Johannes Franz Hartmann (1865-1936)

Er wurde am 11. Januar 1865 in Erfurt geboren. Nach dem Studium ging er 1896 als Observator zum 1879 auf Bestreben Wilhelm Foersters (1832-1921) gegründeten Astrophysikalischen Observatorium nach Potsdam, wo er 1902 den Titel des außerordentlichen Professors für Astronomie errang. Nach dem Tode des ersten Direktors Herrmann Carl Vogel (1842-1907) war Hartmann für kurze Zeit auch als dessen Nachfolger im Gespräch.

Widrige politische Umstände und der Wunsch des Staates Preußen, Hugo von Seeliger (1873-1916) auf diese Stelle zu hieven, verhinderten dies erfolgreich. Hartmann wurde gewissermaßen nach Göttingen abgeschoben, was man ihm dadurch schmackhaft machte, indem man ihn auf den Direktorenstuhl der dortigen Universitätssternwarte berief. Ein Ortswechsel, der ganz und gar nicht in seinem Sinn war, denn Hartmann galt als typischer Praktiker und Göttingen als Hochburg der Mathematik, also der Theorie.

Hartmann hatte sich durch den Bau des Potsdamer Doppelrefraktors und der Entwicklung von Hilfsmitteln wie dem Mikrophotometer (1899) und dem Spektrokomparator (1904), dem 1910 ein Flächenphotometer folgte, einen viel beachteten Ruf als geschickter Instrumentenbauer erworben. Doch in Göttingen war es ihm unmöglich, in dieser Richtung weiterzuarbeiten, und so erging er sich in der Verbesserung von Details der hier aufgestellten Instrumente, wie dem Meridiankreis und dem Heliometer. 1909 versuchte er vergeblich, wieder nach Potsdam zurückzukehren, 1910 sorgte er für umfangreiche, institutsinterne Umbauten, wodurch Platz für spektroskopische Untersuchungen mit dem Heliometer geschaffen wurde, und 1911 konnte er ein 21cm-Spiegelteleskop aus dem Nachlaß eines Dr. Hauswaldt aus Magdeburg erwerben. 1921 verließ Hartmann Deutschland, um den freigewordenen Stuhl des Direktors der Argentinischen Nationalsternwarte in La Plata zu übernehmen, den er bis 1934 innehatte.

Johannes Franz Hartmanns Hauptarbeitsgebiet war die Spektroskopie, er bestimmte zahlreiche Radialgeschwindigkeiten von Einzelsternen, untersuchte spektroskopische Doppelsterne und das Spektrum der Sonne. 1904 entdeckte er interstellare Linien des Calziums bei delta Orionis und damit erstmals Absorptionslinien des interstellaren Gases. Am 13. September 1936 schloß er in Göttingen, der von ihm ungeliebten Stätte seines Wirkens, für immer die Augen.

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