Radioteleskops (Mark 1) mit 76 m Durchmesser voran, der dann in den Jahren 1951-1957 tatsächlich ausgeführt und abgeschlossen werden konnte.

Bereits die ersten Beobachtungen mit Radioteleskopen hatten gezeigt, daß ihr Auflösungsvermögen weit unter dem optischer Fernrohre lag. Eine Arbeitsgruppe um den Astronomen Sir Martin Ryle an der Universität von Cambridge hatte bereits 1946 einen Weg aus diesem Dilemma gewiesen: die Installation eines Radio-Interferometers, bei dem zwei weit auseinander stehende Radioteleskope über Kabel oder Funk so geschaltet wurden, daß die Entfernung zwischen Ihnen wie die Basis eines Einzelteleskopes behandelt werden konnte. Damit erreichten sie eine wesentlich verbesserte Auflösung. Lovells 66 m-Teleskop gehörte in den 50er Jahren zu den ersten Interferometern in England.

Mit dieser neuen Anordnung von Beobachtungsgeräten konnten erstmals die bereits bekannten Radioquellen Cygnus A, Virgo A (M87) und Centaurus A (NGC 5128) detaillierter beobachtet werden.

Ein weiteres Vorhaben LovelIs, der über viele Jahre die Radiosternwarte in Jodrell Bank mit großem Erfolg leitete, bestand in der Konstruktion eines gigantischen 300 m-Teleskops. Das scheiterte jedoch an den zu hohen Kosten und den schier unlösbaren technischen Problemen.

In den sechziger Jahren errang Jodrell Bank besondere Bedeutung als Empfangsstation für die Funksignale der amerikanischen Mondsonden vom Typ RANGER und SURVEYOR. Sie dienten dazu, den Flugverlauf und die einzelnen Flugmanöver der Sonden zu kontrollieren und die harten (RANGER) bzw. weichen (SURVEYOR) Landungen auf der Mondoberfläche möglichst punktgenau auszuführen.

zurück zur Übersicht
© Manfred Holl, Impressum