Johann Heinrich Philip Fauth (1867-1941)


Lange bevor John W. Draper (1811 - 1882) am 23. März 1840 mit einem 12,5 cm Reflektor bei 20 minütiger Belichtungszeit die erste, noch ziemlich unscharfe Aufnahme des Mondes per Daguerrotypie gelang, war die Zeichnung das einzige Mittel, im Fernrohr gesehene Einzelheiten auf dem Papier festzuhalten. Galileo Galilei fertigte 1611 als erster eine der Auflösung seines schwachen Fernrohrs entsprechend grobe Skizze des Erdtrabanten an. Es folgten Arbeiten beinahe unzähliger Astronomen, u. a. von Johannes Hevelius (Selenographia, 1647), Francesco Maria Grimaldi (veröffentlicht in Ricciolis "Almagestum novum", 1651), Maria Clara Eimmart (350 Zeichnungen von 1653 bis 1698), Tobias Mayer (ab etwa 1750, gedruckt erstmals 1881), Johann Hieronymus Schroeter (ca. 1790 - 1800), Wilhelm Beer und Heinrich von Mädler ("Mappa selenographica", 1834), Wilhelm Gotthelf Lohrmann (1824 in ersten Teilen, 1878 vervollständigt durch Julius Schmidt), James Nasmyth (1874), James Carpenter (1874) oder Edmund Neison (1876). Auch nach den ersten, erfolgreichen fotografischen Versuchen wurde die Zeichnung als wesentliches Quellenmaterial noch nicht völlig verdrängt.

Der letzte große Mondzeichner war J. P. H. Fauth. Geboren am 19. März 1867 in Bad Dürkheim, stieß er als waschechter Amateur zur Astronomie und bestritt als Volksschullehrer seinen Lebensunterhalt. 1939 wurde ihm übrigens durch den Reichführer SS Heinrich Himmler der Professorentitel verliehen, freilich ohne an einer Universität zu lehren oder ein Professorengehalt zu bekommen. Ein großes Interessengebiet Fauth´s war das intensive Studium der verschiedenen Mondformationen. Seine diesbezüglichen Ambitionen mündeten schließlich in einem umfangreichen Mondatlas, der schon zur damaligen Zeit seinesgleichen suchte, und in einer 350 cm durchmessenden Mondkarte im Maßstab 1:1.000.000. Letztere wurde übrigens erst 1964, fast 40 Jahre nach ihrer Entstehung, vollständig veröffentlicht und gilt heute als ausgesprochene Rarität. Außerdem entdeckte Fauth 1932 südlich vom Kopernikus im Gebiet zwischen Sinus Aestuum und Oceanus Procellarum bei 60° nördlicher selenographischer Länge und 200 westlicher Breite einen Doppelkrater, der später nach ihm benannt wurde.

Eine Begegnung mit Hanns Hörbiger (Vater der bekannten Schauspieler Atilla und Paul Hörbiger) Ende der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts führte zu einem der wohl merkwürdigsten und skurrilsten Weltbilder und Weltanschauungen in der Geschichte der astronomischen Wissenschaft.

Einer plötzlichen Eingebung folgend entwickelte Hörbiger Ende September 1894 die sog. Welteislehre (WEL), nach der, grob umrissen, im Sternbild Taube vor vielen Millionen Jahren ein riesiger Eiskörper mit einer gigantischen Riesensonne zusammengeprallt ist. Daraufhin sandte diese einen Jet aus diffuser Sonnenmaterie und schlichtem Wasserdampf in Richtung auf unser im Entstehen begriffenes Sonnensystem dessen weitere Entwicklung maßgeblich von den im Strahl enthaltenen Materialien beeinflußt wurde. Überhaupt bestehen nach der WEL weite Teile des Universums aus Eis (typisch irdische Erscheinungen wie Hagel oder Gewitter werden beispielsweise als galaktische Materie definiert, die in unsere Lufthülle eindringt). Nach Hörbigers Tod 1931 erlebte diese Irrlehre unter den Nazis ihre Blütezeit, weil sie gut in das Konzept der nationalsozialistischen Ahnenlehre paßte. Dennoch wurde sie nicht zur Universallehre erhoben.

J. P. H. Fauth war so fasziniert von der WEL und vor allem von der Darstellungskunst Hörbigers, daß er schon bald zu dessen Sprachrohr wurde. 1913 veröffentlichten sie gemeinsam "Hörbigers Glazialkosmologie", ein großformatiges, 772 Seiten umfassendes Werk mit 212 Abbildungen. Darin beschrieb Fauth, ganz im Sinne Hörbigers, einen Mars, der von einem Eis- und Wasserpanzer von 1,6 km Dicke umgeben war.

Der Ausflug ins Irrationale hat Ruf und Ansehen Fauth`s in Fachkreisen sehr geschadet. Dass dennoch ein Mondkrater seinen Namen trägt, zeigt, dass bei der Namensvergabe diese Episode in Fauth`s Leben unbeachtet geblieben ist, zumal die WEL seitens der Fachastronomen nie die erhoffte Anerkennung erhielt.

Johann Philipp Heinrich Fauth verstarb am 4. Januar 1941 in Grünwald bei München.

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