Die GvA und das Planetarium: Das Ende einer Ära

Nichts gilt für die Ewigkeit auf Erden, das lehrt uns das Leben. Alles ist einmal vorüber. Was sich wie reine Plattitüden anhört, ist seit einigen Wochen traurige Gewissheit: Die über 30 Jahre währende, erfolgreiche und friedliche Koexistenz der GvA mit dem Hamburger Planetarium ist seitens des Planetariums und seines seit November 2000 im Amt befindlichen Direktors Thomas W. Kraupe mit Unterstützung der Hamburger Kulturbehörde einseitig aufgekündigt worden. Als störendes Element muss die GvA ihre Wirkungsstätte verlassen, da nach der Umbauphase die Räumlichkeiten vollständig vom Planetarium beansprucht werden. Gute Gelegenheit also, einmal einen Blick in die Geschichte der Zusammenarbeit zwischen dem Planetarium Hamburg und der GvA zu werfen.

Vor mehr als 40 Jahren, am 31. Januar 1961, fanden sich, wie aus persönlichen Aufzeichnungen unseres Mitgliedes Peter Schlickum hervorgeht, auf Initiative von ihm (1) und dem Mittelschullehrer Hans Hagge in Hamburg Mitglieder der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) und Teilnehmer an Astronomiekursen in der Hamburger Volkshochschule zu einem lockeren Verbund zusammen (2). Ihr gemeinsames Ziel waren der Erfahrungsaustausch und gemeinsame Beobachtungen. Schnell war die „Arbeitsgemeinschaft Hamburger Sternfreunde” (AHS) ins Leben gerufen, aus der dann 1964 der „Verein Hamburger Sternfreunde (VHS)” hervorging. Gleichzeitig entstand der sehnliche Wunsch nach einer festen Sternwarte irgendwo im Stadtgebiet. Die Vereinstreffen fanden zunächst in den Räumen des Heinrich-Hertz-Gymnasiums statt, später dann in anderen Schulen, bis Andreas Saul und Max Koch es schafften, dass der Verein im Juni 1970 in das Hamburger Planetarium einziehen durfte.

Ihre Idee fiel auf durchaus fruchtbaren Boden, hatte es doch spätestens seit Gründung des VHS vielfältige Kontakte zum Planetarium und dessen Direktoren Johannes Meyer und Josef Beller gegeben. Das kam auch nicht von ungefähr, denn der erste 1. Vorsitzende des VHS, Hans Hagge, war gleichzeitig Dozent im Hamburger Planetarium. Er trug auch die Mitgliedsnr. 1 der GvA! Die Kontakte beschränkten sich in den ersten Jahren eher auf die Durchführung gemeinsamer Beobachtungsabende und die Nutzung der Aussichtsplattform auf dem Wasserturm für eigene Beobachtungen (3). Darüber hinaus ließ es sich der Leiter des Planetariums, Dr. Beller, nicht nehmen, auf Vereinsabenden des VHS Vorträge zu halten, was von den Mitgliedern immer sehr dankbar angenommen wurde.

Im Herbst des Jahres 1968 wurde durch das Engagement des damaligen 1. Vorsitzenden Werner Schindler, der leider schon 1969 an einer Hirnhautentzündung verstarb, dem VHS für die Einrichtung einer Spiegelschleifwerkstatt ein Raum im Wasserturm überlassen. Leider war es mir bisher nicht möglich, zu rekonstruieren, um welchen Raum es sich dabei handelte. Möglicherweise der gleiche, in dem sich bis zu unserem erzwungenen Auszug aus dem Planetarium die GvA-Werkstatt befand (4). Die Überlassung wurde mit der Unterzeichnung des formellen Mietvertrages vom 19.6.1968 (5) vollzogen und erfolgte mietfrei. Das sollte sich erst im Jahr 1991 ändern. Seitdem musste die GvA für die Nutzung ihrer Räume Miete zahlen.

Interessant: Zu gleicher Zeit gab es eine Gruppe aktiver Sternfreunde, die eine Möglichkeit gefunden hatte, am Urschmidt der Bergedorfer Sternwarte eigene Beobachtungen auszuführen, zumal Besuche der Fachsternwarte seit jeher regelmäßig auf dem Veranstaltungskalender des VHS standen.

Obgleich schon damals für viele Vereinsmitglieder der Kontakt zum Planetarium eifrig genutzt wurde und mitunter der Begegnung mit einem Heiligtum glich, waren die Hamburger Sternfreunde seit den ersten Zusammenkünften motiviert, eine Volkssternwarte Hamburg analog zu vergleichbaren Einrichtungen in anderen Städten wie München, Recklinghausen oder Stuttgart zu gründen. Es wurden Denkschriften verfasst, die Parteien von Senat und Bürgerschaft angeschrieben, doch letztlich konnte das Projekt, das bis in die 70er Jahre hinein emsig verfolgt wurde, auf Grund von Auflagen unterschiedlichster Art und der mangelnden Zustimmung und Unterstützung der politischen Entscheidungsträger in Senat, Bürgerschaft und den Hamburger Behörden nie realisiert werden (6).

Ehrgeizige Pläne sahen die Errichtung einer Schulsternwarte auf dem Heinrich-Hertz-Gymnasium vor, in dessen Räumen Jahre lang die Zusammenkünfte des VHS stattfanden, was aber an der Schließzeit von 22 Uhr durch den Hausmeister und der geringen Tragfähigkeit des dafür vorgesehenen Gebäudes scheiterte. Ein anderes Projekt sah den Neubau eines Gebäudes im Stadtpark nach Entwürfen von Dr. Heinz Wichmann und dem Architekten Alfred Goebel vor. Nach Auflagen des Bezirksamtes Hamburg-Nord sollte das Bauwerk aber höchstens einstöckig, nicht mehr als 5 m hoch sein. Dafür kamen im Stadtpark zwei Orte in Frage: Nahe des Kinderheims an der Stadtparkwiese und mitten auf der Liegewiese in unmittelbarer Nähe des Schwimmbades. Auch diese Vorhaben scheiterten, einmal an den nicht vorhandenen wirtschaftlichen Ressourcen der GvA, und an den fehlenden Sponsoren in der Hansestadt sowie Protesten der jeweiligen Anlieger. Ganz und gar futuristisch aber nichtsdestotrotz ein nicht zu verwirklichendes Vorhaben war nach Entwürfen Alfred Goebels aus dem Jahr 1966 ein Abtragen der oberen Wasserturmkuppel, das Einziehen eines neuen Bodens und die Aufstellung einer Kuppel auf dem dann neuen Dach des Wasserturms. Als Alternative wurde dann das Aufstellen von Beobachtungskuppeln sowohl auf der Nord-, als auch auf der Südseite des nach Osten gerichteten Teils der umlaufenden Aussichtsplattform vorgeschlagen (7). Aber alle diese Pläne wurden abgelehnt oder waren wegen zu hoher Kosten und fehlender Sponsoren undurchführbar.

Erfolglos waren auch die Bemühungen, einen festen Beobachtungsplatz beim Jugendheim Lattenkamp zu ergattern. Beim Bau dieser Einrichtung im Bereich Bebelallee, Ecke Meenkwiese im Jahr 1967 hoffte der damalige Jugendgruppenleiter E. Peter Sixt dort eine astronomische Station errichten zu können. Hierzu erklärte sich Dr. Wichmann bereit, seinen 15-cm-Newton zur Verfügung zu stellen. Zwar gelang es, Räume für die Treffen der Jugendgruppe anzumieten und besagtes Teleskop im Keller einzulagern, doch wurde das Vorhaben, hier eine feste Beobachtungsstation zu bauen, aus mir bisher nicht bekannten Gründen nicht weiter verfolgt. Die Gedanken der seinerzeit Verantwortlichen im Verein kehrten insbesondere nach 1970, dem Einzugsjahr in das Planetarium, in Richtung „Wasserturmastronomie“ zurück. Es konnte dem Bezirksamt Hamburg-Nord die Zusage für die Nutzung des Südbalkons abgerungen werden, schließlich kam dann der Flaggenbalkon hinzu. Bereits ab 1972 gab es Bestrebungen hier die Volkssternwarte zu errichten, die vor allem durch Max Koch, den damaligen Vorsitzenden der GvA, unermüdlich vorangetrieben wurden. Aber auch das brachte nichts, wie er in (8) schreibt:

„Die Sternwarte wurde 1972 als „Volkssternwarte Hamburg” der Öffentlichkeit vorgestellt und erregte damit sofort den Unwillen der Hamburger Behörden. Leider zu recht, denn schließlich muss eine Volkssternwarte auch dem Volk zur Verfügung stehen. Das aber war deshalb nicht möglich, weil der GvA eine öffentliche Betätigung in den dafür auch völlig unzureichenden Räumlichkeiten des Planetariums zu keinem Zeitpunkt zugestanden war. Ein weiterer Stein des Anstoßes war den Behörden der anspruchsvolle Name „Volkssternwarte Hamburg”, der in Verbindung mit dem Ausübungsort eine Irreführung der Bevölkerung nicht ausschloss. Es wurde nämlich vermutet, dass die Öffentlichkeit das Planetarium und die „Volkssternwarte Hamburg” als eine geschlossene Einheit ansehen würde. Nach dem missglückten Versuch unserer sich selbständig machenden jungen Leute, sich gegen die Behörden mit Hilfe einer durch Rundschreiben und Zeitungsartikel alarmierten Öffentlichkeit durchzusetzen, wurde das Verbot der öffentlichen Betätigung der GvA im Planetarium durch einen Vertrag zementiert, und wir waren gezwungen, die zu Missdeutungen verführende Bezeichnung der Sternwarte in „Volkssternwarte der GvA Hamburg” zu ändern. Das letztere war ein Kompromiss, der nur aus der Hektik dieser Tage zu verstehen ist. Zwar besänftigten wir damit die Behörden und nicht zuletzt auch unsere jungen Heißsporne, übersahen aber, dass nunmehr vom Charakter einer Volkssternwarte nicht mehr viel übrig geblieben war. Als sich jetzt auch noch das Planetarium entschloss, auf die organisatorisch nicht zu bewältigende Durchschleusung der Besucher durch die Sternwarte zu verzichten, ging der letzte Rest, der die Bezeichnung Volkssternwarte rechtfertigen würde, verloren, und es war einfach an der Zeit, sich davon abzusetzen.”

Somit konnte die Gründung einer Volkssternwarte Hamburg durch die GvA nie realisiert werden. Eine Tatsache, die ihr drei Dekaden später zum Verhängnis werden sollte, denn das Nichtbetreiben einer Volkssternwarte und ihr Erscheinungsbild als Verein von Liebhaberastronomen wurde als einer der Gründe aufgeführt, den bestehenden Mietvertrag im Jahr 2002 aufzukündigen!

In den nächsten beiden Jahren kümmerte man sich allerdings recht wenig um die Sternwarte auf dem Flaggenbalkon, was hauptsächlich daran lag, dass im Hause umfangreiche Baumaßnahmen durchgeführt wurden, wozu auch die Einrichtung des Vortragsraumes für die GvA im 5. Stock gehörte. 1974 dann wurde auf Vorschlag unseres erst kürzlich verstorbenen Mitgliedes Lutz Brandt der Flaggenbalkon in Repsold-Sternwarte umbenannt, nach dem Hamburger Oberspritzenmeister gleichen Namens, der sich im vorigen Jahrhundert als Amateurastronom und Erbauer astronomischer Instrumente sehr für die Gründung einer Hamburger Sternwarte eingesetzt hatte.

Wiederum durch die Initiative der von Max Koch - aus heutiger Sicht vollkommen zu unrecht - gescholtenen Jugendgruppenmitglieder konnte dann endlich im Winterhalbjahr 1974/75 der offizielle Beobachtungsbetrieb auf der Repsold-Sternwarte aufgenommen werden. Grundstock war der von Dr. Heinz Wichmann 1974 erbaute und vom Planetarium finanzierte 15-cm-Refraktor, der auf einer alten Reisemontierung, einer Leihgabe der Sternwarte Hamburg-Bergedorf, befestigt wurde. Wenig später kam dann ein Celestron 8 hinzu, ebenfalls vom Planetarium gesponsort (9).

Dieser klangvolle Name Repsold-Sternwarte, wo im Laufe der Jahre unzählige Beobachtungen und vor allem Aufnahmen mit den GvA-eigenen Instrumenten entstanden, und wodurch ein großer Hamburger geehrt wurde, wird nun ebenso wie das Observatorium selbst nach den umfangreichen Umbauten im Planetarium sang- und klanglos aus den Annalen Hamburgs verschwinden. Nur auf dem Mond bleibt der Name Repsold verewigt, da dort ein Krater nach ihm benannt wurde. Doch verweilen wir noch etwas in diesen stürmischen ersten Jahren der Kooperation mit dem Planetarium. Die Verzahnung wurde immer intensiver. So wurde der Planetariumsleiter Dr. Beller zum Ehrenmitglied ernannt, der Technische Leiter des Hauses, Max Fuchs, nicht nur ordentliches Mitglied, sondern zeitweise auch Leiter der Repsold-Sternwarte. Unvergessen seine Rubrik „In eigener Sache”, in der er im Sternkieker stets auf neueste Entwicklungen im Verein hinwies. Einen richtigen Aufschwung der Zusammenarbeit konnte nach der Übernahme des Direktoriums durch Dr. Erich Übelacker verzeichnet werden. Dazu schrieb er 1980 rückblickend in (10):

„Als ich vor rund vier Jahren die Leitung des Hamburger Planetariums übernahm, war eines meiner größten Wünsche, in dieser Stadt möglichst alle Kräfte, die sich mit astronomischer Volksbildung oder Amateurastronomie befassen, zu koordinieren. Ich glaube heute, dass wir auf dem besten Wege sind, eine optimale Zusammenarbeit zwischen Planetarium, Sternfreunden und Kulturbehörde zum Nutzen unserer gemeinsamen Sache und aller Beteiligten zu erreichen. Dies äußert sich unter anderem darin, dass sich die jährlichen Besucherzahlen des Planetariums und die Mitgliederzahl der GvA im genannten Zeitraum verdoppelt haben. Das Hamburger Planetarium hat sich in den letzten Jahren über den reinen Vorlesungsbetrieb hinaus zu einem Volksbildungszentrum entwickelt, das fast allen Ansprüchen gerecht wird. Einen wesentlichen Anteil daran hat die GvA, die besonders in Besucherspitzenzeiten Aufgaben übernimmt, deren Bewältigung dem Planetarium mit seinem geringen Personal nicht möglich wäre. Ich denke hier an die Mithilfe bei den Seminaren, die Beobachtungsabende und Sonnenführungen sowie viele Beiträge zu unserer Ausstellung.”

Die beiderseitige Kooperation entwickelte sich prächtig. Der heutige Prof. Dr. Übelacker war zwischen 1977 und 1983 sogar unser Vorsitzender und immer sehr um ein gutes Verhältnis zwischen der GvA und dem Planetarium bemüht. Die GvA stellte zeitweise sogar Personal für das Planetarium („Kartenabreißer”).

Im Laufe der vielen gemeinsamen Jahre gab es immer wieder Situationen, die für beide Seiten unbefriedigend waren. So führte allzu übermütiges Verhalten einiger weniger Mitglieder zur Sperrung des Fahrstuhls in den Abendstunden. Die sich daraus ergebenden Folgen sollten sich aber erst sehr viel später zeigen. Auch konnte die GvA auf Grund personeller Probleme ihre Verpflichtungen nicht immer einhalten. Bei astronomischen Ereignissen wie Sonnen- oder Mondfinsternissen klappte die Bereitstellung von Mitgliedern für öffentliche Führungen eigentlich immer hervorragend. Nur die Wahrnehmung der öffentlichen Führungen, besonders am Sonntagvormittag und am Freitagabend, wurde ab Ende der 80er Jahre immer schwieriger. Im gleichen Maße, wie sich damals die Gesellschaft veränderte und Gemeinschaftssinn zu Gunsten persönlicher Individualität verloren ging, gab es auch in der GvA die Tendenz, dass aktive Mitglieder sich immer mehr zurückzogen und neue nicht oder nur kaum aktiviert werden konnten. Nach Überwindung der Probleme mit dem GvA-Astroshop, der sehr viele Mitglieder gebunden hatte, sollten nach Vorstellung des damaligen Vorstandes Kräfte frei werden, die wiederum bei öffentlichen Führungen hätten eingesetzt werden können. Doch der Zug war bereits abgefahren.

Es stellte sich in den kommenden Jahren heraus, dass immer mehr ältere Menschen dem Verein beitraten und aktiv wurden. Die Jugendlichen traten mehr und mehr in den Hintergrund, die mittleren Altersstufen, so zu sagen die „alten Jugendgruppenmitglieder” waren nur noch teilweise aktiv, nur noch spärlich vorhanden und die Älteren drängten nach vorne. Da aber auch sie naturgemäß immer älter wurden, verschob sich das Durchschnittsalter der Aktiven immer mehr nach oben. Das machte die Rekrutierung von Hilfskräften für die öffentlichen Führungen immer schwieriger und selbst die wenigen aktiven Jugendlichen waren kaum noch zu begeistern, Leuten vor dem Planetarium den Sternenhimmel zu erklären. Einige hatten Angst davor, Fragen der Besucher nicht beantworten zu können und schreckten daher vor einer Führung zurück. So konnte die GvA in den letzten Jahren vielfach ihre Aufgaben nicht mehr wahrnehmen, obwohl der Vorstand stets bemüht war, diesen Zustand zu ändern. Nur hat man als Vorstand einfach nicht die Möglichkeit, Mitglieder zu irgend etwas zu zwingen, zumal Zwänge und Repressalien zu nichts führen würden, höchstens dazu, dass die wenigen Aktiven sich auch noch verflüchtigen.

Das zunehmende Alter der aktiven Mitglieder hatte auch zur Folge, dass die GvA-Veranstaltungen immer weniger genutzt wurden, vor allem der GvA-Treff, der kurzfristig eingestellt wurde, da kaum noch Mitglieder gekommen waren. Das lag auch daran, dass der Fahrstuhl zu den GvA-Räumen abends abgestellt war und es gerade den Älteren schwer fiel, die vielen Treppen („Der Marsch durch die Institution Planetarium”) zu unseren Vereinsräumen emporzusteigen. So wurde der GvA-Treff oft im Vorraum vor der Planetariumskasse abgehalten, was wiederum für viele ein Grund war, nicht mehr zu kommen. Erst das Ausweichen in ein Restaurant bescherte dem GvA-Treff wieder ansehnliche Besucherzahlen.

Dennoch gab es in den späten 90er Jahren eine Art Renaissance der intensiven Zusammenarbeit mit dem Planetarium, wenn auch nur bei Sonnen- und Mondfinsternissen. So brachte etwa die partielle Sonnenfinsternis am 12. Oktober 1996 nicht nur der GvA, sondern auch dem Planetarium mehrere Hundert Besucherinnen und Besucher und ein breites Echo in der Presse (11). Doch nach dem Ausscheiden oder dem plötzlichen Tod von aktiven Mitgliedern erlosch auch dieses Flämmchen wieder. Der Zeitgeist, immer weniger für andere zu tun, wurde zum Ende des Jahrhunderts für die GvA zu einem kaum lösbaren Problem. Immer weniger Mitglieder fanden sich bereit, Aufgaben zu übernehmen. Immer weniger Mitglieder nutzten die Einrichtungen des Vereins. Die GvA wandelte sich von einem Beobachtungs- zu einem Kommunikationsverein. Zwar konnte erfolgreich eine Außensternwarte in der Heide errichtet werden, doch die Nachfrage auf den Hauptversammlungen zum Stand des Ausbaus war größer als die Nachfrage nach Beobachtungen. Hier spielt natürlich die Tatsache eine Rolle, dass heute Teleskope selbst mit großen Öffnungen für die meisten erschwinglich sind, was in den 70ern nicht der Fall war. Daher war damals der Wunsch nach einer Sternwarte außerhalb der Lichtglocke Hamburgs größer als heute!

Mit der Pensionierung Prof. Dr. Übelackers Ende 2000 endete dann auch die sehr fruchtbare und für beide Seiten Gewinn bringende Zusammenarbeit. Sein Nachfolger, Dipl.-Phys. Thomas W. Kraupe, hat dergleichen nicht mehr im Sinn. Schon wenige Monate nach seinem Amtsantritt musste die GvA mit Repressalien kämpfen, Ansprüche auf vereinseigene Räumlichkeiten wurden erhoben, der bisher kostenlose Besuch der Freitagabendvorträge entfiel und die Kuppel konnte zu den Klönsnackabenden auch nicht mehr im gewohnten Umfang genutzt werden. Wünschen nach Aktivierung von Mitgliedern für Aktivitäten des Planetariums konnte auf Grund der problematischen Personalsituation nicht nachgekommen werden. Und so kam es, wie es wohl kommen musste: Im April 2002 ging die Kündigung des Mietvertrages zum 31.7.2002 mit Unterstützung durch die Hamburger Kulturbehörde ein. Blicken wir noch einmal zurück und lesen, was Prof. Dr. Klaus Peter Dencker, Präses der Kulturbehörde, am 22. Februar 1989 zum 25-jährigen Jubiläum der GvA schrieb (12):

„Zum 25. Jubiläum möchte ich Ihnen, der Gesellschaft für volkstümliche Astronomie, im Namen der Kulturbehörde herzlich gratulieren und für die weitere Arbeit alles Gute wünschen. Gleichzeitig danke ich Ihnen für die vielen großen und kleinen Beiträge, die Sie im letzten Vierteljahrhundert für das Hamburger Planetarium geleistet haben. Die beachtlichen Erfolge des Planetariums wären ohne die Unterstützung Ihres Vereins nicht möglich: Die Beobachtungsabende, der Bücherstand, die Herausgabe der Hauszeitschrift „Sternkieker” und die vielen Stunden, die die Mitglieder ehrenamtlich mit der Beratung von Planetariums-Besuchern verbracht haben, möchte ich beispielhaft hervorheben. Sie haben dazu kontinuierlich eine wichtige Jugendarbeit geleistet. Viele junge Menschen haben in Ihrem Verein berufliche Anregungen erhalten und Freundschaften gefunden. Aus Ihren verschiedenen Jugendgruppen sind hervorragende junge Wissenschaftler und Computer-Fachleute hervorgegangen. Die Kulturbehörde wünscht der Gesellschaft für volkstümliche Astronomie auch für die Zukunft viel Erfolg und die Fortsetzung der vorbildlichen Zusammenarbeit mit dem Hamburger Planetarium.”

Ein Wunsch, der nur 13 Jahre später nicht mehr gilt: Die GvA muss kurz nach Erscheinen dieses Sternkiekers das Planetarium verlassen. Das wird mit Sicherheit nicht das Ende des Vereins bedeuten, es wird aber eine sehr schwierige Zeit vor allen Aktiven liegen. Ob es unter dem derzeitigen Direktorat noch irgendeine Form der Zusammenarbeit mit der GvA geben wird, das wird die Zukunft weisen müssen.

Quellen:
(1) Peter Schlickum: Persönliche Aufzeichnungen, die mir freundlicherweise von ihm überlassen wurden
(2) Andreas Saul: Dabei fällt mir ein..., Sternkieker Nr. 137, (2/1989)
(3) Wolfgang Lille: Wie alles anfing, Sternkieker Nr. 100, (1/1980), S. 14ff. und Nr. 137 (2/1989), S. 64ff.
(4) Bericht über die Hauptversammlung, Mitteilungen des Vereins Hamburger Sternfreunde e.V., März 1969, S. 3
(5) Ziff. 18 des Mietvertrages zwischen dem Bezirksamt Hamburg-Nord und der GvA Hamburg vom 28.10.1973
(6) Dr. Heinz Wichmann: Über Beobachtungsplätze und eine Sternwarte für Sternfreunde in Hamburg, Sternkieker Nr. 100, 1/1980, S. 16ff.
(7) Lutz Brandt: Zur Dokumentation Hamburger Volkssternwarte, De Sternkieker, Sept.-Okt. 1972, S. 101ff.
(8) Max Koch: Die Repsold-Sternwarte, Sternkieker 2/1975, S. 48
(9) Klaus-Peter Schröder: 5 Jahre Repsold-Sternwarte - Ein nicht ganz gewöhnlicher Rückblick, Sternkieker Nr. 100, 1/1980, S. 23ff.
(10) Dr. Erich Übelacker: Das Planetarium und die GvA, Sternkieker 1/1980 (Nr. 100), S. 10f.
(11) Manfred Holl: Das GvA-Sonnenfinsternisfest vom 12.10.1996, Sternkieker Nr. 168 (1/1997), S. 22ff.
(12) Prof. Klaus Peter Dencker: Grußwort zum 25. Jubiläum der Gesellschaft für volkstümliche Astronomie, Sternkieker Nr. 137 (2/1989)

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