21. Bochumer Herbsttagung am 19.10.2002

Der große Zeiger der Uhr rückte auf 4:45 Uhr vor und löste damit den Weckton aus, der mich an diesem Morgen aus dem Schlaf riss. Eine große Tagesreise stand bevor, denn etwa eine Stunde später würde André Wulff mich abholen, um dann weiter nach Sittensen zu fahren, wo wir Christian Harder abholen würden. Unser gemeinsames Ziel war der Besuch der BoHeTa.

Der amateurastronomische Terminkalender eines jeden Jahres enthält eine feste Eintragung: Die Bochumer Herbsttagung (BoHeTa). Für den Zeitraum Ende Oktober oder Anfang November laden die Vereinigung der Sternfreunde (VdS) gemeinsam mit der Ruhr-Universität der Stadt Bochum zum alljährlichen Sternfreundetreff ein. Neben einem umfangreichen Vortragsprogramm ergeben sich immer wieder viele Möglichkeiten, alte Bekannte wieder zu treffen oder neue Leute kennen zu lernen, die aus dem ganzen Bundesgebiet, zum überwiegenden Teil jedoch aus Nordrhein-Westfalen oder den angrenzenden Bundesländern, stammen.

Kurz nach 9 Uhr trafen wir auf dem Universitätsgelände ein. Nur Sekunden später parkte neben uns ein anderes Fahrzeug mit Hamburger Kennzeichen ein. Ihm entstiegen Hartwig Lüthen, Gerd Neumann, Konstantin von Poschinger und Oliver Rensch: Die GvA war mit 7 Mitgliedern eingetroffen.

Nach einer kurzen Begrüßung machten wir uns durch das eintönig betonfarbene Universitätsgelände auf zum Hörsaal im Bereich der Medizinischen Fakultät. Dort waren bereits einige Sternfreunde, die einen weniger langen Anfahrtsweg hatten, als wir, dabei, Stellwände und Stände aufzubauen. Gerd und Oliver errichteten sogleich einen GvA-Stand, präsentierten auf Stellwänden Astrofotos und Zeitungsausschnitte zum Rauswurf der GvA aus dem Planetarium und legten Sternkieker aus.

Um 10 Uhr eröffnete dann Peter Riepe die 21. Bochumer Herbsttagung, Grußworte an das Plenum richteten Prof. Schlosser von der Ruhr-Universität und Otto Guthier, der Vorsitzende der VdS.

Im ersten Beitrag stellte André Knöfel in seinem Referat „Feuerwerk in der Vollmondnacht - Leoniden 2002” die Vorhersagen für die letzte gute Sichtbarkeit dieses Meteoritenschwarms vor und verglich diese mit den Prognosen früherer Ereignisse.

Bernd Gährken war als nächster dran. Sein Thema lautete: „Jupiterfotografie mit Webcam und kleiner Optik”. Abweichend davon führte er mit dem Rücken zum Publikum per Laptop die Aufnahmen vor, die er auch auf seiner Homepage im Internet veröffentlicht hat.

Thomas Payer präsentierte die Ergebnisse der „Beobachtungen des Kleinplaneten 2002NY20” der Essener Sternfreunde und Dr. Eberhard Bredner berichtete in amüsanter Form über die „Bedeckung des Sterns 43 Tauri durch den Kleinplaneten (345) Tercidina”. Kurz vor der Mittagspause waren dann Otto Guthier und Dr. Werner Celnik mit ihrem Beitrag über „Das VdS-Journal: 10 Ausgaben” an der Reihe.

André, Christian und ich verzichteten allerdings, schon sehr hungrig, auf die Ausführungen, weil wir die Futtertempel in nahe gelegenen Uni-Center vor den anderen BoHeTaniern erreichen wollten. Unterwegs trafen wir Hartwig und Oliver, die die gleiche Idee hatten. Während diese Beiden „richtig” zu Mittag aßen, fielen wir bei Burger King ein: fast food for ever!

Nach dem mehr oder weniger sättigenden, auf jeden Fall aber fetthaltigen, kalorienträchtigen und colersterinsteigernden Mahl ging es wieder durch die hässlichen Betonbauten zurück. Die restliche Zeit bis zum nächsten Vortrag verbrachten wir dann mit Klönen.

Ab 14 Uhr berichtete dann Dr. Werner Celnik über seine „Leoniden-Expedition ins Outback”. Er machte durch zahlreiche Mittelformataufnahmen der australischen Landschaften und viele Astrofotos Lust auf einen Besuch des 5. Kontinents.

Die wiederbelebte VdS-Fachgruppe „Geschichte der Astronomie” erlebte ihre Vorstellung durch Wolfgang Steinicke sowie Aufgaben und Ziele. Hier ist eine neue, viel versprechende Arbeitsgruppe im Entstehen.

In ein Spezialgebiet der CCD-Fotografie führte anschließend Peter Bresseler ein: „Objekte des Atlas of the Peculiar Galaxies im Amateurfokus”. Und dann kam es zu einem der Höhepunkte der diesjährigen BoHeTa, der Verleihung der VdS-Medaille, die seit 1999 vergeben wird. Bisherige Presiträger sind Michael Jäger, Walter Kutschera und Wolfgang Lille. Als 4. Preisträger wurde Bernd Flach-Wilken gekürt, der überrascht die Urkunde und die Medaille entgegennahm. Das Preisgeld in Höhe von 500 EUR stiftete er der VdS, die diesen Geldbetrag zur Verfügung gestellt hatte. In der Laudation berichtete Wolfgang Steinicke über den astrofotografischen Werdegang Bernd Flach-Wilkens, dessen Aufnahmen auch schon so manches Titelbild und viele Bildseiten im Sternkieker zierten.

Als nächstes war dann erst einmal eine längere Pause angesagt. Zwar ging es nach 10 Minuten mit dem Festvortrag von Prof. Dr. J.V. Feitzinger, dem Direktor der Sternwarte Bochum weiter, der über die „Astronomie im 21. Jahrhundert” berichtete, doch muss man irgendwo Abstriche beim Programm machen, wenn man nebenher auch mit anderen Sternfreunden Kontakt aufnehmen möchte. Und da ich mich für Astronomie- und Raumfahrtgeschichte interessiere, traf ich mich mit Wolfgang Steinicke und Frank Richardsen. Gemeinsam diskutierten wir u.a. über die Interpretation der Sternscheibe von Sangershausen und deren astronomische Deutung. Auch dem nachfolgenden Vortrag von Hans-Günter Diederich über „CCD-Aufnahmen auswerten - Identifizieren, Erkennen von Strukturen, Arbeiten mit Filtern” blieben Christian und ich fern, während ihm André beiwohnte.

Zu den absoluten Highlights des Tages zählten die zwei letzten Beiträge. Oliver Jahreis zeigte ein Video über „Das herbe Astrocamp” der VdS-Jugend, das für sehr viel Amüsement und Heiterkeit sorgte und mit stürmischen Applaus bedacht wurde. Rainer Sparenberg und Volker Robering führten dann, sozusagen als „Rausschmeißer” einen Film über ihre Namibiareise vor, der sehr informativ war und im Stile einer guten Dokumentation, die ja heute sehr selten geworden ist, den Besucher nicht nur durch die Farm Tivoli und die Astronächte unter einem klaren Südhimmel führte, sondern auch viel von Land und Leuten zeigte.

Peter Riepe kam danach zu seinem Schlusswort und lud auch für 2003 wieder zur BoHeTa ein, die möglicher Weise an 1. November stattfinden wird. Allerdings ist dieser Termin noch nicht sicher, da dies in Nordhrein-Westfalen ein Feiertag ist (Allerheiligen), ein hier im Norden ganz normaler Arbeitstag, der allenfalls mit Halloween in Verbindung gebracht wird.

So etwa gegen 18:45 Uhr kehrten wir dem ungastlich wirkenden Univiertel den Rücken und kehrten nach einer kleinen unfreiwilligen Irrfahrt durch Bochum auf der Suche nach einer Tankstelle wieder nach Hamburg zurück. Unterwegs konnten wir den fast vollen Mond, Mondhalos und streckenweise dicke Regentropfen auf der Windschutzscheibe bewundern. Gute drei Stunden später war ich am Ende eines langen, aber erlebnisreichen und sehr informativen Tages wieder zu Hause. Schade nur, dass wir Nordlichter für richtig gute astronomische Veranstaltungen immer sehr weite Wege in Kauf nehmen müssen, die manchen Sternfreund aus unseren Breiten, von einer Teilnahme abhalten.



Eine Astrotagung im Stile der BoHeTa in Norddeutschland: Wäre das nicht eine Idee, die man verfolgen sollte?

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