Edward Singleton Holden (05.11.1846 - 16.04.1914)

Holden wurde am 5. November 1946 in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri geboren. Von 1862 bis 1866 studierte er in Washington D.C. bei Professor William Chauvenet (1820 - 1870), machte aber seinen Abschluss an der Washington University of St. Louis, ebenfalls bei "seinem" Professor und trat gleich danach in die Militärakademie West Point. Im gleichen Jahr heiratete er Chauvenets Tochter Mary. Er war Cousin von Prof. George P. Bond (1825 - 1865), dem Sohn William Crunch Bonds (1789 - 1859), der 1859 Direktor des Harvard College Observatory wurde.

Kurze Zeit später wurde er zum Second Lieutenant in the Forth U.S. Artillery ernannt und war ab 1872 Mitglied des U.S. Corps of Engineers. Zeitgleich war er Mathematiklehrer in West Point, verließ aber schon ein Jahr später die Akademie und wurde Mathematikprofessor am Navy Observatory in Washington D.C. Bis dahin trat er trotz seines Astronomiestudiums eher als Mathematiker in Erscheinung, fortan wandte er sich aber verstärkt der Astronomie zu. Als Observator der Sternwarte traf er auch mit Simon Newcomb (1835 - 1909) zusammen und konnte den dortigen 26-Zöller verwenden, mit dem er hauptsächlich galaktische Nebel und Sternhaufen beobachtete und untersuchte. 1882 fasste er seine Ergebnisse in der Schrift "Monograph of the Central Parts of the Nebula of Orion" zusammen, in der er nachweisen konnte, dass der Orionnebel heller geworden war, was er auf gesteigerte Sternentstehungsprozesse zurückführte.

1876 begleitete Holden eine Delegation von Astronomen zu einer Tagung des South Kensingon Loan Collection of Science Instruments, auf der es um die Fortentwicklung von Teleskopen ging. Die Erkenntnisse aus dieser Veranstaltung flossen dann auch in das Lick-Projekt ein. Am 29. Juli 1878 beobachtete er zusammen mit einer Expedition des Naval Observatory in Central City, Colorado, eine totale Sonnenfinsternis. Auf der anschließenden Party traf er mit James Edward Keeler (1857 - 1900), einem Astrophysiker, zusammen, der ihn für eine Suche nach dem hypothetischen Planeten Vulkan in der auf die Finsternis folgenden klaren Nacht überreden konnte.

Im Jahr zuvor war Holden zum Professor für Mathematik und Astronomie ernannt worden und hatte das Direktorat des Washburn-Observatory übernommen, dessen Gründung 1866 durch den sehr an Astronomie interessierten Gouverneur des US-Bundesstaates Wisconsin, Cadwallader Colden Washburn initiiert worden war und das sich auf dem Campus der University of Wisconsin-Madison befindet. Auf dem Mt. Hamilton wurde in den Jahren 1876 bis 1887 das Lick-Observatory - die weltweit erste Sternwarte auf einem Berg - mit Mitteln des Mäzen James Lick (1796 - 1876) errichtet. Die Sternwarte erhielt den größten Refraktor der Welt, der allerdings schon 1897 vom Yerkes um 10 % übertroffen wurde. Holden avancierte neben Newcomb zum ständigen Berater für den Bau der Sternwarte.

Zu seinen wissenschaftlichen Arbeiten am Washburn-Observatory, dessen Aufgaben er reorganisiert und neu ausgerichtet hatte, zählte eine Liste roter Sterne und die Beobachtung von 303 Sternen aus dem Fundamentalkatalog von Arthur von Auwers (1838 - 1915). Er verfolgte zahllose Doppelsterne, beobachtete den Großen Kometen von 1882, den Venustransit von 1883 und die totale Sonnenfinsternis vom 6. Mai 1883. Bei beiden Ereignissen suchte er vergeblich nach dem Planeten Vulkan, der innerhalb der Merkurbahn um die Sonne laufen sollte, als Erklärung für die Periheldrehung, die erst mit der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein (1879 - 1955) hinreichend plausibel erklärt wurde.

1886 wurde Holden zum President of the University of California ernannt und somit gleichzeitig Direktor des Lick-Observatory, ein Amt, das er bis 1898 inne hatte. Bereits 1888 war er von der Aufgabe als Präsident der Universität zurückgetreten. In seiner Funktion als Direktor des Lick-Observatory kam es auch zu einer engeren Zusammenarbeit mit dem Harvard Observatory, wo sein Cousin der Direktor war.

Im Jahr 1901 gehörte er zu den Mitbegründern der Astronomical Society of the Pacific. In dieser Zeit zog er sich von der Arbeit auf der Sternwarte zurück und ging wieder nach West Point, wo er eine Stelle als Bibliothekar annahm, um sich verstärkt dem Schreiben wissenschaftlicher Abhandlungen widmen zu können. Schon früher waren viele Artikel von ihm, von denen viele im Astrophysics Data System (ADS) nachgelesen werden können, in verschiedenen Zeitschriften erschienen. Eine Ausgabe der Schriftenreihe "Sir William Herschel: His Life and Works" (1881) stammt von ihm sowie einige Kapitel in dem Buch "Synopsis of the Scientific Writings of Sir William Herschel" (ebenfalls 1881). Darüber hinaus verfasste er viele populärwissenschaftliche Beiträge zur Astronomie und Mathematik. Am 16. März 1914 starb Edward Singleton Holden in West Point. Ihm zu Ehren wurden ein Mond- und ein Marskrater, sowie der Asteroid (2974) Holden und wohl auch (872) Holda nach ihm benannt.

http://adsabs.harvard.edu/abs/1914PPCAS...3..136.
http://adsabs.harvard.edu/abs/1915MNRAS..75..264.
http:/adsabs.harvard.edu/abs/1914PASP...26...77C
http://de.wikipedia.org/wiki/Edward_Singleton_Holden


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