Ejnar Hertzsprung (1873-1967)

wurde am 8. Oktober 1873 in Frederiksborg nahe der dänischen Hauptstadt Kopenhagen geboren. Da sein Vater, obwohl selbst studierter Astronom, die Himmelskunde für wenig einträglich hielt - schließlich hatte er den Beruf zugunsten der sicheren Stellung als Finanzbeamter aufgegeben -, drängte er seinen Sohn, statt des angestrebten Astronomie- und Mathematikstudiums am Kopenhagener Polytechnikum Chemie zu studieren.

Nach dem Staatsexamen (1898) und einigen Jahren Tätigkeit als Chemiker in St. Petersburg zog es Ejnar Hertzsprung 1901 nach Leipzig, wo er bei Prof. Wilhelm Ostwald (1853-1932) Grundkenntnisse der Photochemie erwarb. Doch schon ein halbes Jahr danach kehrte er nach Kopenhagen zurück, entschlossen, sich nun doch der Astronomie zu widmen.

Bereits 1905 hatte er die Grundzüge des späteren Hertzsprung-Russell- Diagramms (HRD) in einer kleinen Schrift dargestellt, der man zunächst jedoch keinerlei Bedeutung zumaß. Parallel zum Astronomiestudium betätigte sich Hertzsprung an der Universitäts- und Uraniasternwarte als Himmelsfotograf.

Der deutsche Astrophysiker Karl Schwarzschild (1873-1916) erfuhr bald von der Begabung Hertzsprungs auf astrophysikalischem Gebiet und sorgte dafür, daß dieser 1909 zum außerordentlichen Professor der Universität Göttingen ernannt wurde. Wenige Monate später wechselte Schwarzschild als Direktor zum Astrophysikalischen Observatorium nach Potsdam und nahm Hertzsprung als Observator mit.

Die sehr fruchtbare Zusammenarbeit beider Wissenschaftler dauerte leider nur sehr kurze Zeit, denn am 11. Mai 1916 starb Schwarzschild in Potsdam. Nach Ende des 1. Weltkrieges verließ Hertzsprung 1919 Deutschland und ging an die Universitätsternwarte zu Leiden, deren Direktor er von 1935 bis 1944 war. Noch in der Endphase des 2. Weltkriegs gab er seinen Direktorenposten auf und kehrte endgültig nach Dänemark in die kleine Stadt Tollose zurück.

Ejnar Hertzsprung, der sich in seinem langen Forscherleben vielen Teilbereichen der Astronomie gewidmet hatte, wie der Photometrie, den absoluten Sterngrößen, den Eigenbewegungen und Radialgeschwindigkeiten von Sternen, den Parallaxen weit entfernter Sterne oder der Bestimmung der Entfernung zur Kleinen Magellanschen Wolke und ab 1938 den Doppelsternen, hatte 1909 im Ansatz richtig erkannt, daß für die meisten Sterne ein Zusammenhang zwischen seiner Leuchtkraft und seiner Spektalklasse besteht. Allerdings blieb es Henry Noris Russell (1877-1957) vorbehalten, ein modifiziertes Hertzsprung-Russell-Diagramm auf einer Tagung der Royal Astronomical Society im Jahre 1913 vorzustellen, mit dem es fortan möglich wurde, die Entwicklungsgeschichte von Sternen nachzuvollziehen und übersichtlicher darzustellen.

Ejnar Hertzsprung hatte die Entwicklung der Stellarastronomie Anfang des 20. Jahrhunderts auf fast allen Gebieten beeinflußt und weiterentwickelt, so erkannte er frühzeitig die Bedeutung der Entdeckung von Cepheiden in den Magellanschen Wolken durch Henrietta Swann Leavitt (1868-1921) und bestimmte selbst die Lichtkurven von über 10000 Veränderlichen Sternen. Er starb am 21. Oktober 1967 in Tollose auf der dänischen Insel Seeland.

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