Die 24. Bochumer Herbsttagung am 22. Oktober 2005

Auch in diesem Jahr stand die Bochumer Herbsttagung der Amateurastronomen wieder ganz oben auf der Wunschliste meiner astronomischen Besuchstermine. Auch wenn sich diese in der Vergangenheit leider nicht immer realisieren, so ist ein Nichtbesuchen immer auch ein Verlust an astronomischer Lebensqualität, auch wenn gerade eine Woche zuvor das NAFT in Hannover stattgefunden hatte.

André Wulff holte mich morgens um 6:30 Uhr bei teilweise klarem Himmel ab (Mond und Mars verschwanden aber teilweise hinter durchziehenden Wolken). Nahe der Autobahnauffahrt in Jenfeld fielen wir zu früher Stunde bei einem Bäcker ein, versorgten uns mit dem nötigen Futter und einer Tageszeitung und schon gehörte die Autobahn uns. Der Verkehr war um diese Zeit relativ gering, dafür nahm die Bewölkung langsam zu je näher wir uns dem Ruhrgebiet näherten.

Als wir schließlich nach gut drei Stunden im Bereich der Ruhr-Universität ankamen, gab es leichten Landregen und wir ärgerten uns kaum, den ganzen Tag in einem Hörsaal zu verbringen. Dafür wurden wir mit einem wahrhaft gigantischen Programm belohnt. Gleich zu Beginn der Veranstaltung wurde nach der Begrüßung durch Peter Riepe (VdS) angekündigt, das im Laufe dieser BoHeTa die Betreuung seitens des Astronomischen Institutes der Ruhr-Universität vom inzwischen emeritierten Prof. Wolfhard Schlosser auf Prof. Dr. Dettmar übergeht. Prof. Schlosser wurde für seine immerhin 24 Jahre währende Unterstützung vom Plenum der Dank ausgesprochen. Susanne Hüttemeister vom Bochumer Planetarium nutze die Gelegenheit, auf eine musikalische Veranstaltung am heutigen Abend hinzuweisen, die um 19:30 Uhr beginnen sollte und äußerte den Wunsch, künftige BoHeTas möglicherweise gemeinsam mit ihrem Haus zu organisieren.

Eberhard Bredner aus Ahlen-Dolberg hatte es danach schon etwas schwerer, mit seinem ersten Vortrag über „Freund und Leid eines Okkultisten“ die diesjährige BoHeTa zu beginnen, aber er löste diese Aufgabe mit Bravour und mit einer launischen Vortragsweise berichtete er über die Aldebaran-Bedeckung vom 4. Februar 2005, seine Erlebnisse bei der ringförmigen Sonnenfinsternis vom 3. Oktober, die er auf Ibiza beobachtete, wo aber der Himmel am Finsternistag bewölkt war ...

Bernd Gährken, Rheda-Wiedenbrück, sprach danach über den „Jahrtausendmars im Jahrhundertsommer“ und zeigte seine Planetenaufnahmen aus dem Sommer 2003, als der rote Planet der Erde so nahe kam, wie seit 56.000 Jahren nicht mehr.

Gisela Maintz aus Bonn führte vor Augen, das man auch im Rentenalter noch Astronomie studieren kann und sprach über „RR Lyrae-Sterne - ihre Positionen und Kinematik in der Galaxis“, bevor Josch Hambsch aus dem hellen Belgien über „Astrofotografie auf drei Kontinenten“ referierte und Aufnahmen seiner Sternwarte, von Astroreisen in die USA und nach Namibia auf die Leinwand projizierte, die allesamt von hoher Qualität und Güte waren (selbst die aus seiner Wahlheimat!). Als Mitglied der IAS (Internationalen Amateursternwarte) in Namibia machte er neugierig auf Reisen in ferne Länder, um dort Astronomie unter dunklem Himmel zu erleben, was leider nicht jedem Sternfreund vergönnt ist.

Daran schloss sich eine etwa anderthalb stündige Mittagspause an, in der André und ich erst mal aufgrund einer Baustelle den richtigen Weg in das Uni-Center suchen mussten. Als wir den gefunden hatten, war der Chinese, bei dem wir einkehren wollten, nicht mehr da. Schließlich landeten wir in einer Pizzeria, wo wir uns zwei leckere Rumpsteaks mit Pommes und einen halben Liter Cola kommen ließen. Zwischendurch trafen wir immer wieder auf einige der ebenfalls aus Hamburg angereisten GvA-Mitglieder, die ihre Lokalität teilweise schon gefunden hatten, oder ebenfalls noch auf der Suche waren. Nach einem kurzen Besuch eines Supermarktes, der irgendwie an das Kaufland in Rudisleben bei Erfurt erinnerte, kehrten wir in den Hörsaal der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität zurück.

Den Vortrag von Hans-Günter Diederich aus Darmstadt über „Zwerggalaxien außerhalb der Lokalen Gruppe“ hatten wir verpasst (es wurden hier dem Vernehmen nach Bilder gezeigt, wo manche Welteninseln kaum von CCD-Pixeln zu unterscheiden waren).

Dafür informierten wir uns über die positiven Entwicklungen in der Jugendarbeit der VdS. Susanne Hoffmann, Berlin, und Willem van Kerkhof, Witten, berichteten über „VEGA, jung und aktiv (ASL und VEGA - die Jugendarbeit der VdS)“ und Volker Heesen über „Das Astronomische Abenteuer Camp“, das jedes Jahr von der Moerser Astronomischen Organisation (MAO) in einer Mühle am Niederrhein durchgeführt wird.

René Pascal, vielen in der GvA sicher kein Unbekannter, der jetzt in Bonn arbeitet, hatte die sagenhafte Bearbeitung der Bilder von der Oberfläche des Saturnmondes Titan durch Amateurastronomen zum Thema: „Den Schleier lüften: Bildbearbeitung der Huygens-Rohdaten“ (vgl. hierzu auch das Titelbild im vorletzten Sternkieker!).

Dr. Thomas Eversberg vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sprach in seinem Fachvortrag über „Winde, die auf Sternlicht segeln - Sonnenwindphänomene von der Sonne zu den Quasaren“. Durch seine äußerst lebendige Vortragsweise, bei der Peter Riepe und Rainer Sparenberg zeitweise als Elektronen dienen mussten, wurde ein richtiges Highlight bei diesem an sich sehr schwierigen Thema daraus. Trotz der langen Vortragsdauer wurde dem Zuhörer zu keiner Minute langweilig.

Nach der nun folgenden Kaffeepause (ohne Kaffee, da es diesen bei der Tagung leider nicht gab), kam es zur Schlussoffensive, wie man im Fußball sagen würde.

Hartwig Lüthen, Hamburg, war nun mit Aufnahmen aus seinem hellen „Altona Observatory“ an der Reihe, wo er mit C 8 und Webcam bzw. Mintron Mond, Mars, Galaxien, Sprites und Nachtleuchtende Wolken zu Leibe rückte.

Georg Dittié, Bonn, zeigte unter dem Titel „Der Zauber der Nacht - Allsky-Animationen des herbstlichen Nachthimmels“ Aufnahmen, die zum Teil noch etwas ruckelig waren, aber sehr eindrucksvoll den Lauf einer klaren (oder auch mehr oder weniger bedeckten) Nacht auf der Emberger Alm zeigten. Für öffentliche Führungen sind diese Animationen absolut geeignet, und schließlich dafür auch gedacht.

Im letzten Vortrag stellte Bernd Koch aus Sörth die „Astrofotografie mit der von Hutech modifizierten Canon EOS 20 D“ vor und präsentierte Aufnahmen, die sowohl mit dieser als auch mit der neuen Canon EOS Da und der normalen EOS 20 D entstanden waren, die ja bekanntlich wenig rotempfindlich ist. Allerdings, so mein persönlicher Eindruck, konnten die Aufnahmen nicht wirklich überzeugen, waren sie doch zumeist etwas blaustichig oder wirkten künstlich, was aber teilweise auch am Beamer lag.

Nach dem letzten Vortrag kam Prof. Dettmar zu seinem ersten Schlussplädoyer und forderte die Amateure auf, vermehrt den Gedanken der Astronomie in ihre Alltagsleben zu tragen, mehr Menschen für dieses Hobby zu begeistern und wies auch auf die Möglichkeit hin, das Amateure und Profis gleichermaßen forschend tätig sein können. Dazwischen versuchte Susanne Hüttemeister abermals das Plenum für einen Besuch ihres Planetariums an diesem Abend zu gewinnen, es fand sich jedoch niemand, der um 19:30 Uhr bei Musik und Sternenhimmel den Tag ausklingen lassen wollte. Das lag sicher auch daran, dass ein Teil der Besucher nach Hause fahren und andere noch örtliche Lokalitäten aufsuchen wollte. So wird für das kommende Jahr versucht, Schnittmengen für gemeinsame Aktivitäten im Rahmen der 25. BoHeTa zu finden.

So endete die 24. Bochumer Herbsttagung mit einem positiven Gesamteindruck, vor allem, was die Vielfalt der dargebotenen Themen betrifft, denn es waren sowohl echte Amateur- als auch High-End-Ergebnisse dabei.

Nach dem offiziellen Ende fuhren wir alsbald wieder nach Hause. Erst mal musste eine „Tanke“ gefunden werden (die Benzinkosten für zwei Leute lagen dabei nur geringfügig höher als das Bahnticket und man wurde vor der Haustür abgesetzt), danach ging es wieder auf die Autobahn, durch Baustellen und Nebelbänke hindurch und vor der Autobahndreieck Alhorner Heide an einem auffälligen Skybeamer vorbei, der tief hängende Wolken und Nebelschichten silhouettenartig bestrahlte. Zwischendurch konnte ich in Wolkenlücken den gerade aufgegangenen Mars sehen (und während der Fahrt auch einen essen ...).

Gegen 23 Uhr kamen wir dann müde, aber dennoch froh über den schönen Tag in Bochum wieder in unserer Hansestadt an, nur um in meinem Fall ein paar Tage später dann nach Kirchheim aufzubrechen, aber das ist jetzt ein anderes Thema ...

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