Astrourlaub in Kirchheim 2002

Die VdS-Sternwarte in Kirchheim/Thür. ist immer wieder eine Reise wert, vor allem, wenn es darum geht, den ewigen Schlechtwetterwolken, Gewitterzonen und Sintfluten zu entfliehen, die einem das norddeutsche Wetter bietet. Doch auch das thüringische Bergland und die Nähe zum Thüringer Wald sind wettertechnisch nicht ohne, wie wir noch erleben durften.

Schon unsere (André Wulffs und meine) Hinfahrt, normalerweise eine Angelegenheit von etwa vier Stunden, stellte sich auf Grund einiger Unfälle und Baustellen auf der A 7 als ein erstes echtes Abenteuer heraus. Nach gut fünfeinhalb Stunden aber waren wir endlich da. Wir fuhren beim Haus von Jürgen Schulz, dem Leiter der Sternwarte, vor und holten uns den Hausschlüssel ab. Danach ging es ans Auspacken. Natürlich hatten wir auch diesmal wieder alles dabei, um das Kirchheimer Rechenzentrum neu entstehen zu lassen.

Und wieder gab es einige Neuigkeiten: Der 50-cm-Newton kann nun weitestgehend vom Raum unter der Kuppel betrieben werden. Zu dem Zweck sind in der Kuppel und hier mehrere miteinander verbundene Rechner installiert. Zu Testzwecken hing am Okularauszug des 50ers gerade eine SBIG ST-8-CCD-Kamera, die wir natürlich eifrig zu nutzen gedachten, unter der Voraussetzung, dass das Wetter mitspielen würde, denn die Aussichten waren eher schlecht. Aber wer das Kirchheimer Wetter kennt, weiß, dass es seine eigenen Gesetze hat.

Eine erste Beobachtungsnacht
Wie schon 2001 war auch in diesem Jahr die Nacht nach der Ankunft nicht klar. So erkundeten wir erst mal die Neuerungen, richteten uns ein und grillten abends vor dem Hauptgebäude, was bei sommerlichen Temperaturen sehr angenehm war.

Am nächsten Morgen dann die übliche Einkaufsfahrt nach Rudisleben zum „Kaufland“. Später fuhren wir dann in den Thüringenpark nach Erfurt. Als wir aus dem Einkaufszentrum herauskamen, war gerade ein Mega-Gewitter über uns hinweggezogen, der ganze östliche Himmel glich einer einzigen stahlgrauen Wand. Das sah schon sehr beeindruckend aus und ließ für die kommende Nacht wenig Gutes hoffen. Doch das Kirchheimer Wetter hielt sich nicht an die Vorhersagen des Wetterberichtes, denn je später der Abend, desto klarer wurde der Himmel. Und als André alles für eine CCD-Nacht vorbereitete, verflüchtigten sich die Wolken immer mehr. Um festzustellen, ob die ST-8 auch scharfe Bilder lieferte, sollte unser Justierstern Arkturus, der im sommerlichen Kirchheim immer dafür herhalten muss, anvisiert werden. Doch durchziehende Wolken machten ein kleines, aber lösbares Problem daraus. Aber schließlich gelang auch das und die Astronacht konnte beginnen.

Das erste Objekt der Nacht sollte der neu entdeckte Komet C/2002 O4 (Hönig) werden, mit einer Serie von 20 Aufnahmen á 30 Sekunden. Als nächstes folgte dann NGC 7635 (Bubble), ein Supernovaüberrest in der Cassiopeia, die Spiralgalaxie NGC 6946 im Schwan mit ihren schön geschwungenen Armen, der offene Sternhaufen NGC 7023 im Cepheus, der Planetarische Nebel NGC 7009, Komet 29P und die elliptische Galaxie NGC 7331 im Pegasus.

Ausgehungert von wochenlangen Schlechtwettergebieten und dem typisch lichtverseuchten Hamburger Stadthimmel, beobachtete ich nach der Aufnahme des Kometen Hoenig erst mal mit meinem eigenen 11x80-Feldstecher und meinem 80/400-Refraktor. Es ist immer wieder ein erhabenes Erlebnis, mit einem Großfeldstecher die Milchstraße entlang zu fahren. Objekte, die man in Hamburg nie findet, selbst, wenn man weiß, wo man suchen muss, springen einem förmlich ins Okular. Und mit meinem 80/400-Refaktor, den ich sonst nur für meine Sonnenbeobachtungen einsetze, genoss ich den Anblick von Standardobjekte wie M 16, M 15 oder h + chi. Man mag darüber streiten, warum immer wieder die selben Objekte eingestellt werden, aber wenn man monatelang nicht mehr beobachten konnte, sind sie halt ein wahrer Augenschmaus.

Leider litt ich schon den ganzen Abend über an einem sehr menschlichen Bedürfnis, das immer heftiger wurde: Mich plagte Durchfall. Selbst zwei Tabletten brachten keine Ruhe und so musste ich die Beobachtungsnacht gegen 2:30 Uhr abbrechen. André hielt noch bis zum frühen Morgen aus.

Nach dem Aufstehen sah ich am Himmel erst mal wieder nur Wolken, die aber von Lücken durchzogen waren. Ich konnte nicht nur mit meinem Refraktor die Sonne für eine Relativzahlbestimmung beobachten, sondern auch den 110/1650-Refraktor in der Schiefspieglerhütte einsetzen. Bei 55facher Vergrößerung sprangen Flecken und Fackelgebiete förmlich ins Auge hinein und brannten sich im Gehirn fest. Zwar zeigte ein heftig wallender Sonnenrand ein eher durchschnittliches Seeing an, dennoch war auf der Sonnenscheibe kaum Bewegung auszumachen. Leider entfernte sich eine F-Gruppe schon wieder in Richtung Westrand, und nur eine C-Gruppe zeigte zwei kleine Lichtbrücken. Später dann zog sich der Himmel wieder zu.

Erst mal kein Astro mehr, dafür Astrobesuche
Die folgenden Tage waren dann geprägt von Regen oder bedecktem Himmel. Am Mittwoch fuhren wir nach Jena. Nach einem Besuch des dortigen Media Marktes und dem käuflichen Erwerb eines Teleobjektives für meine Canon AF-Kamera besuchten wir das Jenaer Zeiss-Planetarium. über die Qualität der dortigen Vorträge konnte man schon so einige hören, dennoch wollten wir uns das Gebäude noch mal ansehen, fotografieren und filmen. Im Eingangsbereich ein Schild, das auf einen Astroshop im Planetarium hinwies, wo es neben Knabberkram auch Postkarten und ein paar Bücher gab und stark nach abgestandenem Fett roch (mancher PKW-Besitzer scheint öfter einen Ölwechsel vorzunehmen). Und die Programmtafel an der Mauer ließ wenig Gutes erahnen. Für den Abend war eine Laser-Show vorgesehen. Im Durchgang hingen für viele Euro zu erwerbende Kunstobjekte, die allerdings keinerlei Bezug zur Astronomie hatten. Irgendwie erinnerte das fatal an die Veränderungen im Hamburger Planetarium: Auch hier hielten Kunst und Kommerz Einzug. Allerdings überwog hier noch die Wissenschaft.

Nach gut 15 Minuten verließen wir wieder das Planetarium, und da wir noch Zeit hatten, machten wir uns auf den Weg zur Universitätssternwarte, die wir aber nur von außen betrachteten, wie die im Nachbargrundstück liegende Uraniasternwarte. Beide übrigens unweit des Zeiss-Towers mitten im Stadtgebiet Jenas gelegen.

Mit dem Fußmarsch quer durch die Jenaer City war der Ausflug noch nicht zu Ende, denn wir hatten noch ein Hauptziel vor Augen: Die Sternwarte Tautenburg. Um 17 Uhr sollte es eine öffentliche Führung geben, an der wir unbedingt teilnehmen wollten, nachdem wir vor einigen Jahren mal vor den verschlossenen Toren des inmitten des Tautenburger Waldes gelegenen Observatoriums gestanden hatten. Der Weg zur Sternwarte glich, wie schon zu DDR-Zeiten, einem Irrweg. Aber nicht, weil man den Zugang verschleiern wollte, sondern weil Baustellen und Umleitungen so geschickt angelegt waren, dass man immer irgendwie um die Thüringische Landessternwarte herumfuhr oder die eingezeichnete Strecke auf einer nicht mehr befahrbaren Schotterpiste endete. Schließlich fanden wir noch rechtzeitig die Strecke, die uns erst zum verträumten Ort Tautenburg und von da aus zum Observatorium führte. Das letzte Teilstück war dann aber gut ausgeschildert. Wir waren gut 40 Minuten zu früh eingetroffen, aber unsere Hoffnung, sich mal frei im Gelände bewegen zu dürfen, erfüllte sich leider nicht. Dafür kam aber ein freundlicher Mitarbeiter extra aus einem der Gebäude, um uns darauf hinzuweisen, dass wir uns bis zum Beginn der Führung noch etwas gedulden müssten.

Um kurz nach 17 Uhr ging es dann los. Es ist immer noch ein merkwürdiges Gefühl durch eine Sternwarte zu laufen, die bis vor 12 Jahren für unsereins vollkommen unzugänglich war, weil sie hinter dem Eisernen Vorhang lag. Die Führung bestand aus einer ausführlichen Besichtigung des einzigen Teleskops, des 1960 eingeweihten 2,2 m-Spiegels, der hauptsächlich als Schmidtkamera, aber auch als Coudé oder Quasi-Cassegrain getrieben wird. Wir standen ehrfürchtig unter dem Riesenteleskop, mit dem noch heute viele wissenschaftliche Arbeiten durchgeführt werden, u.a. die Suche nach Planeten außerhalb des Sonnensystems. Viel zu schnell ging die Zeit vorüber und nach einer knappen Stunde war es schon wieder vorbei. Mit zahlreichen Aufnahmen und belichtetem Filmmaterial ging es dann wieder zurück nach Kirchheim.

Doch noch Astro
Am nächsten Tag besichtigten wir dann die Feengrotten in Saalfeld und nahmen auch hier an einer Führung teil. Es war schon imposant, sich durch die engen Gänge zu den einzelnen Grotten zu bewegen. Am auffälligsten empfand ich die Kälte, die im Inneren des Gebirges herrschte. Die zum Teil erst in den letzten 100 Jahren gewachsenen Strukturen, von oben herabhängende Stalaktiten und die nach oben wachsenden Stalagmiten, waren sehr imposant.

Am Abend schien es dann doch tatsächlich klar werden zu wollen. Wie in den letzten Tagen üblich, wusste das Thüringer Wetter nicht recht, was es wollte. Dünne Schleierwolken wechselten sich mit dickeren ab, dann kamen wieder wolkenfreie Zonen, die zur Dämmerung hin zunahmen. Es sah dennoch alles nach typischer Wolkenlückenastronomie aus. Und das war es denn auch: Eine Belichtungsreihe von 10 Integrationen konnte wegen aufziehender Wolken nicht beendet werden.

Dafür klarte es dann am Freitagabend erst zögerlich, schließlich aber immer mehr auf. Zunächst hatte ich geplant, meine Kleinbildkamera an die Montierung in der Schiefspieglerhütte anzuhängen, was allerdings durch einen total diesigen Südhimmel erfolgreich verhindert wurde. Aber auch sonst war die Transparenz des Himmels eher mäßig. Und während André in der Kuppel CCD-Aufnahmen machte, setzte ich meinen 11x80-Bino auf ein Stativ und begann einmal systematisch das Sternbild Cassiopeia zu beobachten und auch ein wenig bei den beobachteten Objekten zu verweilen. Gleich bei meinem ersten Schwenk mitten hinein stieß ich auf den offenen Sternhaufen NGC 436, der recht diffus erschien und schwer in einzelne Sterne aufzulösen war, ca. 6 bis 8 Sterne waren auszumachen. Ein leichter Schwenk führte mich dann zu NGC 457, der ebenfalls unscheinbar wirkte. Beim ersten Mal war ich einfach darüber hinweggeschwenkt und erst die konzentrierte Suche brachte den Erfolg. Nach längerer Beobachtung meinte ich, hier etwa 12 Sterne zu erkennen, die in etwa halbkreisförmig um den Sternhaufen herumstanden. NGC 457 selbst konnte ich nicht in Einzelsterne auflösen. Zum Pflichtprogramm, wenn man mit seinem Bino oder Teleskop in der Cassiopeia unterwegs ist, gehört natürlich der Doppelsternhaufen h + chi, der immer wieder eindrucksvoll ist, auch wenn es sich dabei um ein Standardobjekt handelt. Mit freier Hand beobachtete ich dann noch NGC 433, einen weiteren offenen Sternhaufen. Ich konnte auch bei ihm keine Einzelsterne wahrnehmen, er blieb ein diffuser Fleck. Leider musste ich nach etwa einer Stunde Beobachtungszeit schon wieder aufgeben, da das Bino vom Tau zugelaufen war. Dass wir eine hohe Luftfeuchtigkeit hatten, war sehr deutlich an den Scheinwerfern vorbeifahrender Autos zu sehen, deren Licht sich weit auffächerte. Zudem wurde die Durchsicht wieder schlechter. Später dann, als der Großfeldstecher im Haus wieder getrocknet war, beobachtete ich mit freier Hand noch ein paar Standards wie Cr 399, den Coathanger und M 45. Schließlich beendete ich meine visuellen Beobachtungen und begab mich in den Raum unter der Kuppel, wo André mit CCD-Aufnahmen beschäftigt war.

Zu seinen Objekten gehörte – unabhängig von der Reihenfolge - wieder der Komet C/2002 O4 (Hönig), der Ringnebel M 57 in der Leier (als LRGB-Aufnahme), die Planetarischen Nebel M 76 im Perseus und NGC 6781 im Adler (ebenfalls als LRGB-Aufnahme), das Galaxienfeld um NGC 6338 im Drachen, die Galaxie NGC 891 in Andromeda sowie der Reflektionsnebel vdB 152 im Cepheus. Gegen vier Uhr am Morgen zog dann der Himmel endgültig zu. Am nächsten Morgen erwachten wir unter einem nebelverhangenen Himmel, später kamen dann Gewitter und ein ausgesprochener Landregen hinzu. Dieser Tag war also, zumindest was die Astronomie anging, weniger ergiebig. Zwar klarte es am Abend immer wieder mal kurzzeitig auf, doch für eine sinnvolle Beobachtung oder gar CCD-Aufnahmen waren die Wolkenlücken zu klein.

Auf nach Sonneberg
So ging es in den nächsten Tagen weiter. Entweder es regnete, oder die Wolkenlöcher waren so winzig, dass schon der bloße Gedanke an Astro dafür sorgte, dass sie sich wieder schlossen. Am Tage unternahmen wir daher mehrere Ausflüge. So fuhren wir einmal nach Oberhof, um die dortigen Sprungschanzen zu besichtigen, oder wir machten uns auf zum Thüringenpark in Erfurt, einem Einkaufszentrum, dass im gleichen Stil wie das Elbe-Einkaufszentrum errichtet worden ist.

Am 13. August dann ein Astrobesuch bei der Sternwarte Sonneberg. Dieses ehemals nahe der deutsch-deutschen Grenze liegende Observatorium ist von Kirchheim nicht leicht zu erreichen, da es von hier aus keine direkte Verbindung gibt. Um in die südthüringische Kleinstadt zu kommen, mussten wir eine halbe Rundfahrt durch den Thüringer Wald unternehmen. Aber nach gut anderthalb Stunden waren wir da. Sie liegt etwas oberhalb der Stadt auf dem Erbismühl, dem Sonneberger Hausberg. 1925 von Cuno Hoffmeister (1892 - 1968) gegründet, war ihre Hauptaufgabe die Beobachtung veränderlicher Sterne und die Himmelsüberwachung. Im Laufe der Jahre ist in Sonneberg mit 250.000 belichteten Fotoplatten die weltweit zweitgrößte Sammlung von Aufnahmen dieser Art entstanden. Rund 11.000 der heute bekannten etwa 30.000 Veränderlichen wurden in Sonneberg entdeckt. Gut 9.800 gehen dabei auf das Konto von Hoffmeister, der Rest von 1.200 Veränderlichen wurde von Sonneberger Mitarbeitern gefunden. Im Jahr 1995 ruhte die Himmelsüberwachung für neun Monate, bis das Land Thüringen letztendlich entschied, sich finanziell aus der Sonneberger Sternwarte zurückzuziehen. Heute führen ABM-Kräfte und ein voll bezahlter Wissenschaftler den Betrieb der Sternwarte, die Auswertung der Platten und deren Digitalisierung. Hierfür wurden zwei Stellen, eine in Sonneberg, eine bei der TU Ilmenau, bewilligt. Das aber ist nur ein kleiner Teil der Aufgaben der Sternwarte. Ein weiteres Standbein ist die Öffentlichkeitsarbeit und der Betrieb eines eigenen kleinen Museums. Zudem gibt es monatlich Fachvorträge namhafter Astronomen, die immer sehr gut besucht sind. Die Sternwarte gehört heute zum „Kommunalen Zweckverband Sternwarte Sonneberg“ und wird außerdem durch den Förderverein „Freunde der Sternwarte Sonneberg e. V.“ tatkräftig unterstützt.

Wir besichtigten erst einmal das 1998 eingerichtete Museum, wo sich gerade eine Jupiter-Ausstellung, initiiert durch Dr. Manfred Reichstein, befand, lauschten einem Astrovideo mit vielen kleinen fachlichen Fehlern und erwarben im kleinen Shop Meteorite und eine Sonneberg-Mütze. Um 14 Uhr begann dann die Führung durch einen der Sternwartenmitarbeiter. Wir wurden zunächst in die 4,5m durchmessende Kuppel mit dem historischen Hoffmeister-Teleskop geführt, einem 135/2020 Refraktor, mit dem Hoffmeister nicht nur seine Beobachtungen durchgeführt hatte, sondern das auch gleichzeitig das „Gründungsteleskop“ der Sternwarte ist. Wir wurden über das Lebenswerk Hoffmeisters unterrichtet und in der Geschichte der Sternwarte unterwiesen. Hier gibt es als Besonderheit eine Uhrwerksnachführung, die mit einer großen Handkurbel aufgezogen wird. Bei gutem Wetter kann hier während der Öffnungszeiten regelmäßig auch die Sonne beobachtet werden Anschließend ging es weiter zu einer Sonnenuhr und schließlich zum 1952 vom VEB Carl Zeiss Jena hergestellten Schmidtspiegel unter der 8-m-Kuppel. Mit ihm werden Sternfelder in drei Spektralbereichen (UBV) sowie Objektivspektren aufgenommen. Neuerdings wird hier auch eine hochmoderne CCD-Kamera mit 4096 x 8192 Pixel testweise eingesetzt.

Keine Astronacht mehr
Nach einer guten Stunde war die Führung leider schon wieder vorbei und wir fuhren zurück nach Kirchheim. Die Fahrt wurde begleitet von immer größeren Wolkenlücken. Schon hofften wir, doch noch eine Astronacht zu bekommen. Doch abends reichte es mit Müh und Not gerade mal zu einer Sonnenbeobachtung mit meinem 80/400-Refraktor. Danach war der Himmel wieder zu und blieb es in den nächsten Tagen auch.

Am letzten Tag vor der Abreise schien Petrus dann doch noch ein Einsehen zu haben. Wir wachten morgens unter einem strahlend blauen Himmel auf. Natürlich wurde erst einmal die Sonne beobachtet: Die Region 10096, eine riesige H-Gruppe, war mit bloßem Auge (Sofibrille!) einwandfrei zu sehen. Im 110/1650-Refraktor in der Schiefspieglerhütte konnte ich immerhin 15 Lichtbrücken der Typen a, j und i erkennen. André nahm den Fleck mit seiner Webcam (ToU-Cam von Philips) auf. Später zogen dann immer mehr Wolken auf. Wir fuhren nach Rudisleben zum Einkaufen und anschließend noch nach Erfurt. Die Wolkenbänke wurden immer größer, der freie Himmel dazwischen immer milchiger. An einen Einsatz des H-Álpha-Filters war da überhaupt nicht zu denken. Gegen Abend klarte es dann immer mehr auf. André bereitete in der Kuppel alles für CCD-Aufnahmen vor. Ich beobachtete dort zunächst den Mond. Zwei Mondregionen hatte André kurz zuvor mit der Webcam aufgenommen. Als er dann Atair zum Justieren nahm, wich ich in die Schiefspieglerhütte aus, richtete den 110/1650 Refraktor auf den Mond, der knapp über die Dachkante der Hütte ragte. Leider trat jetzt irgendwie nicht wie häufig beobachtet der Effekt auf, dass nach Sonnenuntergang alle Wolken verschwanden, sondern es wurden immer mehr. Der Mond verschwand hinter ihnen, über uns hingen dunkle Wolkenfelder, im Süden war der Himmel seltsam aufgehellt. Wir konnten nicht unterscheiden, ob dort der Himmel frei war oder ob sich dort nur eine weitere, helle Wolkenschicht befand. Die Entscheidung wurde uns jedoch von einer anderen Syphschicht abgenommen, die von Nordosten herüberkam und den Himmel weitgehend verschloss. Also gab es auch in der letzten Nacht in Kirchheim kein Astro. Wir zogen uns in den Aufenthaltsraum zurück und sahen uns aus lauter Frust noch ein Video an. Als dass dann um ca. 1 Uhr durch war, lachte über uns ein vollkommen sternklarer Himmel. Da wir 10 Stunden später schon losfahren wollten, vorher noch einen kleinen Einkauf erledigen, dann frühstücken und schließlich das Auto beladen wollten, war an eine Beobachtung nun nicht mehr zu denken. Danke Murphy!

Und sonst?
Über unsere Ausflüge habe ich berichtet. Kultstatus hatten die täglichen Einkaufsfahrten ins Kaufland nach Rudisleben oder das Erstürmen der Mediamärkte im Thüringenpark in Erfurt und in Jena, nicht zu vergessen die Hackabende und das schon traditionelle Durcharbeiten aller sieben Raumschiff-Orion-Folgen und der Mitternachtspudding, der nicht fehlen durfte. So ging denn nach 12 Tagen der Astrourlaub zu Ende, der uns zusammengenommen 1,5 klare Nächte erbrachte.

zurück zur Übersicht
zurück zur Homepage
© Manfred Holl, Impressum