Milton La Salle Humason (1891-1972)


erblickte am 19. August 1891 in Dodge Center im US-Bundesstaat Minnesota das Licht der Welt. Über seinen schulischen Weg und seine familiäre Umgebung, in der er aufwuchs, ist nur wenig bekannt. Er war offenbar Volksschüler und verdiente seinen Lebensunterhalt als Maultiertreiber, bis er in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts erstmals Kontakt zur Astronomie bekam. Er hatte sich eher zufällig mit seiner Herde am nahe Los Angeles gelegenen Mount Wilson aufgehalten, und als dort eine Stemwarte errichtet werden sollte, heuerte man ihn und seine Tiere für den Transport der Femrohrteile und anderen Gerät an, das er auf den Berg befördern sollte. Sogar die ersten hier eintreffenden Ingenieure und Wissenschaftler nutzten seine Dienste.

Schon damals als trinkfester, tabakkauender Spieler berüchtigt, verliebte er sich in die Tochter eines der mit dem Bau befaßten Ingenieure. Dieser hielt jedoch nicht viel von der Beziehung mit einem "Ungebildeten", und so nahm Humason jede sich bietende Gelegenheit wahr, Arbeiten am und im Observatorium anzunehmen. Es erwies sich, daß er durchaus ein heller Kopf war und viel Wißbegierde für die Arbeit der Astronomen entwickelte. So arbeitete er sich langsam nach oben, war Elektriker, Pförtner, Hausmeister und schließlich Nachtassistent, als der dafür eingestellte Mitarbeiter plötzlich erkrankt war. Dabei stellte sich Humason sehr geschickt an, was die Aufmerksamkeit des Sternwartendirektors nach sich zog.

Vesto M. Slipher (1875 - 1969), seit 1916 Direktor des Mt. Wilson-Observatory, war von den Leistungen des ehemaligen Maultiertreibers sehr beeindruckt und offerierte ihm eine feste Anstellung, die dieser gerne annahm, Man übertrug Humason zuerst einfache Aufgaben wie das Belichten und Bearbeiten von Photoplatten, oder die Überwachung des in Betrieb befindlichen 2,5 m - Hooker - Spiegels.

Die Fähigkeiten und Talente Humasons sprachen sich schnell herum, und 1919 bat ihn Edward C. Pickering (1846 - 1919), den transneptunischen Planeten nach dessen Berechnung zu suchen, was aber ohne Erfolg blieb. Mit Edwin P. Hubble (1889 - 1953), der, im gleichen Jahr aus England zurückkehrend, wieder zur Stemwarte stieß, entwickelte sich in den kommenden Jahren eine viele Früchte tragende Zusammenarbeit und eine tief empfundene Freundschaft. Sie beschäftigten sich, da Hubble Galaxienexperte war, hauptsächlich mit diesen Objekten, maßen Spektren, werteten belichtete Photoplatten aus und führten gemeinsam Beobachtungen am Teleskop durch. 1924 entschied Hubble die bis dahin offene Frage, ob die Galaxien ferne Welteninseln oder nur Gas- und Staubansammlungen innerhalb der Milchstraße waren, indem es ihm gelang, im Andromedanebel zwei Novae und einen Cepheiden zu identifizieren, womit man endlich eine Möglichkeit gefunden hatte, die Entfernungen außergalaktischer Objekte herauszubekommen. Bereits 1920 glaubte Humason, auf Platten von M 31 mehrere Cepheiden gefunden zu haben. Harlow Shapley (1885 - 1972), Direktor des Harvard-Observatory, und ohnehin ein Gegner der These von den Welteninseln, meinte, daß jemand ohne astronomische Ausbildung dies wohl kaum beurteilen könne und verwarf den vielleicht entscheidenden Hinweis.

Als Hubble 1929 seine Arbeit über den Zusammenhang zwischen den Fluchtgeschwindigkeiten und den Entfernungen der Galaxien vorlegte, waren von den 24 darin enthaltenen Distanzmessungen vier von Humason bestimmt worden, der auch an der Formulierung dieser Beziehung seinen Anteil hatte. 1931 ermittelten beide einen Wert für diese Konstante Ho von 558 km/s/Mpc, der heutige liegt eher zwischen 50 und 100. Die gemeinsamen Beobachtungen endeten mit dem plötzlichen Tod Hubbles am 28. September 1953, als dieser während der Vorbereitungen für mehrere Beobachtungsnächte einen Gehirnschlag erlitt.

Milton Humason, der teilweise Hubbles Arbeiten fortsetzte und einen Kometen entdeckte, war noch viele Jahre am Observatorium tätig. Er verstarb, fast 81 jährig, am 18. Juni 1972 in Mendocino in Kalifornien.

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