Friedrich Wilhelm Bessel (1784-1846),

am 22. Juli 1784 zu Minden bei Hannover geboren, kam eher auf Umwegen zur Astronomie. Er verließ als fast 15 jähriger die Schule, um in einem Bremer Handelskontor eine Kaufmannslehre zu beginnen. Nach deren erfolgreichem Abschluß arbeitete er als Buchhalter bei seinem Lehrmeister. Da er die Teilnahme an Reisen in ferne Länder in Aussicht gestellt bekam, beschloß Bessel, sich Kenntnisse der Navigation und somit der Astronomie, sowie einiger Fremdsprachen, anzueignen.

Sein Interesse für die Himmelskunde wurde insbesondere durch persönliche Kontakte zu Dr. Heinrich Wilhelm Mathias Olbers (1758-1840) in Bremen und Johann Hieronymus Schroeter in Lilienthal geweckt. Um sein erworbenes Wissen praktisch anzuwenden, baute Bessel einen Sextanten, mit dem er Längenbestimmungen aus Sonnenbeobachtungen ausführte.

Die tiefgreifendste Veränderung in Bessels bisherigem Leben wurde durch die Neuberechnung der Bahnelemente des Halleyschen Kometen eingeleitet. Er hatte aus den etwa 200 Jahre zurückliegenden Beobachtungen von Thomas Harriot, dem Mitentdecker der Sonnenflecken, die Bahnelemente verbessert. Auf Anregung seines Freundes Dr. Olbers veröffentlichte Bessel die Daten in einer angesehenen astronomischen Fachzeitschrift.

Sowohl Dr. Olbers als auch der berühmte Baron von Zach waren begeistert ob der Genauigkeit und Präzision der Besselschen Berechnungen. Daraufhin verhalf Olbers ihm 1806 zu einer Stelle als Assistent bei der Sternwarte zu Lilienthal. Dort bildete er sich als Autodidakt weiter und erwarb ein mathematisches Wissen, das ihm gestattete, die Bahn des ,,Kometen von 1807" exakt zu berechnen, wofür er von der Pariser Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet wurde.

1810 folgte Bessel dem Ruf der Universität Königsberg, wo er als Professor den Lehrstuhl für Astronomie in Aussicht gestellt bekam. Zudem hatte er den Auftrag erhalten, dort eine Sternwarte zu errichten, die 1813 tatsächlich fertiggestellt und ihrer Bestimmung übergeben werden konnte.

Die Jahre an der Königsberger Universität zählen zu den produktivsten in Bessels Leben. Er verfaßte mehrere Arbeiten zu grundlegenden Problemen der Positionsastronomie, die schließlich in den 1818 veröffentlichten ,,Fundamenta Astronomiae" gipfelten. Bessel hatte hierzu u.a. die von James Bradley (1692-1762) durchgeführten Beobachtungen zur Aberration des Lichtes zu Hilfe genommen, und unter dem Titel ,,Tabulae Regiomontanae" neue Tafeln für die Reduktion von Meridianbeobachtungen herausgebracht. Bereits 1820 war in Königsberg das in München von Georg von Reichenbach, einem Spezialisten für die Herstellung wissenschaftlicher Instrumente, erbaute Meridianfernrohr aufgestellt worden.

Zum weiteren Wirken Bessels in Königsberg gehörten zahllose astronomische Vorlesungen zur Positionsbestimmung und der Berechnung von Planeten- und Sternbewegungen, die er fast jeden Abend vor ausgewähltem Publikum hielt.

Zwischen 1821 und 1825 bestimmte er die Positionen von fast 32.000 Sternen im äquatorialen Koordinatensystem, während er sich in den kommenden Jahren, besonders nach der Eröffnung der Königsberger Sternwarte, von der theoretischen Astronomie abwandte und sich der reinen Beobachtung widmete. Freilich mit dem Hintergedanken, weiterhin Grundlagen für die Bewegung von Sternen und Planeten aufzustellen und diese fortwährend zu verbessern. Seiner Ansicht nach, war es die einzige Aufgabe der Astronomie, beständige Regeln für die Bewegungen im Weltall zu finden.

In den Jahren von 1830 - 1832 nahm Bessel mehrere Durchmesserbestimmungen beim Ringplaneten Saturn vor, wobei er feststellte, daß der Polardurchmesser geringer war als der äquatoriale. Er führte dies jedoch auf eine optische Täuschung zurück, hervorgerufen durch die Kantenstellung des Ringsystems.

Seinen größten Ruhm errang er 1838 durch die Bestimmung der Parallaxe von 61 Cygni. Der Gedanke, der hier vorausging, war, daß die Entfernung zu den nächsten Sternen mit Hilfe trigonometrischer Methoden bestimmt werden könne. Dazu wurde der Durchmesser der Erdbahn als Basis gewählt. Der Winkel unter dem 61 Cygni im Abstand von 6 Monaten vor den Hintergrundsternen versetzt erschien -die Parallaxe- mußte ermittelt werden, um hieraus die Entfernung abzuleiten. Warum ausgerechnet 61 Cygni für diese Untersuchung herhalten mußte, lag in seiner bemerkenswert hohen Eigenbewegung. Für Bessel ein Hinweis auf dessen relative Nähe, denn der Versuchsstern mußte nahe genug sein, da die Parallaxe sonst zu klein wäre, um noch zu verläßlichen Ergebnissen zu kommen. Bei weiter entfernten Objekten greifen die Astronomen heute auf weitaus bessere Methoden zur Entfernungsbestimmung, z.B. die Ableitung aus der Rotverschiebung der Galaxien in Verbindung mit dem Doppelsterneffekt, zurück.

F.W. Bessel bestimmte die Parallaxe von 61 Cygni zu 0,6 Bogensekunden und leitete daraus die Entfernung von 11,3 Lichtjahren ab. Für diese bahnbrechende Arbeit erhielt er 1841 die Goldmedaille der "Royal Astronomical Society". Im gleichen Jahr bestimmten dann W. Struve (1793-1864) und der Engländer Henderson die Parallaxen von Wega und alpha Centauri, dem mit 4,3 LJ Entfernung nächsten Fixstern der Erde.

Friedrich Wilhelm Bessel hatte damit nicht nur das Werk von F. W. Herschel (1738-1822) vollendet. Als er am 17. März 1846 in Königsberg verstarb, war durch seine ,,Entdeckung" ein erster Schritt zur Entfernungsbestimmung von Fixsternen und eine abermalige Korrektur des noch aus dem Mittelalter stammenden Weltbildes begründet worden.

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