Anders Celsius (1701-1744)


Am 27. Januar 1701 wurde Celsius in Uppsala geboren, zu einer Zeit, da sich Schweden mit Rußland, Polen und Dänemark im Krieg befand und König Karl XII. - allerdings vergeblich - bemüht war, seine Vorherrschaft im Ostseeraum zu verteidigen.

Die Spuren seiner Jugend-, Schul und Studienzeit verlieren sich im Dunkel der Geschichte, jedenfalls ist hierzulande darüber nur wenig bekannt. Dass er zumindest ein Fach studiert haben muss, lässt sich belegen, da er 1730 Professor für Astronomie an der Universität in Uppsala wurde.

Der praktischen Ausübung einer Tätigkeit als Astronom stand die Tatsache gegenüber, dass es in ganz Schweden keine einzige Sternwarte gab. So begab sich Celsius 1732 auf eine mehrjährige Studienreise, die ihn nach Nürnberg, Rom und schließlich Paris führte. Dabei knüpfte er nicht nur wichtige Kontakte zu anderen Astronomen, sondern sammelte auch erste praktische Beobachtungserfahrungen.

In Paris, dem kulturellen und wissenschaftlichen Zentrum des absolutistischen Frankreichs, traf er mit Pierre Bouguer zusammen, der von der Pariser Akademie der Wissenschaften damit beauftragt war, eine Expedition nach Peru, zur Durchführung von Gradmessungen, vorzubereiten. Sinn und Zweck des Unternehmens war es, Aufschluss über die Form und Gestalt des Erdkörpers zu gewinnen.

Anders Celsius erfasste die Bedeutung einer solchen Arbeit und schlug vor, die Messungen nicht nur auf einen einzigen Punkt auf der Erde, noch dazu recht äquatornah, zu beschränken. Ein Ort hoch im Norden sollte für Vergleiche besonders gut geeignet sein, um auch abweichende Vorstellungen und Theorien hinsichtlich des Aussehens der Erde berücksichtigen zu können, Pierre de Maupertius wurde derweil mit der Vorbereitung und Leitung der Lappland-Expedition beauftragt, die 1736 gleichzeitig mit der nach Peru aufbrach. Celsius gehörte, wie auch Alexis-Claude Clairault (1713-1765), zu den Teilnehmern der Nordlandfahrt und kehrte erst ein Jahr später wieder zurück. Statt jedoch unverzüglich mit einer Auswertung des umfangreichen Materials zu beginnen, setzte er sich vehement für die Errichtung der ersten schwedischen Sternwarte ein. Im Jahr 1740 konnte sie schließlich in Uppsala ihre Arbeit aufnehmen.

Noch immer konnte sich Celsius nicht vollständig der Astronomie widmen. Er untersuchte den Einfluss des Polarlichtes auf den Erdmagnetismus und widersprach der Auffassung, dass es mit dem Zodiakallicht in Zusammenhang stünde. Einige Untersuchungen des Systems der galileischen Jupitermonde, die teilweise Auswertung seiner Lappland-Expedition, das Bemühen, in Schweden den gregorianischen Kalender einzuführen und die Beobachtung von Veränderungen an den Stränden der skandinavischen Küsten, die er mit einer generellen Absenkung des Meeresspiegels erklärte, bildeten weitere Höhepunkte in Anders Celsius' wissenschaftlichem Schaffen.

Einen weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Namen machte er sich hingegen mit einer 1742 von der Schwedischen Akademie der Wissenschaften veröffentlichten Schrift mit dem Titel ,,Beobachtungen von zwei beständigen Graden auf einem Thermometer".

Während Gabriel Daniel Fahrenheit (1686-l736) und René-Antoine Ferchault de Réaumur (1683- 1757) erste gebrauchsfähige Thermometer konstruiert und eine Eichung probiert hatten, schlug Anders Celsius als Nullpunkt der Skala den Gefrierpunkt des Wassers, gemessen an einem Quecksilberthermometer in Meereshöhe, vor, den er mit 0 Grad bezeichnete. Der Siedepunkt des Wassers, wenn es vom flüssigen in den gasförmigen Aggregatzustand überwechselt, wurde mit 100 Grad angesetzt. Auch die noch heute übliche Einteilung in Zehntelgrad, wie man sie an jedem Thermometer am Fenster ablesen kann, geht auf Celsius zurück.

Erst l948 wurde im Rahmen einer internationalen Zusammenkunft der Beschluss gefasst, die Celsius- Skala für den naturwissenschaftlich-technischen Bereich einzuführen. Mittlerweile von der Kelvin-Skala weitgehend abgelöst, wird in den angelsächsischen Ländern die Temperatur jedoch häufig noch mit Fahrenheit angegeben.

Anders Celsius hat sich mit dieser Arbeit selbst ein Denkmal gesetzt, konnte aber viele andere Aufgaben nicht mehr zu einem Abschluss bringen, denn er verstarb am 25. April 1744 in Uppsala im Alter von nur 43 Jahren.

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