Edwin Powell Hubble (1889-1953)

Er gilt als einer der ganz großen seiner Zunft in diesem Jahrhundert. Dabei sah es zunächst gar nicht danach aus, daß einmal ein bedeutender Astronom aus ihm werden sollte. Geboren am 20. November 1889 in Marshfield im US-Bundesstaat Missouri, studierte er an der Chicagoer Universität Astronomie, Physik und Mathematik und schlug sich im wahrsten Sinne des V'ortes als Preisboxer durchs Leben. 1910 erhielt er ein Stipendium der Universität Oxford, schrieb sich im Fach Mathematik ein, wechselte dann jedoch zur Jurisprudenz und war nebenher immer wieder bei Boxkämpfen im Ring anzutreffen. 1913 kehrte Hubble in die USA zurück und wurde Anwalt in einer eigenen Praxis in Louisville (Kentucky), doch schon ein Jahr darauf hängte er diesen Beruf endgültig an den Nagel, zog wieder nach Chicago und setzte am Yerkes-Observatory sein Astronomiestudium fort. 1917 promovierte er mit einer Arbeit über ein morphologisches Klassifikationschema für Galaxien, wobei er erste Versuche des Heidelberger Astronomen Max Wolf (1863-1932) einfach weiterentwickelte. Doch statt im Anschluß an die erfolgreiche Promotion eine feste Stellung anzunehmen, meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst in der U.S. Army und wurde während des ersten Weltkriegs in Frankreich eingesetzt. Er gehörte nach 1918 den in Deutschland stationierten Besatzungstruppen an.

1919 verließ Hubble abermals Europa und trat in den Mitarbeiterstab der Carnegie-Institution und des Mt.-Wilson-Observatory in Pasadena (Kalifornien) ein. Zwei Jahre zuvor war hier mit dem 2.5 m-Hooker-Spiegel (benannt nach John B. Hooker, der aus Privatmitteln den Bau finanziert hatte) das damals weltweit größte Fernrohr aufgestellt worden.

Etwa zur gleichen Zeit stand sich ein Teil der wissenschaftlichen Fachwelt, nämlich jener, der sich mit der Natur der Galaxien auseinandersetzte, vorsichtig ausgedrückt, recht kontrovers gegenüber.

Die eine Gruppe. angeführt von Harlow Shapley (1885-1972) vom Mt. Wilson, vertrat die Ansicht, die verschiedentlich auf fotografischen Aufnahmen entdeckten diffusen Objekte von Spiralnebeln seien keine Einzelsterne, sondern in unserer eigenen Milchstraße beheimatete Nebel oder weit entfernte Stemhaufen. Ihre Gegner um Heber Doust Curtis (1842-1927), Direktor des Allegheny-Observatory in Pittsburgh, glaubten sehr wohl daran, daß Gebilde wie der Andromeda-Nebel oder M 101 ferne Galaxien weit außerhalb unseres eigenen Systems darstellten. Ihr Problem war, daß es bis dato keine geeigneten Indikatoren gab, die eine genaue Entfernungsmessung erlaubten.

Vorläufiger Höhepunkt in dieser strittigen Frage, die auch von wissenschaftlichen Öffentlichkeit heiß diskutiert wurde, war eine öffentliche Diskussion zwischen den beiden Kontrahenten am 26. April 1920 aus Anlaß des Jahrestages der National Academy of Sciences in Washington D.C.

Die Entscheidung kam unerwarteterwelse von Edwin P. Hubble (was ihm Shapley zeitlebens nie verzeihen sollte), dem es mit dem 2.5 m-Splegel 1924 gelang, Randgebiete von M 31 in Einzelsterne aufzulösen, nachdem er bereits zwei Novae und im Oktober 1923 dort den ersten Cepheiden gefunden hatte.

Bis Ende 1924, als seine Entdeckung auf einer Tagung der American Astronomical Society veröffentlicht wurde, fand Hubble 36 weitere Veränderliche vom Delta-Cephei-Typ in verschiedenen Spiralgalaxien und bestimmte nach der Perioden-Leuchtkraft-Beziehung auch ihre Entfernungen. Dabei stellte er seltsamerweise fest, daß ein einfaches lineares Proportionalitätsgesetz zwischen Radialgeschwindigkeit und Entfernung besteht, d.h. je weiter ein Objekt entfernt ist, desto schneller bewegt es sich von uns weg!

Hubble hatte insgesamt 46 Radialgeschwindigkelten von verschiedenen Galaxien (41 davon waren von Vesto M. Slipher am 60cm-Refraktor des Lowell-Observatory in Flaggstaff gemessen worden) und 24 Entfernungsschätzungen untersucht, die es ihm ermöglichten, die heute sehr bekannte Hubble-Konstante zu bestimmen.

Erstmals zur Seite stand ihm dabei Milton L. Humason (1891-1972), der sich als waschechter Laie vom Maultiertreiber über den Pförtner am Mt. Wilson zum Assistenten von Hubble emporgearbeitet hatte. Beide bestimmten 1931 die Konstante H0 zu 558 km/s/Mpc (der heutige Wert liegt zwischen 50 und 100), aus der sich ein Weltalter von 1.8 Mrd. Jahren errechnete. Dieses Ergebnis führte zu vielen Auseinandersetzungen, denn es war allgemein bekannt, daß nach Erkenntnissen der Geowissenschaftler das irdische Gestein mit über 4 Mrd. Jahren wesentlich älter war. Der Grund lag an der Unsicherheit, die Peioden-Leuchtkraft-Beziehungen anhand der Cepheiden zu eichen, so daß H0 immer wieder verändert werden mußte. Eine andere Konsequenz aus diesen Arbeiten war, daß man plötzlich kein glelchförmiges, statisches Universum mehr vor sich hatte, sondern ein in alle Richtungen expandierendes, was andererseits bedeutete, daß es irgendwann einen gemeinsamen Ursprung gegeben haben muß: den Urknall.

Edwin P. Hubble blieb während seines ganzen Lebens den Galaxien treu. Eine weitere Arbeit von ihm war dei Versuch, die unterschiedlichen Galaxienformen in ein einheitliches Schema einzupassen. Herausgekommen ist die noch immer gültige Einteilung in elliptische, spiralförmige, und balkenspiralige Galaxien. Eine ganze Reihe von Unterteilungen sind heute dazugekommen, so u.a. auch die Klasse der irregulären Systeme.

1940 identifizierte Hubble einige verwaschen aussehende Objekte in der Umgebung vom M 31 als Kugelsternhaufen, und als die Vereinigten Staaten 1941 nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbour in den 2. Weltkrieg eintraten, meldete er sich abermals freiwillig, kam aber nicht an die Front, sondern wurde für die militärische Forschung der USA verwendet.

Ab Kriegsende finden wir ihn wieder auf dem Mt.-Wilson-Observatory, wo er sich mit ununterbrochenem Elan auch weiterhin den geliebten Galaxien widmete.

Edwin P. Hubble, der wegen vieler Eigenarten bei seinen Mitmenschen als Sonderling galt, hat wie kein anderer unsere Kenntnisse über die fernen Welteninseln erweitert. Am 28. September 1953 starb er im Alter von 63 Jahren während der Vorbereitungen für mehrere Beobachtungsnächte auf dem gerade eröffneten Mt. Palomar-Observatory an einem Gehirnschlag.

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