Johann Gottfried Galle (1812-1910)

Geboren am 9. Juni 1812 zu Pabsthaus bei Gräfenhainichen in Sachsen, übte Galle nach dem Studium zunächst den Lehrerberuf aus, bis er 1835 als Assistent Johann Fritz Enckes (1751-1865) an die Berliner Sternwarte kam. Dort beschäftigte er sich hauptsächlich mit Untersuchungen des Bahnverlaufs von Kometen, von denen er 1840 drei entdeckte, sowie von Planetoiden und Meteorströmen.

In den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts erarbeiteten unabhängig voneinander John Couch Adams (1819-1892), späterer Direktor der Sternwarte zu Cambridge, und Urbain Jean Joseph Leverrier (1811-1877), Direktor der Pariser Sternwarte, die Grundlagen für eine erfolgreiche Suche nach dem achten, transuranischen Planeten (Neptun). Die Bahnabweichungen des Uranus waren so gravierend, daß sie nur durch die Anwesenheit eines weiteren Planeten erklärt werden konnten.

Es ist wohl dem Zufall zuzuschreiben, daß Leverrier seine Überlegungen in einem Brief vom 18. September 1846 an Galle formulierte, als Dank dafür, daß dieser ihm ein Exemplar seiner kürzlich veröffentlichten Dissertation zukommen ließ.

Am Tage des 55. Geburtstages von Encke am 23. September traf der Brief in Berlin ein. Wohl eher einer Gemütsregung folgend, willigte Encke dem Vorschlag Galles ein, gemeinsam mit dem Astronomiestudenten Heinrich Louis d' Arrest (1822-1875) den Planeten an der von Leverrier angegebenen Stelle zu suchen - wo sie ihn schließlich auch fanden. Als Beobachtungsgerät stand ihnen der Fraunhofer-Refraktor der Berliner Sternwarte mit 24,4 cm Öffnung (er wird heute auch als Galle-Refraktor bezeichnet) zur Verfügung.

Ab 1851 war Johann Gottfried Galle als Direktor an der Sternwarte zu Breslau tätig und widmete sich der Bestimmung der Sonnenparallaxe. 1872 versuchte er herauszufinden, ob Planetoiden für diesen Zweck zu gebrauchen wären. Er verstarb am 10. Juli 1910 in Potsdam.

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