Alexis-Claude Clairault (1713-1765)

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts herrschte in Frankreich Sonnenkönig Ludwig XIV. (1643-1715), der zwar Wissenschaft und Kunst aufgeschlossen gegenüberstand, gleichzeitig jedoch Minderheiten im eigenen Land unterdrückte (Hugenottenverfolgung), ganz zu schweigen von seinen zahlreichen Kriegen, die mehr den Charakter von Beutezügen hatten.

In der Astronomie hatte der englische Naturforscher Isaac Newton (1643-1727) mit der Veröffentlichung seiner ,,Philosopiae naturalis principia mathematica" (1687), dem Gravitationsgesetz, erstmals einen neuen Grundgedanken formuliert, wonach sich die Massen im Sonnensystem gegenseitig beeinflussen, also von jedem Himmelskörper eine Schwerkraft ausgeht. Newton schuf damit die Möglichkeit, das von Nikolaus Kopernikus (1473-1543) aus der Urform des Ptolemäischen Weltsystems heraus entwickelte heliozentrische Bild vom Kosmos, welches Johannes Kepler (1571-1630) in wesentlichen Punkten korrigierte und erweiterte, nun auch qualitativ zu erfassen und einer logischen Kausalität zuzuführen.

Alexis-Claude Clairault, der am 7. Mai 1713 in Paris auf die Welt kam, entstammte einer großen, überdies kinderreichen Familie. Sein Vater, von Beruf Mathematiklehrer in der französischen Hauptstadt, erkannte schon früh die Begabung seines Sohnes für mathematische Zusammenhänge, was zur Folge hatte, daß dieser bereits als l8 jähriger Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Paris wurde, nachdem er zwei Jahre zuvor eine viel beachtete Arbeit über Raumkurven veröffentlicht hatte.

Neben zahlreichen Abhandlungen, insbesondere zur Infinitesimalrechnung schrieb Clairault zwei wichtige Bücher: 1741 die ,,Elemente der Geometrie" und 1749 die ,,Elemente der Algebra". Eine 1736 zusammen mit dem Mathematiker und Physiker Pierre Louis de Maupertius (1698-1759) unternommene Reise nach Lappland machte ihn indirekt mit der Astronomie vertraut, deren Ergebnisse 1743 in der Schrift ,,Theorie der Erdgestalt nach Gesetzen der Hydrostatik" publiziert wurden. Darin beschreibt er eine Methode zur Berechnung der Kugelgestalt der Erde, das sog. Clairaultsche Theorem, mit dem fortan die Erdabplattung genauer berechnet werden konnte. In der Folgezeit wandte sich Clairault immer stärker der Astronomie zu, veröffentlichte Arbeiten zum Drelkörperproblem der Himmelsmechanik, bezogen auf den Erdmond (1747), erstellte neue Mondtafeln (1754) und errechnete die Rückkehr des von Edmond Halley (1656-1742) entdeckten gleichnamigen Kometen für 1759. Die Abweichung von einem Jahr (Halley erschien schon 1758 wieder am Himmel), führte er auf die Existenz eines weiteren Planeten hinter dem Saturn zurück, der dann 1781 von Friedrich Wilhelm Herschel (1738-1822) tatsächlich in England entdeckt wurde: Uranus.

Alexis-Claude Clairault, der 1750 von der Akademie der Wissenschaften zu Petersburg für seine Lösungen zum Dreikörperproblem ausgezeichnet wurde, starb am 17. Mai 1765, nur zehn Tage nach seinem 52. Geburtstag in Paris.

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