Das 20. Jahrhundert


Die Fotografie hielt immer mehr Einzug in die Astronomie und speziell die Mondbeobachtung. William H. Pickering (1858-1938) vom Harvard College Observatory veröffentlichte 1903 einen "Photographic Atlas of the Moon".

Der letzte große Mondzeichner, der sich bei seiner Arbeit auf Auge, Papier, Griffel und Radierstift verließ, war Johann Philipp Heinrich Fauth. Geboren am 19. März 1867 in Bad Dürkheim, stieß er als waschechter Amateur zur Astronomie und bestritt erst als Volksschul-, später als Hochschullehrer seinen Lebensunterhalt. Am meisten faszinierte ihn das intensive Studium der verschiedenen Mondformationen, das er mit einem 6"-Refraktor begann und ab 1911 mit einem 385//3850 Schupmann-Medial auf seiner Privatsternwarte in Landstuhl fortsetzte. Sein Beruf ließ ihm zudem viel Zeit für ausgedehnte Beobachtungen.

Fauths Zeichnungen der Mondoberfläche, die von bestechendem Detailreichtum waren, führten schließlich zu einem umfangreichen Mondatlas und einer 350 cm durchmessenden Mondkarte im Maßstab 1:1.000.000. Die Karte selbst besteht aus 25 einzelnen Blättern im Format 695 x 695 mm, wobei allerdings 3 zu einer Übersichtskarte zusammengefaßt waren. Jede von ihnen überlappte sich etwas mit den aneinanderliegenden, so daß sich daraus eine wahrhaft umfassende Darstellung ergibt, die wohl kaum einen der mit dem Fernrohr erreichbaren Krater, Rillen, Bergketten, Einbuchtungen oder Mare ausließ.

Auch Fauth verließ sich bei der Bestimmung markanter Punkte auf der Mondoberfläche nicht mehr ausschließlich auf sein Auge und das reichlich vorhandene Zeichengeschick. Aus Photographien des Mondes und dem großen Pariser Mondatlas vermaß er insgesamt 4800 Punkte, bevor er mit dem Zeichnen begann. Er wählte hier außerdem erstmals die Technik der Gefühls-Isophysen für seine Darstellungen.

In seinem Buch "Unser Mond" lieferte Fauth eine eingehende Beschreibung der beobachteten Formationen, seine gigantische Mondkarte wurde jedoch erst am 11. Oktober 1964, fast 40 Jahre nach ihrer Entstehung, auf Initiative der Bremer Olbers-Gesellschaft, vollständig veröffentlicht und gilt heute als ausgesprochene Rarität. Zuvor waren die Karten von Fauths Sohn von 1957 bis 1959 neu bearbeitet und für moderne Drucktechniken vorbereitet worden.

1932 entdeckte Fauth, der am 4. Januar 1941 in Grünwald bei München verstarb, südlich vom Kopernikus im Gebiet zwischen Sinus Aestuum und Oceanus Procellarum bei 6° nördlicher selenographischer Länge und 20° westlicher Breite einen Doppelkrater, der später nach ihm benannt wurde.

Nach Fauth versuchten nur noch wenige, den Mond mit dem Bleistift auf Papier zu bannen: 1910 veröffentlichte Walter Goodacre (1856-1910) in London eine Zusammenstellung unter dem Titel "The Map of the Moon" 1946 und 1952 folgten noch einmal gigantische Mondkarten des Engländers H. P. Wilkins (1896-1960) mit Durchmessern von 7,5m bzw. 2,5m. 1935 wurde dann im Auftrag der IAU der "Atlas of the Moon" von Mary Adela Blagg (1858-1944) und William Henry Wesley (1841-1922) vorgestellt. Heute ist die Zeichnung von Details der Mondoberfläche nur noch ein Arbeitsfeld einiger weniger engagierter Amateure.

Die Fotografie der Mondoberfläche zur Kartographie wurde dann in den 60er Jahren unseres Jahrhunderts durch die Missionen diverser amerikanischer und russischer Mondsonden abgelöst.

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