Galileo Galilei (1564-1642)

Reformation und Gegenreformation führten Anfang des 16. Jahrhunderts zu einer ganzen Reihe von blutigen Religionskriegen, Christoph Kolumbus (1451-1506), Vasco de Gama (1469-1524) und Fernao de Magelhaes (1480-1521) hatten durch ihre Entdeckungsreisen neue Handels- und Seewege eröffnet, im Osten dehnte sich das Osmanische Reich unter Soliman I. immer weiter aus, und in Italien wechselten die Fremdherrschaften Frankreichs, Habsburg-Spaniens und Spaniens einander ab, wenige Jahre, nachdem sich in dem südeuropäischen Land ein neuer kultureller Zeitgeist geformt hatte, der insbesondere von zahlreichen Fürstengeschlechtern und einigen Päpsten gefördert wurde (hervorzuheben die Medici): die Renaissance.

Galileo Galilei wurde am 15. Februar 1564 in Pisa geboren, der Hauptstadt des in Großherzogtums Toscana, und studierte als Sohn eines reichen Tuchhändlers Medizin, Mathematik und Physik. Schon 1589 wurde er auf den Lehrsuhl für Mathematik der Universität Pisa berufen und unternahm in dieser Zeit erste Studien zur Bewegungslehre. Drei Jahre später wechselte er an die Universität zu Padua, die seine Bewerbung auf den freigewordenen Lehrstuhl für Mathematik akzeptierte. Hier trieb Galilei seine schon früher begonnenen Untersuchungen über das Schwingungsverhalten des Pendels und seine berühmten Fallgesetze voran (die er erstmals 1590/91 am Schiefen Turm in Pisa experimentell erprobte) und veröffentlichte 1593 eine Schrift über Mechanik.

Am 24. Dezember 1604 beobachtete Galilei eine Nova im Schützen. hielt im darauffolgenden Jahr Vorlesungen über diese Erscheinung, die nicht so recht in das bisherige Bild vom universellen und unveränderlichen Kosmos passen wollte, und stand durch seine Tätigkeit als privater Mathematiklehrer von Cosmo de' Medici mit dem Fürstenhaus in Verbindung. 1606 entwickelte er ein Thermometer und baute 1609 ein Fernrohr nach, das ein Jahr zuvor von dem holländischen Brillenmacher Johannes Lippershey (1570-1619) erfunden worden war, und richtete es gegen den Himmel. Im August 1609 führte Galilei das Fernrohr Kirchenvertretern aus Venedig vor, die dem Dargebotenen allerdings sehr skeptisch, wenn nicht gar ungläubig gegenüberstanden.

1610 entdeckte er vier Jupitermonde (die er zunächst in Verehrung seiner Gönner ,,Mediceische Planeten" nannte), die Phasengestalt von Venus und Merkur (von dem behauptet wird, daß ihn Kopernikus zeitlebens nie zu Gesicht bekommen haben soll), den Saturnring (allerdings nicht als solchen, sondern als einen ,,Planeten aus drei Körpern"), die Kraterlandschaft des Mondes, die Sonnenflecken und veröffentlichte seine Schrift ,,Sidereus Nuncius", in der er u.a. vermutete, daß das helle Band der Milchstraße aus unzähligen Einzelsternen bestand. Insbesondere hinsichtlich der Entdeckung der Sonnenflecken entwickelte sich zwischen Galilei, der sich dabei als äußerst streitsüchtig entpuppte, dem ostfriesischen Gelehrten Johannes Fabricius (1587-1615) und dem Ingolstädter Jesuitenpater Christoph Scheiner SJ. (1575-1650) ein Prioritätenstreit, der mit unglaublicher Härte und teilweise entwürdigenden Äußerungen seitens des italienischen Physikers geführt wurde.

Noch im Jahr 1610 gab Galilei den Lehrstuhl in Padua ab und wurde Astronom am Hof des Großherzogs von Toscana. 1612 veröffentlichte er eine Abhandlung über auf dem Wasser befindliche Körper und 1613 seine ,,Briefe über Sonnenflecken", die auch kopernikanisches Gedankengut enthielten. Ende 1613 dann legte er in einem Brief an Pater Benedetto Castelli (1577-1644) seine Ansichten bezüglich des Verhältnisses zwischen den Worten der Bibel und der Lehre des Kopernikus dar, die er 1615 noch einmal in einem weiteren Schreiben unterstrich.

Von zwei Dominikanerpadres ob seiner Überlegungen denunziert, wurde Galilei 1616 erstmals vor das Heilige Offizium, der obersten Inquisitionsbehörde in Rom zitiert und aufgefordert, seine bisherige Haltung aufzugeben. Von nun an wogte das Schicksal Galileis hin und her. 1622 brachte er ,,Il Saggiatore", eine polemische Schrift als Antwort auf das Buch des Jesuiten Horatio Grassi (1582-1694) heraus. 1623 wurde Maffeo Barberini als Urban VIII zum Papst ernannt, doch auch er untersagte Galilei die weitere Verbreitung des kopernikanischen Weltbildes. Anfang 1632 erhielt er die Genehmigung zum Druck seines "Dialogs über die beiden Weltsysteme", das aber schon Ende des Jahres auf den kirchlichen Index kam. Galilei mußte dann Anfang 1633 abermals vor der Inquisition in Rom erscheinen und unter Androhung der Folterstrafe seine Ansichten (nicht die Erde, sondern die Sonne stünde Im Mittelpunkt des Universums) aufgeben und wurde nach Siena bei Florenz verbannt. 1638 erschien von Galilei, der mittlerweile unter einer Augenkrankheit litt, in den Niederlanden die ,,Unterredungen über zwei neue Wissenschaften".

1635 hatte es geheime Verhandlungen gegeben, ihn zur Übernahme des Lehrstuhls für Mathematik an der Universität von Amsterdam zu bewegen (zu der Zelt standen in den Niederlanden die Wissenschaften sehr hoch im Kurs), die er zwar freundlich beantwortete, aber dennoch in Italien verblieb.

1638 stellte dann der päpstliche Inquistionsarzt Diodati die vollständige Erblindung des bettlägerigen Galilei fest. Kurz darauf erschien in Paris die erste französische Übersetzung seines ,,Dialogs", nachdem bereits 1635 in Deutschland erste Abschriften aufgetaucht waren. Schwer krank und vollkommen blind starb Galileo Galilei dann am 8. Januar 1642 in seiner Villa im Verbannungsort nahe Florenz. Ein letzter Versuch holländischer Gelehrter, ihn doch noch zur Übersiedlung zu überreden, war wenige Monate zuvor gescheitert.

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