James Bradley (1692/93-1782)

Es war eine unruhige Zeit, in die James Bradley hineingeboren wurde: In der Pfalz mußten sich die Menschen den anstürmenden Truppen Ludwig XIV. im Dritten Eroberungskrieg (1688-1697) zur Wehr setzen, in Südosteuropa zeichnete sich der Zerfall des Osmanischen Reiches nach der Belagerung von Wien (1683) und der vernichtenden Niederlage bei Slankamen (1691) ab und von allem scheinbar unberührt war in England die erste konstitutionelle Monarchie nach der Revolution von 1688 im Entstehen, bei der die Rechte des englischen Königshauses stark eingeschränkt und einem vom Volk gewählten Parlament zugewiesen wurden.

Über das genaue Geburtsdatum Bradleys herrscht Uneinigkeit, ein Teil der Autoren geht von Ende März 1692 aus (z.B. Krafft, Meyer-Abich , 1970), die anderen legen März 1693 zugrunde (Becker, 1968). Sein Geburtsort scheint besser lokalisiert zu sein und wird in mehreren Quellen übereinstimmend mit Sherborne (Dorset) angegeben.

Nach dem Studium der Theologie in Oxford (1719) nahm er in Wanstead (Essex) bei seinem Onkel eine Stelle als Vikar an, der als Pfarrer und Amateurastronom mit dem großen englischen Gelehrten Isaac Newton (1643- 1727) eng befreundet war. Vermutlich war es vor allem diese Verbindung, die ihn 1721 zum Professor für Astronomie in Oxford werden ließ, nachdem er erst ab etwa 1715 überhaupt Interesse an der Himmelskunde entwickelt hatte. Hinzu kommt die offensichtliche Fürsprache Edmond Halleys (1656-1742), der hier seit 1678 die Stellung eines "magister articum" bekleidete und gleichzeitig Mitglied der Royal Society geworden war.

Die in dieser Zeit zu dem Iren Samuel Molyneux (1689-1728) geschlossene Freundschaft beinhaltete gemeinsame nächtliche Beobachtungen in dessen Privatsternwarte. 1725 begannen sie mit einem eigens hierfür konstruierten Zenitteleskop die Parallaxe des Sterns gamma Draconis zu messen. Dabei entdeckte Bradley die Aberration (scheinbare Positionsänderung eines Sterns aufgrund der Bahngeschwindigkeit der Erde), hielt sie zunächst jedoch für die Auswirkung der Nutation der Erdachse.

1728 teilte er Halley seine Entdeckung mit und berechnete außerdem einen realistischeren Wert für die Lichtgeschwindigkeit als es noch Ole Römer (1644-1710) vermochte. Nach dem Tode Edmond Halleys 1742 übernahm James Bradley dessen Aufgaben als Royal Astronomer und Direktor der Sternwarte zu Greenwich.

1737 setzte Bradley auch wieder seine Untersuchungen der Nutation fort, nachdem er in seinen Aberationswerten Ungenauigkeiten gefunden hatte. Der Nachweis über den tatsächlichen Grund gelang ihm schon bald, doch erst am Jahresende 1747 entschloß er sich, diesen der Royal Society schriftlich mitzuteilen.

Zu seinen Arbeiten in Greenwich zählten weiterhin Meridianbeobachtungen, die allerdings erst von 1798 bis 1805 von Thomas Hornsby (1733-1810) veröffentlicht wurden, und die genauere Messungen der Eigenbewegung von Fixsternen, der Präzession und Nutation zur Folge hatten, bzw. die Grundlagen für die Herausgabe der Fundamentalkataloge schufen.

James Bradley, der am 13. Juli des Jahres 1782 in Chalford verstarb, gilt als einer der Begründer der Positionsastronomie und damit als einer der bedeutendsten Astronomen des 18. Jahrhunderts.

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