William Cranch Bond (09.09.1789 - 29.01.1859)

Er entstammte einer traditionsreichen Familie aus der englischen Grafschaft Cornwall (mit eigenem Familienwappen und einer bis ins 11. Jahrhundert zurück reichenden Familiengeschichte), die nunmehr in Plymouth beheimatet war. Als sein Vater William im Jahr 1784 den britischen Teil Amerikas besuchte - erst wenige Monate zuvor war der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg durch den Frieden von Paris beendet worden, entschloss er sich kurzerhand, überzusiedeln. Im Mai 1786 kamen William Bond und Hannah Cranch, seine aus Devonshire kommende Frau, mit ihren beiden Kindern Thomas und Thomazine in Falmouth im District of Maine (heute zu Portland gehörend) an, wo William Cranch Bond am 9. September 1789 geboren wurde. William Bond lebte in der Stadt als Uhrmacher und vererbte Interesse und Talente auf seinen Sohn, der schon mit 10 Jahren Uhren reparieren konnte. Seine Mutter hatte die Familie kurz nach seiner Geburt verlassen und emigrierte nach Massachusetts, wo sie ein eigenes Holz-Export-Geschäft eröffnete, aber nach kurzer Zeit Pleite ging. Die Familie zog dann gemeinsam nach Boston, wo sein Vater ein eigenes Uhrengeschäft eröffnete. William Cranch Bonds Schulzeit währte nur kurz, weil Not und Armut ein ständiger Begleiter waren. Er musste in der Werkstatt seines Vaters aushelfen, bewies aber einmalige mechanische Fähigkeiten, als er bereits im Alter von 15 Jahren einen eigenen Chronometer konstruierte, der sich offenbar gut verkaufte.

Die totale Sonnenfinsternis vom 16. Juni 1806, bekannt auch als die Finsternis von Tecumseh (1768 - 1813), dem Anführer der Shawnee-Indianer, der während des Ereignisses die Vision von einem vereinten Indianerstaat hatte, lenkte Bonds Aufmerksamkeit auf die Astronomie, die er fortan als Amateurastronom betrieb. Als erste Sternwarte konnte er das Dana House der Universität nutzen, wo er eine Studierstube einrichtete und die Decke durchbrach, um sein Meridianfernrohr dort aufstellen zu können. Sie war die erste Privatsternwarte in Amerika. In seinem ersten, eigenen Haus, in Dorchester, das er nur wenig später errichten ließ, baute er einen Pavillon mit aufklappbarem Dach. Hier fand er im Jahr 1811 seinen ersten Kometen, war aber nur Co-Entdecker, denn Honorè Flaugerguess (1755 - 1830/1835) hatte C/1811F1 am 25. März, als sich der Schweifstern noch in 2,7 Astronomischen Einheiten befand, gefunden. Weitere Entdecker waren Jean-Louis Pons (1761 - 1831) am 11. April und Franz Xaver von Zach (1754 - 1832), ebenfalls am 25. März. Bond sah den Kometen zum ersten Mal am 21. April, wusste aber nichts von den Arbeiten in Europa. So wird er in der Regel auch nicht als Kometenentdecker gelistet. Dieser Schweifstern war, ähnlich wie seinerzeit Hale-Bopp, für rund 260 Tage zu beobachten.

Von Beruf Uhrmachermeister, testete er schon bald Chronometer für offizielle wissenschaftliche Expeditionen zur Längengradbestimmung im Osten der Vereinigten Staaten. 1819 heiratete er seine Cousine Selina Cranch; sie gebar ihm vier Söhne und zwei Töchter. Nach ihrem Tod im Jahre 1831, heiratete Bond ihre ältere Schwester, Mary Roope Cranch.

Das Jahr 1815 führte ihn - nach dem Friedensschluss zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien - im Auftrage des Harvard College nach England, um den Plan zur Errichtung eines astronomischen Observatoriums zu entwerfen und die dazu nötigen Instrumente fertigen zu lassen. Gleichzeitig wurde sein Ansinnen, in Harvard Instrumente für astronomische und meteorologische Forschungen anzuschaffen, zunächst abgelehnt. Dies wurde erst viel später, im Jahr 1839 genehmigt, mit der Auflage, auf dem Gelände nur eigene Instrumente aufzustellen.

Die Reise nach Europa wurde vom Harvard College finanziert, dem er dann nach seiner Rückkehr auch Bericht erstatten musste. In England traf er mit mehreren namhaften Astronomen seiner Zeit (dem Astronomer Royal Pond und u. a. William Herschel), zusammen, besichtigte und untersuchte die Instrumente des Greenwich Observatory, bevor er nach Edinburgh weiterreiste, um sich dort umzusehen. Die Ergebnisse der Reise fasste er in der ersten Ausgabe der Annals Of The Harvard College Observatory.

Zwischen 1825 und 1830 unterstützte er - wieder unbezahlt - die Bemühungen der US Marine zur Verbesserung ihrer Schiffschronometer, unternahm meteorologische und auch magnetische Messungen. Es waren wohl die dabei erzielten Ergebnisse und die hervorragenden Chronometer Bonds sowie die Kontakte zum Harvard College, die ihm 1838 den Auftrag der US-Regierung verschaffte, die U.S. Exploring Expedition zwischen 1838 und 1842 unter der Leitung von Lieutnant Commander Charles Wilkes (1798 - 1877) zur Erforschung des Pazifiks und der bis dahin weitgehend unbekannten Antarktis mit seinen Instrumenten auszustatten.

Die Harvard University in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts wurde 1636 von den Pilgervätern, engl. Pilgrims (die sich auf das Wirken des Apostels Paulus beriefen), die 1620 mit dem Segelschiff Mayflower an der amerikanischen Ostküste landeten, als privat finanzierte Universität gegründet. Der eigentliche Lehrbetrieb begann 1638 und 1639 erhielt sie ihren bis heute gültigen Namen nach John Harvard.

Ein Teil der University ist das Harvard College, das seit 1727 über eine von Thomas Hollis geleitete astronomische Fakultät verfügte, dem 1738 John Winthrop folgte, der z. B. 1761 in Neufundland den Venustransit verfolgte. Erstaunlicherweise verfügte die Einrichtung aber nicht über eine eigene Sternwarte, sondern nutzte das sog. Dana House, das Yale-Observatory und die 1836 am Williams College neu eröffnete Einrichtung.

Das änderte sich erst 1839, als William Cranch Bond, der gerade in Europa Sternwarten und Teleskope besichtigt hatte, als Amateur mit dem Bau des Observatoriums beauftragt wurde. Er jetzt durfte er seine eigenen Instrumente und die aus dem Dana House auf dem neu bereitgestellten Gelände aufstellen. Fortan wurde er zwar nicht als Observator, sondern als unbezahlter "Astronomischer Beobachter im Auftrag der Universität" geführt, was ihn aber nicht davon abhielt, all seine Kraft und Energie in den Aufbau der Sternwarte zu stecken. Allerdings fehlte am Anfang natürlich das Geld für ein hochmodernes Observatorium. Einer der Unterstützer, die er fand, war der frühere Universitätspräsident Josiah Quincy, auch halfen Expertisen aus Europa und hier besonders der Royal Society. Den richtigen Schub gab es aber erst 1843, als mit C/1843 D1 ein großer Tageslichtkomet der Kreutz-Gruppe beobachtet werden konnte, der auch in der Öffentlichkeit weite Beachtung fand. Er näherte sich der Sonne bis auf 830.000 km und entwickelte nach dem Periheldurchgang einen mit zwei astronomischen Einheiten extrem langen Schweif, der die Erde am 6. März passierte. In der Folge konnte Bond, der inzwischen zum Direktor der Sternwarte berufen worden war, auf die finanzielle Situation seines Instituts aufmerksam machen und bekam durch Spenden 25.730 Dollar zusammen.

Mit dem Geld wurde ein 15zölliger Refraktor beschafft, der über eine Linse von Merz & Mahler aus München verfügte und war ein Zwilling des 1839 für die Sternwarte Pulkowo gebauten Linsenfernrohres. 1844 wurden dann alle Teleskope aus dem Dana House auf das Harvard-College-Observatory transferiert. Damit konnte endlich auch der Beobachtungsbetrieb aufgenommen werden. Der für die nächsten 20 Jahre größte Refraktor der Welt wurde 1847 unter einer von Bond selbst konstruierten Kuppel aufgestellt. Sein enormer mechanischer Einfallsreichtum zeigte sich in dem bemerkenswerten Beobachterstuhl, in der Regelungstechnik und dem an der Montierung angeschlossenen Chronographen. Sein First Light erhielt der Refraktor am 24. Juni 1847 am Mond.

Mit dem 15-Zöller unternahm Bond aufwändige Studien des Orion-Nebels, der Sonnenflecken und - wie aus der Datenbank des SAO/NASA Astrophysics Data System (ADS) ersichtlich - der Planeten Saturn und Neptun, ihrer Monde und diverser Kometen. Bemerkenswert ist ein Artikel in der Oktoberausgabe des Jahres 1850 der Astronomischen Nachrichten über den Kometen 1850 II, der am 29. August des Jahres von Bond und am 5. September von Theodor Brorsen (1819 - 1895) entdeckt worden war und von der Altonaer Sternwarte aus verfolgt wurde, die seinerzeit der Universität Kiel angegliedert war. An dieser Stelle werden ein paar Bemerkungen zu William Cranch Bonds Sohn George Philips Bond notwendig, der am 20. Mai 1825 in Dorchester geboren wurde, und der, im Gegensatz zu seinem Vater, am Harvard College Astronomie studierte und später Assistent bei seinem Vater und dann 1859 dessen Nachfolger als Direktor wurde. Am 16. September 1848 entdeckten beide gemeinsam sowie William Lassell (1799 - 1880) am 18. September den siebten Saturnmond Hyperion, der den Ringplaneten in einem mittleren Abstand von 1,4 Mio. km binnen etwas mehr als 21 Tagen umkreist und annähernd die Form einer Kartoffel hat. Wenig später fiel ihnen als Erste der C-Ring in Saturns Ringsystem auf. Zusammen mit John Adams Whipple (1822 - 1891), Pionier der Fotografie und der Astrofotografie in den USA, der seit 1839 mit der Daguerreotypie, benannt nach dem französischen Maler Louis Jacques Mandé Daguerreo, der zwischen 1835 und 1839 das erste Verfahren zur Herstellung fotografischen Abbildungen entwickelt hatte. In der Nacht vom 16. auf den 17. Juli 1850 nahmen die beiden Bonds und Whipple den Stern Wega in der Leier auf, die Belichtungszeit auf den noch recht unempfindlichen Platten betrug 100 Sekunden. So wurden sie zu den ersten amerikanischen Astrofotografen. Nach dem ersten Erfolg erstellten sie zwischen 200 und 300 Fotoplatten vom Mond, Sternen und Planeten. Die hohe Qualität der Aufnahmen ist letztlich auch der Güte der Optik zu verdanken.

Ab 1840 wurden auf der Harvard-Sternwarte auch meteorologische Untersuchungen vorgenommen, deren Aufzeichnungen bis zum Jahr 1888 von G. P. Bond fortgeführt und in zahlreichen, auch gemeinsamen, Veröffentlichungen publiziert wurden.

Neun Jahre später, am 29. Januar 1859, verstarb William Cranch Bond, der als Amateurastronom eine Profisternwarte gründete und nicht nur dafür mit zahlreichen Ehrungen, die meisten posthum, bedacht wurde. Der 110,6 km durchmessende Mondkrater Bond (33.2S, 36.0W) wurde 1973 nach ihm und seinen Sohn benannt, ein Bergrücken auf dem Saturnmond Hyperion (48.0N, 143,5W) trägt seit 1982 den Namen Bond-Lassell Dorsum und der Asteroid (767) Bondia, auch 1913 SX, am 23. September 1913 durch den amerikanischen Amateurastronomen Joel Hastings Metcalf (1866-1925) am Winchester Observatory entdeckt, wurde nach Vater und Sohn Bond benannt. Edward Singleton Holden: Memorials of William Cranch Bond, Director of the Harvard College Observatory 1840 - 1859 and of his son George Phillips Bond, Director of the Harvard College Observatory 1859 - 1865

http://www.encyclopedia.com/topic/William_Cranch_Bond.aspx#1-1G2:2830900521-full
http://messier.seds.org/xtra/Bios/wcbond.html

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