40 Jahre GvA - Der Beginn

Zitatensammlung aus den ersten Mitteilungen Es war in dem Jahr, als mit Juri Gagarin erstmals ein Mensch in den Weltraum flog, als in Berlin die Mauer errichtet wurde, John F. Kennedy sein Amt als Präsident der USA antrat und in Bonn schon 12 Jahre lang Bundeskanzler Konrad Adenauer regierte, der unlängst vom ZDF als „bester Deutscher“ ausgezeichnet wurde: 1961..

Einige Hamburger Mitglieder der damals schon bundesweit etablierten „Vereinigung der Sternfreunde“ VdS trafen sich nach den Kursen an der Volkshochschule und diskutierten über die Möglichkeiten der Gründung eines eigenen Astronomievereins. Was damals alles besprochen wurde, wo genau man sich traf, oder wer warum zuerst den Wunsch nach einem Hamburger Verein geäußert hatte, das lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren. Möglicherweise haben seinerzeit auch Kontakte zum Vollmondkränzchen, einem Treffen von Amateurastronomen an der Hamburger Sternwarte, eine Rolle gespielt. Um einen mehr oder minder tiefen Einblick in die Gründerzeit unseres Vereins zu gewinnen, sind in diesem Artikel vorwiegend die „Geschäftlichen Mitteilungen“ aus den seit April 1964 erscheinenden „Mitteilungen des Vereins Hamburger Sternfreunde (VHS)“, dem Vorläufer des heutigen Sternkiekers, als Originalzitate wiedergegeben.

Was die ersten Jahre des VHS angeht, so liest sich das 1964 so (1): .
Vor drei Jahren, am 30.01.61, beschlossen einige Hamburger VHS-Mitglieder, sich regelmäßig zu treffen, um Beobachtungen und Erfahrungen auszutauschen. Dies war die Geburtsstunde unserer AHS (Arbeitsgemeinschaft Hamburger Sternfreunde), des jetzigen Vereins Hamburger Sternfreunde e. V.

Unsere Treffen fanden regelmäßig (mit Ausnahme der Sommermonate Juli, August und September) an jedem ersten Dienstag im Monat von 20-22 Uhr im Heinrich-Hertz-Gymnasium, Grasweg 72, statt. Dort ist uns von der Hamburger Schulbehörde ein Klassenraum gegen Erstattung der Unkosten zur Verfügung gestellt worden.

Unsere Mitglieder sind zum größten Teil auch Mitglieder der VdS. Selbstverständlich sind bei uns aber auch alle sonst astronomisch Interessierten gern gesehen. Fünf unserer Mitglieder waren auf der Versammlung der VdS in Köln. Folgende Vorträge wurden 1963 gehalten:

1. Praktische Durchführung von Halobeobachtungen (Albers)
2. Das Schleifen astronomischer Spiegel (Dr. Wenske)
3. Der Aufbau des Atoms (Blazek)
4. Kernphysik (Blazek)
5. Beobachtung von Doppelsternen (Pakull)
6. Interessante spektroskopische Doppelsterne (Pakull)
7. Einführung in die Relativitätstheorie (Bierhenke)
8. Eine Fahrt ins Land der Mitternachtssonne (Hagge).

In der Zusammenkunft im Januar wurde beschlossen, künftig noch mehr als bisher den Austausch von Beobachtungen und Anregungen zu fördern; es ist die Bildung von Arbeitsgruppen geplant. Wir hoffen, daß wir mit unserer Tätigkeit auch 1964 wieder dazu beitragen können, das Interesse an der Astronomie in unserer Heimatstadt weiter zu wecken. Inzwischen wurde aus der lockeren Arbeitsgemeinschaft ein eingetragener Verein mit festem Mitgliederstamm gebildet. Das Fernziel unserer Bemühungen wird auch weiterhin die Einrichtung einer Volkssternwarte in Hamburg sein, ein Plan, der schon lange besteht, dem sich aber immer wieder Schwierigkeiten in den Weg gestellt haben.


Drei Jahre später, 1964, als in Bonn Ludwig Erhard als zweiter Kanzler der Bundesrepublik regierte, in der DDR „Spitzbart“ Walter Ulbricht als Vorsitzender des Staatsrates der DDR das Zepter in der Hand hielt, Lyndon B. Johnson US-Präsident war, in der UdSSR Leonid Breschnew für den gestürzten Nikita Chruchtschow die Macht übernahm, die amerikanische Mondsonde RANGER 7 erstmals hochaufgelöste Bilder vom Mond und MARINER IV ebensolche vom Mars zur Erde sandte und die Sowjetunion mit Wladimir Kamarow, Boris Jegorow und Konstantin Feoktistow in WOSCHOD 1 erstmals gleich drei Kosmonauten in einem Raumschiff ins All beförderte, war es dann soweit.

In (2) heißt es dazu:
Schon seit längerer Zeit wurde über den festen Zusammenschluß der in der Arbeitsgemeinschaft Hamburger Sternfreunde tätigen Teilnehmer diskutiert. Die letzte Zusammenkunft stand daher ganz im Zeichen der Gründung des Vereins Hamburger Sternfreunde und den mit der Eintragung in das Vereinsregister des Hamburger Amtsgerichtes zusammenhängenden Fragen. Besonderer Dank gebührt hierbei Herrn Wilken, der sich dieser Fragen annahm und an diesem Abend die von dem Amtsgericht genehmigten Satzungen zur Beschlussfassung vorlegen konnte, die dann nach Durchsprechung von allen Anwesenden ohne Änderung gebilligt wurden. Gemäß der Tagesordnung erfolgte die Wahl der Vorsitzenden (Herren H. Hagge und D. Wilken) und des Protokollführers (Herrn E. Sixt), die in ihren bisher ausgeübten Tätigkeiten nun noch formell bestätigt wurden. Alle Mitglieder, denen es nicht möglich sein wird, an der nächsten Zusammenkunft teilzunehmen, bitten wir, das diesem Mitteilungsheft beliegende Anmeldefomrular ausgefüllt und unterschrieben an die Geschäftsstelle (...) einzusenden, da mit dem Mai-Heft ein neues gedrucktes Mitgliederverzeichnis herausgegeben wird. Der Abdruck der Satzungen vom 3. März 1964 ist ebenfalls für das nächste Mitteilungsblatt vorgesehen. Bei dieser Gelegenheit sei nochmals auf unsere nächste Zusammenkunft hingewiesen:

Dienstag, 14. April 1964 - 19.30 Uhr: Heinrich-Hertz-Gymnasium, Grasweg 72, U-Bahn Borgweg:

1. Aussprache und Berichte über Beobachtungen.
2. Herr D. Wilken, VdS, wird Farblichtbilder seiner Weltreise vom September-Oktober 1963 zeigen.

Zukünftig werden auf Wunsch der meisten Mitglieder die Zusammenkünfte an jedem 2. Dienstag des Monats abgehalten. Auch die Anfangszeit ist auf allgemeinen Wunsch um eine halbe Stunde früher, auf 19.30 Uhr, vorverlegt worden.


In der kommenden Ausgabe wurde dann in der Tat die Satzung, die sich in den wichtigsten Punkten nicht wesentlich von der heutigen unterscheidet, veröffentlicht. Interessant sind dabei vor allem die satzungsgemäßen Ziele, die doch ein wenig anders sind als die heutigen(3). So heißt es in § 2 (Ziele des Vereins), Absatz 2:

Der Verein erstrebt den Bau der Volkssternwarte in Hamburg und einer Feriensternwarte in der Lüneburger Heide.

Beide Ziele sind später entweder notgedrungen (Verbot des Betreibens einer Volkssternwarte durch die Kulturbehörde im Jahr 1973) fallengelassen oder nie realisiert worden. Was die Feriensternwarte in der Heide angeht, so ist als Querverweis interessant, dass es in den Anfangstagen des VHS regelmäßig Nachtwanderungen in die Lüneburger Heide, teils zum Wilseder Berg, teils in der Umgebung von Ober- und Niederhaverbeck (Hof Barrl), gegeben hat und man damals mit dem letzten Bus aus Hamburg dorthin gefahren ist.

In Absatz 3 geht es weiter:
Der Verein sieht seine Aufgabe darin, auf den astronomischen Unterricht unserer Schulen einzuwirken und das Interesse an der Astronomie in unserem Raum durch die Presse in Verbindung mit dem Planetarium, der Volkshochschule und der Sternwarte zu beleben.

Beinahe grenzenloser Optimismus und Idealismus sprechen aus diesen Zeilen. Idealismus, der heute, ebenso wie die Verbindung zum Planetarium, die durch Hans Hagge schon seit den Anfangstagen des Verein mehr oder minder lose bestand, leider verloren gegangen ist. Doch auch das Vereinsleben an sich war damals ein völlig anderes, wie man in (4) nachlesen kann:

Zum ersten mal waren die Mitglieder durch unser Mitteilungsblatt eingeladen. Zum Beginn des Treffens zeigte Herr Hagge eine Aufnahme von der VdS-Tagung in Köln, die zwei unserer Mitglieder neben dem Vorsitzenden der VdS, Herrn Dr. Stein, Bremen, und unserem „Bauernastronom“, Herrn Johann Kern aus dem Spessart, zeigte. Das Begleitschreiben hatten wir im Maitreffen vorgelesen.

Da Herr Sixt fehlte, wurde das Protokoll der März-Versammlung nicht verlesen...
Herr Wilken ließ uns durch die Vorführung sehr schöner Farbbilder die Eindrücke seiner Reise um die Erde nacherleben. Wir sahen die Wolkenkratzer New York´s, aber auch die Kehrseite dieser reichen Stadt, das Chinesen- und das Elendsviertel. Der riesige Niagarafall setzte uns in Erstaunen, den schönen Badestrand bei Chikago hatten wir nicht erwartet. Die Mammutbäume Kaliforniens und die gewaltige Brücke über den Golden Gate in San Francisko mußten wir bewundern, ebenso die Schönheit der Hawaii-Inseln. Der unheimliche Ausbruch der MAUNA LOA, sowie sein Lavastrom ließen uns die Schrecken eines Vulkanausbruchs ahnen. Die Welt der Maoris kam uns sehr fremd vor. Japan zeigte sich in seiner Farbenpracht als ein sehr dankbares Land für Farbenphotographie. Thailand überraschte uns mit seinen riesigen Buddha-Figuren und Vorder-Indien zeigte die Marmorpaläste der Maharadschas. Als letztes Bild sahen wir eine originelle Waschanstalt in Bombay. Weil Herr Wilken es verstand, durch passende verbindende Worte seine Aufnahmen zu beleben, wurde ihm am Schluß ein lebhafter Beifall gespendet, und mancher der Anwesenden wäre sicher gern mit ihm gefahren. Da der Vortrag den ganzen Abend ausfüllte, fand keine Aussprache statt. Sie kann in der Mai-Versammlung nachgeholt werden (H.Hagge).

Unsere nächste Zusammenkunft:
Dienstag, 12. Mai 1964 - 19.30 Uhr: Heinrich-Hertz-Gymnasium, Grasweg 72, zu erreichen mit der U-Bahn bis Borgweg:

1. Aussprache über Beobachtungen, Mitteilungen über einen geplanten Besuch der Sternwarte und über einen Experimental-Vortrag (Spektralanalyse)
2. Die Volkshochschule veranstaltet am 10. Mai 1964 im Planetarium um 11.30 Uhr einen Vortrag (Präzession), zu dem unsere Mitglieder eingeladen sind (D. Wilken).


Das obige Textbeispiel gewährt uns einen tiefen Blick in den Verein jener frühen Tage. Er war geprägt durch eine durchgehend konservative Grundhaltung und traditioneller „Vereinsmeierei“, geführt vorwiegend durch ältere Sternfreunde wie dem beinahe 80-jährigen Hans Hagge. Das Vorlesen des letzten Protokolltreffens war sicherlich eine der aus heutiger Sicht starren Formalismen, die eher bei Vorstandssitzungen üblich sind, nicht aber bei regulären Vereinstreffen. Man stelle sich das heute mal beim Klönsnack oder dem GvA-Treff vor!

Die GvA, wie der VHS, sind und waren immer ein Spiegel ihrer Zeit. So fand sich in den Anfangstagen althergebrachtes Gedankengut, beispielsweise in Form eines übertrieben erscheinenden Formalismus, wie die Protokollführung bei jedem Treffen. Der Text ist aber andererseits auch ein wunderschönes Indiz dafür, welche Themen auf den Zusammenkünften angesprochen wurden und welche Aktivitäten die damaligen Mitglieder entfalteten. Und noch eines wird deutlich: Die VHS-Mitglieder fühlten sich der VdS weit stärker verbunden, als das heute der Fall ist, was auch logisch ist angesichts der Tatsache, dass der überwiegende Teil der VHS-Mitglieder aus den Reihen der VdS stammte.

Aber es wurde nicht nur theoretisiert, auch die Planung von gemeinsamen Beobachtungen stand auf dem Programm (5):

Das Hauptthema des Juni-Treffens war die am 25. Juni stattfindende totale Mondfinsternis. Herr Hagge zeigte sehr verständlich, wie man mit einer zeichnerischen Lösung die Zeiten des Ein- und Austrittes annähernd genau bestimmen kann. Dazu muß man die von den Astronomen berechneten Elemente der Finsternis kennen. Die erreichbare Genauigkeit hängt natürlich bei dieser Lösung von dem Maßstab der Zeichnung ab. Doch sogar die von Herrn Hagge aufgrund seiner Zeichnung im kleinen Maßstab gefundenen Zeiten ergaben gegenüber den exakten astronomischen Angaben nur geringe Differenzen (N. Anders).

Die folgende Ankündigung für eine Nachtwanderung der VHS-Mitglieder findet sich in (6):
Bei günstigem Wetter wird unter der Führung von Herrn Hagge eine Nachtwanderung nach dem Wilseder Berg stattfinden. Wir bitten vorzumerken: 12. September 1964 - 19.00 Uhr, Abfahrt von Hamburg-ZOB mit dem Bus der DB nach Nieder-Haverbeck, 20.28 Uhr Ankunft. Um Mitternacht Ankunft am Wilseder Berg. Rückkehr beliebig. Wir schlagen vor, am Sonntag um 6.40 Uhr von Egestorf mit dem Postauto zurückzufahren, Ankunft an Hamburg-ZOB um 8.20 Uhr. (Fahrkosten 5,80 DM und 4,40 DM.) Wir empfehlen warme Kleidung für die Nacht! (Taschenlampe, Sternkarte) (D. Wilken).

Mal ganz abgesehen davon, das Nachtwanderungen heute eher an alte Pfadfinderzeiten oder Jugendlager erinnern und eine derartige Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln heute nahezu undenkbar erscheint, ist allein die Tour von Niederhaverbeck zum Wilseder Berg recht lang und der anschließende Weg nach Egestorf nicht minder kürzer. Wenn diese Nachtwanderung so stattgefunden hat, war es neben der Beobachtung auch eine beachtliche sportliche Leistung für die nicht immer jugendlichen VHS-Mitglieder: Eine besondere Art des astronomischen Gruppenerlebnisses Mitte der 60er Jahre. Einen Eindruck einer solchen Nachtwanderung kann man übrigens unter (7) gewinnen.

Hauptversammlungen gehören nach wie vor zu den großen Veranstaltungen im Vereinsleben. Und so wurde in (8) über die 1. HV unter dem Namen VHS wie folgt berichtet:

„Liebe Sternfreunde!“
Allen Teilnehmern der letzten Hauptversammlung möchte ich nochmals nachträglich für das so positive Echo danken, das meine Ausführungen über die Lage unseres Mitteilungsblattes gefunden haben. Dieser Ausgabe haben wir daher die erforderlichen Unterlagen wie Anzeigenpreislisten, Auftragszettel etc. beigelegt, die zur Einholung der neuen Aufträge im eigenen Betrieb und bei Geschäftsfreunden dienen sollen. Hierzu möchte ich Ihnen und damit unseren Monatsheften viel Erfolg wünschen.

Die zum 14. Januar
(1965, Anm. d. Verf.) angesetzte Hauptversammlung verlief unter der regen Beteiligung der großen Zahl unserer Mitglieder recht harmonisch. Die vom Vorstand vorgeschlagene Satzungsänderung (§ 3/5) nach der zukünftig wie in anderen Vereinigungen der Austritt nur nach vorheriger vierteljährlicher Kündigung zum Jahresende möglich ist, wurde von der Versammlung angenommen. Neben einigen von den Mitgliedern angeregten Vorschlägen zur Gestaltung unserer monatlichen Zusammenkünfte, verdienen die in Aussicht genommenen öffentlichen Sternführungen durch Mitglieder unseres Vereins besondere Beachtung. Vom 1. März (1965, Anm. d. Verf.) an werden an jedem klaren Abend (montags bis freitags) Sternführungen im Stadtpark stattfinden, zu denen die Hamburger Bevölkerung durch Hinweise in den lokalen Teilen Hamburger Zeitungen eingeladen wird. Die Führungen haben übernommen:

montags: Herr Goebel
dienstags: Herren Pauls und Främcke
mittwochs: Herr Hagge
donnerstags: Herr Sieglohr
freitags: Herr Lille.

Treffpunkt jeweils 20.00 Uhr am U-Bahnhof Borgweg (Feldstecher soweit vorhanden mitbringen). Der Jahresbeitrag 1965 wurde von der Versammlung auf 6 DM festgesetzt. Freiwillige Spenden sind zur Finanzierung unserer Veröffentlichungen sehr erwünscht. Der vom Vorstand in der Jahresabrechnung nachgewiesene Überschuß wurde von den gewählten Kassenprüfern, Frau Sennewald und Herrn Krüger, nach Revision bestätigt. Dem Vorstand wurde damit Entlastung erteilt.

Unsere nächste Zusammenkunft: Dienstag, 11. Februar 1965 - 19.30 Uhr: Heinrich-Hertz-Gymnasium, Grasweg 72, zu erreichen mit der U-Bahn bis Borgweg:

1. Unsere Fotografen zeigen ihre Aufnahmen
2. Gedankenaustausch über Beobachtungen, besondere Ereignisse, Literatur etc.
3. Allgemeines

In den folgenden Jahren beschränkten sich die „Geschäftlichen Mitteilungen“ ausschließlich auf die Bekanntgabe von Terminen und Treffpunkten. Dafür wurden fortan die jährlichen Berichte zu den Hauptversammlungen ausführlicher gestaltet und bilden für uns nun eine einzigartige Informationsquelle der damaligen Vereinsaktivitäten, so auch für das Jahr 1967 (9):

Die ordnungsgemäß einberufene und damit beschlussfähige Jahreshauptversammlung wurde von Herrn Hagge als 1. Vorsitzenden mit einem Jahresrückblick eröffnet. Der Mitgliederzuwachs war mit nahezu 30 % erfreulich, erfüllte aber dennoch nicht unsere Absicht, weite Bevölkerungskreise für die Astronomie zu interessieren.

Um den Bau einer Volkssternwarte einer Verwirklichung näher zu bringen, wurden von Vereinsmitgliedern weitreichende Baupläne entworfen. Bei Gesprächen mit Vertretern der zuständigen Behörden ließ sich eine erfreuliche Aufgeschlossenheit unseren Absichten gegenüber erkennen.

Die finanzielle Situation (des VHS, Anm. d. Verf.) hat sich soweit gefestigt, daß auch das vergangene Jahr mit einem Aktivsaldo abschloß. Es zeigte sich deutlich der Wert und die Bedeutung der zusätzlichen Spenden. Erst sie setzten den Verein in die Lage, das Monatsheft zu erhalten und auswärtige Referenten für Vereinsabende einzuladen. Leider sind einige Mitglieder mit der Zahlung ihres Jahresbeitrages 1966 immer noch im Rückstand.

Die Versammlung dankte dem Vorsitzenden, allen Helfern und vor allem Herrn Böning für seine selbstlose Arbeit zur Auslieferung der Monatshefte. Leider lässt sich ihr Umfang nur von Fall zu Fall auf acht Seiten erweitern. Dagegen ergab ein Kostenvoranschlag der Druckerei, daß eine größere Auflage verhältnismäßig preisgünstiger liegt, die dann als Werbeträger für den Verein wertvolle Dienste leisten könnte.

Die Versammlung stimmte dem Vorschlag zu, den Jahresbeitrag weiterhin bei nur DM 6,-- zu belassen, um allen finanziell nicht so gut gestellten Sternfreunden die Mitgliedschaft zu sichern. Die wachsenden Aufgaben des Vereins können aber in der Zukunft nur gelöst werden, wenn die Spenden die Höhe des Betrages 1966 möglichst noch übersteigen.

Herr Hudemann und Herr Sixt wurden als Kassenprüfer bestellt. Es ist vorgesehen, in der Februarversammlung dem Vorstand Entlastung zu erteilen In der Aussprache wurden verschiedene Vorschläge zur Aktivierung unserer Beobachtungstätigkeit gemacht:

1. Nach dem Vorschlag von Herrn Heinrich im Dezemberheft haben sich sechs Mitglieder bereit erklärt, je eine kleine Gruppe an ihrem eigenen Gerät in die Praxis der Himmelsbeobachtung einzuführen. Es sind dies die Herren Anders, Dr. Derlin, Goebel, Hudemann, Lindhorst und Sieglohr.

2. Die Wiederaufnahme der abendlichen Sternführungen im Stadtpark soll in der Februarversammlung geordnet werden.

3. Es wurde angeregt, eine Arbeitsgruppe „Volkssternwarte Hamburg“ zu bilden, die versuchen soll, möglichst bald mit den z. Zt. Verfügbaren Geräten (z. B. des Planetariums) eine praktische Öffentlichkeitsarbeit an Fernrohren aufzunehmen.

Schließlich wurde die Wahl eines Mitgliedes in den Vorstand als Geschäftsführer zur Diskussion gestellt. Die Hauptversammlung im Januar 1968 soll über diesen Vorschlag entscheiden (N. Anders).


Am 11. Januar 1968 wurde dann ein neuer Vorstand gewählt, mit Werner Schindler, dem bisherigen 2. Vorsitzenden, der leider im Jahr darauf verstarb, als 1. Vorsitzenden. Hans Hagge, der Gründer des Vereins, war nach vereinsinternen Querelen zurückgetreten, bzw. abgewählt worden. 2. Vorsitzender wurde Bruno Asmus (10).

Damals schrieb der neue Vorsitzende in (11):
Der Bericht über die Jahreshauptversammlung im Februarheft hat Sie davon in Kenntnis gesetzt, daß ein neuer Vorstand für die nächsten zwei Jahre die Vereinsleitung übernommen hat. Nachdem in den vergangenen Wochen die Vereinsunterlagen nach und nach dem neuen Vorstand übergeben worden sind, kann mit einem neuen Arbeitsabschnitt begonnen werden. Nachdem weiter in der Mitgliederversammlung im Februar noch einmal Gelegenheit gegeben war, in ausführlicher Weise zu dem Ausgang der Vorstandswahl Stellung zu nehmen, ist das Vergangene abgeschlossen. Vorbehaltlos muss es jetzt an die neue Arbeit gehen. Ab März wird die monatliche Mitgliederversammlung an einem neuen Ort stattfinden. Diese Tatsache soll gleichzeitig der sichtbare Ausdruck dafür sein, daß sich auch der Stil unserer Zusammenkünfte ändern wird. Von der Schulstubenatmosphäre befreit, wird den immer wieder geäußerten Wünschen der Mitglieder nach mehr unmittelbarer Hilfe, Informationen und Gesprächen in größerem Maße Rechnung getragen werden. Kommen Sie also, die Sie bis jetzt selten oder noch nie gekommen sind, am 14. März in die Erikastraße 41! (Klubraum der Schule, Anm. d. Verf.)

In der Öffentlichkeitsarbeit beginnt der Vorstand mit intensiven Vorbereitungen, um endlich in der Frage der Volkssternwarte aus der bislang geübten großen Zurückhaltung herauszukommen. Natürlich soll auch auf den Gebieten, in denen die Öffentlichkeit bereits angesprochen wurde, ein Ausbau versucht werden. Alle Bemühungen des Vorstandes werden aber wenig wirksam sein, wenn nicht die große Mehrzahl der Vereinsmitglieder tatkräftig mithilft.

Das Projekt „Volkssternwarte Hamburg“ wurde in den kommenden Jahren zu einem zentralen Thema im VHS, wie Werner Schindler in (12) schreibt:

Die ersten Monate des Jahres 1968 brachten eine Reihe von bemerkenswerten Veränderungen in unserem Vereinsleben: Ein neuer Vorstand übernahm die Vereinsleitung, die Satzungen wurden geändert, unsere Jugendgruppe nahm ihre praktische Arbeit auf, in einer für den Verein verhältnismäßig großen Werbeaktion wurden Staat und Wirtschaft über unsere Volkssternwartenpläne unterrichtet, in der Sternwarte Bergedorf begann mit großzügiger Unterstützung aller dort zuständigen Herren eine Arbeitsgruppe mit Astrophotographie am sog. Ur-Schmidt, nach zwölfmonatigen Verhandlungen konnte die mietfreie Überlassung einer Spiegelschleifwerkstatt (im Wasserturm im Stadtpark, Anm. d. Verf.) überlassen werden, und schließlich wurde in der ersten Pressekonferenz des Vereins die Öffentlichkeit über unsere Ziele informiert. Dabei wurde aus den Fragen der Pressevertreter deutlich, daß unser eigenes Wirken über den Verein hinaus von entscheidender Bedeutung ist. Aus diesem Grunde muß in dem kommenden Abschnitt unbedingt versucht werden, die Öffentlichkeitsarbeit wesentlich zu verstärken.

Der Vorstand beabsichtigt, im Oktober die Presse und den Rundfunk über die Tätigkeit des Vereins zu informieren, um damit dem Gedanken der Volkssternwarte Auftrieb zu geben. Das wird aber nur wirksam sein, wenn wir eine stattliche Anzahl von Vorhaben ankündigen können. Die bisherigen Veranstaltungen (Fernrohrbeobachtungen mittwochs auf dem Wasserturm, Sternführungen montags, dienstags und donnerstags im Stadtpark) sollen erweitert werden; so. z. B. die Fernrohrbeobachtungen sonntags zwischen den Planetariumsvorträgen (Sonnenbeobachtung) und Sternführungen auch freitags im Stadtpark und u. U. auch an anderen geeigneten Orten. Dafür brauchen wir viele Mitarbeiter!

Wir brauchen auch noch in anderer Hinsicht Unterstützung. Nachdem durch übermäßige berufliche Belastung der vorgesehene Leiter der Spiegelschleifwerkstatt seine Aufgabe nicht übernehmen kann und unser hervorragendster Spezialist aus gesundheitlichen Gründe nicht dazu in der Lage ist, suchen wir einen neuen Fachmann, der dieses Amt übernimmt. Ferner brauchen wir die Hilfe von Gönnern, die uns bei der Inbetriebnahme der Werkstatt unterstützen und zwar indem sie

1. beim Einrichten mit zupacken und
2. mit ihrem Kraftfahrzeug notwendige Transporte unternehmen oder indem sie
3. Einrichtungsgegenstände stiften wie z. B. Tische, Stühle, Eimer, Wannen, Schalen, Regale, Kabel, Verteilerdosen, elektrische Heizung, Werkzeug, Holz (starke Bretter), Blech, Schrauben, Nägel etc.
Der Vorstand kann wohl die Belange der volkstümlichen Astronomie vorantreiben, aber von der praktischen Arbeit kann er nur einen Teil selber ausführen. Hier beginnt die Aufgabe der Gesamtheit der Mitglieder. Wenn wir bereit sind, Zeit zu opfern und Arbeit zu leisten, dann wird andererseits auch die Öffentlichkeit bereit sein, uns zu unterstützen.“


Gerade der letzte Appell macht nachdenklich: Das Problem, dass die meiste Arbeit, die im Verein zu leisten ist, an den Vorstandsmitgliedern oder einigen wenigen besonders Aktiven hängen bleibt, war offenbar schon im VHS akut und ist es in der heutigen GvA noch immer!

Das Jahr 1969 brachte eine gewaltige Zäsur für den noch jungen Verein: Der rührige und aufopferungsvolle 1. Vorsitzende Werner Schindler war am 23. Juni 1969 plötzlich und unerwartet an einer Hirnhautentzündung im Alter von nur 50 Jahren verstorben. Gleichzeitig erklärte einer der Mitbegründer und Schriftführer, E. Peter Sixt, dass er nach Bremen gehen würde. Dazu schreibt Norbert Anders in (13):

Unsere erste Versammlung nach der Sommerpause stand unter der traurigen Pflicht, nach dem Tode unseres Vereinsleiters Herrn Schindler, einen neuen 1. Vorsitzenden zu wählen, der die Amtsgeschäfte bis zu den Neuwahlen im Januar übernehmen könnte.

In einer Schweigeminute gedachte die Versammlung des Verstorbenen und seiner aufopferungsvollen und vielfach auch erfolgreichen Bemühungen, dem Hamburger Stadtstaat die Gründung einer Volkssternwarte abzuringen.

Gleichzeitig ist unser Schriftführer, Herr Sixt, nach Bremen verzogen. Diese Aufgabe wird jetzt von Herrn Pauls wahrgenommen werden, während Herr Lindhorst sich bereit erklärte, die Leitung der Jugendgruppe zu übernehmen. Herr Hudemann wird die abendlichen Beobachtungen nach der Mittwochveranstaltung des Planetariums fortführen.

Leider befindet sich unser Verein in einer gewissen Notlage, denn Mitglieder, die vorläufig Aufgaben des 1. Vorsitzenden übernehmen könnten, werden durch berufliche Dinge davon abgehalten, während von den Rentnern und Pensionären niemand dazu bereit war. Es würde sich in der Hauptsache um geschäftliche Aufgaben handeln, denn die fachlichen Bereiche der Vereinsarbeit werden von Herrn Steffen geführt werden.

Es wird ferner nur noch an jedem 2. Abend ein Fachvortrag möglich sein. Den Mangel an Referenten werden wir durch Aussprachen im Mitgliederkreis auffüllen. Vielleicht dürfte diese Aufteilung sogar Fortschritte in der praktischen Vereinsastronomie mit sich bringen.


Eine der letzten Aktivitäten Werner Schindlers war es, den VHS-Mitgliedern aus Anlaß der ersten bemannten Mondlandung durch APOLLO 11 am 21. Juli 1969 (die in den Mitteilungen des Vereins übrigens keinen Widerhall gefunden hat), die Verfolgung des Ereignisses im ZDF-Studio Hamburg zu ermöglichen (14).

Im gleichen Jahr gab es nach zwei Jahren Unterbrechung auch wieder eine Nachtwanderung zum Wilseder Berg in der Lüneburger Heide (15):

12 Vereinsmitglieder - darunter Herr Hagge - und zwei Damen, die die Anzeige im Hamburger Abendblatt gelesen hatten, nahmen an der Nachtwanderung teil. Ein herrlicher, klarer Sternhimmel in einer milden Nacht - die Temperatur lag bei + 15° - ließ den etwas beschwerlichen Anmarschweg, der besonders unserem Senior sauer wurde, schnell vergessen. Fast alle Teilnehmer waren mit guten Doppelgläsern ausgerüstet. Herr Hudemann hatte sich die Mühe gemacht und sein Televarie mit Stativ und weiterem Zubehör mitgebracht und auf dem Wilseder Berg aufgebaut. So hatten wir auch dort draußen die Möglichkeit, den Saturn, Doppelsterne und eine ganze Anzahl Nebel und Sternhaufen zu sehen. Ihm sei besonders dafür gedankt. Als wir gegen 3.30 Uhr den Rückmarsch antraten, stieg die Venus höher auf ihrer Bahn und beleuchtete uns mit merklicher Helligkeit den Weg. Bald setzte auch die Morgendämmerung ein, so daß wir den Rückweg nach 2 ½ Stunden schafften und gegen 5 Uhr wieder am Ausgangspunkt waren.

Die Vereinsaufgaben nach dem Tode Werner Schindlers übernahm dann kommissarisch Bruno Asmus und am 8. Januar 1970 wurde ein neuer Vorstand gewählt. Lutz Brandt, langjähriger Sektionsleiter der GvA, schreibt über die Interimszeit in (16):

Während der nun folgenden Zeit der Vakanz der Stelle des 1. Vorsitzenden, wurde der Verein durch seinen 2. Vorsitzenden, Herrn Bruno ASMUS, vertreten und zu einem erheblichen Teil ist es ihm zu verdanken, daß die Tätigkeit des Vereins in der bisherigen Weise fortgesetzt werden konnte und der Verein selbst nicht der endgültigen Auflösung anheim fiel.

Andreas Saul, ehemaliger Vorsitzender und Geschäftsführer der GvA, führte anlässlich des 25. Vereinsjubiläums in (17) aus:

Waren damals allerdings nicht junge „Chaoten“ am Werk, sondern durchweg Mitglieder mittleren Alters. Wie überhaupt das Durchschnittsalter der Mitglieder in jenen Tagen fast doppelt so hoch war wie heute. Doch fahren wir fort: Wie sollte es nun weitergehen? Nun - zunächst einmal führte Herr Bruno Asmus als 2. Vorsitzender und Geschäftsführer kommissarisch den Verein weiter. Sein flammender Aufruf an die Mitglieder, sich auch als 1. Vorsitzender zu Verfügung zu stellen, blieb auch nach mehreren Versammlungen erfolglos. Erst bei der Hauptversammlung am 8.1. 1970 konnte ein neuer Vorstand gewählt werden.

Dieser neue Vorstand, geführt von dem bis dahin nur wenig bekannten Max Koch, brachte große Veränderungen mit sich. Der VHS wurde in GvA umbenannt, erhielt eine neue Satzung und eine neue Vereinsstruktur. Das alles ging jedoch keineswegs geräuschlos vor sich und so werden wir uns im zweiten Teil näher mit dieser stürmischen Zeit Ende der 60er, Anfang der 70er befassen, in der auch die große Politik gewaltige Veränderungen erfuhr: Wo Willy Brandt der erste sozialdemokratische Bundeskanzler einer SPD/FDP-Regierung wurde und frischen Wind brachte (was beileibe nicht jedem gefiel) und wo auch in der GvA der Generationenkampf mehr als heftig tobte und der Verein wieder einmal bewies, dass er stets dem gesellschaftlichen Trend unterlag.

Quellen:
(1) E. Peter Sixt: Arbeitsgemeinschaft Hamburger Sternfreunde. Mitteilungen des Vereins Hamburger Sternfreunde, April 1964, S. 11
(2) E. Peter Sixt: Geschäftliche Mitteilungen. Mitteilungen des Vereins Hamburger Sternfreunde, April 1964, S. 12
(3) Satzungen, Fassung zur Gründung am 3. März 1964. Mitteilungen des Vereins Hamburger Sternfreunde, Mai 1964, S. 17
(4) H. Hagge: Bericht über unsere Aprilversammlung. Mitteilungen des Verein Hamburger Sternfreunde, Mai 1964, S. 14
(5) N. Anders: Bericht über unsere Zusammenkunft im Juni. Mitteilungen des Vereins Hamburger Sternfreunde, Juli 1964, S. 16
(6) D. Wilken: Geschäftliche Mitteilungen. Mitteilungen des Vereins Hamburger Sternfreunde, August 1964, S. 24
(7) P. Schlickum: Betrachtungen zum Sternenhimmel. Sternkieker Nr. 190, 3/2002, S. 140-141
(8) D. Wilken: Geschäftliche Mitteilungen. Mitteilungen des Vereins Hamburger Sternfreunde, Januar/Februar 1965, S. 12
(9) N. Anders: Bericht über die Hauptversammlung. Mitteilungen des Vereins Hamburger Sternfreunde, Februar 1967, S. 3
(14) A. Saul: Dabei fällt mir ein... Sternkieker Nr. 139, 4/1989, S. 187
(11) W Schindler: Zur Vereinsarbeit. Mitteilungen des Vereins Hamburger Sternfreunde, März 1968, S. 3
(12) W. Schindler: Von der Vereinsarbeit - Ein neuer Abschnitt beginnt. Mitteilungen des Vereins Hamburger Sternfreunde, Juni 1968, S. 3
(13) N. Anders: Bericht von der Mitgliederversammlung am 11.9.69. Mitteilungen des Vereins Hamburger Sternfreunde, Oktober 1969, S. 2
(14) A. Saul: Dabei fällt mir ein... Sternkieker Nr. 139, 4/1989, S. 187f
(15) B. Asmus: Unsere diesjährige Nachtwanderung. Mitteilungen des Vereins Hamburger Sternfreunde, Oktober 1969, S. 3
(16) L. Brandt: Über die Entstehung der Gesellschaft für volkstümliche Astronomie in Hamburg. In einem Sonderdruck der GvA aus dem Oktober 1970.
(17) A. Saul: Dabei fällt mir ein... Sternkieker Nr. 140, 1/1990, S. 29


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