40 Jahre GvA (II): 1970 bis 1972 - Aufbruch und Auseinandersetzung

Zitatensammlung aus alten Mitteilungen und Sternkiekern

Die Zeit Ende der 60er Anfang der 70er Jahre brachte nicht nur für die „große Welt“ sehr viele Veränderungen mit sich, auch im Verein Hamburger Sternfreunde wurde, wie bei allen gesellschaftlichen Veränderungen, der Zeitgeist nachvollzogen.


Durch den viel zu frühen Tod des Vorsitzenden Werner Schindler befand sich der Verein Hamburger Sternfreunde in seiner ersten schweren Krise. Die Amtsgeschäfte wurden zwar vom 2. Vorsitzenden Bruno Asmus wahrgenommen, doch ein neuer Vorsitzender, der auch Perspektiven für die Zukunft entwickeln konnte, war zunächst weit und breit nicht in Sicht. Auf mehreren der monatlich stattfindenden Mitgliederversammlungen wurde nach einem geeigneten Kandidaten gesucht. Schließlich wurde er in Gestalt von Max Koch gefunden, der bis dahin weitgehend unbekannt war. Leider lässt sich heute nicht mehr vollständig nachvollziehen, wann er in den VHS eingetreten war, und wie man seinerzeit auf ihn als Kandidaten kam. Ob er ein Wunschkandidat oder eher ein „Verlegenheitsvorsitzender“ war, weil sich niemand anders anbot, bleibt im Dunkel der Geschichte verborgen. Nur eines ist sicher: Mit ihm veränderte sich der Verein grundlegend. Die Art und Weise jedoch, wie er dabei vorging, lässt sich rückblickend nur als eine Art Diktatur bezeichnen, was beleibe nicht bei jedem gut ankam. Seinen zweifellos vorhandenen Verdiensten standen eine rigorose Umgangsweise und ein Umgangston entgegen, der schon den Keim der Probleme mit mangelnder Aktivität der Mitglieder in der GvA und vermutlich auch der „Jugendrevolte“ im Verein in sich trug. Um es richtig zu stellen: Ohne die energische Handlungsweise Kochs wäre der Verein damals nicht so schnell aus den Schulklassen herausgekommen und es wäre auch nie der Grundstein für die intensive Zusammenarbeit zwischen der GvA und dem Planetarium gelegt worden. Und ob der Verein in der damaligen Situation ohne Max Kochs Engagement überlebt hätte, darüber kann man freilich nur spekulieren. Die Kehrseite der Medaille war jedoch, das ihm niemand bei seinen Vorhaben in die Quere kommen durfte, Widerstand oder gar Opposition wurden nicht geduldet. Wer es dennoch wagte, wurde abgekanzelt, teilweise pauschal in den Mitteilungen vom großen Vorsitzenden abgeurteilt. Doch bevor wir dazu kommen, lesen wir erst einmal, was damals in den Mitteilungen stand. In (1) wurde folgende Einladung ausgesprochen:

„Satzungsgemäß rufe ich zur Hauptversammlung 1970 am 8. Januar, 19:30 Uhr, in der Schule Barmbeker Straße 30/32 auf. Es muß der gesamte Vorstand neu gewählt werden.“

In der darauf folgenden Ausgabe wurde in den Geschäftlichen Mitteilungen (2) dann die genaue Tagesordnung veröffentlicht:

a) Rückblick auf die Arbeit des vergangenen Jahres
b) Kassenbericht, Entlastung des Vorstandes
c) Neuwahl des gesamten Vorstandes
d) Verschiedenes: Anträge und Berichte
e) Vorschau auf 1970.


Die Tagesordnungspunkte versprachen eine spannende Hauptversammlung. Eine neuer Vorstand sollte gewählt werden. Auf Initiative von Max Koch wurde eine neue Vereinssatzung erstellt, die abgesegnet werden musste, und der Vereinsname sollte geändert werden. Über das Ergebnis wurde in (3) berichtet:

Eine Satzungsänderung wurde einstimmig im Sinne der vorgetragenen Vorschläge mit einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen angenommen.

Die Abstimmung: Sie erfolgte nach der alten Satzung:

1. Vorsitzender: Herr Koch, 28 Ja, 2 Enthaltungen
2. Vorsitzender: Herr Asmus, 28 Ja, 2 Enthaltungen
Kassenwart: Herr Schulz, 28 Ja, 1 Nein, 1 Enthaltung
Schriftleiter: Herr Blase, 27 Ja, 1 Nein, 2 Enthaltungen
Protokollführer: Herr Holz, 26 Ja, 4 Enthaltungen

Das Ergebnis der Abstimmung über die Formulierung der Satzungsänderung:
Bedauerlicherweise sind dem Vorstand bis heute von 180 nur insgesamt nur 86 Stimmzettel zugegangen. Man mag darüber denken, wie man will, Tatsache ist, daß man nun nicht um eine neue Hauptversammlung herumkommen kann.
Herr Koch beruft daher am Donnerstag, den 12.2.1970, um 19 Uhr (...) eine H A U P T V E R S A M M L U N G in die Schule Barmbeker Straße 30/32 mit folgender Tagesordnung:

1. Änderung unseres Namens
2. Änderung der Satzung
3. Neufestsetzung des Beitrages
4. Wahl des Prüfers und seines Stellvertreters

Nur für den Fall der eintretenden Notwendigkeit noch die folgenden Themen:

5. Neuwahl des Vorstandes
6. Auflösung des Vereins.

Anträge zur Tagesordnung oder darüber hinaus sind bitte Herrn Koch bis spätestens drei Tage vor der Hauptversammlung zuzustellen.


Nach dieser noch vergleichsweise harmlosen Schelte des gerade neu gewählten Vorstandes (dahinter steckte der neue Vorsitzende Max Koch), erschienen dann zur nächsten ordentlichen Hauptversammlung einen Monat später mit einer Zahl von 62 deutlich mehr Vereinsmitglieder (4):

Über jeden Paragraphen der Satzungsänderung wurde einzeln abgestimmt. Nach einer Diskussion unter den anwesenden Mitgliedern wurde dann über den Paragraphen abgestimmt:

Paragraph 1: Name und Sitz (Gesellschaft für volkstümliche Astronomie e.V., Hamburg)
Abstimmung: 41 Ja, 16 Nein, 5 Enthaltungen

Paragraph 2: Zweck und Aufgaben
Abstimmung: 57 Ja, 3 Nein, 2 Enthaltungen

Paragraph 3: Mitgliedschaft
Abstimmung: 59 Ja, 3 Enthaltungen

Paragraph 4: Geschäftsjahr und Beiträge
Abstimmung: 60 Ja, 1 Nein, 1 Enthaltung

Paragraph 5: Der Vorstand
Abstimmung: 57 Ja, 4 Nein, 1 Enthaltung

Paragraph 6: Die Sachgebiete
Abstimmung: 49 Ja, 11 Nein, 2 Enthaltungen

Über Paragraph 7 und 8 konnte aus Zeitgründen nicht mehr abgestimmt werden. Die Abstimmung erfolgt im April.


Hinter dieser nüchternen Aufzählung der Abstimmungsergebnisse verbirgt sich eine der dramatischsten Veränderungen, die der Verein bis dahin erlebt hatte. Was im Einzelnen auf dieser legendären Hauptversammlung ablief, ist leider nicht mehr zu rekonstruieren. Doch die nicht unumstrittenen, letztendlich aber dennoch genehmigten Veränderungen besitzen im Großen und Ganzen bis heute Gültigkeit. Max Koch hatte den Verein von Grund auf umgekrempelt, ihm einen neuen Namen und eine neue Vereinsstruktur gegeben. Aus dem Verein Hamburgischer Sternfreunde (VHS) wurde die Gesellschaft für volkstümliche Astronomie (GvA). Er erhielt eine Satzung, die bis auf wenige Unterschiede bis heute Gültigkeit besitzt. Max Koch führte Sachgebiete, die Sektionen genannt wurden, ein, aber er offenbarte in seiner Amtsführung eben auch Charakterzüge, die nicht in die Zeit am Beginn der 70er Jahre passten. Überhaupt tobte in der Bundesrepublik die Auseinandersetzung zwischen der Kriegs- und der Nachkriegsgeneration. Die Stundentenunruhen der Jahre 1967 und 1968 wirkten nach. Die neue Bundesregierung aus SPD und FDP hatte das Motto „Mehr Demokratie wagen“ ausgegeben. Allerorten war eine regelrechte Aufbruchstimmung zu verzeichnen. Viele Ältere, die in ihrer eigenen Jugend vor allem Gehorsam gelernt hatten, kamen nicht damit zurecht, dass mit einem Mal Autoritäten und Anordnungen hinterfragt wurden. Gerade die junge Generation sog die von der neuen Regierung vorgegebenen Vorstellungen und Ideen regelrecht in sich auf und begehrte gegen die Altvorderen auf. Diese Geisteshaltung machte selbstredend auch vor der GvA nicht halt, vor allem nicht vor Kochs autoritären Führungsstil. Doch seine Erfolge überdeckten zunächst die schwelenden Konflikte.

Eine von Max Kochs Antriebsfedern war, die GvA in der Öffentlichkeit näher bekannt zu machen. Dazu passte auch die Intensivierung der seit vielen Jahren bestehenden Kontakte mit dem Hamburger Planetarium. Auch dabei ging er oft nicht unbedingt sensibel vor und erreichte mitunter genau das Gegenteil von dem, was er erreichen wollte.

Zunächst jedoch ging die Umstrukturierung der GvA weiter. Andreas Saul beschrieb später einmal, wie er anlässlich des Merkurdurchganges vom 9. Mai 1970, der ersten gemeinsam vom Planetarium Hamburg und der GvA durchgeführten öffentlichen Veranstaltung vor dem Wasserturm im Stadtpark, zum ersten Leiter einer neuen Sektion Sonne wurde (5):

Als - seit Jahren - aktiver Sonnenbeobachter stand natürlich auch ich in der Reihe der „Erklärer“ für das „unwissende“ Publikum. Nach einiger Zeit legte sich eine Hand auf meine Schulter und eine Stimme fragte, ob ich nicht Interesse hätte, die Sektion Sonne zu gründen. An alles hätte ich gedacht, aber nicht an so ein Ansinnen, denn ich war in diesen Verein eingetreten, um etwas über Astronomie zu lernen und nicht zu lehren!! Nun - ich sagte erst mal zu - mehr als schief gehen konnte es ja nicht, denn irgendwelche pädagogischen Erfahrungen waren bei mir nicht im geringsten vorhanden. Nun, wem solle die Hand auf meiner Schulter schon gehören, es war natürlich unser Max Koch.“

Was den weiteren Aufbau von Sektionen anging, so schrieb Andreas Saul weiter:

„Der Aufbau der Sektionen hatte sich weiter entwickelt, wenn auch nicht so ganz, wie der Vorsitzende Max Koch es sich vorgestellt hatte. Es hatten sich inzwischen 9 Sektionen gebildet. Von den Sektionsleitern ist lediglich noch einer vorhanden (der Chronist dieser Zeilen).

Dabei hatte der GvA-Vorsitzende Koch ein paar Monate zuvor noch verkünden können (6):

„Der Aufbau unserer Sektionen macht gute Fortschritte. Es haben sich bereits eine ganze Reihe von Mitgliedern bei mir gemeldet, die bereit sind, die Leitung einer Sektion zu übernehmen. Die Dinge wollen aber überdacht und besprochen sein. Ich werde Ihnen daher mein „Kabinett“, die schon beauftragten Sektionsleiter und die Herren, mit denen ich noch im Gespräch bin, frühestens im nächsten Nachrichtenblatt vorstellen."

Warum nur wenige Monate später viele der neuen Sektionsleiter ihr Amt wieder aufgegeben hatten, darüber kann man nur spekulieren, aber der Koch'sche Führungsstil wird bei manchen Entscheidungen eine Rolle gespielt haben.

Doch auch gegenüber den Mitgliedern wurde manchmal ein ungewöhnlich scharfer Ton gepflegt (7):
Bedauerlicherweise haben einige unserer Mitglieder trotz des Hinweises in den letzten Mitteilungen ihre Beitragsschulden noch immer nicht gezahlt. Ich gebe den Säumigen die Möglichkeit, das bis zum Ende des Monats September nachzuholen. Danach werden wir schriftlich mahnen und die uns entstehenden Mahnkosten den Beitragsschuldnern in Rechnung stellen.“

Weiter unten hieß es (8):
Vielleicht haben Sie den Kopf geschüttelt, als Sie die voraufgegangene Rubrik lasen und sind der Meinung, daß wir nach der Beitragserhöhung im Gelde schwimmen müßten und daß solche Mahnungen geschmacklos und überflüssig sind. Nun, für schön halten wir sie nicht, aber überflüssig sind sie leider gar nicht. Wir haben einen hohen Prozentsatz niedriger Mitgliedsbeiträge und dadurch einen Durchschnittsbeitrag, der die Kosten unseres Mitteilungsblattes nur mit Mühe deckt. Jede darüber hinausgehende Ausgabe muß entweder unterbleiben oder von einer mitleidenden Seele, meisten sind das die ihre Zeit aus idealistischen Gründen opfernden Mitarbeiter, übernommen werden. Fallen jetzt noch einige, vielleicht auch viele Beiträge ganz aus, stimmt unsere Vorausberechnung nicht mehr und Sie dürfen sich nicht wundern, wenn Ihnen eines Tages ein Mitteilungsblatt mit selbstgestricktem Inhalt ins Haus flattert. Schon jetzt sollten Sie jeder Abhandlung unserer Sektionen, die wir herausbringen, mit großer Ehrfurcht begegnen, denn hieran haftet nicht nur der Spiritus und der Schweiß des Verfassers, sondern auch noch sein Geld oder das eines anderen von uns.“

Gleichzeitig aber gelang es, den Kontakt der GvA zum Planetarium im Wasserturm zu festigen, zumal alle bisherigen Bestrebungen, ein anderes Domizil oder eine feste Sternwarte zu finden oder zu bauen, meist an den zu hohen Kosten gescheitert waren. Einen Beobachtungsaufruf findet man in (9):

Viele unserer Mitglieder besitzen zwar ein Fernrohr, haben aber zu Haus keine oder nur schlechte Möglichkeiten, es zu benutzen. Allen denen kann jetzt geholfen werden. Wir haben im Planetarium einen abschließbaren Raum, in dem wir solche Instrumente unterbringen können und haben auch die Möglichkeit, so viele Schlüssel zum Eingang auszugeben, daß Tag und Nacht beobachtet werden kann. So schlecht sind die Bedingungen des Turms nicht, sofern Sie nicht gerade Veränderliche dreizehnter Größe beobachten wollen und dazu die genaueste Justierung ihres Instruments benötigen. Wir würden es begrüßen, wenn recht viele unserer Mitglieder von diesem Angebot Gebrauch machten und wir ein reges Leben auf dem Turm bekämen“.

Die Beobachtungen auf dem Flaggenbalkon, der späteren Repsold-Sternwarte, waren nur ein Teil der Aktivitäten, die die GvA im Planetarium entfaltete. Ein weiterer, wesentlicher Bestandteil war der angestrebte Vorlesungsbetrieb, aus dem später das legendäre Astronomische Seminar wurde:

Im Oktober beginnen wir unseren bereits angekündigten Vorlesungsbetrieb im Planetarium. Der erweiterte Vorstand hat auf seiner letzten Sitzung beschlossen, dieses Ereignis mit einer Feierstunde am Sonnabend, den 17. Oktober, vorm. 10 Uhr 30, festlich zu begehen und dazu, soweit möglich, einige Prominenzen aus der Astronomie und der Leitung unserer Stadt einzuladen. Wir erwarten, daß unsere Mitglieder hierzu vollständig erscheinen. Wenn alles klappt, werden wir nicht nur die Presse, sondern auch das Fernsehen dabei haben und bei dieser Gelegenheit wird uns die Öffentlichkeit erstmalig etwas genauer kennen lernen.
Wir möchten darauf hinweisen, daß unser Unterfangen den Sinn hat, noch abseits stehende Mitbürger an die Astronomie und damit an uns heranzuführen. Das schließt aber keinesfalls aus, daß sich auch unsere Mitglieder daran beteiligen, um so mehr, als die Teilnahme daran für sie kostenlos ist. Niemand von uns ist so universell vorgebildet, daß er nicht noch etwas zulernen könnte. Die einzige Bedingung, die wir dabei stellen müssen ist, daß Sie sich rechtzeitig anmelden. Anmeldevordrucke erhalten Sie auf Anforderung oder an der Kasse des Planetariums. Die ausführlichen Programme der einzelnen Vorlesungen mit den genauen Zeiten finden Sie dort angeschlagen (10).


Und die angebotenen Vorträge waren teilweise echte Hochkaräter. Am Mittwoch, den 2. September 1970 beispielsweise hielt Michael Lindhorst, Leiter der Sektion Astrofotografie und späterer Sternkieker-Redakteur, einen Lichtbildervortrag zum Thema: „Schwarz-weiß und Farbenphotographie, Grenzen der Amateurastronomen und Möglichkeiten der großen Institute“. Am 23. September 1970 referierte für die GvA Erik Wischnewski zum Thema Doppelsterne und am 7. Oktober 1970 sprach Max Koch über „Das Licht und die Astronomie. (11).

Dazwischen lag der 17. Oktober, die offizielle Feierstunde zur Eröffnung des Vorlesungsbetriebes. Doch was mit großen Plänen begann, was viele Hoffnungen auf eine bessere Zukunft für die GvA weckte und einen großen Schritt nach vorn bedeutet hätte, endete im Desaster. Max Koch schrieb dazu in (12):

Die zur Eröffnung unseres Vorlesungsbetriebes geplante Feierstunde am 17.10.70 muss leider ausfallen! Es zeichnen sich heute, sechs Wochen vor dem Termin, Schwierigkeiten ab, die ich nicht steuern kann., da ich leider aus zwingenden familiären Gründen in der zweiten Septemberhälfte nicht in Hamburg bin. Unser massiver Auftritt in der Öffentlichkeit wird besser auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Halbe Sachen schaden mehr, als das sie nützen.

Unter der Überschrift „Waren wir überheblich?“ führte er weiter aus (13):
Gerade im Hinblick auf die abgeblasene „Eröffnungsvorstellung“, von der wir uns versprochen hatten, daß sie uns mit einem größeren Kreise der Hamburger bekannt machen würde, ist es vielleicht angebracht, nochmals die Gründe aufzuzeigen, die zu unserem Vorlesungsvorhaben führten und einige von den Schwierigkeiten anzudeuten, die sich dabei auftaten:
Über allem stand und steht die banale Notwendigkeit, unseren Mitgliederbestand so hoch wie möglich zu bringen, denn jedermann, ob Bürgermeister oder Mitbürger, hat allein nur Respekt vor der Zahl. Hätten wir zehntausend Mitglieder, wäre die Volkssternwarte längst gebaut und in den Amtsstuben würden auch die verschrobensten unserer Wünsche berücksichtigt
. Der zweite Grund war, daß wir in unserer Satzung gelobt haben, neben der Pflege auch für die Weiterverbreitung des Wissens über die Astronomie zu sorgen. Wir versuchten das letztere mit einem Angebot an die Volkshochschule, in deren Rahmen diesbezügliche Vorlesungen abzuhalten. Wie Sie sich erinnern, war aber damit der Amtsschimmel nicht einverstanden. Solche Dinge müssen ein Jahr im voraus geplant werden. Das Nachsehen hat nun übrigens die Volkshochschule, denn wie es der Zufall will, kann sie in ihrem Vorlesungsverzeichnis für die kommenden drei Trimester keinen einzigen Vortrag über die Astronomie anbieten. Ein Jahr ist für unsere Ungeduld eine zu lange Zeit, wir fragten uns daher, was eigentlich dagegen steht, wenn wir einen Vorlesungsbetrieb in eigener Regie übernehmen. Nun, zunächst einmal die Tatsache, daß wir kein Geld hatten, unser Vorhaben den Hamburgern ausreichend bekannt zu machen. Wir fanden unter uns aber einen Mann, der die Kosten für die Vervielfältigungen für insgesamt 7000 Vorlesungsverzeichnisse, Programme und weitere notwendige Vordrucke übernahm, und sagten uns, daß man auch kleine Brötchen backen kann, wenn der Ofen für große nicht ausreicht. Die Drucksachen wurden an die maßgeblichen Buchhandlungen Hamburgs gegeben, welche sie den Vorlesungsverzeichnissen der Volkshochschule beilegten und liegen weiter im Planetarium zur Mitnahme durch die Besucher aus. Vielleicht werden einige davon nicht verteilt, vielleicht werden andere davon achtlos weggeworfen, die Mehrzahl wird gelesen werden. Uns will scheinen, daß wir damit unser Vorhaben unseren Mitteln und unseren Kräften entsprechend vorbereitet haben. Wie das Echo darauf ausfällt, kann niemand voraussagen. Natürlich wären vor Teilnehmern berstende Hörsäle nicht nur ein stolzer Preis für den vergossenen Schweiß, sondern auch ein willkommener Dämpfer für die Unken aus unseren eigenen Reihen, entscheidend ist die Teilnehmerzahl nicht. Viel wichtiger ist die Tatsache, daß tausend oder mehr Hamburger, die bisher keine Ahnung hatten, nun mehr wissen, wer wir sind und wo wir zu finden sind.
Die in der Überschrift gestellte Frage ist mit dem Vorhergesagten fast schon eindeutig mit „nein“ beantwortet. Es sollte aber noch einmal herausgestellt werden, dass wir unsere Grenzen bisher nicht überschritten haben und in Zukunft nicht überschreiten werden. Wir sind Laien, die sich mit einer Wissenschaft aus Vergnügen oder mit Leidenschaft beschäftigen. Wir haben eine unterschiedliche Vorbildung und ein verschiedenes Wissen. Niemand soll uns Vorwürfe machen, wenn wir die höchste Vollkommenheit im Wissen anstreben und vielleicht nicht erreichen. Niemand soll uns vorwerfen, dass wir unser bescheidenes Wissen anderen übermitteln.


Die Absage des Festaktes hatte jedoch zunächst keine weiteren negativen Folgen. Die bereits begonnene Vorlesungsreihe im Planetarium wurde fortgesetzt und Max Koch schrieb dazu (14):

Obwohl nun unsere Vorlesungsreihen ohne Paukenschlag begonnen wurden, läßt sich erkennen, daß dieser Gedanke unserer Sache genutzt hat. Die Zeitung „Die Welt“ hat unser Vorhaben in aller Ausführlichkeit sehr seriös gebracht und das „Hamburger Abendblatt“ schrieb darüber hinaus noch sehr anschaulich und unter einer dicken Überschrift von unserer Routinearbeit. Beiden Zeitungen gilt unser Dank dafür. Die erfreuliche Folge sind viele Leseranfragen, deren Beantwortung unsere Schreibmaschinen heißlaufen läßt. Rechnen wir die Auswirkung der verteilten 7000 Vorlesungsprospekte und die Veröffentlichung unseres Vorsitzenden im Novemberheft der Monatsschrift „Sterne und Weltraum“ hinzu, dann darf man wohl sagen, daß wir „da“ sind. Zwar immer noch klein und bescheiden, aber nicht mehr anonym. Übrigens sind unsere Vorlesungen trotz der Unkenrufe der berufsmäßigen Pessimisten besser besucht, als wir erwartet hatten. Sehr wichtig schätzen wir eine erstmals vernünftig fundierte Werbeaktion ein, die wir bei der Hamburger Kaufmannschaft starten werden und deren Grundlage ein Sonderdruck unseres Mitteilungsblattes bildet, welches wir für die Hörer unserer Vorlesungen und unsere Freunde hergestellt haben. Es ist uns gelungen, hierfür den Hamburger Kultursenator Herrn Philipp, den Fachastronomen Herrn Prof. Dr. Dieckvoß und den Vorsitzenden der VdS, Herrn Dr. Frevert, mit Grußadressen einzuspannen. Damit werden wir einen Grundstein für spätere potentielle Freundschaften legen. Ein Spendenerfolg ist allerdings bei diesem ersten Auftritt kaum zu erwarten.
So weit so gut, aber andererseits müssen wir feststellen, daß der größte Teil der Mitglieder nicht bereit ist, dabei mitzuhelfen. Unsere Veranstaltungen sind, gemessen an der Mitgliederzahl, unzureichend besucht. Freiwillige Helfer, die den Vorsitzenden bei diesen Veranstaltungen unterstützen, haben wir nicht. Für die Sternführungen mittwochs auf dem Turm hat sich trotz zweimaliger Aufforderung im Nachrichtenblatt niemand gemeldet. Die noch offenen Sektionen bleiben weiter unbesetzt usw. Hätten wir genügen Geld, würden wir uns die benötigten Leute von den Vereinen in Berlin oder Bremen ausleihen.
Man muss sich unter diesen Umständen fragen, ob es überhaupt einen Sinn hat, Arbeitskraft und zusätzliche Geldausgaben an eine Sache zu hängen, die nach der zu vermutenden Meinung der meisten Mitglieder nur dem Vorstand selber nutzt. Oder sind Sie anderer Meinung?


In der gleichen Ausgabe wurde nochmals sowohl vom Geschäftsführer als auch vom Vorsitzenden die miserable Zahlungsmoral einiger Mitglieder massiv angeprangert. Teilweise kann man es auch als „Einprügeln auf die Mitglieder“ bezeichnen (15):

Zur voraufgegangenen Feststellung unseres Geschäftsführers scheinen mir noch einige Worte notwendig zu sein. Wenn 32 unserer Mitglieder übersehen haben, daß nach Erhöhung unserer Beitragssätze eine Differenzzahlung notwendig ist, so mag man das noch hinnehmen. Wenn aber weiter 28 Mitglieder, überhaupt nicht zahlen, obwohl ihnen bei unseren Mahnungen die Ohren geklungen haben müssen, kann man kaum noch von Vergeßlichtkeit reden. Die Mitgliedschaft bei uns ist doch kein Zwang, und wer sich bei uns nicht wohl fühlt, sollte sie kündigen. Nur nominelle Mitglieder, die weder zahlen, noch mitarbeiten, können wir uns nicht leisten, sie strapazieren unsere Nerven und kosten zusätzlich Zeit und Geld.

Aufgrund der Tatsache, dass durch die Beitragsausfälle dem Verein massiv Geld fehlte, konnten die Mitteilungen nur in verminderter Qualität erscheinen. Begründet wurde dies folgendermaßen (15):

Da wir nicht die Absicht haben, zu Lasten des kommenden Jahres Schulden zu machen, haben wir dieses Heft - Druckmaterial und Papier sind gespendet - mehr schlecht als recht selbst hergestellt. Da Wunder ebenso selten sind wie Mitarbeiter, müssen Sie schon in Kauf nehmen, daß es nicht nur verspätet erscheint, sondern auch gleich für den kommenden Monat gilt.

Nicht nur hinsichtlich der säumigen Beitragszahler, auch sonst war der Ton des Vorsitzenden gegenüber den Mitgliedern sehr viel rauer geworden. Hier prallten offenbar zwei Welten aufeinander: Einerseits Kochs massive Bemühungen, die GvA voranzutreiben, andererseits eine Mitgliedschaft, die dessen Weg nicht immer mitzugehen bereit war. Berücksichtigt man weiterhin, dass, wenn auch anfangs nur spärlich, immer mehr jüngere Mitglieder und solche mit moderneren Ansichten über die Vereinsführung in den Verein eintraten, so stand Max Koch schon nach ein paar Monaten seiner Regentschaft fast auf verlorenem Posten, wenn er nicht bereit war, seinen bisherigen Kurs zu ändern. Anfang 1971 schrieb er (16):

Das zweite Halbjahr 1970 forderte von der kleinen Schar unserer Aktiven ein gerütteltes Maß an Zeit und Arbeit; wir hatten Pannen, es mußte häufig improvisiert werden, wir mußten Risiken eingehen und schließlich wurde auch noch das Geld knapp. Wir haben das alles überstanden. Die zum Schluß etwas gereizte Atmosphäre hatte einer milden Denkart Platz gemacht, und unser Finanzminister wird sogar seine Reserve in das neue Jahr hinüberretten. Genau besehen können wir alles in allem sogar recht zufrieden sein, denn mehr hätte niemand in der knappen Zeit erreichen können. Wir werden daher 1971 den eingeschlagenen Weg fortsetzen und werden daher zusätzlich den beiden Aufgaben:

1.) Bau eines 24 cm-Spiegelteleskops unter Benutzung der uns zur Verfügung gestellten Montierung und des gestifteten Spiegels zur Einrichtung eines Sternwarten-Betriebes und
2.) Intensivierung unserer Jugendarbeit im Zusammenhang mit der Einrichtung von astronomischen Arbeitskreisen in den Hamburger Schulen

unsere erhöhte Aufmerksamkeit zuwenden. Unser Nachrichtenblatt wird nicht mehr unser gesamtes Beitragsaufkommen verzehren, weil wir es mit Hilfe einiger sachkundiger neuer Mitglieder weitgehendst in Eigenherstellung fertigen werden. Es wird allerdings zunächst nur sechsmal im Jahr erscheinen. Aus den verbleibenden Mitteln werden wir die Sektions-Veröffentlichungen und gelegentlich auch ein Referenten-Honorar finanzieren. Große Bedeutung messen wir der Werbung für unsere Veranstaltungen zu. Wir werden hier einige neue Wege beschreiten, rechnen aber damit, daß sich auch der Besuch durch unsere Mitglieder erhöht und daß es sich jeder von uns zur Ehrenpflicht macht, aus seinem Familien- und Bekanntenkreis jeweils einen Gast mitzubringen
.

Die Auseinandersetzungen in der GvA über den richtigen Kurs (übrigens absolut vergleichbar mit der Situation der „großen“ Politik, wo die CDU/CSU-Opposition gegen die beginnende Entspannungspolitik der SPD/FDP-Koalition, zu der die Öffnung der Bundesrepublik gegenüber Polen und der DDR gehörten, auf das Schärfste protestierte) war aber nicht das einzige Thema, das die Mitglieder beschäftigte. So geisterte in vielen Köpfen immer noch die Idee einer Volkssternwarte Hamburg herum und ab der Ausgabe März-April erschien das Mitteilungsblatt erstmals im DIN-A4-Format. Außerdem wurde in Hamburg vom 20. bis 25. April 1971 die Regionaltagung der Amateurastronomen Norddeutschlands, eine Gemeinschaftsveranstaltung der Vereinigung der Sternfreunde e.V. (VdS) und der GvA, mit Bravour durchgeführt. Das war die erste richtige Großveranstaltung, auf der nicht nur der Verein sich und seine Ziele vorstellte, sondern auch die Pläne für die Errichtung einer Volkssternwarte darlegte. Weitere Themen behandelten die „Probleme der in der Stadt wohnenden Amateur-Astronomen“ oder die „Astronomie in der Schule“. Zum weiteren Programm gehörte dann neben einem Besuch der Sternwarte Hamburg-Bergedorf eine Sternführung mit Vortrag, eine Hafenrundfahrt, ein Besuch von Hagenbecks Tierpark und auch ein Reeperbahnbummel (17).

In (18) schrieb Max Koch zu dieser Veranstaltung und den weiteren Vorhaben:
Nach der Turbulenz, die wir mit der „Regionaltagung der Amateurastronomen Norddeutschlands“ teils gerade hinter uns haben und teils gerade noch erleben, folgt, wie aus dem Studium des Terminkalenders ersichtlich wird, eine für die Angehörigen der GvA völlig ungewohnte Leere. Viele unserer Freunde werden das für die natürlichste Sache der Welt halten. Erstens ist es sowieso die Zeit, in der wir früher Sommerpause machten und das Erscheinen der Monatsschrift einstellten, und zweitens dürfte so werden sie meinen, der Kraftakt, den die relativ kleine Zahl unserer Aktiven mit der erfolgreichen Durchführung des Vorlesungsbetriebes und schließlich mit der Organisation und Durchführung der Tagung vollbracht hat, deren physische Reserven ziemlich aufgezehrt haben.
Aber der Schein trügt erheblich. Das Durchsetzen einer Idee ist ein verdammt hartes Geschäft, bei dem man sich weder Müdigkeit noch Pausen leisten kann. So ist auch die „Stille nach dem Sturm“ nur das äußere Erscheinungsbild, innen rumort es mit der gleichen Heftigkeit wie bisher weiter.
Denn folgende Fragen und Probleme sind möglichst kurzfristig zu behandeln und einer Lösung zuzuführen: Wann sollen unsere Vorlesungen und Seminare fortgesetzt werden, welche Themen sollen behandelt werden und wer wird sie vortragen? Wer beteiligt sich an der Ausarbeitung des Kassetten-Tonband-Programms für astronomische Arbeitskreise in den Schulen und wer bespricht die Bänder? Wer beteiligt sich an der Riesenarbeit der Erstellung einer Astronomie-Fibel für diese Arbeitskreise? Wer baut mit an unserem 23 cm-Newton, nachdem der Erhalt der Montierung von der Sternwarte Bergedorf sichergestellt ist und sowohl Spiegel als auch Montierung in absehbarer Zeit angeliefert werden?
Glauben Sie bitte nicht, daß diese Aufzählung vollständig ist. Wir meinen hiermit die vordringlichsten unserer Aufgaben genannt zu haben; aber schon morgen kann ein neues Problem auf uns zukommen, das noch vor diesen Dingen rangiert. Sollten sich unter unseren Mitgliedern noch einige Aktive entdecken lassen, die Spaß an einer tätigen Mitarbeit finden, wäre uns das hochwillkommen und würde uns helfen, die Vorhaben schneller und reibungsloser zu erledigen.“


Der Mangel an Aktivität bei den Mitglieder war damals wie heute immer schon ein großes Problem für die GvA, das bislang von keinem Vorstand je wirkungsvoll und nachhaltig gelöst werden konnte. Zwar gab es immer wieder Phasen, in denen die Aktivität hoch war, doch der Regelfall war das leider nicht. Max Koch begründete das seinerzeit folgendermaßen (19):
Unserer Gesellschaft gehört leider nur eine kleine Gruppe ernsthaft arbeitender Amateurastronomen an. Die überwiegende Mehrzahl unserer Mitglieder hat, vermutlich als Folge vielfacher anderweitiger Engagements wenig Interesse an einer gezielten astronomischen Betätigung. Infolgedessen fehlt ihr das Bedürfnis zur Aussprache mit anderen, zum Fachsimpeln und meistens der Auftrieb zur Erweiterung des eigenen Wissens. Das spiegelte sich deutlich am Besuch unserer Veranstaltungen wieder, bei denen wir schon von Erfolg sprechen konnten, wenn sich fünfzehn Prozent unserer Mitglieder unter den Anwesenden befand. Das ist keine Kritik, sondern nur eine nüchterne Feststellung, einer Tatsache, die man wissen muß. Schließlich ist die Mitgliedschaft bei uns weder an eine bestimmte astronomische Betätigung, noch an einen Mindest-Veranstaltungsbesuch gebunden. Ich erwähne sie auch nur deshalb, weil sie der Angelpunkt der Schwierigkeiten gewesen ist, die zu überwinden waren. Sie schuf denn auch einen Teufelskreis voneinander abhängiger Bedingungen, der sich nicht durchbrechen ließ. Mit unseren von fünfzehn bis fünfundzwanzig Mitgliedern besuchten Veranstaltungen konnten wir kaum neue Mitglieder werben. Ohne neue Mitglieder aber war es nicht möglich, die Veranstaltungen stärker zu füllen. Auch den Einsatz von Referenten mit klingenden Namen konnten wir nicht wagen, weil wir ihnen kein ausreichendes Auditorium hätten vorsetzen können. Die Hoffnung, die Fünfzehnprozent-Hürde bei den Besucherzahlen durch attraktive Themen und ausführliche Vorbesprechungen in den Monatsmitteilungen zu überspringen erwies sich als trügerisch. Sogar die tapferen Kämpen, welche die Hauptsversammlungen während des Ringens um die Satzung auf bis zu vierzig Prozent des Mitgliederbestandes anschwellen ließen, blieben unsichtbar.
Als dann noch die Austritte der mit dem neuen Kurs Unzufriedenen bekannt und die Mitgliederzahl einen Tiefstand erreichte, schien das Schicksal der GvA in einer Großstadt eine hinterdörfliche Vereinigung zu bleiben, besiegelt zu sein. In dieser Situation gelang es, mit der Abhaltung von astronomischen Vorlesungen und Seminaren wieder nach vorn zu kommen. Zwar misslang der angestrebte Anschluß an die Volkshochschule aus nicht einkalkulierbaren Zeitgründen und wir mußten für dieses Vorhaben eine recht primitive Werbung mit selbstabgezogenen Zetteln betreiben, aber der Vorlesungsbetrieb erhielt Zulauf und klappte. Hier gelang auch, was uns bei anderen Veranstaltungen versagt blieb. Wir konnten neue Mitglieder gewinnen und die erlittene Schlappe mehr als ausgleichen.
Die bescheidenen Zuhörerzahlen konnten uns nicht abhalten, unsere Veranstaltungen regelmäßig zweimal im Monat durchzuführen
(gemeint sind die öffentlichen Vorträge im Planetarium, jeweils mittwochs, die seinerzeit schon als „Klöhnsnack“ bezeichnet wurden, später aber nur noch einmal am Monatsende durchgeführt wurden, Anm. d. Verf.). Die Qualität der Vorträge war ausreichend bis sehr gut. Bei einigen wenigen hätte man sich allerdings eine größere rednerische Erfahrung des Vortragenden gewünscht.
Das Thema Volkssternwarte und die Gründung des Vereins Kuratorium Volkssternwarte wurde mit Billigung des erweiterten Vorstandes wegen Mangel an Dringlichkeit und wegen der Priorität unserer anderen Probleme zunächst zurückgestellt.
Der erwähnte Mangel an ernsthaften Amateurastronomen in unserer Vereinigung hat einige Sorgen bei der Einrichtung der in der Satzung vorgesehenen Sektionen verursacht. Die Besetzung der Ämter der Sektionsleiter konnte nur zögernd erfolgen und wichtige Gebiete waren bei Jahresschluß noch nicht besetzt.


In den kommenden Monaten wurde der Aufbau der GvA durch die energische Hand Max Kochs weiter fortgesetzt. Koch, der nicht nur die Sektion Fixsterne, sondern auch die Jugendgruppe leitete, übergab am 11. November 1971 diese Aufgabe an die Angehörigen der Jugendgruppe, was im Hinblick auf die kommenden Ereignisse der Jahre 1972 und 1973 besondere Erwähnung verdient:

In einer Diskussion wurde verabredet, daß auf einem Treffen am 9. Dezember (1971, d. Verf.) die neue Jugendgruppe aus der Taufe gehoben werden sollte. Zu der ersten Zusammenkunft kamen 10 Mitglieder und ein Gast aus Oldenburg! Nach einer Besprechung der technischen Probleme wurde folgendes abgemacht: Die Jugendgruppe verwaltet sich selbst und wird eigene Sektionsabende veranstalten; sie kann mit dem vom Planetarium und der GvA zur Verfügung gestellten Instrumenten beobachten (dies wurde inzwischen schon oft getan). Dem Leiter der Gruppe wurden Schlüssel für die Eingangstür, den GvA-Schleifraum und die Beobachtungsplattform übergeben. Dadurch ist die GvA-Jugendgruppe weitgehend unabhängig und kann sich auch außerhalb offizieller Veranstaltungen treffen (dies wurde ebenfalls schon durchgeführt). Nach einer Wahl wurde der Unterzeichnende (Thilo von Heydekampf, Anm. d. Verf.) zum Repräsentanten der Jugendgruppe bei den erweiterten Vorstandssitzungen bestimmt (20).

Nach nur zwei Jahren Amtszeit trat Max Koch dann am 12. April 1972 als Vorsitzender der GvA zurück, eigentlich, um sich verstärkt dem Ausbau der Feriensternwarte Cuxhaven - hier wohnte er bereits seit ein paar Monaten - und dem Aufbau einer dortigen GvA-Gruppe zu kümmern. Gleichzeitig trat auch der Geschäftsführer Bruno Asmus von seinem Amt zurück, da er aus beruflichen Gründen Hamburg verlassen musste. Auf der Hauptversammlung vom 12. April 1972 wurde dann Andreas Saul zum Vorsitzenden und Jörn-Ulrich Napp auf Wunsch Kochs zum Geschäftsführer gewählt. Damit jedoch wurde die nächste dramatische Situation in der noch jungen GvA eingeleitet. In welchem Zusammenhang die selbständig gewordene Jugendgruppe mit dem Projekt „Volkssternwarte Hamburg“, die sog. „Napp-Hasenbruch-Ära“, stand, warum Andreas Saul schon nach einem Jahr sein Amt als Vorsitzender wieder aufgab, warum Koch sich als wiedergewählter Vorsitzender kurzerhand der „revoltierenden Jugend“ durch Rauswurf aus dem Verein zu entledigen versuchte, das werden wir im 3. Teil dieser Serie behandeln.

Quellenangaben:
(1) B. Asmus: Achtung!, Mitteilungen des Vereins Hamburger Sternfreunde e.V. Nr. 12/1969, S. 2
(2) Geschäftliche Mitteilungen, Mitteilungen des Vereins Hamburger Sternfreunde e.V. Nr. 1/1970, S. 2
(3) Das Ergebnis der HAUPTVERSAMMLUNG, Mitteilungen des Vereins Hamburger Sternfreunde e.V. Nr. 2/1970, S. 2
(4) Die Hauptversammlung, Mitteilungen des Vereins Hamburger Sternfreunde e.V. Nr. 3/1970, S. 2
(5) Andreas Saul: Dabei fällt mir ein..., Sternkieker Nr. 141 (2/1990), S. 73
(6) Max Koch, Mitteilungen, Nachrichtenblatt der Gesellschaft für volkstümliche Astronomie e. V, Hamburg, 6/1970, S. 9
(7) Max Koch: Öffentliche Mahnung! Mitteilungen, Nachrichtenblatt der Gesellschaft für volkstümliche Astronomie e. V, Hamburg, 9/1970, S. 3
(8) Unsere Situation: Mitteilungen, Nachrichtenblatt der Gesellschaft für volkstümliche Astronomie e. V, Hamburg, 9/1970, S. 3-4
(9) Beobachtungen auf dem Turm des Planetariums, Mitteilungen, Nachrichtenblatt der Gesellschaft für volkstümliche Astronomie e. V, Hamburg, 9/1970, S. 3-4
(10) Mitteilungen, Nachrichtenblatt der Gesellschaft für volkstümliche Astronomie e. V, Hamburg, 9/1970, S. 2-3
(11) Mitteilungen, Nachrichtenblatt der Gesellschaft für volkstümliche Astronomie e. V, Hamburg, 9/1970, S. 8-9
(12) Max Koch: Zur Beachtung! Mitteilungen, Nachrichtenblatt der Gesellschaft für volkstümliche Astronomie e. V, Hamburg, 10/1970, S. 2
(13) Max Koch: Waren wir überheblich? Mitteilungen, Nachrichtenblatt der Gesellschaft für volkstümliche Astronomie e. V, Hamburg, 10/1970, S. 2-3
(14) Max Koch: Ein kleiner Erfolgsbericht mit Haken, Mitteilungen, Nachrichtenblatt der Gesellschaft für volkstümliche Astronomie e. V, Hamburg, 11-12/1970, S. 1-2
(15) Max Koch: Zum Nachdenken, Mitteilungen, Nachrichtenblatt der Gesellschaft für volkstümliche Astronomie e. V, Hamburg, 11-12/1970, S. 4-5
(16) Max Koch: Rückblick und Vorschau, Mitteilungen, Nachrichtenblatt der Gesellschaft für volkstümliche Astronomie e. V, Hamburg, 1-2/1971, S. 2
(17) Einladung und Programm zur Regionaltagung der Amateurastronomen Norddeutschlands
(18) Max Koch: Die Ruhe nach dem Sturm, Mitteilungen, Nachrichtenblatt der Gesellschaft für volkstümliche Astronomie e. V, Hamburg, 5-6/1971, S. 2
(19) Max Koch: Die Lage der Gesellschaft für volkstümliche Astronomie e.V., Hamburg, Mitteilungen, Nachrichtenblatt der Gesellschaft für volkstümliche Astronomie e. V, Hamburg, 7-8/1971, S. 1-4
(20) Thilo von Heydekampf: Jugendgruppe, De Sternkieker 3-4/1972, S. 34-35


zurück zur Übersicht
© Manfred Holl, Impressum