Gustav Robert Kirchhoff (1824-1887)

Die Natur der Sterne zu ergründen und Einblicke in ihr Innerstes zu gewinnen, galt schon im antiken Griechenland als höchstes Gut allen Forscherstrebens und reifte zu einem Wunsch heran, dessen Verwirklichung Anfang des 19. Jahrhunderts erstmals in greifbare Nähe rückte.

Am 12. März 1824 wurde in Königsberg jener Sohn eines stadtbekannten und angesehenen Justizrates geboren, der entscheidend zu der Erkenntnis über den Aufbau der Sterne beitragen sollte: Gustav Robert Kirchhoff. Nach Beendigung seiner Schulzeit studierte er in seiner Heimatstadt Physik. Sein Professor war der berühmte Naturwissenschaftler Franz Ernst Neumann (1798-1895), der u.a. 1823 eine bedeutende Arbeit zur Kristallographie und 1832 zur Lichtwellenbrechung in Kristallen veröffentlichte.

Kirchhoff beendete das Studium der Physik mit einer Doktorarbeit aus dem Bereich der Elektrizitätslehre, in der er zum ersten Mal auch die sog. Kirchhoffschen Gesetze über die Verzweigung elektrischer Ströme formulierte, basierend auf ersten Untersuchungen Georg Simon Ohms (1787-1834). Danach beschäftigte er sich mit vielen physikalischen Problemen der Elektrostatik, des Elektromagnetismus und der Mechanik.

1830 wurde Kirchhoff Physikprofessor in Breslau, blieb dort bis 1854, zog dann nach Berlin und lehrte dort ab 1855. 1859 entwickelte er zusammen mit dem Heidelberger Chemiker Robert Wilhelm Bunsen (1811-1899) eine Methode, mit der man die 1814 von Joseph von Fraunhofer (1787-1826) im Sonnenspektrum gefundenen dunklen Linien gewinnbringender untersuchen konnte: Die Spektralanalyse.

Dabei ließen sie das Licht stark erhitzten Natriumdampfes durch ein Glasprisma fallen und fanden eine helle Linie im Spektrum: Eine Emissionslinie. Nach Ansicht Kirchhoffs mußte ein vom Element Natrium an der Sonnenoberfläche ausgesandter Lichtstrahl, der zuvor die Sonnenatmosphäre passiert hatte, aus physikalischen Gründen an gleicher Steile im Spektrum eine dunkle Linie hinterlassen: Die Absorptionslinie. Als er seine Vermutung schließlich bestätigt fand, hatte er nicht nur die Möglichkeit zur Hand, das Vorhandensein bestimmter chemischer Elemente auf der Sonne zu erforschen, sondern konnte damit erstmals Aussagen über den physikalischen Zustand der Sonnenatmosphäre treffen.

Einer Anekdote zufolge stellten Kirchhoff und Bunsen die Spektralanalyse erstmals 1860 anläßlich eines Festes zu Ehren des Großherzogs von Baden im Heidelberger Schloß vor, wobei sie die Gelegenheit nutzten , die hier überall aufgehängten bengalischen Feuer zu spektroskopieren. Kirchhoff traf dabei die Feststellung, daß man vom Prinzip her auch die chemische Zusammensetzung der Sterne ermitteln können müßte, wenn dies schon bei weit entfernten irdischen Objekten möglich sei.

Zusammen mit Bunsen arbeitete er weiter an der Vervollkommnung der Spektralanalyse - sie führte schon bald zur Entdeckung der Elemente Cäsium und Rubidium - betrieb aber nebenbei auch Forschungen unter eigener Regie und legte zum Teil umfangreiche Studien aus den Bereichen Hydrodynamik, Thermodynamik und Wellenoptik vor und entwickelte 1882 eine Lichtbeugungstheorie. Kirchhoff, er starb am 17. Oktober 1887 in Berlin, beschrieb außerdem erstmalig die Eigenschaften eines idealen Schwarzen Körpers.

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