Giovanni Domenico Cassini (1625-1712)

Im deutschen Sprachraum tobte der Dreißigjährige Krieg, in weiten Teilen Europas bekämpften sich Katholiken und Protestanten und in Italien begann der Absolutismus Fuß zu fassen, als Giovanni Domenico Cassini am 8. Juli 1625 in Perinaldo, in der Nähe von Nizza, geboren wurde. Nach dem Studium am Jesuitenkolleg in Genua und Bologna ereilte ihn schon 1650 der Ruf der Universität Bologna, um dort die Nachfolge von Pater Bonaventura Cavalieri (1598-1647) als Professor für Astronomie anzutreten.

Zu seinen Aufgaben gehörten neben Vorlesungen über euklidische Geometrie ptolemäische Astronomie unter der Doktrin der katholischen Kirche, ingenieurwissenschaftliche Arbeiten für die italienischen Militärbehörden.

Bis zur Übersiedlung nach Frankreich in den Jahren 1668/69 - Sonnenkönig Ludwig XIV. hatte Cassini zum Mitglied der erst 1667 gegründeten ,,Academie des sciences" in Paris berufen - beobachtete der Italiener aufmerksam jede Kometenerscheinung, erstellte präzisere Sonnentafeln und berechnete die Rotationsdauer der Planeten Venus, Mars und Jupiter (z.B. ,,Lettre a. M. Petit touchant la decouverté du mouvement de la Planete Venus autour de son axe", 1667), wobei er bei letzterem ein dunkles Wolkenband zu erkennen glaubte (1665).

1669/70 wurde Cassini zum Direktor der noch nicht vollendeten Pariser Sternwarte ernannt (sie war in einem monumentalen Prunkbau untergebracht, zwar recht gut zum Zeitgeist paßte, für astronomische Beobachtungen aber jedoch völlig ungeeignet war). Mit Spezialobjektiven (86, 100 und 139 Fuß Brennweite), die jeweils durch recht unpraktische Gerüstkonstruktionen gehalten wurden, setzte Cassini seine Planetenbeobachtungen in Paris fort, entdeckte in den Jahren 1671 und 1672 die Saturnmonde Japetus und Rhea, bemerkte 1675 die nach ihm benannte Teilung des Saturnringes und fand 1684 zwei weitere Trabanten des Ringplaneten: Thetys und Dione.

Zusammen mit Jean Richter (1630-1696) errechnete er in Cayenne (Franz.-Guayana) anhand von Marsbeobachtungen die Sonnenparallaxe zu 9.5" (1672), hatte zuvor die Astronomische Einheit (AE) als Maßstab für die mittlere Entfernung Erde-Sonne (150 Mio. km) eingeführt, glaubte aus Pendelmessungen, die Richter für ihn ausführte, die Eiform des Erdkörpers erkannt zu haben und hob 1679 die ,,Connaissance des temps", den ersten nautische Kalender, aus der Taufe.

Giovanni Domenico Cassini erblindete 1710 und starb zwei Jahre später am 14. September 1712 in Paris. Nach seinem Tode wurde sein Sohn Jacques (1677-1756) Direktor der Pariser Sternwarte, gefolgt von zwei weiteren Cassinis: Cesar Francois (1714-1784) und Jean Dominique de C. (1748-1846). Die Ära der Cassinis an der Pariser Sternwarte wurde erst mit Beginn der Französischen Revolution abrupt beendet.

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