Besuch der BoHeTa am 31. Oktober 1998

Es war ein kalter, stürmischer Samstagmorgen, als ich trotz Weckerausfall um wenige Minuten nach 4 Uhr aufwachte. Kein Astrowetter, aber immerhin eines, das nicht daran hinderte, zur 17. Bochumer Herbsttagung aufzubrechen. Gegen 5:15 Uhr fuhr ich los, unterwegs sammelte ich zwei weitere GvA-Mitglieder auf und los ging es über die A 1 bis Münster und dann über die A 43 bis Bochum-Querenburg. Hinweisschilder, die uns zur Ruhr-Universität geleiteten, machten das Auffinden des Tagungsortes relativ einfach, wo wir dann etwa um 9:20 Uhr ankamen.

Im Gegensatz zu vorherigen Jahren verzichteten wir dieses Mal auf eigene Stände oder Vereinspräsentationen, um die Veranstaltung in vollen Zügen geniessen zu können. Der Weg zum Hörsaal HMA 10 wurde ohne Hürden genommen und so trafen wir hier auf die ersten Sternfreunde, die schon rechtzeitig, teilweise am Tag vorher, angereist waren, um ihre Schautafeln anzubringen oder Tische zu dekorieren.



Um 10:00 Uhr begann der offizielle Teil der diesjährigen BoHeTa mit der Verkündung der Regularien durch Peter Riepe und Prof. Dr. W. Schlosser. Insgesamt 13 Vorträge und 2 Führungen standen auf dem Programm, das jedem ausreichend Gelegenheit bot, entweder den Referaten beizuwohnen, oder während dessen Kontakte mit alten und neuen Bekannten zu pflegen.

Ich beschränke mich hier bei der Kurzbeschreibung der einzelnen Vorträge auf die, die ich selbst gehört habe. Die anderen waren damit nicht automatisch schlecht, sondern lagen nicht unbedingt im meinem Interessengebiet, oder ich habe sie schlicht verpaßt.

Dr. Werner E. Celnik zeigte im ersten Vortrag die Möglichkeiten der "Bildbearbeitung mit Standard-Software" auf, bei der es um die digitale Verarbeitung eingescannter Photos ging. Wie üblich, wurden leider auch hier nicht alle Geheimnisse verraten, dennoch zeigten die Aufnahmen eindrucksvoll, wie man mit Kontrastveränderungen und Helligkeitvariationen mehr an Bildinformationen herausholen kann.

Die nachfolgenden Vorträge bis zur Mittagspause nutzte ich dann ausserhalb des Hörsaals zum Klönen mit anderen Sternfreunden und später mit meinen Mitfahrern zu einer vorgezogenen Mittagspause bei Burger King.



Nach einem mehr oder weniger ausgiebigen Fast-Food-Mahl machten wir uns gestärkt an die nachmittäglichen Vorträge.



Stefan Karge referierte über die "Hans-Ludwig-Neumann-Sternwarte des Physikalischen Vereins Frankfurt", deren wahrhaft zentrale Lage im Herzen der lichterfüllten und mit Wolkenkratzern vollgestellten Bankenmetropole und die auf dem kleinen Feldberg errichtete Außensternwarte, deren Bau und die ersten Beobachtungen und Fotografien.

Von seiner Reise zu den "Sternwarte im Westen der USA" berichtete anschließend Udo Bojarra. Seine Aufnahmen zeigten nicht nur einige der größten hier gelegenenen Sternwarten, sondern auch viele Eindrücke aus einer faszinierenden Naturlandschaft. Sie machten Lust und Laune, einmal selbst das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" zu bereisen.

Dr. Norbert Stapper gab danach seine Erfahrungen bei der "CCD-Fotografie von Deep-Sky-Objekten aus der Stadt heraus" weiter und machte vielen Mut, die unter ähnlich ungünstigen Voraussetzungen ihr Amateurdasein fristen müssen.

Die nächsten Vorträge ließ ich dann ausfallen, da mir das lange Sitzen auf den unbequemen Hörsaalstühlen zu schaffen machte. Nach der Kaffeepause wollte ich mir eigentlich den Fachvortrag von Prof. Dr. Feitzinger anhören, doch wie es das Schicksal so wollte, habe ich die Zeit mit einem Hamburger Astrokollegen verquatscht und den Hörsaal erst wieder zum Vortrag von Dr. Eberhard Bredner betreten, der die Zuhörer durch eine lockere Art und verschiedene Videoaufnahmen mit der Frage: "Aldebaran streift den Mond?" in den Bann zog und für viel Amüsement sorgte.



Dr. Klaus-Peter Schröder und Bruno Mattern informierten über "Eine Sternwarte auf Teneriffa", die von beiden im Laufe der Jahre dort errichtet wurde. So brauchen sie künftig im Übergepäck nicht mehr die Fernrohrtuben und -montierungen mitnehmen.

Den gelungenen Abschluß bildete der Vortrag von Dr. Stefan Binnewies und Peter Riepe: "Mit 16 Zoll auf Exkursion- Der Keller-Hypograph im Einsatz". Hier stellten sie die Eindrücke und Ergebnisse der letzten Namibiareise anhand vieler toller Bilder vor, und zeigten einen professionell gemachten SVHS-Film, der trotz seiner Verspieltheit im Umgang mit der Technik zum absoluten Highlight des Tages zählte. Daher störte es auch niemanden, dass die 17. BoHeTa erst kurz nach 19 Uhr offiziell endete.

Parallel zu den Nachmittagsreferaten gab es Möglichkeiten, entweder das Astronomische Institut der Ruhr-Uni oder das Optiklabor der Fa. Pleiger in Witten zu besuchen. Ich persönlich finde es schade, daß dieses Besuchsprogramm zeitgleich zu einigen Vorträgen stattfindet. Das ist zwar, wenn ich mich recht erinnere, schon seit einigen Jahren so, hat aber den Nachteil, daß, wenn man es denn wollte, nicht alles mitmachen konnte und ausserdem der 14 Uhr-Termin für die Vortragenden sehr undankbar ist, da sie hier nur noch vor einem Restpublikum referieren können (müssen). Eine Entzerrung wäre meiner Meinung nach besser. Etwa in der Form, dass die Führungen zeitversetzt in der Mittagspause stattfinden, die dafür bis 15 Uhr ausgedehnt wird.

Insgesamt aber war es lohnenswert, zur BoHeTa zu fahren. Was auffiel, war auch hier der Trend, eher zu konsumieren, als zu präsentieren. Die Zahl der sich vorstellenden Vereine ist deutlich zurückgegangen, und auch die Kontaktpflege untereinander war nicht mehr so intensiv, wie früher.

Kurz nach 19 Uhr hiess es dann endgültig Abschied nehmen, da wir ja noch eine mehrstündige Rückfahrt vor uns hatten. Leider wurden wir dabei vom herannahenden Tiefdruckgebiet nicht verschont und so schüttete es bis Cloppenburg / Osnabrück wie aus Eimern und erst kurz vor Bremen war es dann fast trocken. Daher benötigten wir für die Rückfahrt immerhin fast vier Stunden.

Für uns Nordlichter ist die BoHeTa zwar immer mit weiten Anreisewegen verbunden, aber die Mühe lohnt sich. Es wäre nur schön, wenn wir hier im hohen Norden auch mal wieder etwas ähnliches auf die Beine bekommen könnten.

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