Astrourlaub in Kirchheim

Die totale Sonnenfinsternis am 11. August und die Tatsache, daß ich mit einigen Freunden in diesem Jahr wieder mal einen gemeinsamen Astrourlaub in der Sternwarte Kirchheim bei Erfurt verbringen wollten, brachte uns auf die Idee, beides miteinander zu verbinden. Zudem war geplant, eine CCD-Kamera am 50 cm Newton einzusetzen.

Während der Vorbereitungsphase schloß sich uns noch ein weiterer Sternfreund an. So kam es, daß wir am 1. August, einem Sonntagmorgen, mit zwei vollbeladenen PKW aus Hamburg in Richtung Thüringen abfuhren, der Dritte kam zwei Tage später mit der Bahn nach. Gegen 14.30 Uhr kamen wir durchschwitzt (Temperatur im Auto schätzungsweise 40° und mehr, Außentemperatur um die 30°) an unserem Reiseziel an. Ein Berliner Sternfreund war kurz vor uns eingetroffen.



Kuppel der Sternwarte Kirchheim


Die Sternwarte in Kirchheim, 13 km südlich von Erfurt, wurde 1977 noch zu DDR-Zeiten gegründet, in Eigenarbeit errichtet (sicherlich ein Novum unter den gegebenen politischen Verhältnissen der damaligen Zeit), wird heute als "Volkssternwarte Kirchheim e. V." geführt und steht den Mitgliedern der "Vereinigung der Sternfreunde" (VdS) als Feriensternwarte zur Verfügung. Sie zählt zu den instrumentell am besten ausgestatteten Amateursternwarten in Deutschland und verfügt über ein reichhaltiges Instrumentarium, das vom 110/1550 mm Zeiss-Refraktor über einen 250/5000 mm Schiefspiegler, einen 300/4500 mm Cassegrain-Reflektor, eine 300/450/900 mm aplanatische Planfilmkamera, einen 200/3000 mm AS-Zeiss-Refraktor sowie als Hauptgerät ein 500/2500 mm Newtonteleskop auf parallaktischer Zeiss-Montierung verfügt, die in einer Beobachtungshütte bzw. der Kuppel untergebracht sind. Nicht zu vergessen natürlich diverses Zeiss-Zubehör und ein H-alpha-Filter für die Sonnenbeobachtung, den man allerdings nur unter der Voraussetzung einer guten Haftpflichtversicherung und nach einer Einweisung durch die Sternfreunde vor Ort benutzen darf, es sei denn, man hat die nötigen Vorkenntnisse zum Betrieb des Filters schon. In der Beobachtungshütte und im Haupthaus gibt es Unterkünfte, eine Küche, Bad und WC, ein Aufenthaltsraum mit relativ gut sortierter Bibliothek.

Nach dem Entladen der Fahrzeuge wurde der Aufenthaltsraum mit Computerequipment vollgestellt und das Rechenzentrum aufgebaut, das wir nicht nur für den Betrieb der CCD-Kamera benötigten, sondern auch für andere Arbeiten: Programmieren, Einarbeiten in neue Programme, Schreiben von Artikeln für den Sternkieker und jede Menge Computerspiele. Für die Aufnahmen mit der CCD-Kamera mußten die PCs dann in die Kuppel herübergetragen werden, wobei ein Rechner den Betrieb der ST-7E, die uns freundlicherweise geliehen wurde, der zweite für das Astroprogramm GUIDE 6.0, mit dem wir uns bei der Suche nach einzustellenden Objekten orientierten, eingesetzt wurde.

Gleich am ersten Abend war es, erwartungsgemäß, klar. In Richtung Osten baute sich eine Schicht aus dünnen Cirruswolken auf, die aber während der gesamten Beobachtungszeit dort verbleiben sollte. Zwar hatten wir geplant, schon am ersten Abend Aufnahmen mit der CCD-Kamera zu machen, doch waren wir dazu einfach zu müde und beließen es bei der Beobachtung eines 8 mag hellen Irdiumflares östlich von Cassiopeia, den auch einige Kirchheimer Sternfreunde miterlebten und der erfolglosen - der Suche mit dem 200/3000 Refraktor nach dem schon tiefstehenden Kometen Tempel 2/ 10P, der 8,8 mag hell sein sollte, in Wirklichkeit aber nur etwa 10 mag bei DC 3 erreichte.



Blick in das Innere der Sternwartenkuppel mit dem 50cm Newton und der aplanatischen Kamera auf der schweren Zeiss-Montierung


Unterdessen beobachtete ich mit meinem neuen 11 x 80 Feldstecher einige Objekte der Sommermilchstraße: M 8 und M 20, die, beide ins Gesichtsfeld passend, einen wunderschönen Anblick ergaben, M 16, M 17 und M 28. Hier zeigte sich wieder einmal deutlich der Unterschied zwischen Beobachtungen aus dem aufgehellten Stadthimmel und einem dunklen Landhimmel: In der Stadt stochert man bei der Suche nach Deep Sky-Objekten quasi im Nebel herum, ohne manchmal außer den Umgebungssternen wirklich etwas zu finden, unter einem typischen deutschen Landhimmel braucht man nur den Feldstecher in die fragliche Gegend halten und man hat das gesuchte Objekt im Gesichtsfeld. In einigen Fällen waren die Hintergrundsterne der Milchstraße direkt und deutlich zu sehen und nicht bloß zu erahnen. Der einzige Minuspunkt war der aufgehende Mond, der, 3 Tage vor Halbmond, die Szenerie gespenstisch beleuchtete, so auch die im Osten befindliche dünne Wolkendecke.

Allerdings war, wie man schon bei der H-alpha-Beobachtung am 200/3000-Refraktor tagsüber feststellen konnte, das Seeing eher mäßig. Im Ha konnte in Momenten ruhiger Luft sehr schön einige Protuberanzen beobachtet werden, auch die Filamente auf der Sonnenoberfläche und die großen Aktivitätszentren (immerhin gab es gleich zwei F-Gruppen zu bewundern) stachen klar hervor. Schon diese eher dürftige Sicht offenbarte die Möglichkeiten, die in diesem Filter stecken.



Sonnenuntergang aus dem geöffneten Kuppelspalt heraus fotografiert


Am zweiten Abend wurde es wieder klar. In der heraufziehenden Dämmerung trugen wir unser PC-Equipment in die Kuppel, öffneten diese und bereiteten uns auf die Nacht vor. In der zunehmenden Dunkelheit suchten wir zunächst den Mars, dann schwache Sterne auf, um mit der Scheinerblende den Schärfepunkt der ST-7E zu finden, was uns aber, wie wir hinterher feststellen mußten, nur leidlich gelingen sollte. Mit dem 200/3000-Refraktor (ohne Sucher!) stellte ein Sternfreund die Objekte, anfangs durch Suchen, dann anhand von Teilkreisen ein, während ich den Steuerrechner für die ST-7E bediente. Als Objekte für den CCD-Chip mußten M 51, M 57, M 56 und in der Morgendämmerung der Komet C/1999 H1/Lee herhalten, Stephens Quintett konnten wir in dieser Nacht nicht finden. Aufnahmen des Mondes oder des Planeten Saturn waren am 50 cm Newton nicht möglich, da selbst bei der kürzesten Integrationszeit von 0,11 s die Bilder hoffnungslos überbelichtet waren.

Bei den Deep Sky-Aufnahmen wählten wir pro Objekt Integrationszeiten von 60, 120 und 300 Sekunden, wobei aufgrund der nicht ganz getroffenen Schärfe einerseits und dem leider auch reichlich vorhandenen Dunst andererseits zumeist die 120s-Integrationen die besten Ergebnisse lieferten.

Die nächsten drei Nächte konnten astronomisch nicht oder nur wenig genutzt werden: Starker Dunst, zumeist von Südwesten heranziehende Bewölkung und hohe Luftfeuchtigkeit ließen uns die Zeit vor dem Rechner verbringen. Am Dienstagabend war zenitnah gerade noch das Sommerdreieck zu sehen, einen Tag später war es etwas klarer, aber die Milchstraße konnte nur mit viel Phantasie erspäht werden, M 31 sah im 11 x 80 er nicht viel anders aus als in Hamburg und M 33 konnte gar nicht beobachtet werden. Tagsüber erschienen eine Reporterin und ein Fotograf der "Thüringischen Allgemeine", die einen Bericht über die Beobachtung der Sonnenfinsternis in Kirchheim schreiben wollten, dieser erschien zwei Tage später mit einem Bild dreier Hamburger auf Astrourlaub.

Am nächsten Abend wurde es nur unwesentlich besser, zwar stach die Milchstraße deutlicher hervor, doch ließ sich M 31 als Testobjekt noch schlechter beobachten, als am Tag zuvor.

Die nächste Nacht wurde dann wieder klar. Zwar sah es bis kurz nach Sonnenuntergang wieder danach aus, als ob der Himmel komplett zuziehen würde, doch dann riß die Bewölkung auf. Trotz der anfangs trüben Aussichten beschlossen wir, unser Equipment in die Kuppel zu tragen und alles für eine klare Nacht vorzubereiten, die dann auch kam.

Bevor wir mit weiteren Aufnahmen loslegten, mußte am 50 cm-Newton erst einmal der Schärfepunkt getroffen werden, was uns nach einer guten Stunde auch gelang. Anschließend versuchten wir, Komet Tempel 2 aufzuspüren, was aber wieder nicht gelang, trotz aktueller, in Guide 6.0 eingearbeiteter Ephemeriden. Das Problem war aber auch, daß am 20 cm-Refraktor, der für das Einstellen der Objekte verwendet wurde, kein Sucher vorhanden ist. So glich das Einstellen der Objekte denn auch mehr einer phantasievollen Astroakrobatik.

Wir gaben die Suche nach dem Kometen schließlich auf und begannen mit der Wiederholung des Programms von der ersten Astronacht: M 51, M 57, M 27 und NGC 7331. Für jedes Deep Sky-Objekt wurden im hochauflösenden Modus der ST-7E wieder Integrationszeiten von 60, 120 und 300 s gewählt diese Aufnahmen entsprachen, nachdem wir erfolgreich den Schärfepunkt getroffen hatten, schon eher unseren Vorstellungen. Gegen 1 h 30 bemerkten wir aus südwestlicher Richtung heranrückende Wolken und nachdem die CCD-Kamera nurmehr ein Dunkelbild produzierte, wurde uns klar, daß wir erst einmal abbrechen mußten. Wir warteten etwa eine dreiviertel Stunde ab, dann trugen wir Rechner und Monitore wieder zurück in das Haupthaus. Es sollte bis zum Morgengrauen nicht mehr klar werden, im Gegenteil, wie uns der Berliner Sternfreund am nächsten Tag erzählte, habe es in der Nacht sogar leicht geregnet.

Doch der nächste Abend sollte das bringen, worauf wir schon lange gewartet haben: Eine megaklare Nacht. Gegen Abend wurde die Bewölkung immer geringer und löste sich dann vollständig auf. Nach der astronomischen Dämmerung offenbarte sich uns ein Sternhimmel, wie man ihn von Deutschland aus leider nur noch selten zu sehen bekommt. Die Milchstraße kam mit vielen Ausläufern gut durch, die Schildwolke war eindrucksvoll zu sehen und im Fernglas sprangen einem die Objekte förmlich entgegen.

Rechtzeitig wurden wieder die PCs bewegt und in der Kuppel alles für eine lange CCD-Nacht vorbereitet. Uns packte der Ehrgeiz, den angeblich ca. 8 mag hellen Kometen 10 P/Tempel 2, der tief im Südwesten stand, aufzusuchen. Nach 1,5 Stunden mühevollem suchen und zahlreichen Probeschüssen mit der ST-7E hatten wir ihn schließlich, allerdings erschien er uns erheblich schwächer als vorhergesagt, wir schätzten ihn auf etwa 10 mag. Auf dem CCD-Bild war außer einer schwach ausgebildeten Koma nur ein schwacher Schweifansatz zu sehen. Wir machten, abweichend vom bisherigen Schema von ihm eine Serie von 10 Integrationen á 60 s, wie bei allen Objekten dieser Nacht.

Wir starteten danach mit einer weiteren Deep Sky-Tour: M 16, NGC 7009, M 74 und NGC 891 wurden auf den CCD-Chip gebannt. Nach jeder Aufnahmeserie wurde ein dazu passendes Dunkelstrombild aufgenommen, was relativ einfach war, da die SBIG-Software eine entsprechende Funktion vorsieht und während der Belichtung den Shutter der CCD-Kamera schließt.

Bisweilen gab es ausreichend Gelegenheit, mit dem 11 x 80er in der Milchstraße herumzuwandern: M 8 M 20 und weitere Messiers im Sagittarius, die zarten Verästelungen in südlichen Teil der Milchstraße, dazu Dunkelwolken und Sternansammlungen, die man so unter einem gewöhnlichen Großstadthimmel nie wird sehen können, M 36, M 37, M 38 in Auriga. Insbesondere M 38 fiel mir sofort auf, von Hamburg aus ist er nur schwer zu identifizieren. Außerdem war es ein Genuß, mit dem Großfeldstecher einfach nur mal die Milchstraße von der Cassiopeia aus bis zum südlichen Horizont abzufahren. Außerdem erwischten wir drei Perseiden.

Als krönender Abschluß dieser Beobachtungsnacht folgte die Suche nach dem Kometen C/1999 H 1/Lee, es dauerte nicht lange, bis wir ihn in der schon beginnenden astronomischen Dämmerung erwischten. Er erschien auf dem CCD-Bild mit kompakter Koma und hauchdünnem und kurzem Schweif.

Schon die nächste Nacht sollte dann wieder klar werden. Tagsüber wurde dann, wenn die Wolkenlücken es zuließen, mit dem 200/3000-Refraktor in der Kuppel die Sonne im Weißlicht und mit Hilfe des Ha-Filters beobachtet. Leider war das Seeing schlecht, so daß wir nur ein paar Protuberanzen am Sonnenrand, dafür aber kaum Filamente vor der Sonnenscheibe ausmachen konnte.

Gegen Abend verzogen sich dann die Wolken wieder, nur im Südosten hielt sich hartnäckig eine Wolkenbank, die auch die ganze Nacht über dort verbleiben sollte. Ab und zu konnten wir in Richtung Süden Wetterleuchten beobachten. Kurz nach Sonnenuntergang gab es noch ein besonderes Phänomen beobachten, das ich so noch nie gesehen habe: Von der Sonne gingen zwei nahezu parallel verlaufene Strahlen, die den ganzen Himmel überzogen und bis zum Gegenpunkt reichten, dabei war der nördlichere von beiden stärker. Die Spur dieser Strahlen verlor sich dann im aufgehenden Erdschatten. Wenn man genauer hinsah, konnte man erkennen, daß beide Strahlen Bogenform hatten!

Da am 50 cm-Newton ein Adapter abgebaut wurde, den die Kirchheimer Sternfreunde für ihre Sonnenfinsternisexpedition benötigten, mußten wir in der Dämmerung mit einer Kalibrierung der Scharfeinstellung beginnen. Mit der Scheinerblende war das aber kein großes Problem und so konnten wir schon in der Dämmerung mit dem Aufsuchen von Neptun beginnen, was sich aber als sehr schwierig herausstellte, trotz GUIDE konnten wir ihn nicht finden, zumal er nur knapp über der südöstlichen Wolkenbank stand und das Seeing in dieser Region mehr als schlecht war, so daß Neptun darin regelrecht unterging. Besser klappte dafür das Aufsuchen von Uranus. Er war fast sofort auf dem Chip, die Integrationen zeigten neben der überbelichteten Planetenscheibe mindestens zwei Monde.

Danach ging es wieder auf Deep Sky-Tour, wobei wir in dieser Nacht aber nicht sehr erfolgreich waren, zwar gelangen Aufnahmen von NGC 6907, M 13, M 33 und zum Abschluß wieder Komet C/1999 H 1/Lee, doch die Suche nach anderen, schwächeren Galaxien und Planetarischen Nebeln wie NGC 6210 war erfolglos. Ohne Sucher am 200/3000-Refraktor derart schwache Objekte einzustellen ist nicht nur eine ausgesprochene Quälerei, sondern eben auch nicht immer erfolgreich. Probeaufnahmen mit der CCD-Kamera und ihrem etwa 6 x 9" großen Chip waren auch nicht sehr hilfreich.

In den Einstellpausen beobachtete ich wieder mit meinem 11 x 80 Feldstecher Sternhaufen und Nebel im südlichen Teil der Milchstraße. Allerdings war die Transparenz des Himmels am heutigen Abend etwas schlechter, als noch am Tag zuvor.

Gegen 3 Uhr mußten wir dann wegen aufziehender Bewölkung diese Beobachtungsnacht beenden. Zwar wurde es an der Rückseite eines ausgedehnten Wolkenfeldes wieder klar, doch setzte gleichzeitig die astronomische Dämmerung ein, so daß wir uns an diesem Morgen etwas früher zu Bett begaben.

Einen Tag später konnte dann noch früher an der Matratze gehorcht werden, da der Himmel, von gelegentlichen Auflockerungen abgesehen, bewölkt war, dafür gab es in der Ferne eines der berüchtigten Gewitter über dem Thüringer Wald zu beobachten.

Der Tag der totalen Sonnenfinsternis rückte immer näher und da wir gedachten, morgens um 3 Uhr Richtung Saarland zu starten, weil der Wetterbericht bei ARD und ZDF übereinstimmend nur im Südwesten einigermaßen Aussichten für eine Beobachtung des Ereignisses vorhersagte, verzichteten wir auf eine weitere Beobachtungsnacht, zumal es ohnehin bedeckt war.

In der Nacht nach der totalen Sonnenfinsternis stand das Maximum der Perseiden aus dem Beobachtungsprogramm, aber wir waren alle zu müde und geschlaucht von der Rückfahrt, so daß wir nach einem kurzen Imbiß aus einer weltbekannten fast-food-Kette mit dem Matratzenhorchdienst begannen. Leider hatte dieser Imbiß für mich persönlich noch ein Nachspiel, denn fast food könnte man spaßeshalber auch mit "fast eßbar" übersetzen und so war meine Galle mit dem Verarbeiten des Dargereichten wenig einverstanden und protestierte schmerzhaft. Die Folge: Den kommenden Tag und auch die Nacht verbrachte ich eher im Bett als bei der Beobachtung der Perseiden.

Aber die dann folgende Nacht wurde doch noch einmal astronomisch genutzt, denn der Wetterbericht hatte für Thüringen ein Zwischenhoch angekündigt. Die Nacht wurde tatsächlich klar, aber auch kalt und feucht. Die Kälte setzte mir mehr zu, als erwartet und so kam ich mir bei rund 5° Außentemperatur und mehrschichtiger Sommerbekleidung trotzdem langsam wie ein Eisklotz vor. Dennoch waren die Beobachtungen erfolgreich.



Schmale Mondischel, einen Tag nach der totalen Sonnenfinsternmis vom 11.8.1999


Im Gegensatz zu den anderen Abenden wurde dieses Mal nicht der 50 cm Newton eingesetzt, sondern mein kleiner 80/400-Refraktor, weil wir anfangs dachten, daß sich mit ihm, da er über einen 6 x 30-Sucher verfügt, das Einstellen der Objekte vereinfachen würde. Zunächst mußte wieder der Schärfepunkt gefunden werden. Schon in der Dämmerung versuchten wir eine horizontnahe Burg, schließlich Arkturus und schwächeren Sternen zu finden und die Optik scharfzustellen. Als Testobjekt verwendeten wir Altair im Adler und entdeckten ungefähr südwestlich davon ein verwaschenes Etwas, das wir selbst mit Hilfe von Guide 6.0 und seinen updates nicht identifizieren konnten., was um so erstaunlicher ist, da das Objekt relativ hell war. Wir dachten schon, einen neuen Kometen entdeckt zu haben und machten daher rd. eineinhalb Stunden später noch einmal eine Aufnahme der fraglichen Gegend, doch der vermeintliche Komet hatte sich nicht weiterbewegt, also doch "nur" eine Galaxie oder ein Planetarischer Nebel, den wir im uns zur Verfügung stehenden Kartenmaterial nicht finden konnten? In der umfangreichen Bibliothek der Kirchheimer Sternwarte fehlte leider die Uranometria und auch der inzwischen schon reichlich veraltete Burnham half uns nicht weiter. Merkwürdigerweise konnten wir bei Recherchen im POSS ein paar Tage nach unserer Rückkehr nach Hamburg kein verdächtiges Objekt finden. Ein Reflex innerhalb der Optik scheidet aber ebenfalls aus, da Altair an zwei verschiedenen Stellen auf dem Bild plaziert wurde, der verwachsene Fleck aber an seiner Stelle verblieb. Bei einem Reflex hätte er eine andere Position einnehmen müssen!

Als nächstes echte Deep Sky-Objekte für die Belichtung mit der CCD-Kamera. Doch schon das Einstellen von M 16 machte Probleme, die hauptsächlich im zu lichtschwachen Sucher begründet waren. Wir machten, wie auch von den anderen Objekten, jeweils Serienaufnahmen (5 Integrationen à 60 Sekunden). Nach M 16 wollten wir M 8 und M 20 auf den Chip bannen, doch beide standen schon zu tief, die probehalber erzeugten Files zeigten eine erhebliche horizontnahe Luftunruhe. Wir wandten uns daher M 31 und M 33 zu, Integrationen von h + chi sowie einzelnen Plejadensternen scheiterten, weil sie zu großflächig für das nur 58 x 38 Bogenminuten große Gesichtsfeld, bzw. die Lichtsäume überhaupt nicht herauszuarbeiten waren.

In den nun folgenden zwei Stunden bemühten wir uns nun den Kometen C 1999 H 1/Lee auf den Chip zu bekommen. Wir unternahm immer wieder Anläufe von beta Aur aus, den Kometen, nur wenige Grad über dem nordöstlichen Horizont, aufzufinden. Gut zwei Stunden dauerte es, bis dies gelang und Aufnahmen gemacht werden konnten, die später eine deutliche Eigenbewegung des Schweifsterns zeigten.

Während des gesamten Verlaufs der Beobachtungsnacht konnten immer wieder helle Perseiden durch den Kuppelspalt beobachtet werden. Meine beiden Mitfahrer hatten ihre Kameras im Freigelände vor der Kuppel aufgestellt und einige Langzeitbelichtungen mit auf Fotostativen feststehenden Kameras gemacht.

Der Abend vor der Abreise konnte dann nicht mehr für Beobachtungen genutzt werden, da sich die im Wetterbericht angekündigte Schlechtwetterfront nun doch noch nach Thüringen vorgearbeitet hatte und schon während der Integrationen des Kometen Lee den Himmel zulaufen ließ. Zwar gelang mir tags darauf noch in einer etwas größeren Wolkenlücke eine Sonnenbeobachtung mit meinem 80/400-Refraktor, doch schon am Nachmittag begann es zu stürmen und zu regnen.

So ging denn ein in mehrfacher Hinsicht erfolg-, und erlebnisreicher Astrourlaub nach 14 Tagen leider wieder viel zu schnell vorüber, denn am Sonntag, den 15. August traten wir die Heimreise nach Hamburg an.

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