Asaph Hall (1829-1907)

wurde am 15. Oktober 1829 in Goshen (Connecticut) geboren. Nach einer Zimmermannslehre und seiner Heirat mit Chloe Angeline Stickney schrieb er sich 1856 bei der University of Michigan ein, um Astronomie zu studieren. Obwohl er die Universität schon bald wieder verlassen mußte, weil er das Studium nicht mehr finanzieren konnte, hielt er unbeirrbar an seinem Ziel fest, Astronom zu werden. Fünf Jahre lang arbeitete er als Assistent am Harvard Observatory, wechselte danach zum US-Naval-Observatory nach Washington, bis er 1863 dort die Professur in Astronomie und Mathematik erhielt.

Sein Hauptarbeitsgebiet als beobachtender Astronom waren die Planeten, von denen in erster Linie Mars und die Marsmonde sowie Saturn im Mittelpunkt standen.

Bei der Beobachtung des Ringplaneten Ende 1876 stellte Hall das Erscheinen eines hellen Flecks in der Planetenatmosphäre fest (analog zum GRF beim Jupiter, jedoch weitaus seltener), dessen Wanderung er über 61 Rotationen verfolgte. Daraus errechnete er eine Umlaufzeit von 10 h 14 m 23.8 s für die Aquatorregion. Ein Vergleich dieser Daten mit den Ephemeriden Wilhelm Herschels (1738-1822) ergab eine Differenz von rund 13 min, die, wie sich später herausstellte, gar nicht von Herschel selbst, sondern ursprünglich von Pierre Simon de Laplace (1749-1827) stammten und nur für die Rotation des Ringsystems berechnet waren. Aus seinen Beobachtungen ermittelte Asaph Hall außerdem die Planetenmasse zu einem Dreitausendstel der Sonnenmasse.

Die ungewöhnlich gut zu beobachtende Marsopposition 1877 beflügelte im Nachhinein nicht nur die Phantasie vieler Astronomen, sondern führte auch zu zwei interessanten Entdeckungen. Giovanni Schiaparelli (1835-1910 fand auf der Marsoberfläche linienartige Strukturen, die er unvorsichtigerweise ,,canali" nannte - wobei er quasi den Verlauf ausgetrockneter Flüsse meinte - , während sie von der Mehrheit seiner Zeitgenossen als Bewässerungsgräben der Marsbewohner gedeutet wurden. Heute weiß man allerdings, daß die damals beobachteten Strukturen auf rein physiologischen Phänomenen zurückzuführen sind.

Unterdessen hatte Asaph Hall begonnen, mit dem 26-Zoll-Refraktor des US-Naval-Observatory nach möglichen Marsmonden Ausschau zu halten. Erstaunlicherweise war ihre Existenz lange vor ihrer eigentlichen Entdeckung vermutet worden. Johannes Kepler (1571-1630) deutet das Vorhandensein als erster in seiner Schrift ,,Narratio de Jovis satellitibus" (1610) an und der Kapuzinermönch Anton Maria Schyrl stellte 1643 gleich die Behauptung auf, zwei Marsmonde mit bloßem Auge gesehen zu haben. Schließlich ließen sich die zeitgenössischen Schriftsteller Jonathan Swift in ,,Gullivers Reisen" und Voltaire in "Micromegas" von ihnen inspirieren.

Asaph Hall gelang schlußendlich im August 1877 die Entdeckung der Marsmonde Phobos (Furcht) und Deimos (Schrecken), bei denen es sich nach heutigen Erkenntnissen höchstwahrscheinlich um eingefangene Planetoiden aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter handelt. Halls Frau Chloe Angeline war an der Entdeckung übrigens nicht ganz unbeteiligt, ermunterte sie ihren Mann doch ständig, weiterzusuchen, als dieser schon aufgeben wollte, nachdem er, systematisch von außen nach innen vorgehend, keine Spuren der Marsbegleiter finden konnte.

Asaph Hall verließ kurze Zeit nach der Entdeckung von Phobos und Deimos, deren Umlaufzeiten er zu 7 h 39 m bzw. 30 h 18 m berechnete, bei einem Abstand zum Planeten von 9300 km und 23200 km, seine bisherige Wirkungsstätte in Washington und zog nach Annapolis um, wo er am 22. November 1907 verstarb.

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