Joseph Louis Lagrange

wurde am 25. Januar 1736 in Turin als Sohn einer infolge finanzieller Spekulationen des Vaters heruntergekommenen Familie geboren. Als l9 jähriger Professor lehrte er ab 1755 an der Königlichen Artillerieschule zu Turin Mathematik und folgte 1766 dem Ruf Friedrich II. nach Berlin, um dort als Nachfolger Leonard Eulers (1707-1783) Präsident der Akademie der Wissenschaften zu werden.

Nachdem sich Lagrange neben seiner Lehrtätigkeit in Turin zusammen mit einigen seiner besten Studenten (aus diesem Kreise sollte später die Akademie der Wissenschaften in Turin entstehen) vorwiegend mathematischen Problemen gewidmet hatte, vor allem der Variationsrechnung, konnte er sich in Berlin auch zunehmend der Astronomie widmen. So verfaßte er 1772 eine bedeutende Schrift zum Dreikörperproblem, worin er erläuterte, daß auch drei Körper, wenn sie zueinander bestimmte Positionen und Entfernungen einnehmen, ein stabiles System bilden können. Einen Sonderfall sehen wir noch heute in den "Trojanern", die dem Jupiter um jeweils 60° voraus- oder hinterherlaufen. Außerdem konnte er Abhandlungen über Libration des Mondes und der Himmelsmechanik allgemein fertigstellen.

Bis zu seiner Übersiedlung nach Paris, ausgelöst durch den Tod Friedrichs II., arbeitete Lagrange an der Theorie der partiellen Differentialgleichungen, sowie an Fragestellungen der Geometrie und Algebra. Den Jahren in Berlin, die wohl zu den produktivsten in seinem wissenschaftlichen Leben zählen, folgte in Paris ein absoluter Tiefpunkt in seinem Schaffen. Offensichtlich erschöpft und depressiv gab er sich zunächst überwiegend dem Studium metaphysischer und religiöser Weltanschauungen hin, unterstützt durch seinen Freund, den Chemiker Antoine Laurent Lavoisier (1743-1794).

Trotz der Veröffentlichung eines Buches über theoretische Physik im Jahre 1788 änderte sich Lagranges Lebenswandel erst in den Wirren der französischen Revolution, offenbar hervorgerufen durch die Hinrichtung Lavoisiers am 8.5.1794.

Ab 1795 war Lagrange dann Mitglied der ,,Ecole Normale" und ab 1797 sogar Mitglied der inzwischen weltberühmten ,,Ecole Polytechnique". Zuvor hatte er im französischen "Komitee für Erfindungen und das Münzwesen" eine vielbeachtete Stellung errungen, da er sich in den Tagen der Revolution meist sehr zurückhielt, obgleich er die offensichtlichen Grausamkeiten dieser Epoche insgeheim zutiefst mißbilligte.

Abermals verfaßte er mehrere Schriften, z. B. über Infinitesimalrechnung und verschiedene Grenzfragen. Zusammen mit dem französischen Mathematiker Augustin Louis Cauchy (1789-1857) arbeitete er zudem an den Probleme der analytischen Funktionen in der Mathematik.

Am 10. April 1813, dem Jahr, in dem Napoleon bei der Völkerschlacht in Leipzig vernichtend geschlagen wurde, verstarb Joseph Louis Lagrange in Paris. Sein Wirken, seine Bedeutung für Mathematik und Astronomie, formulierte sein Zeitgenosse Pierre Simon Laplace bei der Grabrede so:

"Lagrange hat wie Newton jene höchste Kunst in glücklichstem Maße besessen, die allgemeinen Prinzipien zu entdecken, welche das eigentliche Wesen der Wissenschaft ausmachen!"

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